mini|Feuerwehrhaus von 1976 Gartow ist ein Ortsteil der Gemeinde Wusterhausen/Dosse im Landkreis Ostprignitz-Ruppin (Brandenburg). Der Ort war bis zu seiner Eingliederung 1997 in die Stadt Wusterhausen/Dosse eine eigenständige Gemeinde.

Geographie Gartow liegt vier Kilometer Luftlinie östlich von Wusterhausen/Dosse. Die Gemarkung grenzt im Norden an Brunn, im Osten an Dessow, im Süden an Ganzer und Metzelthin und im Westen an die Gemarkung von Wusterhausen/Dosse. Gartow ist über die K6806 auf direktem Weg von Wusterhausen/Dosse zu erreichen; die Straße führt weiter nach Dessow. Kleinere Straßen verbinden den Ort auch mit Metzelthin und Brunn.

Im Süden bildet der Metzelthiner Landwehrgraben die Grenze zur Gemarkung Metzelthin. Im Nordosten bildet der Gartower Grenzgraben die Grenze zur Gemarkung Wusterhausen/Dosse. Mehrere Gräben durchziehen die Gemarkung, die Verbindung mit diesen beiden Fließgewässern haben. Einige Gräben ziehen auch zum nordöstlich außerhalb der Gemarkung gelegenen Koppellucher Graben.

Geschichte Der Ort wird 1293 erstmals als Garthowe urkundlich genannt. Der Name leitet sich wahrscheinlich von einer altpolab. Grundform *Chartov- = Ort, wo es Windhunde gibt ab. Eine andere Deutung wäre die Ableitung von einem Personennamen *Chart, also Ort eines Chart. Nach der Dorfstruktur ist es ein Angerdorf mit Gut.

