mini|Ostseite (2013) mini|hochkant|Das Treppenhaus an der Westseite des Turmes (2011)

Sankt Martinus in Ollheim ist eine in den Jahren 1906 und 1907 im neuromanischen Stil erbaute römisch-katholische Kirche. Sie liegt in der Kirchstraße 25 und verfügt über nennenswerte Kirchenfenster sowie eine historisch bedeutsame Orgel. Das Gebäude wurde 1993 in die Denkmalliste der Gemeinde Swisttal aufgenommen.Ollheim, lfd Nr. 13, Denkmalschutzaufnahme, Teil A der Denkmalliste der Gemeinde Swisttal, gem. Denkmalschutzgesetz Nordrhein-Westfalen (DSchG NRW).

Geschichte Im fränkischen Reich befand sich beim rund neun Kilometer entfernten Flamersheim ein Königsgut (Villa regia nomine flameresheim), errichtet auf den Ruinen eines römischen Kastells.Franzjosef Habitz: Vom Rhein zur Ahr. In: Heimatblätter der Bonner Rundschau. Nr. 10/1957, unter: St.-Martins-Kirchen im Bezirk Rheinbach, bei: www.flerzheim.de (Ortsausschuss Flerzheim e.V.). Der Wirtschaftshof dieses Gutes trug den Namen Hockebur. Ende des 9. Jahrhunderts wurde die Villa und das Gut von einfallenden Normannen zerstört.

Da der heilige Martin von Tours der Lieblingsheilige der fränkischen Hausmeier und Könige war, trug die Hofkapelle von Hockebur dessen Patrozinium. Die meisten Kapellen in den Hockebur unterstellten Gütern in der Umgebung wurden ebenfalls dem heiligen Martin gewidmet; neben Ollheim betraf das auch die Ortschaften Hilberath, Rheinbach, Ipplendorf, Esch, Euskirchen sowie Stotzheim.

Erstmals im Jahr 1064 wurde ein katholisches Gotteshaus in Ollheim erwähnt. Es handelte sich um die Großkapelle des damals größten ortsansässigen Hofes.Marie Antoinette di Donato: Schöne Historie, wenig Trubel Ortsvorsteher Matthias Simon führte durch Ollheim, 8. Januar 2014, Bonner General-AnzeigerPeter Jurgilewitsch, Wolfgang Pütz-Liebenow: Die Geschichte der Orgel in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis. Bouvier, 1990, ISBN 978-3-416-80606-0. Im genannten Jahr wurde die neugegründete Benediktinerabtei in Siegburg mit der Hälfte des Patronats der Ollheimer Kirche dotiert.Paul Clemen, Ernst Polaczek: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Köln (= Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, Band 4). L. Schwann, 1897, S. 338.Hans-Paul Müller, Die Herrschaft Tomburg und ihre Herren bis zum Ausgang des Mittelalters, Bonn, 1970, S. 233 Dieses Kirchengebäude war ein romanischer Pfeilerbau; die Kirche wurde im Jahr 1732 konsekriert. Vor der Revolution war die Abtei Siegburg Zehntherr und Patron der Kirche.Christian, Stramberg und Anton Joseph Weidenbach: Denkwürdiger und nützlicher Rheinischer Antiquarius: welcher die wichtigsten und angenehmsten geographischen, historischen und politischen Merkwürdigkeiten des ganzen Theinstroms, von seinem Ausflusse in das Meer bis zu seinem Ursprunge darstellt. Teil 3, Band 13. R. F. Hergt, 1867, S. 101 In Friedrich von Restorffs Topographisch-Statistischer Beschreibung der Königlich Preußischen Rheinprovinzen von 1830 wird die Katholische Pfarrkirche St. Martin genannt. Aufgrund ihrer Baufälligkeit wurde sie schließlich abgerissen.

An gleicher Stelle entstand 1906/1907 das heutige Gebäude im neuromanischen Stil. In den Jahren 1974/1975 fand eine umfassende Renovierung statt. Der 40 Meter hohe Kirchturm ist heute sichtbares Wahrzeichen des Ortes. Die St.-Martinus-Pfarrgemeinde wird im Seelsorgebereich Swisttal (Kreisdekanat Rhein-Sieg-Kreis, Erzbistum Köln) von Seelsorgern des Michaeliten-Ordens betreut. des Erzbistums Köln.

