mini|Nachtclub Pulse (2006) Bei dem Terroranschlag von Orlando im US-Bundesstaat Florida am 12. Juni 2016 wurden 49 Menschen getötet und 53 verletzt. Damit war es das bis dahin folgenschwerste Attentat in den Vereinigten Staaten seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001,Police: 50 killed in Florida nightclub terror attack. In: CNN.com, 12. Juni 2016 (englisch) der gravierendste einzelne queerfeindliche Gewaltakt und eines der verheerendsten Massaker in der Geschichte des Landes.Disco-Massaker in Orlando: „Eine Tragödie für die gesamte Nation“. In: Spiegel Online. 12. Juni 2016. Der Attentäter Omar Mateen wurde durch Polizisten getötet.Ulf Lüdeke: Bluttat in OrlandoExperte: Blutbad in Orlando ist der Weckruf der einsamen Wölfe. In: Focus Online. 13. Juni 2016.

Tathergang mini|Einsatz- und Rettungsfahrzeuge vor dem Nachtclub während der Geiselnahme Gegen 2:00 Uhr früh Ortszeit (8:00 Uhr MESZ) kam es in dem überwiegend von LGBT-Personen besuchten Nachtclub Pulse in Orlando, Florida, zu einer Geiselnahme und Erschießungen unter Einsatz eines Selbstladegewehrs SIG MCX und einer Glock 17.Significance of Orlando gunman calling 911 during standoff. In: CBS News. 13. Juni 2016, abgerufen am 15. Juni 2016. Diese Waffen hatte der Täter laut Angaben des Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives in der Woche zuvor legal erworben. Als Mateen das Pulse betrat, befanden sich etwa 320 Menschen in den Räumlichkeiten.At Least 50 Dead in Orlando Gay Club Shooting, Suspect Pledged Allegiance to ISIS, Officials Say bei ABC News vom 12. Juni 2016. Etwa 100 Polizisten wurden nach den ersten Notrufen zum Tatort entsandt.

Um 2:22 Uhr meldete der Täter sich per Notruf, wobei er sich zur Terrororganisation Islamischer Staat bekannte und auch auf Tamerlan und Dschochar Zarnajew, die Attentäter des Anschlags auf den Boston-Marathon, verwies.Timeline of Orlando nightclub shooting. In: CNN.com, 13. Juni 2016. Um 3:58 Uhr gab das Orlando Police Department (OPD) öffentlich bekannt, dass es eine Schießerei mit zahlreichen Verletzten in dem Club gegeben habe.

Als immer mehr Polizisten das Pulse erreichten, zog sich Mateen in die Toilettenräume zurück, wo er vier bis fünf Geiseln in seiner Gewalt hatte. Bei den folgenden Verhandlungen mit der Polizei wirkte der Täter laut Angaben des Polizeichefs ruhig und gelassen und gab zu verstehen, Sprengstoff bei sich zu haben und weitere Geiseln zu töten. Ein SWAT-Team der Polizei stürmte um 5:08 Uhr den Club. Unter anderem wurde ein Loch in eine Außenmauer gesprengt.Massaker in Orlando – So befreite die Polizei die Geiseln. In: spiegel.de, 13. Juni 2016, abgerufen am 2. Januar 2018. Bei dieser Aktion seien nach Angaben der Polizei etwa 30 Menschen befreit worden. Der Attentäter wurde bei einem Schusswechsel mit der Polizei getötet.Gunman In Orlando Nightclub Shooting That Left Nearly 20 Dead Identified As Omar Mateen. In: CBS New York. 12. Juni 2016. In: bnonews.com 39 Menschen wurden innerhalb des Clubs tot aufgefunden, zwei weitere außerhalb. Weitere Opfer erlagen in umliegenden Krankenhäusern ihren Verletzungen.Orlando mass shooting: Timeline of events. In: Orlando Sentinel. 13. Juni 2016. Ein Polizist erlitt bei der Erstürmung einen Kopfschuss mit einer Augenverletzung, die im Krankenhaus behandelt werden musste; die Kugel hatte den Helm durchschlagen.

Insgesamt kamen mindestens 49 Personen ums Leben und 53 weitere Personen wurden z. T. lebensgefährlich verletzt. Der Großteil der Opfer im Club waren US-Bürger puerto-ricanischer und mexikanischer Abstammung.Victims of Orlando nightclub shooting identified. In: USA Today

Am 30. Juni berichtete die New York Times von neu aufgetauchten Dokumenten, die den durch offizielle Stellen veröffentlichten Geschehensablauf in Frage stellten. So berichteten Notrufer von Schüssen auch nach 2:18 Uhr, nämlich um 2:30 und 2:34 Uhr, was den bisherigen Verlautbarungen widerspricht. Die ersten Anrufe von Schwerverletzten aus den Toilettenräumen des Pulse trafen bei den Rettungsstellen ab 2:21 Uhr ein, und somit 30 Minuten bevor die Polizisten vor Ort gewarnt wurden, dass Mateen Sprengstoff bei sich trug, womit sich die Frage stelle, weshalb der Zugriff nicht früher erfolgte. Zudem bestätigte sich eine frühere Meldung, dass die Fluchttüren des Nachtclubs zum Teil nicht funktionierten.Frances Robles, Lizette Alvarez: New Documents Question Timeline in Orlando Nightclub Massacre. In: New York Times. 30. Juni 2016, abgerufen am 3. Juli 2016.

