Kulturrisse. Zeitschrift für radikaldemokratische Kulturpolitik war eine österreichische Kulturzeitschrift, die von 1996 bis 2013 vierteljährlich erschien. Ab 2001 erschien sie unter neuem Design und einer anderen Ausrichtung mit theoretischerem Fokus. Sie wurde von der Dachorganisation IG Kultur Österreich herausgegeben.

Gründung, Name, Ziele Die Gründung der Zeitschrift erfolgte als intellektuelle Antwort auf die Schwarz-blaue Koalition (2000–2006), die bereits in der Null-Nummer der Zeitschrift als Die intellektuelle Konterrevolution beschrieben wurde. Gabi Gerbasits, die Geschäftsführerin der IG Kultur, zog in dieser Ausgabe unter dem Titel 6 Tote, 144 Verletzte. eine erste „Bilanz des freiheitlich-konservativen Kulturkampfes“.Gabi Gerbasits: , Die bisherige Bilanz des freiheitlich-konservativen Kulturkampfes, erschienen in: Kulturrisse 00/2000, abgerufen am 17. Juni 2016.

Der Titel der Zeitschrift wurde von einem Symposion der IG Kultur Österreich im November 1995 im Funkhaus Wien übernommen, es trug den Untertitel Relevanz und gesellschaftliche Funktionen der freien Kulturarbeit.IG Kultur Österreich, Gerald Raunig (Hg.) Kulturrisse: Relevanz und gesellschaftliche Funktionen der freien Kulturarbeit, Dokumentation des gleichnamigen Symposions der IG Kultur Österreich, 22. – 24. November 1995, Funkhaus Wien, abgerufen am 17. Juni 2016.

Die Ziele der Zeitschrift wurden auf deren Website in vier Schlagworten charakterisiert: Oppositionen, Kulturpolitiken, Kunstpraxen, Kosmopolitiken. Die Zeitschrift wollte „gegenhegemoniale Konzepte und Unternehmen im zivilgesellschaftlichen Bereich“ erarbeiten, Kulturarbeit, Kulturpolitik, Kulturfinanzierung und Kulturverwaltung kritisch kommentieren, „Schlaglichter auf gelungene künstlerische Interventionen“ setzen und sich an Diskurse jenseits des Nationalismus anhängen. Die Kulturrisse unterstützten ausdrücklich den Gebrauch geschlechtergerechter Sprache.

Die Zeitschrift setzte sich allerdings nicht nur kritisch mit den Politiken der schwarz-blauen Koalition auseinander, sondern analysierte auch die Kulturpolitik der SPÖ,Elisabeth Mayerhofer: Die Gedanken sind frei. Zur Kulturpolitik der SPÖ., in: Kulturrisse 01/2006, abgerufen am 17. Juni 2016. behandelte mehrfach das Projekt Linz 2009 – Kulturhauptstadt Europas,Interview mit Stefan Haslinger (KUPF): Wo brennt’s? - Eine Textspende der Kulturrisse, in: Der Standard (Wien), 7. Juli 2008, abgerufen am 17. Juni 2016. und widmete sich Fragen des Urheberrechts. Zu den Autoren der Zeitschrift zählten Clemens Apprich, Petja Dimitrova, Tina Leisch, Siegfried Mattl, Radostina Patulova und Marlene Streeruwitz.

Die letzte Ausgabe war schwerpunktmäßig der Forderung ¡Archiv der Migration, jetzt! gewidmet, vorbereitet und vorgetragen vom Migrationsforscher Ljubomir Bratić.Ljubomir Bratić: Auf dem Weg zum Archiv, in: Kulturrisse 04/2013, abgerufen am 17. Juni 2016.

Vertrieb Die Zeitschrift wurde einerseits über Abonnements und die Website, andererseits über ausgewählte Buchhandlungen in Wien, Linz und Berlin vertrieben.

