Störkraft war eine 1985 gegründete Rechtsrock-Band. Anfang der 1990er wurde sie durch Medienberichte die wohl bekannteste Band dieses Spektrums. Sie hat sich Mitte der 1990er Jahre aufgelöst.

Stil Die Texte der Band sind „unmissverständlich fremdenfeindlich“ und rufen zum Widerstand gegen „Linke“ auf, die ohne klare Abgrenzung als „rote Flut“ bezeichnet werden. „Von eindeutig rechtsextremen Texten“ könne in Bezug auf Linke zumeist nicht gesprochen werden. Wie bei vielen Rechtsrock-Bands stehen damit „Ausländer“ und „Linke“ („Zecken“) auch bei Störkraft im Mittelpunkt der textlichen Angriffe.

Stilistisch wird die Musik meist dem Rechtsrock zugeordnet. Der Sound von Störkraft hebt sich vor allem durch zwei Merkmale von ähnlichen Bands ab: die prägnante Stimme des Sängers sowie kurze melancholisch klingende Gitarrensoli mit viel Hall.

Erfolge Die Band wurde ab Oktober 1992 bundesweit bekannt, als sie in mehreren Magazinen von öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehsendern auftrat: zum Beispiel Einspruch (Sat.1), Spiegel TV (RTL), Akut (Sat.1), Report (ARD) und Frontal (ZDF). Hinzu kamen zu jener Zeit zahlreiche Zeitungsberichte über Rechtsrock und die Band Störkraft im Besonderen. Der Spiegel führte ein großes Exklusiv-Interview mit der Gruppe. PDF-Version

Der Hintergrund war eine Kampagne des Berliner Jugendsenators Thomas Krüger (SPD), der auf einer Pressekonferenz die Indizierung und strafrechtliche Verfolgung einiger Rechtsrock-Produktionen, vor allem von Störkraft, gefordert hatte. Daraufhin wurden deren Kassetten und Texte an Journalisten verteilt.

Klaus Farin, ehemaliger Leiter des Berliner Archivs der Jugendkulturen und Autor einiger Sachbücher und Filme über Neonazis und ihre Musik, urteilte darüber:

Die Band wurde in dem am 10. September 1993 veröffentlichten Anti-Neonazi-Lied Schrei nach Liebe von Die Ärzte erwähnt, in dem eine Zeile lautet: „Zwischen Störkraft und den Onkelz steht ’ne Kuschelrock-LP“.

Tatsächlich sorgte diese Medienpräsenz für Verkaufszahlen von über 70.000 CDs von Störkraft und machte sie damit zur erfolgreichsten Rechtsrock-Band Deutschlands. Das Management der Band übernahm der Düsseldorfer Unternehmer Torsten Lemmer, der bereits eine Reihe weiterer Rechtsrock-Bands betreute. Die Tonträger wurden von nun an über den neonazistischen Zeitungs- und Musikverlag Rock Nord vertrieben.

Anfang der 1990er Jahre versuchte sich die Band mit der Single Mordbrenner – Ihr gehört nicht zu uns! von ihrem Neonazi-Image zu lösen. Mit dem Lied Mörder ohne Reue (ein Cover des Stücks Brighton Bomb der betont antirassistischen englischen Punk-Gruppe Angelic Upstarts) distanzierten sie sich von neonazistischen Skinheads, die auch vor dem Verüben von Brandanschlägen gegen Ausländer nicht zurückschrecken. Das Lied sollte ursprünglich in das Repertoire des kurzlebigen Projekts Ruhrpott Rejects, das Volker Grüner zusammen mit Stefan Spiller (heute Sänger der Oi!-Band Emscherkurve 77 und zuvor bei einer neonazistischen Gruppe namens Voll Die Guten) unterhielt, aufgenommen werden, dieses Vorhaben verlief jedoch im Sande. Laut Aussage von Volker Grüner war der Text dieses Liedes für ihn eine „Herzensangelegenheit“, die Gruppe war sich allerdings bewusst, dass es im Rahmen eines „Strafverfahrens“ „gut passt“, dieses Lied unter dem Namen Störkraft zu veröffentlichen.Interviews mit Volker Grüner im Fanzine Scumfuck (Ausgaben 29 und 30) mit Volker Grüner, Duisburg 1995/1996

Auflösung Die Band Störkraft hat sich Mitte der 1990er aufgelöst. Bandmanager Torsten Lemmer stieg innerhalb eines von Christoph Schlingensief geleiteten Aussteigerprojekts 2001 aus der Neonazi-Szene aus und veröffentlichte später ein Buch über seinen Ausstieg.