Täter hochkant|mini|Der Attentäter Omar Mateen (Führerscheinfoto) Omar Mir Seddique Mateen, zuletzt wohnhaft in Port St. Lucie, wurde am 16. November 1986 in New Hyde Park, New York,Gal Tziperman Lotan, Paul Brinkmann, Rene Stutzman: Witness: Omar Mateen had been at Orlando gay nightclub many times. In: orlandosentinel.com, 13. Juni 2016, abgerufen am 2. Januar 2018. geboren.„Das ist der Killer, der 50 Menschen in einem Nachtclub tötete“. In: focus.de, 12. Juni 2016, abgerufen am 13. Juni 2016. Er war der Sohn afghanischer Immigranten und zog mit seinen Eltern im Jahr 1990 nach Port St. Lucie. Sein Vater war als Finanzmakler zu Wohlstand gekommen und hatte die amerikanische Staatsbürgerschaft erhalten. Bis zum Abschluss besuchte Mateen drei unterschiedliche High Schools, wobei er mehrfach vom Schulbesuch suspendiert wurde, auch wegen Tätlichkeiten.Dan Barry, Serge F. Kovaleski, Alan Blinder, Mujib Mashal: ‘Always Agitated. Always Mad’: Omar Mateen, According to Those Who Knew Him. In: New York Times. 18. Juni 2016, abgerufen am 23. Juni 2016. Er besuchte für ein Jahr die Martin County High School und erreichte jeweils 2006 und 2007 Abschlüsse am Indian River State College.He got Indian River State College degrees in Science in 2006 and 2007. In: floridatoday.com

2009 heiratete er eine aus Usbekistan stammende Frau; das Paar wurde 2011 geschieden. 2013 heiratete Mateen zum zweiten Mal. Er wurde Vater eines zur Tatzeit drei Jahre alten Sohnes.Florida nightclub shooter apparently made threats in the past; ex-wife claims he beat her. In: FoxNews. 12. Juni 2016. Mateen besaß die US-amerikanische und die afghanische Staatsbürgerschaft.Orlando shooting: US citizen Omar Mateen named by media as gunman behind killing of 20 people at gay nightclub Pulse. In: telegraph.co.uk, (engl.)

Mateen besaß durch seine Arbeit für die größte international agierende Sicherheitsfirma G4SIS reklamiert Verantwortung für Bluttat von Orlando für sich. In: Süddeutsche Zeitung. 12. Juni 2016. zwei Waffenscheine mit dazugehörigen Waffen und eine Lizenz als Sicherheitsbediensteter. Mateen stand nicht auf der Terroristenliste des FBI, es gab aber Ermittlungen wegen anderer Straftaten gegen ihn.

Laut FBI gibt es Hinweise darauf, dass Mateen mit der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) sympathisiert habe, und ein Hassverbrechen gegen Homosexuelle werde nicht ausgeschlossen.Orlando unter Schock: Massaker im Schwulenclub in Handelsblatt vom 12. Juni 2016. Allerdings bestätigte sich dieses ursprünglich vermutete Motiv im Laufe der weiteren Ermittlungen nicht: Weder hatte Mateen gezielt einen LGBT-Nachtclub als Angriffsziel genutzt, noch habe er sich während seiner Mordserie LGBT-feindlich geäußert. Stattdessen kritisierte er mehrfach aktuelle Militäreinsätze in muslimischen Ländern.theintercept.com

Mateen wurde 2013 aus dem Sicherheitsdienst des Courthouse von Fort Pierce entlassen, da er dort durch Auftreten und aufrührerische Kommentare negativ aufgefallen war, und als Wachpersonal zu einem örtlichen Golfplatz versetzt. Laut FBI-Direktor James B. Comey befand sich Mateen auch anlässlich dieses Vorgangs von 2013 bis 2014 auf einer Terrorismus-Beobachtungsliste.Liam Stack: Orlando Shooting: What We Know and Don’t Know. In: New York Times. 12. Juni 2016, abgerufen am 16. Juni 2016. Adam Schiff, Minderheitenführer der Demokratischen Partei im United States House Permanent Select Committee on Intelligence, teilte mit, dass Informationen vorlägen, dass Mateen dem IS Gefolgschaft geschworen habe.Orlando nightclub shooting: 50 killed in 'domestic terror incident' at gay club; gunman pledged allegiance to ISIS. In: Washington Post. 12. Juni 2012 (englisch).