Besitzgeschichte Das Landregister des Grafen Johann von Lindow von 1491 gewährt einen detaillierten Einblick in die spätmittelalterlichen Besitzverhältnisse in Gartow. Die einzelnen Rechte und Abgaben waren stark zersplittert und gingen an sieben verschiedene Grundherren bzw. Nutznießer der Geld- und Naturalabgaben der Bauern und Kossäten. In den meisten Fällen gingen sogar die Abgaben eines Bauernhofes nicht nur an einen einzigen Besitzer, sondern an mehrere Nutznießer. Die Gründe für diese starke Zersplitterung der Rechte lässt sich nicht (mehr) ermitteln. Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über Bauern/Kossäten, deren Abgaben und deren Nutznießer. Abgaben der Bauern in Gartow und deren Nutznießer 1491: Bauer/Kossät Anzahl Hufen Abgaben Nutznießer Claus Vram 2 Hufen 1 Wispel Roggen, 18 Scheffel Gersten, 16 Scheffel Hafer, 1 Scheffel Erbsen, 30 Schillinge Pfennige Henning von Gühlen von Barsikow, Hermann von Brunn zu Gartow, Berthold von Kahlbutz und von Fabian Simon Schimeke 2 Hufen 22 Scheffel Roggen, 16 Scheffel Gersten, 12 Schillinge Pfennige, ein halber Wispel Hafer und 1 Scheffel Erbsen von Fabian dito dito 4 Scheffel Hafer, 2 Scheffel Roggen, 2 Scheffel Gersten von Kahlbutz dito dito 12 Schillinge Hermann von Brunn dito dito 4 Schillinge Henning von Gühlen dito dito 2 Schillinge von Rathenow Claus Seger 1½ Hufen 1 Wispel Roggen, 18 Scheffel Gerste, 16 Scheffel Hafer, 30 Schillinge, Dienst, Zehnt, Rauchhuhn von Schönermark Clawes Schulte 2 Hufen 22 Scheffel Roggen, 16 Scheffel Gersten, ½ Wispel Hafer, 1 Scheffel Erbsen, 22 Schillinge von Fabian dito dito 8 Scheffel verschiedenes Korn von Kahlbutz dito dito 4 Schillinge von Rathenows Kinder dito dito 4 Schillinge Henning von Gühlen Achim Teterow 2 Hufen 1 Wispel Roggen, weniger 2 Scheffel, 1 Scheffel Erbsen von Fabian dito dito 2 Scheffel Roggen von Kahlbutz dito dito 18 Schillinge Pfennige, 8 Schillinge Hermann von Brunn dito dito 4 Schillinge Henning von Gühlen dito dito 4 Scheffel Hafer, 2 Scheffel Roggen, 2 Scheffel Gerste von Kahlbutz Mewes Heger 2 Hufen 1 Wispel Roggen, 18 Scheffel Gersten, 15 Schillinge Pfennige Roleke Borchagen dito dito 1 Scheffel Erbsen, Dienst, Zehnt und Rauchhuhn von Fabian dito dito 18 Schillinge Pfennige, 8 Schillinge Hermann von Brunn dito dito 4 Schillinge Henning von Gühlen Hans Ludeke 2 Hufen 22 Scheffel Roggen, 16 Scheffel Gersten, ein halber Wispel Hafer, 22 Schillinge Pfennige, 1 Scheffel Erbsen, Dienst, Zehnt und Rauchhuhn von Fabian dito dito 4 Scheffel Hafer, 2 Scheffel Roggen, 2 Scheffel Gersten Hermann von Brunn dito dito 4 Schillinge Pfennige, 4 Schillinge Henning von Gühlen Claus Wagenitz 2 Hufen 22 Scheffel Roggen, 16 Scheffel Gerste, ein halber Wispel Hafer, 1 Scheffel Erbsen, 22 Schillinge Pfennige, Zehnt, Dienst und Rauchhuhn von Fabian dito dito 4 Scheffel Hafer, 2 Scheffel Roggen, 2 Scheffel Gersten, 4 Schillinge Pfennige Hermann von Brunn dito dito 4 Schillinge Pfennige Henning von Gühlen auf Barsekow Hermann Kletze 2 Hufen 6 Scheffel Roggen, 6 Scheffel Gersten, ein halber Wispel Hafer, 1 Scheffel Erbsen, 8 Schillinge Pfennige, Dienst, Zehnt und Rauchhuhn von Fabian dito dito 10 Scheffel Gersten, 16 Scheffel Roggen, 15 Schillinge Pfennige Roleke Borchagen dito dito 4 Schillinge Pfennige Henning von Gühlen dito dito 4 Scheffel Hafer, 2 Scheffel Roggen, 2 Scheffel Gersten, 4 Schillinge Pfennige Hermann von Brunn Jacob Havener 1 Hufe ein halber Wispel Roggen, 9 Scheffel Gersten, 8 Scheffel Hafer, ein Viertel Erbsen, 10 Schillinge Pfennige, Dienst, Zehnt und Rauchhuhn Hermann von Brunn dito dito 5 Schillinge Pfennige Rathenows Kinder dito dito 1 Viertel Erbsen von Fabian Mewes Schomaker Kossät 1 Scheffel Roggen, 1 Scheffel Gersten, 6 Pfennige Zehnt, Dienst und Rauchhuhn von Fabian Hans Schere Kossät 1 Scheffel Roggen, 1 Scheffel Gersten, 6 Pfennige Zehnt, Dienst und Rauchhuhn von Fabian Hans Schunke Kossät 1 Scheffel Roggen, 1 Scheffel Gersten, 6 Pfennige Zehnt, Dienst und Rauchhuhn von Fabian Peter Radeker Kossät 1 Scheffel Roggen, 1 Scheffel Gersten, 6 Pfennige Zehnt, Dienst und Rauchhuhn von Fabian Achim Lemme Kossät 1 Scheffel Roggen, 1 Scheffel Gersten, 6 Pfennige Zehnt, Dienst und Rauchhuhn Hermann von Brunn Claus Klemann Kossät 2 Scheffel Roggen, 2 Scheffel Gersten, 1 Schilling Pfennige, schmaler Zehnt, Dienst und Rauchhuhn Hermann von Brunn dito dito Dienst und Rauchhuhn von Fabian Kersten Tiden Kossät 1 Scheffel Roggen, 1 Scheffel Gersten, 6 Pfennige Zehnt Hermann von Brunn dito dito Dienst und Rauchhuhn von Fabian Claus Kletze Kossät 1 Scheffel Roggen, 1 Scheffel Gersten, 6 Pfennige Zehnt, Dienst und Rauchhuhn von Fabian 10 Bauernhöfe, 8 Kossätenhöfe 18½ Hufen – –

Im weiteren Verlauf der Geschichte gelang es den von Fabian bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, alle Rechte und Hebungen in Gartow in ihren Besitz zu bringen.

