Homberg (Ohm) ist eine Stadt im mittelhessischen Vogelsbergkreis.
Geografie Geografische Lage Der staatlich anerkannte Luftkurort Homberg liegt etwa 19 km südöstlich von Marburg am Südostrand des Amöneburger Beckens (Ohmtalsenke) und an den Südwesthängen des zum Nördlichen Vogelsberg-Vorland gezählten, 358 m hohen Hochberges (in Homberg auch Hoher Berg genannt) und seiner Ausläufer (im Osten die 349 m hohe Wilchesburg).
Jenseits der Teile der Stadt auf gut 200 m über NN durchfließenden Ohm, eines Nebenflusses der Lahn, liegen der Stadt unmittelbar südlich der 331 m hohe Herrmannsberg und etwa fünf Kilometer westnordwestlich die 407 m hohe Mardorfer Kuppe gegenüber – beides Erhebungen des Lumda-Plateaus („Vorderer Vogelsberg“).
Während Vorderer Vogelsberg und Nördliches Vogelsberg-Vorland den Vogelsberg zwar im Namen tragen, indes noch zum Westhessischen Bergland gehören, trifft gut vier Kilometer südlich der Kernstadt die Gemarkung Hombergs auf den Unteren Vogelsberg, der, wenngleich nicht in der Höhe, so doch geologisch schon zum Vogelsberg im erweiterten Sinne gezählt werden kann und, wie dieser auch, zum Osthessischen Bergland gehört.
Allen umgebenden Höhenzügen ist gemein, dass sie zu weniger als der Hälfte ihrer Fläche bewaldet sind und eine hohe Dichte an Windkraftanlagen aufweisen.
Nachbargemeinden Homberg grenzt im Norden an die Stadt Stadtallendorf (Landkreis Marburg-Biedenkopf), im Nordosten an die Stadt Kirtorf, im Südosten an die Gemeinde Gemünden, im Süden an die Gemeinde Mücke, im Südwesten an die Stadt Grünberg und die Gemeinde Rabenau (beide Landkreis Gießen), im Westen an die Gemeinde Ebsdorfergrund sowie im Nordwesten an die Stadt Amöneburg (beide Landkreis Marburg-Biedenkopf).
Stadtgliederung Die Stadt Homberg besteht neben der namengebenden Kernstadt aus den Stadtteilen Appenrod, Bleidenrod, Büßfeld, Dannenrod, Deckenbach, Erbenhausen, Gontershausen, Haarhausen, Höingen, Maulbach, Nieder-Ofleiden, Ober-Ofleiden und Schadenbach.
Geschichte Überblick König Heinrich IV. schenkte im Jahre 1065 auf Wunsch seiner Mutter Agnes von Poitou dem Kloster Hersfeld zehn Hufen mit allem Zubehör im Ort „Hohunburch“ in der Grafschaft Werners III. im Lahngau: „... X mansos ad locum qui dicitur Hohunburch pertinentes in comitatu Wernheri et in pago Lognahi sitos ...“Hans Weirich: Urkundenbuch der Reichsabtei Hersfeld. Band 1,1. Marburg 1936. Nr. 105, S. 188. Dies ist die erste urkundliche Erwähnung Hombergs. Die zehn Hufen entstammten aus Reichsgut, das sich im Umfeld von Homberg seit der Karolingerzeit nachweisen lässt.Fred Schwind: Homberg im Mittelalter. in: ders. (Hrsg.): Homberg an der Ohm. Eine oberhessische Stadt von den Anfängen bis zur Gegenwart. S. 1–28. S. 3 f. Im Jahre 1146 wurde eine weitere Schenkung an das Kloster Hersfeld erwähnt, diesmal von König Konrad III., der die Hälfte seines Besitzes an das Kloster abtrat, allerdings mit dem ausdrücklichen Vermerk, dass der Berg selbst im königlichen Besitz zu bleiben habe. Aus diesen Angaben kann man schließen, dass sich wahrscheinlich schon im 12. Jahrhundert eine Burg in Homberg befunden haben muss. Auch die Verleihung des Stadtrechts lässt sich nicht genau datieren; die erste Erwähnung Hombergs als Stadt stammt aus dem Jahr 1234: „... in opido nostro Honburc ...“ (in unserer Stadt Homburg).Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 1, Nr. 45, S. 45. Daneben gibt es einige weitere Belege, dass es zu dieser Zeit in Homberg schon eine feste Stadtstruktur gab. mini|Schloss (2009) Auf dem Schlossberg bei Homberg befindet sich die Ruine der Burg Homberg (Schloss Homberg) aus dem 11. Jahrhundert.
