Tichys Einblick ist ein seit 2014 erscheinendes Onlinemagazin des deutschen Journalisten und Publizisten Roland Tichy, der auch die namensgebende Kolumne beisteuert. Seit 2016 erscheint zudem monatlich eine gedruckte Zeitschrift gleichen Titels.

Das Medium bezeichnet sich selbst als „liberal-konservatives Meinungsmagazin“. Es versammelt in verschiedenen Formaten regelmäßige Beiträge von Kolumnisten sowie unregelmäßig Kommentare von einer Reihe von Autoren und Gastautoren zum politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Geschehen. Die Gastbeiträge reichen im politischen Spektrum von Wirtschaftsliberalismus bis hin zum Rechtspopulismus. Das Magazin ist aufgrund polarisierender Darstellungen Gegenstand zahlreicher Kontroversen.

Selbstdarstellung Tichys Einblick versteht sich als Plattform für Autoren des liberalen und konservativen Spektrums. Es beschreibt sich selbst explizit als Meinungsmagazin sowie als „Monatsmagazin für die liberal-konservative Elite; eine Zielgruppe, die die Nase voll hat vom bevormundenden Mainstream-Journalismus, die selber denkt, die die Wahrheit verträgt, die mehr über Hintergründe und Zusammen­hänge erfahren möchte. Die die Dinge anschaut, wie sie sind und nicht so, wie man sie sich wünscht.“

Tichy selbst sieht sein Medium als „Stimme der Nachdenklichen und Aktiven“. Cora Stephan, selbst Gastautorin bei Tichys Einblick, lobte 2016 in der Neuen Zürcher Zeitung die Online-Zeitung zusammen mit der Achse des Guten als Plattform für „Intellektuelle“, die sich heute „woanders als in den hergebrachten Medien“ äußern würden, weil der Diskurs in Deutschland „unliebsame Meinungen“ ausschließe und Kritiker vorschnell in „die rechte Ecke“ stelle.

Inhalte und Autoren Die Publikation gliedert sich in sechs journalistische Ressorts: „Kolumnen“, „Gastbeitrag“, „Daili|Ess|Sentials“, „Meinungen“, „Feuilleton“ und „Wirtschaft“.

Zu den Autoren zählen oder zählten unter anderem Rafael Seligmann,Cornelius Janzen: Tichys Welt – Xing-News-Herausgeber gibt nach Shitstorm Posten auf. 3sat-Kulturzeit, 9. Januar 2017. der ehemalige FAZ-Herausgeber Hugo Müller-Vogg, Matthias Matussek, Wolfgang Herles, Bettina Röhl, Fritz Goergen, Peter Heller, Alexander Wendt, Ferdinand Knauß, Christian Rieck, der FDP-Politiker Frank Schäffler, Hubertus Knabe, Ronald G. Asch, Alexander Wallasch, Boris Reitschuster, Klaus-Rüdiger Mai und Bernd Zeller. 2020 verfasste der stellvertretende CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende Arnold Vaatz einen Gastbeitrag.

Redaktionsleiter ist sein Internet-Kolumnist Stephan Paetow, früher Vize-Chefredakteur beim Focus.

Reichweite, Ausgaben und Auflage Tichys Einblick zählt laut eigenen Angaben über 7,5 Millionen Klicks von rund 650.000 verschiedenen Nutzern pro Monat auf der eigenen Website. Im Vergleich mit anderen Online-Ausgaben deutscher Zeitungen befand sich Tichys Einblick im Februar 2019 damit auf Platz 39.

Seit Oktober 2016 erscheint monatlich ein Heft mit rund 100 Seiten. Das Heft startete mit einer Auflage von 70.000 Exemplaren und ist im Abonnement und im Einzelverkauf erhältlich. Die verkaufte Auflage des Magazins betrug im 3. Quartal 2020 laut IVW 21.748 Stück, 27,9 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahresquartal.ivw.eu, auf ivw.de Das Magazin erscheint zunächst im Finanzen Verlag, der unter anderem auch die Zeitschriften Euro und Börse Online verlegt.Bülend Ürük; Ab Montag am Kiosk: „Tichys Einblick“ startet mit vierstelliger Zahl von Abonnenten. kressnews, 9. Oktober 2016. Seit 2022 verlegt die Holderstock Media GmbH das Magazin.

Rezeption Ausrichtung Sumi Somaskanda ordnete im Frühjahr 2017 Tichys Einblick in der Zeitschrift Internationale Politik unter den „rechtsgerichteten ‚Anti-Establishment‘-Medien“ ein.Sumi Somaskanda: Schmalbart in der Nachrichtenküche: Internationale Presse: Käme das US-Portal Breitbart nach Deutschland, beträte es kein Neuland, Internationale Politik März/April 2017, S. 128–131.

