Die Bernhardinerinnen von Oudenaarde sind (seit etwa 1200) ein kleiner Zweig des Zisterzienserordens, der vor allem in der Krankenpflege und in der Schulbildung tätig ist. Heute bestehen rund 20 Klöster in Belgien und in Afrika.
Geschichte Seit dem Ende des 12. Jahrhunderts gab es zur Aufnahme von Alten, Kranken und Reisenden in Oudenaarde ein Liebfrauen-Hospital, das von Nonnen betreut wurde und 1202 von Balduin I. von Konstantinopel, Graf von Flandern eine Schenkung erhielt. Die Nonnen lebten nach einer 1224 von Walter von Marvis, Bischof von Tournai (1219–1251), erlassenen Regel. Sie kamen in den Besitz von 800 Hektar Land und unterhielten das Hospital mit den Pachtgeldern. Im Rahmen der reichlichen Gründung von Frauenklöstern im 13. Jahrhundert gab es ab 1232 Versuche, dem Hospital von Oudenaarde das Zisterzienserinnenkloster De Consilio Beatae Mariae (Moeder van Goede Raad) an die Seite zu stellen, das jedoch nach Ath ausweichen musste und dort unter dem Namen Maria Zuflucht (Refuge Notre-Dame) fortbestand. Die Ähnlichkeit der Lebensweise führte ab dem 14. Jahrhundert dazu, dass die Hospital-Schwestern gelegentlich den Zisterzienserinnen zugerechnet wurden, doch bestand die Gemeinschaft auf ihrer Unabhängigkeit von jedweder Kongregation und auf ihrer eigenen Regel, was sich auch in der Namensgebung als "Bernhardinerinnen" niederschlug.
Von 1566 (Eroberung von Oudenaarde durch den Geusen Jacob Blommaert) bis 1582 (Rückeroberung durch Alexander Farnese) hatte die Gemeinschaft arg zu leiden und floh zeitweise nach Courtrai. Neuerlich gefährdet war sie unter Kaiser Joseph II. und durch die Französische Revolution, konnte sich aber halten. Napoleon Bonaparte erkannte sie 1810 offiziell an unter der Bezeichnung "Dames de l’Hôpital de Notre-Dame". 1843 wurde in Bassevelde (heute Stadtteil von Assenede) eine weitere Gemeinschaft gegründet, die neben der Hospitalarbeit auch eine Schule für bedürftige Mädchen unterhielt, so auch 1848 in Oudenaarde. Ab dieser Zeit war der Name "Bernhardinerinnen" eingebürgert. So war 1858 die Rede vom "Ordo Sancti Bernardi Aldenardensis et Basseveldensis".
1932 griff die Gemeinschaft nach Afrika aus und gründete Missionsstationen, 1932 in Kansi (Ruanda), 1936 in Rwamagana (Ruanda), ferner 1983 im Tschad und 1995 in Burkina Faso. 1946 wurde die Gemeinschaft an den Trappistenorden affiliiert und nannte sich "Bernhardinerinnen-Zisterzienserinnen von Oudenaarde". Generalobere ist derzeit Noëlla Ghijs.
Klöster und Orte der Bernhardinerinnen in Belgien Moeder van Goede Raad, St.Walburgastraat 9, Oudenaarde Onze Lieve Vrouw van de Vrede, Hoogstraat 8, Oudenaarde Maria, Poort van Gods Genade, Hoogstraat 28a, Oudenaarde (Provinzialat) Maria, Koningin van de Apostelen, Hoogstraat 28b, Oudenaarde Moeder van de Kerk, St.-Jozefsplein 11, Oudenaarde Onze Lieve Vrouw van de Armen, G.Moreaustraat 102, Anderlecht Maria onze Hoop, Keizer karelstraat 127, Gent (Generalat) Morgenster, Frans Ackermanstraat 25, Gent Onze Lieve Vrouw van de Rozenkrans, Assenedestraat 18, Bassevelde Moeder van de Zee, Koninklijke Baan 18, De Panne Benediktushuis, Emiel Clauslaan 121, Deinze (Astene) Ruach, Apostelhuizen 24, Gent (Haus im Geist von Taizé)
Klöster in Afrika Marie Immaculée, Kigali, Ruanda La Vierge des Pauvres, Kamonyi (Kigali), Südprovinz (Ruanda) Notre-Dame du Bon Conseil, Kansi (Butare), Ruanda Notre-Dame de l'Etoile, Butare, Ruanda Notre-Dame de l'Annonciation, Butare, Ruanda Marie Médiatrice, Munyaga (Rwamagana), Ruanda Marie Mère de Dieu, Mbalkabra, Tschad Notre-Dame de la Paix, Bao, Tschad Notre-Dame de la Providence, Bobo, Burkina Faso
Angeschlossene Klöster in Frankreich und England Kloster La Merci-Dieu (Sarthe), St Jean d'Assé, Frankreich Our Lady of West Malling, Ewell Monastery, West Malling, Kent, England (1966–2004)
Siehe auch Liste der Zisterzienserklöster in Belgien
Literatur Noëlla Ghijs, Marita Martens, R. Castelain, G. van Bockstaele, Het Onze-Lieve-Vrouwehospitaal te Oudenaarde en de zusters Bernardinnen. Een bijdrage tot de ontsluiting van 800 jaar geschiedenis, 1202–2002. Gent 2004. Bernard Peugniez, Le Guide Routier de l’Europe cistercienne. Editions du Signe, Straßburg 2012, S. 247, 373–375 (unzureichend dargestellt).
Weblinks Webauftritt der Bernhardinerinnen von Oudenaarde, niederländisch Adressen der Zisterzienserfamilie in Belgien Liste der Bernhardinerinnenklöster in Belgien Seite der Bernhardinerinnen in der Unie van de Religieuzen van Vlaanderen Seite zu den Bernhardinerinnen, französisch Zisterziensergeschichte mit Erwähnung der Bernhardinerinnen, französisch Liste der Klöster in Ruanda Festschrift zur 800-Jahr-Feier des Liebfrauenhospitals in Oudenaarde, niederländisch Beschreibung von Kloster Bassevelde, niederländisch Ewell Monastery in West Malling von 1966 bis 2004, englisch Information zu Kansi, französisch Foto mit der Generalpriorin
Kategorie:Frauenorden Kategorie:Zisterzienser Kategorie:Schulorden Kategorie:Römisch-katholische Kirche in Belgien Kategorie:Oudenaarde Kategorie:Zisterzienserorden