Ernst Weitkamp (* 1. Mai 1908 in Quernheim, Kreis Herford; † 24. September 1977 in Lübbecke) war ein deutscher Zahnmediziner, der während der NS-Zeit u. a. als Lagerzahnarzt im KZ Mauthausen eingesetzt wurde.

Leben Das Studium der Zahnmedizin absolvierte Weitkamp an der Philipps-Universität Marburg, wo er seit 1928 der Turnerschaft Schaumburgia Marburg, einer schlagenden Korporation des VC angehörte.Fabian Illing (Hrsg.): Historisches Mitgliederverzeichnis 1879–2008. Altherren-Vereinigung Schaumburgia-Tuiskonia und Turnerschaft Schaumburgia, Marburg 2008, S. 18. Er beendete das Studium 1932 in Frankfurt am Main mit der Promotion und Approbation. Im Oktober ließ er sich als Zahnarzt in Lübbecke/Westfalen nieder, 1933 folgte „als Voraussetzung für die Kassenzulassung“ (Weitkamp) der Eintritt in das NSFK,"Politischer Lebenslauf" Ernst Weitkamp vom 15. Okt. 1947, in: Entnazifizierungsakte Ernst Weitkamp, NW 1067/3237, Landesarchiv Düsseldorf im März 1934 die Mitgliedschaft in der SS (SS-Nummer 264.024), ab Mai 1937 in der NSDAP.Fragebogen zu Ernst Weitkamp, Military Government of Germany, in: Entnazifizierungsakte, NW 1067/3237, Landesarchiv Düsseldorf Im November 1939 wurde Weitkamp zu einem Sanitäts-Führeranwärterlehrgang einberufen und war von April bis August 1940 als Leiter der Zahnstation im KZ Mauthausen tätig. Er behandelte hier in seiner Praxis außerhalb des eigentlichen Lagers nach eigenen Angaben Angehörige der Waffen-SS und Häftlinge.Niederschrift der Vernehmung von Ernst Weitkamp durch das Landeskriminalamt Baden-Württemberg vom 23. April 1976, in: Entnazifizierungsakte Ernst Weitkamp, NW 1067/3237, Landesarchiv Düsseldorf Anschließend wechselte Weitkamp zum „Reservelazarett der Barmherzigen Brüder“ nach Linz. Aus gesundheitlichen Gründen kehrte Weitkamp im November 1940 in seine Praxis nach Lübbecke zurück. Von März 1941 bis Kriegsende folgten weitere Einsätze als Zahnarzt in SS-Einheiten im Rang eines SS-Obersturmführers.

Im Entnazifizierungsverfahren der britischen Militärregierung legte Weitkamp Erklärungen von Zeitzeugen vor, die seine Ablehnung des Nationalsozialismus, seine frühzeitige innere Abkehr von der SS, seinen Anschluss an die Bekennende KircheErklärung Dr. Friedrich Brinkmann v. 13. Febr. 1948; Zeugnis Pfarrer Vethake v. 28. Nov. 1945; Erklärung Willy Zelonka v. 10. Sept. 1943, in: Entnazifizierungsakte Ernst Weitkamp, NW 1067/3237, Landesarchiv Düsseldorf und persönliche Hilfe für NS-Gegner bescheinigten. So berichtete 1945 ein ehemaliger KZ-Insasse nach seiner Entlassung aus neunjähriger Haft, dass er 1936 mit seiner Verlobten auf der Flucht vor der Gestapo von Weitkamp zwei Wochen lang beherbergt worden sei.Erklärung Carl Müller v. 20. März 1947, in: Entnazifizierungsakte Ernst Weitkamp, NW 1067/3237, Landesarchiv Düsseldorf

Nach Empfehlung des Entnazifizierungs-Sachverständigen („Nachteilige Handlungen oder Denunziation von Nazigegnern nicht bekannt“) wurde Weitkamp mit Bescheid vom 5. April 1948 abschließend in die Kategorie IV („Mitläufer“, keine beruflichen Beschränkungen, Vermögens- oder Kontensperrungen) eingestuft.Einreihungsbescheid (Kategorien III und IV), Militärregierung Deutschland (Britisches Kontrollgebiet) vom 5. April 1948, in: Entnazifizierungsakte Ernst Weitkamp, NW 1067/3237, Landesarchiv Düsseldorf Bis zu seinem Tod (1977) praktizierte er als niedergelassener Zahnarzt in Lübbecke. Sein Sohn Jürgen Weitkamp übernahm seine Praxis und wurde später Präsident der Bundeszahnärztekammer.

Einzelnachweise

Kategorie:SS-Zahnarzt Kategorie:Lagerarzt im KZ Mauthausen Kategorie:Lagerzahnarzt in Konzentrationslagern Kategorie:Angehöriger der Waffen-SS Kategorie:NSFK-Mitglied Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Person der Bekennenden Kirche Kategorie:Fluchthelfer für NS-Verfolgte Kategorie:Turnerschafter Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1908 Kategorie:Gestorben 1977 Kategorie:Mann