Das Medienmagazin Meedia schrieb 2016: „Kritiker sehen den Einblick eher am Rande zum Rechtspopulismus.“ Andererseits warnte Franz Sommerfeld 2018 im selben Medium auch vor dieser simplen Zuschreibung als einem „flotten Etikett“. Michalis Pantelouris attestierte 2016 auf der Medienplattform Übermedien, dass Tichys Einblick in seiner

In der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bemerkte 2014 der Journalist Thiemo Heeg, dass man sich auf Tichys Einblick insbesondere extrem kontroversen Themen widme. Der Journalist Johannes Boie nannte Tichys Einblick 2016 in der Süddeutschen Zeitung „die konservative Alternative“ und bescheinigte dem Magazin, eine Marktlücke zu besetzen, die im Wesentlichen der Meinung folge, „nicht Teile der Gesellschaft rücken nach rechts, sondern Politik und Medien rücken ständig nach links“. Es bestehe „zu fünf Prozent aus Pegida, aus ein wenig Verständnis für die AfD, gemischt mit unendlicher Enttäuschung über die CDU und Angela Merkel, vor allem aber aus journalistischem Ehrgeiz und Mut“. Der Welt-Chefredakteur Ulf Poschardt merkte 2016 zum Anspruch von Tichys Einblick als „liberal-konservative Meinungsseite“ an, dass .

Daniel Bax bezeichnete Tichys Einblick 2018 als „von der Tendenz her eher rechtspopulistisch und nationalkonservativ“ und rechnete das Medium zum Vorfeld der Alternative für Deutschland (AfD).Daniel Bax: Die Volksverführer. Warum Rechtspopulisten so erfolgreich sind. Westend Verlag, Frankfurt 2018, ISBN 978-3-86489-178-6. Tim Wolff notierte 2015 in einer Blattkritik, dass „liberal“ auf Tichys Einblick vor allem wirtschaftsliberal bedeute. Ansonsten würden Kopp-Verlag, Die-Welt-Onlineforen und besorgtbürgerliche Facebook-Gruppen „das Gleiche weniger verschwiemelt und amüsanter liefern“.

Der britische Guardian bemerkte 2016 im Zusammenhang mit dem beabsichtigten Start von Breitbart News Network im deutschsprachigen Raum, der Markt für rechtsgerichtete Medien sei dort bereits durch Junge Freiheit, Compact, Politically Incorrect und Tichys Einblick besetzt. Der Journalist Cordt Schnibben nannte die Online-Zeitung in einem Spiegel-Leitartikel in einer Reihe mit „Salonhetzern“ von „Pegida und der AfD über die CSU“ bis zur „‚FAZ‘, der ‚Welt‘ und ‚Cicero‘“. Schnibben sah Tichys Einblick dabei als „nationalkonservativen Blog“. Detlef Esslinger schrieb 2018 in der Süddeutschen, dass sich mit der Eigenangabe liberal-konservativ tatsächliche liberal-konservative Personen kaum wohl fühlen könnten, tatsächlich gelänge es nicht, „diesseits der Grenze des Rechtspopulismus zu bleiben“.Detlef Esslinger: Um keinen Preis auf einer Bühne mit Tichy stehen. In: sueddeutsche.de Das Magazin, so Benjamin Reuter 2020 im Tagesspiegel, sei „so etwas wie das Zentralorgan der Wutbürger, die sich noch eine demokratische Fassade erhalten wollen“. Viele Inhalte seien „nah am Rechtspopulismus“, manche „auch schon jenseits dessen“.Benjamin Reuter: Wie der angebliche Corona-Geheimreport im Innenministerium entstand. www.tagesspiegel.de, 14. Mai 2020. Der Journalist Hans Demmel äußerte 2021, der Tonfall des Blogs habe sich „über die Jahre deutlich verschärft. Die klaren Feindbilder: die Bundeskanzlerin und die Bundesregierung“. Politiker wie Thilo Sarrazin und Hans-Georg Maaßen würden „nahezu kritiklos hochgejubelt“; so treffe er „anscheinend den Lesegeschmack einer verunsicherten, migrations- und europaskeptischen Leserschaft“.Hans Demmel: Anderswelt. Ein Selbstversuch mit rechten Medien, begleitet von Friedrich Küppersbusch. Kunstmann, München 2021, S. 10, 56. In der Journalistik argumentiert der Medienethiker Luis Paulitsch bei Medienprojekten wie Tichys Einblick, eXXpress und Nius für die Einordnung als „rechtskonservative ‚Alternativmedien‘“.