Der Ortsname Homberg leitet sich von mhd. „hoch“ ab.Friedrich Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage Berlin 1967. bearbeitet von Walther Mitzka. S. 312. Demnach ist Homberg „die Befestigung und Siedlung auf dem hohen Berge“.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 187 f. Um sich von Homberg (Efze) zu unterscheiden, wurde im 15. Jahrhundert (1471) zum Ortsnamen „uff der Ame“Eduard Erwin Becker: Riedeselsches Urkundenbuch. 1200–1500. Offenbach 1924. Nr. 1116. hinzugefügt.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. S. 188.
Das erste Wappen Hombergs zeigt ein für eine landgräfliche Stadt dieser Tage typisches Motiv: eine stilisierte Stadtburg über einem Kleeblattbogen, unter dem ein Löwe nach links geht. Dieses Wappen und auch die intensiven Bemühungen des thüringischen Landgrafen um Städtegründungen lassen darauf schließen, dass es diese Landgrafen waren, denen Homberg seine lange Geschichte als Stadt verdankt. Auf diese Weise wurden auch eine Reihe weiterer Städte gegründet, so auch Alsfeld und Marburg. Die Landgrafen hatten das Ziel, finanzielle und militärische Stützpunkte im Land zu schaffen, um so das Land zu sichern.
Die auf die Ludowinger folgenden hessischen Landgrafen übernahmen diese Strategie. Homberg erlangte als Sitz eines landgräflichen Amtes und eines Stadt- und eines Landgerichts Bedeutung. Nach einem Eintrag aus dem Jahr 1587 gehörten zum Amt Homberg noch die Dörfer Appenrod, Büßfeld, Deckenbach, Höingen, Ehringshausen, Gontershausen, Haarhausen, Maulbach, Nieder-Ofleiden, Ober-Ofleiden, Schadenbach, Rülfen und das Gut Wäldershausen. Diese Einteilung ist fast unverändert auch bei der Gemeindereform von 1972 übernommen worden, wobei Ehringshausen und Rülfenrod nicht zur Stadt Homberg gehören, dafür aber Maulbach, Bleidenrod und Dannenrod. Hombergs Burg diente als Amts- und Wohnsitz für landgräfliche Beamte. Die Burg lässt auch in ihrem heutigen Erscheinungsbild noch einiges aus der Zeit des 13. und 15. Jahrhunderts entdecken, wenn auch der Bergfried im Dreißigjährigen Krieg endgültig zerstört wurde. In den folgenden Jahren wurde die Burg selbst oft als Pfand verliehen, da die Landgrafen Geld von den Adligen der Umgebung leihen wollten.
1567 starb Landgraf Philipp der Großmütige. Er hatte in seinem Testament verfügt, dass Homberg zu Hessen-Marburg gehören solle, aber bereits nach dem Tod des kinderlosen einzigen Landgrafen von Hessen-Marburg, Ludwig IV., im Jahre 1604 kam die Stadt zu Hessen-Darmstadt.