Schwerpunkte seit dem Relaunch JahrHeftSchwerpunkt 2000 Heft 1 Die intellektuelle Konterrevolution 2001 Heft 1 Land ohne Opposition Heft 2 Transversality now! Heft 3 Das Ende der Gemütlichkeit Heft 4 Opposition ohne Land 2002 Heft 1 Minoritäre Allianzen Heft 2 nicht erschienen oder vergriffen Heft 3 Guten Morgen, Gewerkschaft Heft 4 Kunst und Gewalt 2003 Heft 1 Gott behüte Österreich Heft 2 Wiederaneignung der Stadt Heft 3 Wahlverdichtung Heft 4 Das Ende der Legislaturperiode2004 Heft 1 Progressive Kunstinstitutionen Heft 2 antirassistisch-feministische Interventionen Heft 3 Gefängnisse Heft 4 Gott verhüte Österreich2005 Heft 1 Public Art Policies Heft 2 EuroMayDay 005. mächtig prekär Heft 3 Politischer Anti-Antisemitismus Heft 4 Kulturindustrie(n)2006 Heft 1 True Stories? Dokumentarismus Revisited Heft 2 Jenseits der Kultur: Politik der Übersetzung Heft 3 Migration und Kulturarbeit Heft 4 Organisierung der Unorganisierbaren2007 Heft 1 Plagiarismus und Ideenklau Heft 2 (Frei-)Räume Heft 3 Politiken des Sozialen Heft 4 Die Wende am Ende2008 Heft 1 Innere Sicherheit 2.0 Heft 2 Wissensproduktion und Widerstand Heft 3 Linkskurven Heft 4 Ist Links Außen?2009 Heft 1 Migrationen: Durchkreuzte Räume Heft 2 Politisierte Universitäten: Revolutions(t)räume? Heft 3 Freiwilliges Engagement: Hackeln für die „Ehre“? Heft 4 Alles nur geklaut? - Ringen um das Recht auf die Kopie2010 Heft 1 Creative Bubbles: (Wissens-)Ökonomien der kreativen Stadt Heft 2 Shut down Nazis Heft 3 Jetzt, für alle, bedingungslos: Grundeinkommen Heft 4 Antimuslimischer Rassismus: Konjunkturen und Aktualitäten2011 Heft 1 Queere De-/Konstruktionen: Von Abtragungen und Baustellen Heft 2 Urbane Räume: Zwischen Verhandlung und Verwandlung Heft 3 Ganz draußen? Sozialreportagen aus dem Abseits Heft 4 Antiziganismus: Kontinuitäten und Strukturen2012 Heft 1 Urheberrechte für alle ... sonst gibt’s Krawalle! Heft 2 Kunst und Kohle Heft 3 Widersprüche der kreativen Stadt Heft 4 Crossing Spaces: Selbstorganisation von Roma2013 Heft 1 We will rise! Das Aufbegehren der Refugees Heft 2 multilingual heterolingual (Sprachvielfalt im Fokus) Heft 3 Experiment Kunstförderung Heft 4 ¡Archiv der Migration, jetzt!

Einstellung, Nachfolgeprojekt „Gleichsam über Nacht, ohne vorherigen Austausch mit der Redaktion, wurde [die Zeitschrift Kulturrisse] Anfang Dezember 2013 von der Herausgeberin ‚in der bisherigen Form‘ eingestellt.“ Mit dieser Kritik eröffneten eine Reihe von Mitarbeitern der Kulturrisse im September 2014 ihr Nachfolgeprojekt.Kamion: , Wien, Berlin und Zürich 2014, abgerufen am 17. Juni 2016. Bereits im Jänner 2014 hatten elf Autoren der Kulturrisse, darunter Ljubomir Bratić, Therese Kaufmann, Daniela Koweindl und Gerald Raunig, „die Leichtfertigkeit, mit der die Herausgeberin ein zentrales kulturpolitisches Instrument ihrer Interessenvertretungsarbeit zur Disposition stellt,“ als „höchst befremdlich“ bezeichnet.Kamion: Good Bye, Kulturrisse, 23. Jänner 2014, abgerufen am 17. Juni 2016.

Im September 2014 legten einige frühere Mitarbeiter der Kulturrisse die Nullnumer einer neuen Zeitschrift vor: Kamion. Diese erste Ausgabe trug den programmatischen Titel: Der Aufstand der Verlegten.Kamion: Der Aufstand der Verlegten, Wien, Berlin und Zürich 2014, abgerufen am 17. Juni 2016. Diese Ausgabe enthielt unter anderem Texte von Paul Huah, Isabell Lorey, Chantal Mouffe, Stevphen Shukaitis, Felix Stalder und Tom Waibel sowie der Traficantes de Sueños und eines anonymen iranischen Kollektivs. Die erste Ausgabe der neuen Zeitschrift erschien im Juni 2015 und trug den Titel Aus den Kreisläufen des Rassismus.Kamion: Aus den Kreisläufen des Rassismus, Wien, Berlin und Zürich 2015, abgerufen am 17. Juni 2016.

Weblinks

Kulturrisse bei Worldcat Kulturrisse, offizielle Website der Zeitschrift

Einzelnachweise

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