Der Jurist und Medienethiker Luis Paulitsch ordnete Tichys Einblick als rechtsalternatives Medium ein und schrieb, dass für das Magazin zwar „auch (ehemals) angesehene Journalist:innen“ tätig seien und es u. a. mit einer „ansehnlichen“ Druckausgabe „scheinbar professionell“ auftrete. Die Beiträge seien jedoch „stark meinungsbetont bis polemisch“ und erinnerten „nur selten an objektive Berichterstattung“.Luis Paulitsch: Alternative Medien. Definition, Geschichte und Bedeutung. Wiesbaden 2025, S. 51 u. S. 61.

Imre Grimm zählt Tichys Einblick zusammen mit Nius und Apollo News zu "parajournalistische[n] Portale[n]", die mit "sicherem Blick für Empörungspotenziale [...] Versatzstücke" skandalisierten, "Themen durch bewusstes Verkürzen und Weglassen" framten und "sich dabei als die wahren Hüter der Pressefreiheit" darstellten.Imre Grimm: „Nius“ – was ist das eigentlich?. In: Redaktionsnetzwerk Deutschland, 22. Januar 2026. Abgerufen am 23. Januar 2026.

Klimawandelleugnung Sebastian Haupt zählt Tichys Einblick zu den „oft einem rechtskonservativen bis rechtspopulistischen Meinungsspektrum“ angehörenden Alternativmedien, die die Positionen von Klimawandelleugnern verbreiten und dabei wie Zitierkartelle immer wieder auf sich gegenseitig querverweisen. Auch der Klimaforscher Stefan Rahmstorf zählt Tichys Einblick zu den klimaskeptischen Medien, die „immer wieder Zweifel an fundierter Klimawissenschaft“ streuten.Stefan Rahmstorf: Unlearn Desinformation, in: Claudia Kemfert, Julien Gupta, Manuel Kronenberg (Hrsgs.): Unlearn CO2. Zeit für ein Klima ohne Krise. Berlin 2024, 170–198, hier: S. 186. Die FAZ beschrieb die Webseite als „umstrittenes klimawandelskeptisches Magazin“.

2024 zählte Tichys Einblick zu den Veranstaltern eines „Bürgergipfels“ in Stuttgart, bei dem der Verein EIKE, der als Zentrum der politisch aktiven und organisierten Klimaleugnerszene in Deutschland beschrieben wird, als Partner auftrat.

„Neurechte Plattform“ als „substanzarme Meinungsäußerung“ Tichy unterlag im Februar 2020 am Stuttgarter Landgericht in einem Verfügungsverfahren gegen die Grünen-Politikerin Claudia Roth. Diese hatte in einem Interview mit der Augsburger Allgemeinen sein Magazin als „neurechte Plattform“ bezeichnet, „deren Geschäftsmodell auf Hetze und Falschbehauptungen beruht“. Die Zivilkammer bezeichnete dies als „substanzarme Meinungsäußerung“, Tichy müsse sich „als Akteur der öffentlichen Meinungsbildung auch überspitzte Äußerungen wie die von Roth gefallen lassen“. Im Berufungsverfahren bestätigten die Richter am Oberlandesgericht das Urteil des Landgerichts im Juni 2020. Die Äußerung Roths stelle „insgesamt eine Meinungsäußerung“ dar, die „von den Elementen der Stellungnahme, des Dafürhaltens und des Meinens der Beklagten geprägt sei“.

Kontroversen Pathologisierung des politischen Gegners Nachdem im Januar 2017 der Gastautor Jürgen Fritz in einem Beitrag der Online-Ausgabe „grün-linke Gutmenschen“ als „geistig psychisch krank“ bezeichnet hatte, gab es gegen diese Pathologisierung des politischen Gegners in erheblichem Umfang Proteste. Roland Tichy bat um Entschuldigung für die Formulierung seines Gastes und trat unter dem Eindruck von Ankündigungen in den sozialen Netzwerken, XING-Mitgliedschaften zu kündigen, von seiner Funktion als Herausgeber des Nachrichtenteils des Business-Netzwerks zurück.Im Auge des Sturms. FAZ.net, 9. Januar 2017.

Seenotrettung Im Juli 2018 verbreitete Tomas Spahn in Tichys Einblick nach Angaben von Stefan Niggemeier (Übermedien) die Falschmeldung, der Generalbundesanwalt ermittele gegen deutsche Seenothelfer-Organisationen wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung, nachdem er auf mehrfache diesbezügliche Anfragen bei der Bundesanwaltschaft keine Antwort erhalten hatte.Stefan Niggemeier: „Tichys Einblick“ erfindet Ermittlungen gegen Seenotretter. übermedien, 19. Juli 2018.