Im Mittelalter spielte Homberg nicht nur als Gerichts- und Verwaltungsknotenpunkt eine wichtige Rolle am Rande des Vogelsberges. Schon im 13. Jahrhundert wird in Homberg eine Münzstätte erwähnt. Daneben sorgte die verkehrsgünstige Lage zwischen den Handelsplätzen Leipzig und Frankfurt auch für eine gute Entwicklung als Marktstandort. Schon Philipp der Großmütige hatte Homberg 1554 die ersten Marktprivilegien verliehen. Sechs Vieh- und Krammärkte wurden pro Jahr abgehalten, von denen sich der am dritten Mittwoch im Oktober abgehaltene Kalte Markt bis heute erhalten hat. Mehr wirtschaftlicher Betrieb kam in der Stadt mit der Wein- und Branntweingerechtsame (ab 1671) und der Bierbrauerei auf. Schulen wurden schon ab 1529 erwähnt.
Die Stadtkirche, die bis heute wegen Geldmangels eine charakteristische Dachform aufweist, wurde schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts erbaut. Daneben gab es bis um 1700 eine noch ältere Burgkapelle, die dann aber verfiel. Dazu wird die Friedhofskapelle immer wieder erwähnt, die 1565 im spätgotischen Stil erbaut wurde. Grund der Erbauung einer eigenen Friedhofskapelle war die Verlegung des Begräbnisplatzes nach außen.
Der anfängliche wirtschaftliche Aufstieg Hombergs wurde durch Katastrophen und Epidemien stark gedämmt. Viele große Brände machten den Hombergern zu schaffen, besonders 1657 wurde fast die ganze Stadt bei einem Großfeuer zerstört. Auch der Dreißigjährige Krieg brachte Homberg wenig Gutes ein. Drei Feldzüge erreichten Homberg in den Jahren 1635, 1641 und 1646; dabei wurde die Stadt zerstört und verwüstet. Dagegen wurde Homberg im Siebenjährigen Krieg halbwegs verschont, hatte allerdings unter Einquartierungen zu leiden.
1750 hatte Homberg das erste Mal seit den großen Bevölkerungsverlusten im Dreißigjährigen Krieg wieder die 1.000-Einwohnergrenze erreicht. Mitte des 19. Jahrhunderts lebten in der Stadt rund 1.800 Menschen. In der Folgezeit schrumpfte die Bevölkerung wieder um ein Viertel, da viele Homberger in die USA emigrierten. Nach einer Volkszählung von 1840 hatte Homberg 1.743 Einwohner.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Homberg an der Ohm:
1938 hatte die Stadt 1.482 Einwohner, der amtliche Name lautete damals Homberg (Oberhessen).Müllers Großes Deutsches Ortsbuch. 7. Auflage, Wuppertal-Barmen 1938, S. 455.
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Stadt mehr und mehr zu einem Mittelzentrum für das mittlere Ohmtal, wozu auch die Ansiedlung von industriellen Betrieben maßgeblich beitrug.
Am 20. Dezember 1973 wurde der Stadtname Homberg (Kreis Alsfeld) amtlich in Homberg (Ohm) geändert; der Landkreis war bereits am 1. August 1972 aufgelöst worden und im Vogelsbergkreis aufgegangen.
Eingemeindungen 1971 Am 1. Oktober 1971 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständigen Gemeinden Appenrod, Bleidenrod, Büßfeld, Dannenrod, Erbenhausen, Gontershausen, Haarhausen, Höingen, Maulbach, Ober-Ofleiden und Schadenbach auf freiwilliger Basis als Stadtteile nach Homberg (Ohm) eingegliedert. Am 31. Dezember 1971 kamen Deckenbach und Nieder-Ofleiden hinzu. Für alle durch die Gebietsreform nach Homberg eingegliederten Gemeinden und die Kernstadt wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Homberg (Ohm) angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Homberg an der Ohm ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Homberg an der OhmDie Zugehörigkeit des Amtes Homberg an der Ohm anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Homberg an der Ohm 1604–1648: strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg), Amt Homberg an der Ohm ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt Homberg an der Ohm ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Homberg an der Ohm ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk KirtorfTrennung zwischen Justiz (Landgericht Homberg an der Ohm) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Alsfeld ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Alsfeld ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Alsfeld ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Alsfeld ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Vogelsbergkreis ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Vogelsbergkreis
Gerichte seit 1803