mini|Bilderschau der Düsseldorfer Künstler in der Kunstakademie (von links): Wilhelm von Schadow, Ernst Deger, Franz Ittenbach, Xaver Steifensand, Karl Josef Ignatz Mosler, Johann Peter Hasenclever, Johann Wilhelm Preyer, Johann Wilhelm Schirmer, Carl Wilhelm Hübner, Carl Friedrich Lessing, Henry Ritter, Adolf Schrödter, Caspar Scheuren, Karl Schnaase, Friedrich Boser Franz Xaver Steifensand (* 9. Januar 1809 in Kaster; † 6. Januar 1876 in Düsseldorf) war ein deutscher Kupfer- und Stahlstecher, Zeichner und Illustrator der Düsseldorfer Malerschule.

Leben Der in Kaster geborene Franz Xaver Steifensand war eines von acht Kindern des Heinrich Joseph Steifensand (1745–1840), geboren in Mainz, und der Amalia Derscheid (1778–1828) aus Oberingelheim, die sich zum Ende der Franzosenzeit im Jahr 1803 in Kaster angesiedelt hatten. Sein Bruder war der Komponist und Pianist Wilhelm Steifensand (1812–1882).

Xaver Steifensand erlernte das Handwerk des Kupferdruckers und Kupferstechers in der Bonner Kupferdruckerei Schulgen-Bettendorff. Sein dortiger Lehrmeister war in erster Linie Kupferdrucker und die hergestellten Platten nur selten künstlerischer Natur. Für seine fundierte künstlerische Ausbildung ging Steifensand deshalb mit 21 Jahren an die Kunstakademie Düsseldorf, zuerst in die Vorbereitungsklasse von Carl Ferdinand Sohn, dann in die Kupferstecherklasse seines Schwagers Joseph von KellerLebenslauf: Joseph von Keller, Schwager von Xaver Steifensand, Landschaftsverband Rheinland, abgerufen am 25. Juni 2016, bis er in die Meisterklasse von Wilhelm von Schadow gelangte. Eine weitere Ausbildung erhielt er bei Jakob Felsing in Darmstadt.Steifensand (Xaver), Kupferstecher: Schüler der Akademie zu Düsseldorf und von Felsing, in Repertorium der bei der Königl. Kunst-Akademie zu Düsseldorf aufbewahrten Sammlung, Künstlerverzeichnis, S. 266 Der vormals in „Punktmanier“ ausgebildete Steifensand entwickelte bis zur Vollendung der Platten konsequent die Methode des „Linienstichs“, mit der Gemälde in allen Schattierungen wiedergegeben werden konnten.

Sein erstes größeres Werk vollendete er 1844 mit dem Stahlstich Das Gewitter nach Jakob Becker, welches durch den Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen eine weite Verbreitung gefunden hatte und den jungen Künstler zugleich bekannt machte.Das Gewitter, Stahlstich von Xaver Steifensand (1809–1876) nach dem Gemälde, 1840, von Jakob Becker (1810–1872). 32,7 × 45,4 cm. Berlin, Sammlung Archiv für Kunst und Geschichte. In den folgenden Jahren brachte es Steifensand in seinem Beruf zu großem Ansehen und wurde führender Reproduktionsstecher der Düsseldorfer Malerschule. Im Jahr 1846 schloss er sich dem Verein der Düsseldorfer Künstler zu gegenseitiger Unterstützung und Hülfe an und zwei Jahre später war er einer der Mitbegründer des Künstlervereins Malkasten. Die Berliner Königlich Preussische Akademie der Künste verlieh ihm 1873 den Titel eines Professors.

Xaver Steifensand heiratete 1837 Margaretha (1813–1896) aus der Familie Schulgen.Totenzettel Margaretha Steifensand, auf rhein-erft-geschichte.de, abgerufen am 25. Juni 2016. Um 1872 hatte Steifensand den Sitz der Kupferdruckerei „Schwan & Steifensand“ in der Poststraße 22.Steifensand, Xav., Kuperst.; Uffocie der Firma: Schwan u. Steifensand. Poststr. 22, in Adreßbuch der Oberbürgermeisterei Düsseldorf, 1872Steifensand, Xaver, Professor, Kuperst.; Uffocie der Firma: Schwan u. Steifensand. Poststr. 22, in Adressbuch der Oberbürgermeisterei, 1875 Im Jahre 1876, im Alter von 67 Jahren, starb Xaver Steifensand und wurde in einem Düsseldorfer Ehrengrab begraben.Totenzettel: Franz Xavier Felix Steifensand, auf rhein-erft-geschichte.de, abgerufen am 25. Juni 2016. Seine Frau Margaretha war 1889 noch an der Adresse ansässigSteifensand, Margarethe (Teilhaberin der Firma Schwan & Steifensand), Poststr. 22; Steifensand, Xaver, Wwe., geb. Schulgen, Rentnerin (Teilhaberin der Firma Schwan & Steifensand), Poststr. 22, in: Adressbuch der Oberbürgermeisterei, 1889 führte die Kupferdruckerei der Königlichen Kunstakademie C. Schulgen-Bettendorff (Schwan & Steifensand) mit Erwin von Schütz und ihrer Tochter Margarethe Steifensand in der Elisabethstraße 42, Düsseldorf weiter.Schwan & Steifensand, Elisabethstr. 42, in: Adressbuch der Stadt Düsseldorf, 1895 Der Miteigentümer der Kupferdruckerei Wilhelm Schwan, verheiratet mit Anna Schulgen, verstarb im Jahre 1898.Totenzettel: Wilhelm Schwan

Ehrungen An den Kupferstecher Xaver Steifensand erinnert in Kaster heute noch eine Straße, die Steifensandstraße. Ein Porträtbild von Steifensand, gemalt 1849 von Clemens Bewer, hängt im Düsseldorfer Stadtmuseum.