Mateens Vater Seddique Mir Mateen sagte gegenüber NBC News, dass die Tat seines Sohnes nicht religiös motiviert sei, sein Sohn aber sehr wütend geworden sei, nachdem er in Miami vor Monaten zwei sich küssende Männer gesehen habe.Orlando gay nightclub shooting: 50 killed, suspect is Omar Mateen. In: BBC.com, 12. Juni 2016. Seddique Mir Mateen selbst täuschte 2015 eine Kandidatur für die bereits ein Jahr zuvor gehaltene Präsidentschaftswahl in Afghanistan vor. Außerdem sympathisierte der Vater des Täters auf einem islamischen Fernsehsender aus Kalifornien sowie auf YouTube mit den Taliban. Dort kritisierte er auch die Durand-Linie (Demarkationslinie zwischen Afghanistan und Pakistan).

Nach Angaben von Augenzeugen habe Mateen häufig den von ihm angegriffenen LGBT-Club besucht und öfter an der Bar Alkohol konsumiert. Er sei dort aufgrund seiner Aggressivität negativ aufgefallen. Außerdem habe er eine bei Schwulen beliebte Dating-App benutzt. Das FBI teilte mit, es gebe keine Belege für eine Nutzung derartiger Dating-Apps. Eine Sprecherin der Klubinhaberin erklärte, Mateen sei kein regelmäßiger Gast im Pulse gewesen.Ehefrau des Attentäters droht Anklage. In: Spiegel Online. 15. Juni 2016.

Seine Ex-Frau Yusufiy und ehemalige Mitschüler behaupteten, Mateen sei selbst homosexuell gewesen.Mörder saß öfter trinkend an der Bar des „Pulse“. In: welt.de, 14. Juni 2016, abgerufen am 2. Januar 2018.Attentäter soll Club mehrfach besucht haben. In: zeit.de, 14. Juni 2016, abgerufen am 2. Januar 2018.Anschlag auf Homosexuellenclub: Ex-Frau und -Mitschüler: Attentäter von Orlando war selbst schwul. In: stern.de. 14. Juni 2016, abgerufen am 2. Januar 2018.

Gegen die Witwe des Attentäters, Noor Zahi Salman,After F.B.I.’s Inquiry Into Omar Mateen, a Focus on What Else Could Be Done. In: New York Times. 14. Juni 2016. wurde ein Ermittlungsverfahren wegen Beihilfe eingeleitet. Sie habe ihn beim Waffen- sowie Munitionskauf begleitet und ihn bei einer früheren Auskundschaftung des Pulse-Nachtclubs zu diesem gefahren. Ihr wird vorgeworfen, es jeweils unterlassen zu haben die Polizei zu informieren.Wegen Beihilfe: Frau des Attentäters droht Anklage. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 14. Juni 2016.

Die Autopsie ergab, dass lange Zeit Steroide nutzte.

Reaktionen Politik mini|US-Präsident Obama bei einer Ansprache zum Anschlag am 12. Juni 2016 mini|Anteilnahme vor der US-amerikanischen Botschaft in Warschau Wenige Stunden nach der Tat rief der Bürgermeister von Orlando, Buddy Dyer, den Notstand in der Stadt aus und bat den Gouverneur von Florida, Rick Scott, dies für den gesamten Staat zu tun. Mit der Ausnahmeregelung sollten die Ermittlungen erleichtert werden.

Präsident Barack Obama wies die Bundesbehörden an, jede mögliche Unterstützung zur Intensivierung der Ermittlungen und zur Betreuung der Betroffenen bereitzustellen. Er bezeichnete die Tat als einen „Akt des Terrors und des Hasses“, gleichbedeutend mit einem Attentat „gegen alle Amerikaner“. In seiner Erklärung stellte Obama auch einen Zusammenhang mit der leichten Verfügbarkeit von Waffen in den USA her:

Außerdem ordnete Obama an, die US-Flaggen auf halbmast zu setzen. Presseerklärung des Weißen Hauses vom 12. Juni 2016. Als Reaktion auf den Anschlag forderte Donald Trump, designierter Kandidat der Republikaner bei der Präsidentschaftswahl 2016, erneut einen Zuwanderungsstopp für muslimische Migranten. Er äußerte ferner seine Überzeugung, dass dieser Anschlag erst der Anfang sei. Die voraussichtliche Kandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, hielt sich in ihrer Stellungnahme weitgehend an den Wortlaut des amtierenden Präsidenten.Jonathan Martin: Donald Trump Seizes on Orlando Shooting and Repeats Call for Temporary Ban on Muslim Migration. In: New York Times. 12. Juni 2016, abgerufen am 15. Juni 2016.