mini|250px|Außenansicht der Kirche Mariä Himmelfahrt in Jenkofen mit den Rundfenstern am Chorschluss mit den spätgotischen Glasgemälden. mini|250px|Innenansicht Die römisch-katholische Filialkirche Mariä Himmelfahrt in Jenkofen, einem Ortsteil der Gemeinde Adlkofen im niederbayerischen Landkreis Landshut, ist eine spätgotische Pseudobasilika. Die Filialkirche der Pfarrei St. Johann Baptist in Hohenegglkofen ist besonders für die Glasgemälde an den Chorfenstern bekannt, die heute zu den wertvollsten gotischen Kunstwerken Bayerns zählen.

Geschichte Die Wittelsbacher verfügten bereits im 14. Jahrhundert über Besitz in Jenkofen. Nach dem Aussterben der ortsansässigen Adelsfamilie Harskircher im Jahr 1416 fiel deren Vermögen ebenfalls den Wittelsbacher-Herzögen zu. 1422 stiftete Herzog Heinrich der Reiche von Bayern-Landshut ein Benefizium zu Ehren der Himmelfahrt Mariens in Jenkofen. Sieben Jahre später kam eine weitere Stiftung Heinrichs des Reichen zu Ehren des heiligen Nikolaus hinzu. Bald nach 1422 dürfte die dreischiffige Kirche entstanden sein, die wie der ganze Ort unter den Schutz des Herzogs gestellt wurde. Die Höfe in Jenkofen und Umgebung stellte Heinrich der Reiche für den Unterhalt des Benefiziaten und der Kirche zur Verfügung. Dieser erste Bauabschnitt umfasste wohl die drei westlichen Joche des Langhauses. Diese weisen (bis auf die später veränderte Wölbung des Südschiffs) eine einheitliche Konstruktion auf und heben sich in Details deutlich vom übrigen Bau ab. Im Übrigen blieb wohl der Vorgängerbau vorübergehend bestehen.Anton Eckardt (Hrsg.): Kunstdenkmäler des Königreichs Bayern – Bezirksamt Landshut. Oldenbourg, München 1914, S. 132–143 (landshut/0170 Digitalisat).Pfarrverband Achdorf–Kumhausen: Filial- und Wallfahrtskirche Mariä Unbefleckte Empfängnis in Jenkofen. Online auf www.erzbistum-muenchen.de; abgerufen am 10. Mai 2020.

Im Jahr 1447 stiftete Heinrich der Reiche die beiden bekannten Rundfenster hinter dem Hochaltar, deren Glasgemälde heute als Kunstwerk von europäischem Rang gelten. Im Jahr 1449 stiftete er außerdem ein weiteres Benefizium zu Ehren der Heiligen Drei Könige. Etwa zu dieser Zeit wurden die beiden östlichen Langhausjoche und der Chor erbaut. Auch anhand der Stilmerkmale lässt sich auf eine Erbauung um die Mitte des 15. Jahrhunderts schließen.

Baureparaturen wurden unter anderem 1630 von dem Landshuter Hofmaurermeister Ferdinand Pader, 1680 durch den Geisenhausener Maurermeister Stephan Walthör, 1690 durch den Maurermeister Georg Stainaicher, und 1795 durch den Landshuter Stadtmaurermeister Thadeus Leitner vorgenommen. Letzterer baute außerdem 1791 ein neues Mesnerhaus in Jenkofen.

Architektur Die Kirche ist eine spätgotische, dreischiffige Pseudobasilika, wird aber auch manchmal als Staffelhalle bezeichnet – so auch in der offiziellen Beschreibung des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege. Für die Einordnung als Staffelhalle spricht das alle drei Schiffe übergreifende Dach. Da das Mittelschiff um ein Geschoss höher ist als die Seitenschiffe, ist die Einordnung als Pseudobasilika treffender. Der so entstehende Obergaden besitzt aufgrund des Daches keine Fenster, sondern wird von großflächigen Wandfresken eingenommen.

Außenbau Das Langhaus besitzt drei Schiffe, wobei die Seitenschiffe um etwa ein Drittel schmäler als das Mittelschiff sind. Alle drei Schiffe sind unter einem gemeinsamen Satteldach vereinigt. Das Langhaus umfasst fünf Joche, wobei das vierte Joch von Osten im Norden und im Süden je ein Eingangsportal enthält. Die beiden östlichen Joche sind kürzer als die älteren Westjoche und aufgrund der dickeren Außenwände gegenüber diesen leicht eingezogen. Auch auf der Westseite des Mittelschiffs ist ein Portal zu finden. Alle drei Portale sind spitzbogig ausgeführt und besitzen Gewände mit Rundstäben (am West- und Südportal je zwei, am Nordportal einer) und Kehlen.

