Das Kloster Bronnbach (lateinisch Monasterium BrunnbacensisJ. Kühles: Liber mortuorum monasterii Brunnbacensis. In: AUF. Band 21, 1871, S. 91–158.), später auch Schloss Bronnbach, ist eine 1151 gegründete ehemalige Zisterzienser-Abtei, die 326. des Ordens. Der Gebäudekomplex – im unteren Taubertal gelegen – befindet sich heute auf dem Gebiet der Stadt Wertheim im Weiler Bronnbach auf der Gemarkung der Ortschaft Reicholzheim im Main-Tauber-Kreis in Baden-Württemberg. Das Kloster der Zisterzienser ging aus der nicht mehr lokalisierbaren Burg Bronnbach hervor.
Seit 1986 ist das ehemalige Kloster Eigentum des Main-Tauber-Kreises. Heute sind verschiedene Institutionen in den Klostergebäuden untergebracht, seit 2000 auch eine Ordensniederlassung der Kongregation der Missionare von der Heiligen Familie.
Gründungslegende Der heilige Bernhard von Clairvaux zeigte während seines Aufenthalts in Wertheim auf seiner Pilgerreise eines Tages nach einer Wildnis des Taubertals und sprach: „Auch dort wird ein Kloster meines Ordens gegründet werden.“ Noch zu seinen Lebzeiten ging diese Weissagung des berühmten Abtes in Erfüllung, weil einige fränkische Edelleute beschlossen hatten, ein Zisterzienserkloster zu stiften. Als sie hierfür im stillen Taubertal einen geeigneten Platz suchten, erhoben sich plötzlich aus jener Gegend drei weiße Lerchen, ihr Morgenlied zwitschernd. Die Stifter erblickten hierin einen Fingerzeig Gottes und bauten an der so bezeichneten Stelle die Abtei Bronnbach. In das Wappen derselben wurde eine der Lerchen aufgenommen. Sie ruht auf den Händen des Jesuskindes, das auf dem Schoß seiner Mutter sitzt.
Geschichte Gründung links|mini|Kloster Bronnbach auf einer Augenscheinkarte von 1518 (älteste bekannte Darstellung) mini|Das Kloster im 17. Jahrhundert. Kupferstich von Caspar Merian mini|Das Kloster zu Beginn des 19. Jahrhunderts, schon im Besitz der Fürsten von Löwenstein-Wertheim-Rosenberg. Aquarell. links|mini|Skizze des Klosters des Wertheimer Chronisten Andreas Fries (1811–1890) mini|Schalenbrunnen im unteren Wirtschaftshof mini|Blick über den Garten zur Prälatur mini|Das Refektorium (Bildmitte) Das Kloster geht auf eine Stiftung der vier Edelfreien Billung von Lindenfels, Sigebot von Zimmern, Erlebold von Krenzheim und Beringer von Gamburg (die Legende geht noch von dreien aus) im Jahre 1151 zurück. Vermutlich kam die Schenkung des castrum brunnebach oberhalb des jetzigen Standorts unter Einfluss einer Predigt von Bernhard von Clairvaux im Jahre 1146 in Würzburg zustande. Es befand sich ursprünglich auf der Höhe über Bronnbach in Burg und Weiler Brunnebach, dem heutigen Schafhof; erstmals urkundlich erwähnt wurde es am 11. Januar 1153 (Bestätigung als Kloster durch Papst Eugen III.). Das Kloster lag im Grenzbereich des Hochstifts Würzburg und des Erzstifts Mainz obwohl es dem in der Diözese Speyer gelegenen Kloster Maulbronn unterstellt war.Die Urkunden der deutschen Könige und Kaiser. 12. Die Urkunden Philipps von Schwabenl Bearbeitet von Andrea Rzihacek u. Renate Spreitzer unter Mitwirkung von Brigitta Merta und Christine Ottner-Diesenberger und unter Verwendung von Vorarbeiten von Paul Zinsmaier (†) und Rainer Maria Herkenrath. CXII, 774 S. sowie 17 Abb. 4º. 2014. ISBN 978-3-447-10086-1, S. 124 1157 ermöglichte die Schenkung des Weilers an den Erzbischof und Kanzler Arnold von Selenhofen zum Erwerb einer Grablege die Verlegung ins Tal der Tauber auf die Ostseite des Flusses.Wolf Wiechert: Als Grablege für den Bischof von Mainz errichtet. In: Wertheimer Zeitung vom 12. Oktober 2010. Durch die Schenkung wurde auch der Einzug des Gründungskonvents aus Waldsassen mit dem ersten Abt, Reinhard von Frauenberg, ermöglicht. Im selben Jahr wurde mit dem Bau der Abteikirche begonnen, die am 28. April 1222 vom Würzburger Weihbischof Wilhelm von Havelburg geweiht wurde.
