Die portugiesischen Indien-Armadas () waren Flottenverbände, die jährlich von Portugal in den Indischen Ozean segelten und im Rahmen des Indienhandels zumeist Indien als Ziel hatten. Einzelne Flotten hatten aber auch Ostafrika, China, Timor oder die Molukken zum Ziel. In der Regel verlief die Schiffsroute von Lissabon, Kap Verde über das Kap der Guten Hoffnung, São Sebastião durch die Straße von Mosambik nach Goa und folgte damit dem Weg, den Vasco da Gama 1498/99 entdeckt hatte. In Portugal wurde der Weg Carreira da Índia („Fahrweg nach Indien“) genannt. Organisiert wurden die Flotten beginnend mit der Herrschaft Manuels I. von 1498 bis 1570 durch die Casa da Índia, die Kolonialbehörde der portugiesischen Krone. Ab 1502 gab es zudem eine jährliche Brasilien-Flotte.

Der Weg nach Indien Von der Entdeckung durch Vasco da Gama 1497–1499 an wurde der Indienhandel auf dem Seeweg um die Südspitze Afrikas in den Indischen Ozean ungefähr ein Jahrhundert von den portugiesischen Armadas dominiert. Zwischen 1497 und 1650 verließen etwa 1033 Schiffe Portugal in Richtung Indien.

mini|hochkant=2.5|Seeroute nach Indien

Jede Reise dauerte ungefähr sechs Monate. Die Reisen wurden durch den Monsun entscheidend beeinflusst. Der Monsun ist im Sommer ein Südwestwind, im Winter ein Nordostwind. Daher war die beste Reisezeit für die Fahrt von Ostafrika nach Indien der Sommer (die Monate Mai bis September) und für die Rückreise der Winter. Zu anderen Zeiten war eine Reise auf dem Indischen Ozean mit Segelschiffen damals kaum möglich.

Daher verließ die typische Indien-Flotte Lissabon im Frühling (März/April), machte einen ersten Zwischenstopp in Cidade Velha auf den Kapverdischen Inseln, fuhr auf dem Äquatorialstrom einen Bogen nach Westen, um die Westwindzone zu erreichen, worauf die Flotten die Südspitze Afrikas und den Agulhasstrom im Juni/Juli erreichten, und wurden im August vom Sommermonsun Richtung Indien getrieben. Problematisch erwies sich, dass die Schiffe nach der Abfahrt von den Kapverdischen Inseln bzw. Brasilien nicht repariert werden konnten (wozu selbst bei den Zwischenstopps aus Zeitgründen oft die Möglichkeit fehlte). Zudem stellte die Überquerung des Kap der Guten Hoffnung, von vielen Seefahrern „Kap der Stürme“ genannt, eine große Gefahr für morsche Schiffe dar. Wurde es geschafft, das Kap zu umrunden, konnte dennoch in der Regel kein Zwischenstopp eingelegt werden, da der Agulhasstrom die Schiffe weiter trieb. Einzig die Mossel Bay wurde von manchen Schiffen genutzt, um frisches Wasser aufzunehmen. Der Ort wurde vor allem bei der Rückreise genutzt, um provisorisch die Schiffe zu reparieren, bevor die gefährliche Kapumfahrung anstand. Auch wurden hier gern Briefe für die im Anmarsch befindende Armada des nächsten Jahres deponiert, welche von einem schnellen Begleitschiff der nach Indien fahrenden Flotte dort abgeholt wurden. Erst an der Straße von Mosambik (die durch ihre Strömungen wiederum eine Gefahr darstellte) bzw. nördlich von ihr konnten die Armadas einen weiteren Zwischenstopp einlegen. Hier lagen die drei großen portugiesischen Stützpunkte Sofala mit São Caetano de Sofala, Ilha de Moçambique mit São Sebastião und Mombasa mit Fort Jesus, sowie die kleineren Stützpunkte Terra da Boa Gente, São Martinho de Quelimane, António Enes, Sansibar, Pemba, Pate und Melinde. Zumeist wurde aber lediglich aus Zeitgründen an der Ilha de Moçambique in São Sebastião ein Zwischenstopp eingelegt, um die Schiffe provisorisch zu überholen und Wasser und Proviant sowie manchmal Handelswaren aus Afrika aufzunehmen. Auch Sofala wurde häufiger angefahren, da die Stadt Endpunkt der Gold-Route, welche von den Goldfeldern Manicas aus dem inner-afrikanischen Munhumutapa-Reich über den Rio Pungué nach Sofala führte. Lediglich bei größeren Problemen und Schäden an den Schiffen wurde Melinde oder, wenn es die Zeit zuließ, die kleineren Stützpunkte angesteuert. Einzelne Armadas hatten aber lediglich die afrikanische Ostküste zum Endziel und segelten daher an den dortigen portugiesischen Stützpunkten entlang.