Der zweijochige, in drei Achteckseiten geschlossene Chor ist nach Osten ausgerichtet. Er ist nur wenig breiter als das Mittelschiff. Nördlich am Chor ist, leicht in dessen Baukörper einspringend, der gedrungen wirkende Turm (ein sogenannter Chorflankenturm) über längsrechteckigem Grundriss angebaut. Dieser umfasst fünf ungleich hohe Geschosse. Während die unteren Geschosse nahezu ungegliedert sind, besitzt das oberste Geschoss (das den Glockenstuhl enthält) zu jeder Seite hin eine spitzbogige Schallöffnung, flankiert von zwei gleich großen Spitzbogenblenden. Den oberen Abschluss bildet eine eingeschnürte Zwiebelkuppel. Das Erdgeschoss des Turmes enthält die Sakristei. Im Winkel zwischen Chor und Turm ist ein steiler, holzverschalter Treppenaufgang angeordnet.

Am Chorschluss befinden sich drei spitzbogige Fenster mit spätgotischem zweibahnigem Maßwerk. Die Leibung ist teilweise schräg, teilweise gestuft und gefast ausgeführt. An der nördlichen Schrägseite des Chorschlusses befindet sich anstelle des Fensters eine Spitzbogenblende, in die übereinander die beiden wertvollen Rundfenster eingelassen sind. Im südlichen Seitenschiff befinden sich zwei breite, vierteilige Spitzbogenfenster mit Nasen. Die übrigen Fenster sind ebenso breit, aber rundbogig. Die kleinen Spitzbogenfenster auf der Westseite des Langhauses sind nicht original; sie wurden im 19. Jahrhundert im neugotischen Stil geschaffen. Außen am Chor befinden sich schwache Dreieckstreben und ein Dachfries. Das Langhaus besitzt rechteckige, einmal abgesetzte Strebepfeiler. Bis auf die beiden östlichen Joche des Nordschiffs ist es ohne Sockel ausgeführt.

mini|Östliches Friedhofstor mini|Chorgewölbe Die Kirche ist von einem inzwischen aufgelassenen Friedhof umgeben. In der Friedhofsmauer, die wie das Gotteshaus im 18. Jahrhundert entstanden sein dürfte, befinden sich zwei Tore, südlich und nordöstlich des Kirchenbaus, jeweils mit spitzem Torbogen und steilem Treppengiebel. Mauer und Tore besitzen Sichtziegelmauerwerk.

Innenraum Die drei Schiffe des Langhauses sind durch zweimal vier ungleich breite Pfeiler, welche die spitzen Scheidbögen tragen, getrennt. Die beiden östlichen Arkaden besitzen jeweils durchgehend gekehltes Gewände, während bei drei westlichen Scheidbögen lediglich der Bogen gekehlt, die Pfeiler aber gefast sind. Der südöstliche Pfeiler ist zum Mittelschiff hin mit einer wandpfeilerartigen Verstärkung versehen, die fast bis zum Fußpunkt des Gewölbes aufragt. Die drei Schiffe werden durch Rippengewölbe in verschiedenen Figurationen überspannt. Die jeweils ein Joch umfassenden Felder sind stets durch Gurtrippen getrennt, die an spitze Gurtbögen erinnern. Alle fünf Joche des Mittelschiffs und die drei westlichen Joche des Nordschiffs sind mit einem Kreuzrippengewölbe ausgestattet, die beiden letztgenannten mit runden Schlusssteinen. In beiden östlichen Jochen des Nordschiffs befindet sich ein Sterngewölbe mit tellerförmigen Schlusssteinen und aufgelegten Wappenschilden. Im südlichen Seitenschiff herrschen einfache Netzfigurationen ohne Schlusssteine vor. In den drei westlichen Jochen der Seitenschiffe entspringen die Gewölbe an den Umfassungsmauern aus schwachen, gefasten Wandpfeilern und spitzen Schildbögen. Im Mittelschiff und in den drei westlichen Jochen der Seitenschiffe besitzen die Rippen Birnstabform und ruhen auf profilierten, halben Achteckkonsolen. In den beiden östlichen Jochen der Seitenschiffe sind die Rippen doppelt gekehlt ausgeführt und ruhen auf einfachen Spitzkonsolen, welche teilweise profiliert und mit spitzen Wappenschilden verziert sind. Im rückwärtigen Joch des Mittelschiffs ist eine hölzerne Empore eingezogen. Die Brüstung ist mit Vierpassornamenten verziert.