Hermann von Brunn hatte 1491 einen Wohnhof in Gartow; ihm standen unterschiedlich hohe Geld- und Naturalabgaben von acht Höfen und von drei Kossäten zu; außerdem die Dienste eines Einhufenbauern und von zwei Kossäten. Dieser Wohnhof bestand auch 1525 noch. 1542 saß ein Hinrich von Brunne in Gartow. Später waren die von Brunn in Brunn und Tornow angesessen. Nach 1644 war dieser Besitztitel an die von Fabian übergegangen.

Achim und Berthold von Kahlbutz von Kampehl hatten geringe Abgaben von drei Bauernhöfen. Diese Abgaben im Besitz derer von Kahlbutz in Kampehl lassen sich z. T. bis ins 18. Jahrhundert verfolgen. Auch dieser Anteil muss danach an die von Fabian übergegangen sein.

Die von Schönermark hatten 1491 einen Zweihufenhof mit allen Rechten und Abgaben. 1525 hatte Andreas von Schönermark einen Wohnhof in Gartow. Der Anteil der von Schönermark in Wusterhausen/Dosse, später zu Metzelthin ist bis 1644 nachgewiesen; danach muss er an die von Fabian gekommen sein. Nach dem Schossregister von 1542 war Andreas Schonermark immer noch Besitzer eines Rittersitz in Gartow, von dem er 5 Gulden für seine Person geben musste.

Die Kinder des Luttke von Rathenow bezogen 1491 geringe Geldabgaben von drei Bauernhöfen. Der Anteil der von Rathenow in Plänitz an diesen drei Höfen ging 1581 an die von Reiche zu Metzelthin über, die sie bis 1671 behaupteten. Danach kamen die von Weitzke in Metzelthin in den Besitz der Hebungen, bevor sie 1705 ebenfalls an die von Fabian in Gartow kamen.

Ein Roleke Borchagen bezog einen großen Teil der Naturalabgaben von zwei Bauernhöfen aus Gartow. Henning von Gühlen von Barsikow hatte 1491 meist Geldabgaben von acht Bauernhöfen in Gartow. Die weitere Geschichte dieser Besitzanteile ist unklar. Sie kamen wohl bald nach 1491 an die von Fabian.

Schon vor 1491 hatten die von Fabian Gartow in Besitz. Da in dieser Urkunde immer von den Fabian gesprochen wird, kann man davon ausgehen, dass es damals entweder die erst später dokumentierten zwei Wohnhöfe der von Fabian schon gab oder ein Wohnhof war im Besitz von zwei oder mehreren Brüdern Fabian; dazu kam der obige Wohnhof des Hermann von Brunn. 1525 waren die von Fabian im Besitz des Gerichts, von zwei freien Wohnhöfen mit fünf Hufen, Diensten und Hebungen. Nach dem Landregister des Landes Ruppin von 1525 gehörte der Ort den von Fabian und den von Brunn. Drei Viertel Erbsen ging an die Herrschaft Neustadt. Die Herrschaft Neustadt (Dosse) war zu drei Vierteln landesherrlich, zu einem Viertel gehörte sie Baltzer von Rohr. 1541 wohnte Matthias von Fabian auf einem der Rittersitze in Gartow; er ist auch für 1542 nachgewiesen. Mathis fabian tho Gartow musste nach dem Schossregister von 1542 für seine Person 20 Gulden bezahlen, insgesamt 25 Gulden 20 Lübecker Schillinge.