1510 folgte der Seefahrer Pedro Mascarenhas der im Jahr 1500 eingeschlagene Route von Diogo Dias und entdeckte somit einen alternativen Weg nach Indien. Dieser führte an der Südspitze von Madagaskar vorbei zu den Maskarenen und schließlich durch den offenen Indischen Ozean nach Indien. Dieser Weg hatte den Vorteil, dass er auch in der zweiten Jahreshälfte besegelt werden konnte, da in diesen Breiten die Auswirkungen des Monsuns nicht mehr so stark sind, aber hatte den großen Nachteil, dass dort der Schutz der portugiesischen Hafenstädte in Ostafrika fehlte. Dieser Weg wurde ab Ende des 16. Jahrhunderts der Weg der Niederländischen Ostindien-Kompanie von Amsterdam über die Kapkolonie nach Indien bzw. Batavia und sollte es bis ins 19. Jahrhundert bleiben. mini| Lifau-Monument in Osttimor

Die portugiesischen Flotten erreichten Anfang September Indien. Dort wurde gleich nach der Ankunft mit der Reparatur der Schiffe begonnen und diese anschließend beladen. Im Januar begann dann die Rückreise. Den Wintermonsun nutzend, erreichten die Schiffe im April die Südspitze Afrikas und Lissabon im Sommer zwischen Juni und August. Üblich war es, die schnellsten Schiffe nach Portugal vorauszuschicken, um dort über die Lage der Flotte zu unterrichten. mini|hochkant=1.5| Spanische (weiß) und portugiesische (blau) Handelswege im 16. Jh.

Entscheidend für die nach Indien segelnden Flotten war, dass Ostafrika rechtzeitig erreicht wurde, um den Sommermonsun nutzen zu können. Sonst konnte es unter Umständen bis zum nächsten Frühling dauern, bis die Reise fortgesetzt werden konnte, bzw. musste der wesentlich gefährlichere Weg gewählt werden. Für die zurückkehrenden Flotten war die Straße von Mosambik eine besonders gefährliche Passage. Da die Schiffe schwer beladen und meistens in Indien nur notdürftig repariert worden waren, bedeuteten die dortigen schnellen Strömungen eine große Gefahr.

Da die neue Flotte (Februar/März) vor dem Eintreffen der alten Flotte (Ankunft Juni/Juli) bereits ausgelaufen war, war es üblich, an afrikanischen Küstenstationen Briefe für die in entgegengesetzter Richtung fahrende Flotte zu hinterlassen. Die Informationen waren zwar auch mindestens ein halbes Jahr alt, gaben aber der Richtung Indien segelnden Flottille eine Grundorientierung über die dortigen Entwicklungen. mini|Portugiesisch-Spanische Verträge Ab Mitte des 16. Jahrhunderts war es möglich, dass die Armadas zunächst nach einem Zwischenstopp an den Kapverdischen Inseln den Atlantik überquerten und dem Weg folgten, den Pedro Álvares Cabral entdeckt hatte. So segelten die Armadas in Richtung der brasilianische Küste, um dort in der neuen brasilianischen Hauptstadt Salvador oder Recife einen Zwischenstopp einzulegen. Somit befuhren einzelne Konvois mit einem Weg vier verschiedene Kontinente.

Die Wege zu den Gewürzinseln und nach China und Japan Der Weg zu den Gewürzinseln Nachdem sich die Portugiesen von 1498 bis 1510 an der indischen Küste festgesetzt hatten, konnten sie 1511 die strategisch wichtige Handelsstadt Malakka erobern und die große Festung A Famosa errichten. mini|Porta de Santiago, das alte Stadttor von A Famosa Von Malakka wurden noch im selben Jahr Entdeckungsfahrten unternommen, um den Anfang der Gewürz-Route zu finden, was schließlich 1512/1513 unter António de Abreu und Francisco Serrão gelang. Auf diesem Weg wurden zumeist Karavellen eingesetzt, da diese für die flachen Gewässern zwischen den Inseln besser als die großen Naos geeignet waren. Die Schiffe verließen Goa im September mit dem südwärts wehenden Monsun. Von Malakka aus wurden dann indische Waren auf Java gegen chinesische Kupfermünzen getauscht. Dafür erhielt man weiter im Osten auf Sumbawa Reis und einfache Baumwollstoffe, die wiederum auf den Banda-Inseln und Ternate gegen Gewürze getauscht wurden. Zwischen Mai und September kehrte man mit dem Südwest-Monsun nach Malakka zurück. So führte nach der Errichtung mehrerer Stützpunkte in der Folgezeit der Weg zu den Gewürzinseln von Goa, Malakka, Makassar, Fort Laboiana, Larantuca und Lifáo schließlich zu dem Beginn der Gewürz-Route in São João Baptista de Ternate und den Banda-Inseln auf den Molukken. Nach dem Verlust von Ternate 1575 führte der Gewürz-Weg schließlich nach Fortaleza da Nossa Senhora da Annunciada. Nach dem Verlust von Ambon und den Bacan-Inseln 1609 führte der Weg bis Mitte des 17. Jahrhunderts nach Tidore, das ein enges Bündnis mit Spanien unterhielt und lange seine Unabhängigkeit behalten konnte.