Architektur Die Kirche verfügt als Basilika über drei neoromanisch ausgestaltete Schiffe (Mittelschiff und zwei niedrigere Seitenschiffe) und ein Querschiff und ist aus Backstein errichtet. Der dreiseitig geschlossene Chor wird von Sakristeianbauten flankiert. Der vorgelagerte rechteckige und über die Breite des Mittelschiffes laufende Südturm mit seinem zweisäuligen, neuromanischem Stufenportal ist von einem Rhombenhelm gedeckt. An der Westseite des Turmes befindet sich ein halbhoher, steinerner Treppenturm mit einer Wendeltreppe. Die Maßwerkfenster sind in eine Sandsteinrahmung gesetzt. Die beiden Enden des Querschiffs und der Turm (Orgelempore) verfügen über große Rosetten. Eine kleine Rosette befindet sich über dem Osteingang im Turm.

Kirchenfenster Die Fenster der Ollheimer Kirche lieferte das Unternehmen Glasmalerei W[ilhelm] Derix Kevelaer und Goch im Jahr 1908 (so signiert). Friedrich Stummel hatte die Fenster entworfen. Verwendete Gestaltungsformen sind Ornamente (dabei auch: Flechtband-Ornamente, Florale Ornamente, Floralee Ornament mit Puttenköpfen und Vögeln) sowie Motive: Maria in der Mandorla, Die Heilige Anna mit Maria, Christus – der gute Hirte, Der Heilige Martin, der seinen Mantel mit dem Bettler teilt, Cäcilia von Rom mit einer Orgel (Patronin der Kirchenmusik, in einer Rosette) und die Erz- und Schutzengel Raphael und Michael, letzterer dargestellt als Schutzpatron Deutschlands (beide in Rosette).Swisttal-Ollheim, Kath. Kirche St. Martinus, Stiftung Forschungsstelle Glasmalerei des 20. Jahrhunderts e.V.

Glocken Sankt Martinus verfügt über drei Bronze-Glocken. Von den ursprünglich im Jahr 1928 in Apolda gegossenen Glocken wurden die zwei größeren (Christ-Königs-Glocke, Martinus-Glocke) im Zuge der staatlichen Glockenbeschlagnahmung während des Zweiten Weltkriegs abgenommen und abtransportiert. Es gibt keine Unterlagen über den Verbleib dieser beiden Glocken, von einer Einschmelzung kann ausgegangen werden. Nur die kleinste Glocke (Jubiläums-Glocke) verblieb damals in der Kirche. Das Geläut wurde nach dem Krieg durch zwei 1959 in Gescher gegossene Glocken wieder ergänzt.

Heute werden alle drei Glocken im Läutedienst eingesetzt. Eine klangliche Beurteilung des heutigen Geläutes wurde von Musikdirektor Jakob Schaeben (1905–1980) erstellt. Danach liegen die Vibrationsenergie und das Singtemperament der Altglocke 35 % unter dem seit 1951 geforderten Wert – nicht untypisch für qualitativ mangelhafte Zwischenkriegsbronzen. Die beiden Neuglocken seien dagegen bestens gelungen.Gerhard Hoffs, Achim Bursch: , 2014, S. 161 ff.

Nr. Name Gussjahr Gießer Durchmesser(mm) Masse(kg) Schlagton(HT-1/16) 1 Jubiläums-Glocke 1928 Gebr. Ulrich, Apolda 1005 670 gis' +3 2 Christ-König-Glocke 1959 Hans Georg Hermann Maria HüeskerPetit & Gebr. Edelbrock, Gescher 1310 1400 dis' +1 3 Martinus-Glocke 1959 Hans Georg Hermann Maria HüeskerFa. Petit & Gebr. Edelbrock, Gescher 1008 800 fis' +2

Die Jubiläums-Glocke von 1928 ist im Konstruktionstypus Schwere Rippe gestaltet, ihr Abklingverlauf ist „unruhig“. Sie führt ein Blumendekor als Zierfries an der Glockenschulter und folgende Inschrift:

Die große Christ-König-Glocke von 1959 (Konstruktionstyp: Mittelschwere Rippe, Abklingverlauf: „schwebend“) zeigt als Inschrift:

Die mittelgroße Martinus-Glocke von 1959 (Konstruktionstyp: Mittelschwere Rippe, Abklingverlauf: „steht“) führt folgende Inschrift:

Christian-Ludwig-König-Orgel Die Orgel der Kirche ist historisch und überregional bedeutend.Heiner Meurs: Die Entwicklung einer Orgel – vom Denkmal zum Unikat. Auf einer Website der Katholischen Kirchengemeinde St. Martinus Ollheim: www.koenigorgel.de. Es handelt sich um ein Instrument des Kölner Orgelbauers Christian Ludwig König, einem prominenten Orgelbauer des rheinischen Barocks, der im 18. Jahrhundert im nördlichen Rheinland wirkte. König hatte damals bereits die Orgel der Hofkirche St. Maximilian zu Düsseldorf und die der Schlosskirche von Schleiden gebaut, sein Vater die des Klosters Steinfeld.Heiner Meurs: Zur Wiedereinweihung und Geschichte der König-Orgel in Ollheim. In: Pfarrgemeinderat Swisttal (Hrsg.): Gemeinsam unterwegs – Pfarrbrief des katholischen Seelsorgebereichs Swisttal, Ausgabe: Juli 2014, S. 12f. 1768 fertigte er die heute in der Ollheimer Kirche stehende Orgel. Sie gilt als die am originalgetreusten erhaltene von den insgesamt etwa 30 Orgeln, die König alleine oder in Zusammenarbeit mit seiner Familie in seiner Kölner Werkstatt gefertigt hat.

Das Gehäuse des Instrumentes, die Windlade und der Großteil des Pfeifenwerks einschließlich der Prospektpfeifen und Teile der Mechanik (wie die Manualklaviatur) sind original erhalten. Die Prospektpfeifen aus Zinn sind die einzig noch erhaltenen Pfeifen ihrer Art von König. Sie tragen die Originalsignatur ihrer Stimmhöhe und sind besonders kostbar und selten, da sie nicht, wie damals üblich, 1917 abgegeben werden mussten. Sie entgingen dem Schicksal der Einschmelzung vermutlich, weil die Orgel zu dem Zeitpunkt noch eingelagert war.Die Restaurierung der König-Orgel auf einer Website von St. Martinus Ollheim, 2015.

Die ursprüngliche Disposition der Orgel mit ihren neun Registern auf dem Manualwerk:Hermann Fischer, Hans-Wolfgang Theobald: Die rheinischen Orgelbauer Balthasar und Christian Ludwig König. S. 20, lfd. Nr. 43.

Manual C–d3Bordun D 16′ originalHohlpfeif 8′ originalGamba 8′ tlw originalPrincipal 4′ originalFlaut 4′ originalQuinte 3′ originalSuperoctav 2′ originalMixtur III 1′ 1948 ersetzt/2014Trompet B/D 8′ 1948 Schalmey 8’/2014 Pedal C–f0, seit 1968 C–c1 Subbass 16′ angehängt seit 1963 Octavbass 8′ 2014

Geschichte der Orgel Ursprünglich war die Orgel eine Stiftung der wohlhabenden Kölner Familie von Brackel zu Breitmar an das Kloster Schillingscapellen.Gerda Saxler-Schmidt: Ollheimer König-Orgel: Die Pfeifen werden zurzeit in der Bonner Firma Klais restauriert. In: Bonner General-Anzeiger, 29. Juli 2014. Die Stiftsdame Maria Lambertina Freiin von Brackel zu Breitmar (1705–1790) war 1767 zur Äbtissin von Schillingscapellen gewählt worden. Aus Dankbarkeit wurde dem Damenstift der Augustinerchorfrauen aus dem Vermögen ihres Vaters, des Patriziers Johann Lambert Freiherr von Brackel zu Breitmar († 1727), die Orgel finanziert.Kleinod rheinischen Orgelbauhandwerks in Swisttal-Ollheim: Die Christian-Ludwig-König-Orgel in St. Martinus. Wir in Swisttal, Rautenberg Media & Print Verlag, 17. Januar 2015. Bis 1769 wurde die Orgel gebaut und geliefert.

Als Schillingscapellen 1802 säkularisiert wurde, erwarb die Ollheimer Gemeinde die Orgel. 1806 wurde die Orgel zunächst in der vormaligen Ollheimer Kirche aufgebaut und 1917 nach vorübergehender Einlagerung in die neu erbaute Kirche umgesetzt.Swisttal-Ollheim/DE, St. Martinus, Website der Johannes Klais Orgelbau GmbH & Co. KG

Restaurierung der Orgel 1948/1949 erfolgte eine Überarbeitung der Anlage durch die Bonner Orgelbaufirma Kaes, unter anderem wurden zwei Register ersetzt. Später führte die Firma Schulte aus Kürten weitere Renovierungsmaßnahmen durch. Im Jahr 1964 kam es dann zu einer Überholung und teilweisen Instandsetzung durch Kaes; das Instrument wurde um ein zuvor angehängtes Pedal mit Subbass 16' erweitert. Die Orgel erhielt auch einen neuen Spieltisch unter Übernahme der alten Klaviatur. Die Herkunft des Gerätes wurde nicht im Detail geprüft; der damalige Orgelsachverständige des Erzbistums, der Kirchenmusikdirektor Hans Hulverscheidt schätzte ein Baujahr von 1760 bis 1780.