Werk mini|Die Anbetung der Könige, 1873, nach Paolo Veronese mini|Die klugen und die törichten Jungfrauen, nach Friedrich Overbeck Xaver Steifensand stach mit an den Gesamtausgaben deutscher Dichterfürsten wie Schillers „Sämmtliche Werke“ und Szenen aus Goethes „Faust“ (Teil I und Teil II) und beteiligte sich mit Stahlstichen an den „Darstellungen aus den Evangelien“ nach Friedrich Overbeck.Darstellungen aus den Evangelien nach vierzig Originalzeichnungen von Friedrich Overbeck. Im Besitze des Freiherrn Alfred von Lotzbeck auf Weyhern gestochen von B. Bartoccini, Jos. Keller, Fr. Keller, F. Ludy, F. Massau, H. Nüsser, F. A. Pflugfelder, X. Steifensand u. A..Düsseldorf Schulgen [1850/52]. 1850 Auch schuf er Bildnisse und die in seiner Zeit verbreiteten, nazarenisch inspirierten Gebetbuchbilder des Vereins zur Verbreitung religiöser Bilder in Düsseldorf, welcher 1841 unter dem Patronat von Johannes von Geissel gegründet war.Carsten Kretschmann: Wissenspopularisierung: Konzepte der Wissensverbreitung im Wandel, Akademie Verlag, Berlin, 2003, ISBN 3-05-003770-9 S. 271 Die Krönung seines Schaffens war 1873 der Stich „Die Anbetung der heiligen drei Könige“ nach Vorlage von Paolo Veronese.Die Anbetung der heiligen drei Könige, Xaver Steifensand Stecher; Nachstich von: Caliari, Paolo (1528)

Werke (Auswahl) Rheinlandssagen, Radierung nach Alfred RethelAbbildung Rheinlandssagen, in Deutsche Fotothek Daniel in der Löwengrube, Kupferstich nach Alfred RethelDaniel in der Löwengrube, in Deutsche Fotothek Perikles, 1844, Stahlstich nach Zeichnung von Alfred Rethel S. Catharina, Radierung nach RaffaelS. Catharina, in Deutsche Fotothek S. Alphonse, Stahlstich nach Emanuel Kratky Die klugen und die törichten Jungfrauen (Virgines prudentes et fatuae), 1844, nach Vorlage Friedrich Overbeck Madonna mit dem schlafenden Kinde, 1846 nach Vorlage Friedrich Overbeck Gefangennehmung des Papstes Paschalis II. durch Heinrich V., nach Carl Friedrich Lessing Nikolaus Kopernikus, um 1850, Stahlstich nach Adolf von MenzelAbbildung Kopernikus, in Deutsche Fotothek Romulus Himmelfahrt, um 1850, Stahlstich nach Cherubino Alberti (1553–1615)Romulus Himmelfahrt (nicht digitalisiert), in Deutsche Fotothek Mirjams Lobgesang, Stich nach Christian KöhlerFriedrich Schaarschmidt: Zur Geschichte der Düsseldorfer Kunst, insbesondere im XIX. Jahrhundert, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf 1902 (Digitalis S. 82) Kaiser Friedrich II. und der Kanzler Peter de Vineis, 1847, Stahlstich nach Julius SchraderFriedrich Schaarschmidt: Zur Geschichte der Düsseldorfer Kunst, insbesondere im XIX. Jahrhundert, Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf 1902 (Digitalisat S. 102) Reinekes Vater heilt den alten König aus Reineke Fuchs (Goethe), Stich nach Zeichnung von Wilhelm von Kaulbach Die Himmelkönigin mit dem Christkinde, um 1857, nach Carl MüllerDie Dioskuren: deutsche Kunstzeitung; Hauptorgan der deutschen Kunstvereine, Nr. 1, 1. Januar 1857, S. 68, Digitalisat bei der Universitätsbibliothek Heidelberg. Adelbert von Chamisso, PorträtStich Adelbert von Chamisso, auf Tripota, abgerufen am 23. Juni 2016 Karl Immermann, Porträt, Stahlstich nach Carl Friedrich LessingAbbildung Karl Immermann, auf Digitaler Porträtindex Ferdinand Franz Wallraf, Porträt, Stich nach Egidius MengelbergXaver Steifensand (Kaster 1809 – 1876 Düsseldorf): Ferdinand Franz Wallraf, 1861, Stich nach dem Wallraf-Porträt von Egidius Mengelberg. Wallraf-Richartz-Museum, Graphische Sammlung. Inv. Nr. WRM Dep. 1998/1 Der sterbende Goetz von Berlichingen

Literatur Hermann Josef Bremer: Xaver Steifensand, ein Sohn des Erftlandes. In: Erftland. Beiträge zur Geschichte der Heimat, Beilage zum Erft-Boten, Bedburg, Jg. 2 (1925), Heft 7, S. 53–56.

Hermann J. Mahlberg: Zum 100-jährigen Todestag des Kunstprofessors Xaver Steifensand aus Kaster. In: Erft-Echo, Bedburg, Januar 1976.

Weblinks

Markus Clemens: Heimatkunde: Wieso Steifensandstraße?, Kölner Stadtanzeiger Xaver Steifensand: Szene aus Goethes Faust auf Artnet Suchergebnisse für Xaver Steifensand in der Deutschen Digitalen Bibliothek

Einzelnachweise

Kategorie:Kupferstecher (Deutschland) Kategorie:Grafiker (Deutschland) Kategorie:Maler (Düsseldorfer Malerschule) Kategorie:Nazarener Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1809 Kategorie:Gestorben 1876 Kategorie:Mann