Der Weg nach China und Japan Der Weg nach China wurde zunächst 1513 unter Jorge Álvares erschlossen, der den direkten Seeweg von Europa nach Indien entdeckte. 1513 landete eine portugiesische Flotte von sechs Dschunken unter Álvares nahe der Stadt Guangzhou. In den folgenden Jahrzehnten kam es zu kriegerischen Auseinandersetzungen, die aber im Chinesisch-Portugiesischen Vertrag von 1554 beigelegt werden konnten und schließlich zum Erwerb von Macau führte. Der Weg nach Japan wurde von Fernão Mendes Pinto 1542/43 erschlossen. Ab der Erwerbung Macaus führte der Weg von Goa über Malakka, die chinesischen Häfen Macao und Liampó hin nach Nagasaki in Japan. Dieser Weg sicherte den lukrativen Handel zwischen China und Japan, den sogenannten Namban-Handel. mini|Die Gewürzroute von den Molukken nach Lissabon

Portugiesisch-spanische Beziehungen Beide neuen östlichen Wege kreuzten die westlichsten spanischen Handelswege der Manila-Galeone. Zunächst gab es wegen beiden Wegen massive Spannungen zwischen Spanien und Portugal, da beide Seiten den 1494 geschlossenen Vertrag von Tordesillas unterschiedlich in Bezug auf die Gewürzinseln interpretierten. Diese Spannungen eskalierten während der Amtszeit des portugiesischen Entdeckers und Gouverneurs von Ternate Jorge de Meneses, der das spanische Fort auf Tidore plündern ließ. Erst der Vertrag von Saragossa 1529 führte zu einer Beilegung der Krise, wovon beide Staaten in der Folgezeit profitieren sollten. Zum einen konnten die Spanier lange am Namban-Handel mit Japan partizipieren, da die Seefahrer aus Spanisch-Ostindien die einzigen waren, denen die Portugiesen den Zugang nach Macau und damit zum chinesischen Markt gestatteten. Zum anderen profitierten die Portugiesen nach der Vertreibung von den Molukken durch die Niederländer von der dort bleibenden spanischen Präsenz auf Tidore.

Waren und Handel Obwohl die Armadas Truppen, Verwaltungsbeamte, Missionare und Kolonisten zwischen Europa und Asien transportierten, war ihre wichtigste Funktion der Transport von Waren. In Asien wurden die zu dieser Zeit fünf wichtigsten Gewürze eingekauft. Teilweise an den Faktoreien der Malabarküste, teilweise wurden diese von den verschiedenen Faktoreien und Kolonien nach Goa geliefert, teilweise wurden sie direkt an den verschiedenen Produktionsorten abgeholt, da diese lange – bis auf die Banda-Inseln – unter portugiesische Kontrolle standen.

In Kerala wurde Pfeffer erworben, in Ceylon Zimt, auf Ternate, Tidore und den Bacan-Inseln Nelken und auf den Banda-Inseln Muskatnuss und Macis.

mini|Schwarzer Pfeffer

Bei den frühen Armadas machte Pfeffer oftmals bis zu 90 % des Volumens aus. Nach dem Ende der portugiesischen Präsenz auf den Molukken und auf Ceylon mussten die Portugiesen die Gewürze bis auf Pfeffer teuer bei ihren niederländischen Konkurrenten einkaufen, die nun darauf das Monopol hielten.

Weitere in Indien eingekaufte Waren waren Myrrhe, Langer Pfeffer, Ingwer, Indische Datteln, Artemisia, Aloe perryi, Elfenbein, Ebenholz, Perlen, Galbanharz, Campher, Indigo und Gummilack.