Ulrich Drüner (* 1943 in Thann) ist ein deutscher Musikwissenschaftler, Orchestermusiker und Publizist.
Drüner studierte von 1963 bis 1969 Musik und Musikwissenschaft in Freiburg und in Straßburg. Als Bratschist wirkte er, nach Anfängen 1969–1975 beim Stuttgarter Kammerorchester, 1975–2008 im Orchester der Staatsoper Stuttgart. Er wurde in dieser Zeit auch als Herausgeber von Werken für die Bratsche als Soloinstrument aktiv, z. B. von Sonata per la Grand' Viola e Orchestra von Nicolò Paganini, Thema und Variationen für Viola und Orchester von Carl Maria von Weber oder der dreibändigen Sammlung Das Studium der Viola. Eine Sammlung von 100 originalen Etüden des 19. Jahrhunderts.
Parallel zu dieser Karriere als Instrumentalist gründete Drüner 1983 ein Musikantiquariat, wozu ihm Jürgen Voerster (Stuttgart) und Albi Rosenthal (London) die wesentlichen Wissensgrundlagen vermittelt hatten. Den Fundus von Rosenthals Firma Otto Haas, die Drüner 2002–2010 kommissarisch führte, konnte er nach und nach selbst übernehmen. Unter weiteren besonders wertvollen Erwerbungen sind Teile der Nachlässe von Wilhelm Kempff und Alfred Cortot zu nennen, wie auch die Sammlungen der Adelshäuser Charron de Ménars (Blois/Loire), Adhémar (Toulouse), Löwenstein-Wertheim-Freudenberg (Heilbronn/Stuttgart) und Talleyrand-Périgord/Esterhazy (Neapel-Wien-Paris/Brüssel). Erweitert wurde das Antiquariat außerdem um die Wiederentdeckung von in der Edition lange Zeit vernachlässigten Komponistinnen.
1987 schloss Drüner seine Promotion über Richard Wagner ab. Die kritische Auseinandersetzung mit diesem Komponisten, besonders unter philosophischen und ideologischen Gesichtspunkten, stand auch in den folgenden Jahrzehnten immer wieder im Zentrum seiner wissenschaftlichen, schriftstellerischen und antiquarischen Tätigkeit. Als Komponisten-Experte wurde er auch in Film- und Fernsehproduktionen herangezogen, z. B. in dem Film Wagnerwahn (2013) von Ralf Pleger und bei ARD Alpha (2016).
Veröffentlichungen (Bücher) Richard Wagner. Parsifal. [Hrsg.] Libretto mit musikalischer und literarischer Analyse, Dokumentationen zu Entstehung und Rezeption, Kommentaren, Diskographie, Aufführungstabellen, Bibliographie und Zeittafeln, München 1990, ISBN 978-3-927724-06-8. 400 Jahre Staatsorchester Stuttgart. [Hrsg.] 1593–1993. Eine Festschrift. Stuttgart, Staatstheater Stuttgart 1994 Schöpfer und Zerstörer. Richard Wagner als Künstler. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2003, ISBN 978-3-412-17702-7. Mozarts Große Reise. Sein Durchbruch zum Genie 1777–1779. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2006, ISBN 978-3-412-34805-2. Musik und "Drittes Reich". Fallbeispiele 1910 bis 1960 zu Herkunft, Höhepunkt und Nachwirkungen des Nationalsozialismus in der Musik. Böhlau, Köln/Weimar/Wien 2012, ISBN 978-3-205-78616-0. Richard Wagner. Die Inszenierung eines Lebens. Blessing, München 2016, ISBN 978-3-89667-563-7. Die zwei Leben des Ludwig van Beethoven. Blessing, München 2020, ISBN 978-3-89667-633-7.
Weblinks Literatur von Ulrich Drüner im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek Autorenprofil beim Verlag Blessing/Random House Musikantiquariat Dr. Ulrich Drüner
Einzelnachweise
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