Der Chorbogen ist spitz und beidseits gefast. Auf der Ostseite (zum Chorraum) besitzt er eine gefaste Pfeilerverstärkung. Das Rippengewölbe im Chor weist Netzfiguration auf und kommt ohne Schlusssteine aus. Es entspringt aus rechteckigen, gefasten Wandpfeilern und ebensolchen spitzen Schildbögen. Die birnstabförmigen Rippen ruhen auf halbrunden Profilkonsolen. Aufgrund des einspringenden Chorflankenturmes ist der Gewölbescheitel leicht aus der Mittelachse verschoben, sodass sich eine gewisse Unregelmäßigkeit der Wölbung ergibt. Die Sakristei im Turmerdgeschoss wird von einem Kreuzrippengewölbe mit einem großen, runden Schlussstein überspannt. Die Rippen entspringen unmittelbar aus der Wand und sind teilweise birnstabförmig, teilweise einfach gekehlt.

Maße Gesamtlänge: ca. 31 Meter davon Chor: 9,35 Meter davon Langhaus: 21,40 Meter Breite Chor: 6,70 Meter Breite Langhaus: 14,50 Meter davon Mittelschiff: 5,40 Meter

Ausstattung

Glasgemälde Die bedeutendsten Ausstattungsstücke dürften die beiden Rundfenster mit spätgotischen Glasgemälden sein, die in der nördlichen Schrägseite des Chorschlusses zu finden sind. Hans Bleibrunner, ehemaliger Bezirksheimatpfleger für Niederbayern, würdigt die Kunstwerke in seiner Kulturgeschichte des bayerischen Unterlandes von 1982 folgendermaßen:

Beide Fenster besitzen einen Durchmesser von etwa 1,30 Meter. Besonders das obere beeindruckt durch die gelungene Komposition und die enorme Leuchtkraft der Farben. Der Meister der Glasgemälde ist unbekannt; es darf ein Landshuter Meister angenommen werden. Joachim Sighart vermutet in seiner Geschichte der Bildenden Künste, dass sie von Hanns Siber stammen, der etwa zur gleichen Zeit vierzehn Glasfenster für die Frauenkirche in Straubing (1442) und weitere Fenster für die Kirche der Kartause Prüll schuf.Joachim Sighart: Geschichte der bildenden Künste im Königreich Bayern von den Anfängen bis zur Gegenwart. Cotta, München 1862/63, S. 641 (Digitalisat).

Das obere Rundfenster zeigt die sitzende, bekrönte Jungfrau Maria mit dem Jesuskind. Maria ist mit einem weißen Mantel und einem purpurroten Untergewand bekleidet. Ihre Füße stehen auf einer umgekehrten Mondsichel. Das Kind ist nackt. Von der Gruppe gehen goldgelbe Strahlen aus, die sich kontrastreich von dem weiß-blauen Damasthintergrund abheben. Ein fünffacher Ring stilisierter Wolken umrahmt die Darstellung. Die vier inneren Wolkenringe sind (von innen nach außen) in den Farben grün, rot, gelb und rot gehalten. Der äußere Ring enthält, verteilt zwischen blauen, roten und violetten Wolken, die in Goldgelb gehaltene Umschrift in gotischen Minuskeln: o Maria hilf uns sunderen und sunderinn.

Im unteren Rundfenster ist der Stifter Herzog Heinrich der Reiche zu sehen, der in voller Ritterrüstung mit weiß-blauem Rautenmantel und dem herzoglichen Panier im linken Arm vor den Schutzheiligen Barbara, Elisabeth, Margareta und Katharina kniet. Die bekrönten Heiligen sind teilweise mit ihren Attributen dargestellt, zum Beispiel St. Barbara mit dem Turm und St. Katharina mit dem Rad. Sie stehen auf stilisierten blauen Wolken und sind mit weißen Mänteln bekleidet. Während bei Barbara der Mantel geschlossen ist, ist bei St. Elisabeth ein purpurrotes, bei St. Margareta ein gelbes und bei St. Katharina ein hochrotes Untergewand zu erkennen. Unterhalb der Gruppe ist auf einem Spruchband der Wahlspruch des Herzogs Heinrich des Reichen zu lesen: wolt h got. Über den Heiligen schwebt das von Engeln getragene Schweißtuch Christi. Die Wolkenringe sind wie bei dem oberen Rundfenster angeordnet, werden aber teilweise von der figürlichen Darstellung verdeckt. Auf dem gelben Wolkenring ist unten die Jahreszahl 1447 zu sehen, die auf das Jahr der Stiftung der Fenster durch Heinrich den Reichen verweist. Am äußeren Wolkenring befindet sich die Umschrift in gotischen Minuskeln: o parmherziger got erparm dich uber uns armen sunder und sunderin.