1165 erklärte der Konvent seine Treue zum Gegenpapst Paschalis III. und erhielt dafür ein kaiserliches Privileg, jedoch auch eine Rüge vom Generalkapitel. 1167 wurde es als Filialkloster des Klosters Maulbronn übernommen (Mutterabtei), gleichzeitig wurde der Maulbronner Mönch Wigand neuer Abt.
Stadthöfe Das Kloster verfügte über Stadthöfe in Wertheim, Miltenberg, Würzburg (als Verwaltungszentrum in der heutigen BronnbachergasseBruno Rottenbach: Würzburger Straßennamen. Band 1, Fränkische Gesellschaftsdruckerei, Würzburg 1967, S. 50 f. (Bronnbachergasse, Bronnbacherhof).), Aschaffenburg und Frankfurt. Diese sind ab 1170 belegt. Bis zum Jahre 1230 waren die wichtigsten Klostergebäude errichtet. 1201 stiftete der kaiserliche Küchenmeister Heinrich von Rothenburg Güter in Heidingsfeld. Diese Schenkung wurde am 25. Juli 1202 von König Philipp von Schwaben in Ulm bestätigt.ZGORh, Band 2, S. 297.
Überfälle Da das Kloster in nächster Nähe von Gamburg und Külsheim lag, wurde es im 14. Jahrhundert hin und wieder von dort ansässigen Raubrittern überfallen. Bei einem solchen Überfall ließ ein Külsheimer Ritter einen der Schalenbrunnen abtransportieren, der heute noch in Külsheim steht und dessen Ruf als „Brunnenstadt“ mitbegründet hat. Im Wirtschaftshof hinter dem Bursariushaus und neben dem Keltergebäude befindet sich das Gegenstück dieses Schalenbrunnens. Aufgrund der Überfälle wurden um das Jahr 1355 die Grafen von Wertheim als Schutzherren des Klosters eingesetzt; zuvor war der Kaiser Schutz- bzw. Schirmherr.
Literaturgeschichte Der Bronnbacher Mönch Michael Baumann verfasste die naturkundliche Enzyklopädie buch von der natür vnd eÿgenschafft der dingk (1478). Sie stellt den bedeutendsten von mehreren Beiträgen des Klosters zur Literaturgeschichte dar.Klára Berzeviczy: Michael Baumanns Naturbuch. Abdruck der Unikathandschrift und Begleitstudie. Frank & Timme, Berlin 2011, ISBN 978-3-86596-342-0.
Weinbau Den Zisterziensermönchen, die auch als „Gärtner Gottes“ bezeichnet werden, verdankt das Taubertal die Förderung des Weinbaus, der sich von Bronnbach ausbreitete. An der Grenze der Bistümer Mainz und Würzburg gelegen, versuchten beide, das Kloster in ihren Besitz zu bekommen. Dies gelang weder den Bistümern noch der Grafschaft Wertheim, und das Kloster Bronnbach blieb bis Anfang des 19. Jahrhunderts mit kurzen Unterbrechungen von jeder Landesherrschaft unabhängig.
Bauernkrieg und Reformation Im Bauernkrieg 1525 wurde das Kloster von aufständischen Bauern geplündert, die zwei Orgeln, fünf Kapellen und zwei Bibliotheken wurden dabei zerstört. Abt Clemens Leusser, seit 1534 Mönch im Kloster, wurde am 26. November 1548 durch einstimmigen Beschluss der Klosterbrüder zum Abt ernannt. War er während der ersten beiden Jahren seiner Amtszeit noch Verfechter der alten katholischen Verhältnisse, so reifte danach in ihm die Überzeugung, dass die wahre christliche Lehre auf der reformierten Seite zu finden sei. So meldete er Ende 1552 den Vollzug der Reformation an den Wertheimer Grafen. Ostern 1553 wurde dann in Bronnbach und in den zugehörigen Pfarreien der erste Gottesdienst in deutscher Sprache gehalten. Leusser hatte bereits zuvor 24 junge und mittellose Männer aufgenommen, die er als Lehrer der neuen Lehre ausbilden wollte. Obzwar der Würzburger Bischof kein Vorgesetzter des Abtes war, war ihm diese Vorgehensweise nicht gleichgültig. Leusser fühlte sich zunehmend von dessen Nachstellungen bedroht und zog 1554 in den Klosterhof in Wertheim, welcher zum Besitz des Klosters gehörte. Nach dem Tod Graf Michaels III. am 14. März 1556 leiteten die Bischöfe von Würzburg und Mainz schärfere Maßnahmen gegen den reformierten Abt ein. Sie belegten die Klostergefälle in ihren Gebieten mit Beschlag, um auf diese Weise dem Kloster und seinem Abt den Unterhalt zu nehmen. Als Leusser dann am 1. Juni 1557 die Tochter des Wertheimer Predigers Johannes Eberlin von Günzburg, Maria Eberlin, ehelichte, war dies für die Bischöfe ein weiterer Grund, den Druck auf Leusser zu erhöhen. Zwar unterblieb eine angedrohte Visitation des Würzburger Bischofs Melchior, doch dessen Nachfolger, Bischof Friedrich, ernannte im August 1558 den katholisch gebliebenen Johann Pleitner zum neuen Abt. Dieser war zuvor Pfarrer in Königheim und erhielt zwar durch den Bischof die Weihe zum Abt, wurde jedoch noch nicht feierlich eingesetzt, da Friedrich noch mit Leusser verhandelte, um diesen umzustimmen. Da Leusser aber am 25. Oktober 1558 die Ehe mit Anna Rüdiger einging und somit zum zweiten Mal heiratete, nachdem seine Frau aus erster Ehe verstorben war, fand am 25. Januar 1559 trotz Protest Leussers und der Wertheimer Grafen die feierliche Amtseinführung Pleitners statt.Main-Tauber-Kreis. Meine Heimat. Mein Kreis. Herausgegeben vom Staatlichen Schulamt Bad Mergentheim, Sparkasse Tauberbischofsheim und Kreissparkasse Mergentheim.