Der ehemalige Gitarrist Volker Grüner spielte ab 1997 bei der Band 4 Promille, die unpolitischen Oi! machte und sich in Interviews und auf ihrer Homepage explizit gegen Rechtsradikalismus abgrenzte (u. a. coverten 4 Promille das Stück Watch Your Back der englischen Oi!-Band Cock Sparrer, in dessen Text sich gegen die Ausnutzung der Arbeiterklasse von linken wie rechten Extremisten ausgesprochen wird).

Der gelernte Schweißer Stefan Rasche war von 1993 an als Sänger bei der Düsseldorfer Neonazi-Combo "Starkstrom" aktiv, die bis 1996 zwei CDs veröffentlichte und auf mehreren Skinhead-Konzerten auftrat.Skinheads und Rechtsextremismus. Instrumentalisierung einer jugendlichen Subkultur. Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen (Hrsg.), Düsseldorf 2001, S. 44f Er distanzierte sich später von der rechten Szene und ist seit 2010 Betriebsrat bei der Rheinbahn. Seine Berufung in ein Förderprojekt der Oper Düsseldorf sorgte 2013 für eine Kontroverse.Aufregung um Stefan Rasche Vom Rechts-Rocker zum „Opernscout“. Express, 28. Oktober 2013

Veröffentlichungen

Studioalben 1989: Dreckig, kahl und hundsgemein (indiziertBundesanzeiger vom 31. Oktober 1992Folgeindizierung im Bundesanzeiger vom 30. Oktober 2017 und beschlagnahmtEinziehungsbeschluss des Amtsgerichts Mayen vom 2. September 1993 (Aktenzeichen: 101 Js 6893/92 Jug. 3 Ls)) 1990: Mann für Mann (indiziertBundesanzeiger vom 31. Oktober 1992Folgeindizierung im Bundesanzeiger vom 30. Oktober 2017 und beschlagnahmtEinziehungsbeschluss des Amtsgericht Mayen vom 2. September 1993 (Aktenzeichen: 101 Js 6893/92)Einziehungsbeschluss des Amtsgericht Halle vom 6. Juli 1994 (Aktenzeichen: 33 Gs 289/94)) 1996: Wikinger

Sonstige 1991: Parole Spaß (Single, Kollaboration der Gruppen Störkraft, Noie Werte und Endstufe als Störstufe, von 1993Bundesanzeiger vom 30. Juni 1993 bis 2018 indiziert) 1991: Live 1991 (Livealbum, indiziertBundesanzeiger vom 28. November 1992Folgeindizierung im Bundesanzeiger vom 27. November 2017) 1993: Mordbrenner – Ihr gehört nicht zu uns! (Maxi-CD) 1993: Unter Froinden (Kompilation, indiziertBundesanzeiger vom 30. August 1997) 1996: Das waren noch Zeiten (Livealbum, indiziertBundesanzeiger vom 29. August 1998Folgeindizierung im Bundesanzeiger vom 28. Juli 2023Bundesanzeiger vom 29. Oktober 2005 und beschlagnahmtEinziehungsbeschluss des Amtsgericht Ulm vom 16. April 1998 (Aktenzeichen: 6 Ds 11 Js 498/98 - 6 AK 26/98)) 1996: Konzert für Froinde (Livealbum, indiziertBundesanzeiger vom 31. Oktober 2006) 2000: Wir sind die Kraft (Kompilation, indiziertBundesanzeiger vom 30. November 2002) ????: The Best of Störkraft (Kompilation, indiziertBundesanzeiger vom 31. Mai 2006)

Literatur Christian Dornbusch, Jan Raabe: RechtsRock. Unrast Verlag, 2002, ISBN 3-89771-808-1, Broschiert, Rat u. a. (Hrsg.): White Noise. Unrast Verlag, Jan. 2001, ISBN 3-89771-807-3. Klaus Farin: Die Skins: Mythos und Realität. Ch. Links, Berlin 1997.

Weblinks David Schwarz: OI! Musik, Politik und Gewalt. (mit Text- und Notenbeispielen) Sat 1 Talkshow Einspruch: Einspruch! - Rio Reiser diskutiert mit Störkraft - 1992

Einzelnachweise

Kategorie:Rechtsrock-Band Kategorie:Deutsche Band