Die Rekatholisierung erfolgte bis 1572, im gleichen Jahr wurde die Kirche neu geweiht. Die Zisterzienserabtei wurde unter Abt Johann Knoll fortgeführt. Das neue Mutterkloster war nun das Kloster Ebrach im Steigerwald, welches schon 1537 vorläufig diese Position eingenommen hatte. Unter Abt Wigand Mayer wurde dann das Abtshaus errichtet.Wolf Wiechert: Die Reformation in Bronnbach zurückgedrängt. In: Wertheimer Zeitung vom 12. Oktober 2010. In der Folge verlor sich der Kontakt zu den Zisterzienserinnenklöstern Frauental und Seligental. Diese Klöster, deren Weiserabt der Bronnbacher Abt war, waren im 16. Jahrhundert aufgehoben worden. Bronnbach selbst besaß nie ein Filialkloster.
Für das Jahr 1595 sind für das Kloster 32 Mönche und zwei Studenten nachgewiesen. 1615 wurde der Abt Sebastian Ulrich durch den Würzburger Bischof Julius Echter wegen seines Lebenswandels abgesetzt und durch den Abt Johann Feilzer aus Ebrach ersetzt, welcher den Wiederaufbau nach der Reformation vollendete und die Dörfer Dörlesberg, Nassig und Reicholzheim wieder für das Kloster zurückgewinnen konnte.
Dreißigjähriger Krieg Im Dreißigjährigen Krieg erhielt 1631 der lutherische Graf Friedrich Ludwig zu Löwenstein-Wertheim-Virneburg das von den Schweden verwüstete Kloster von König Gustav Adolf von Schweden. Er behielt es bis 1634 und beseitigte alles Katholische, wobei auch große Teile der Inneneinrichtung sowie die Klosterbibliothek zerstört wurden. In diesen drei Jahren waren die Mönche geflohen. Anfänglich wurden die Mitglieder des Bronnbacher Konvents an den zisterziensischen Kollegien in Paris, Heidelberg, Wien und Würzburg akademisch ausgebildet – in letzterer Stadt im 17. und 18. Jahrhundert –, dann auch an der Universität. Der überwiegende Teil der noch erhaltenen Literatur, die von Bronnbacher Mönchen verfasst wurde, stammt aus dieser Zeit. 1656 wurde zwischen dem Hochstift Würzburg und dem Erzstift Mainz eine Vereinbarung getroffen, der zufolge das Klostergebiet als territorium nullius (unabhängiges Gebiet) zu betrachten sei. Nichtsdestotrotz konnte Würzburg weiterhin seinen starken Einfluss geltend machen. Im Jahr 1673 konnte sich das Kloster mit der Grafschaft Wertheim über die Ortsherrschaft in Nassig, Dörlesberg und Reicholzheim einigen. Es verzichtete auf Nassig, wo ihm die Herrschaft gerichtlich zustand, und erhielt dafür im Gegenzug Dörlesberg und Reicholzheim als Territorium mit eigener Herrschaftsgewalt. Damit war ein jahrzehntelanger Streit zum Ende gebracht. 1765 wurde die Klosterherrschaft nochmals um den Hinteren Messhof und Rütschdorf erweitert.Seite des Landesarchivs Baden-Württemberg.
Säkularisation: Ausbau zum Schloss im 19. Jahrhundert Die erneute Nutzung als Kloster dauerte bis zur Säkularisation 1802. Neuer Besitzer der Klosteranlagen wurde Fürst Dominik Constantin zu Löwenstein-Wertheim-Rochefort, der es als Entschädigung für an Frankreich verlorene linksrheinische Gebiete erhielt. Der letzte Bronnbacher Zisterzienser starb 1859 als Stadtpfarrer von Miltenberg, der letzte Abt, Heinrich Göbhardt, kehrte in seine Geburtsstadt Bamberg zurück.