Die Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, kurz Kosmos Verlag, ist ein Stuttgarter Verlag mit Schwerpunkt Naturführer, Ratgeber, Technik-, Kinder- und Jugendbücher sowie Experimentierkästen und Spiele. Das Programm umfasst Naturführer wie Was blüht denn da?, Ratgeber und Special-Interest-Titel in den Bereichen Garten, Astronomie, Pferde, Hunde, Angeln und Jagen, Kartografie, Gesundheit und Bewusster Leben sowie Marken wie Die drei ???, Exit oder Catan.

Geschichte Franckh 1822–1865 1822 gründete der Buchhändler Johann Friedrich Franckh (1795–1865) in Stuttgart einen Verlag, der gleichzeitig ein Sortiment und eine Leihbibliothek umfasste, zu denen später noch eine Buchdruckerei hinzukam. Der Gründer dieser Firma nahm bald seinen Bruder Friedrich Gottlob Franckh (1802–1845) in das Geschäft auf, das nunmehr als Gebrüder Franckh firmierte.

1822 wurden die ersten Koenig’schen Schnellpressen in Deutschland gebaut. Sie ermöglichten es, Werke der Literatur in hohen Auflagen zu niedrigem Preis auf den Markt zu bringen. Das Druck- und Verlagsgewerbe entwickelte sich rasch zu einem wichtigen Wirtschaftszweig. Zahlreiche Verlage wurden gegründet, neue Zeitschriften herausgegeben und Leihbibliotheken für das wissensdurstige Volk eingerichtet. Die Gebrüder Franckh nutzten eine solche Schnellpresse ab 1827. In der ersten Zeit widmete sich das Verlagshaus Franckh der schöngeistigen Literatur und der enzyklopädischen Wissenschaft. Das erste Buch, das der junge Verlag 1823 veröffentlichte, war der Roman Phaeton des Dichters Wilhelm Waiblinger. Bald gehörten er und Eduard Mörike zusammen mit dem Hauslehrer Wilhelm Hauff zu den jungen und seinerzeit unbekannten schwäbischen Autoren, deren Entdeckung und Förderung sich die Brüder Franckh mit großer verlegerischer Leidenschaft widmeten. Auch mit der Reihe Kabinettsbibliothek klassischer Romane bewiesen sie gleichermaßen kaufmännisches wie programmatisches Geschick: Romane ausländischer Autoren, die Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt und beliebt waren, wurden bei Franckh publiziert.

Der Demokrat Friedrich Gottlob Franckh beteiligte sich an der Koseritz’schen Verschwörung gegen die Monarchie. Er wurde verhaftet und auf dem Hohenasperg inhaftiert. 1841 wurde er amnestiert und der Verlag konnte mit seiner neuen Reihe Belletristisches Ausland hohe Auflagen erzielen. Friedrich Gottlob Franckh starb 1845, sein Bruder Johann Friedrich führte den Verlag bis zu seinem eigenen Tod 1865 allein weiter.

Leins – Conradi 1865–1893 Im April 1866 ging der Verlag an Gustav Leins und Carl Conradi über. Seit vier Jahren lenkte Bismarck die Geschicke Preußens, durch den schnellen Feldzug 1866 wurde Österreichs Einfluss in Deutschland beseitigt und der Boden für das zweite deutsche Kaiserreich bereitet. Die Franckh’sche Verlagsbuchhandlung spiegelt jedoch von alledem nichts wider. Gustav Leins, der noch unter Friedrich Franckh Geschäftsführer des Verlags gewesen war, besaß nicht die ausgeprägte Persönlichkeit der Gründer des Hauses. Carl Conradi, der auf eine Lehre bei Johann Friedrich Cotta und eine Gehilfenzeit bei Brockhaus in Leipzig zurückblicken konnte, hatte zwar auf dem Gebiet des Buchhandels etwas Neues nach Stuttgart gebracht, indem er 1861 das erste Barsortiment gründete, doch besaßen beide nur wenig verlegerische Initiative. Bereits 1868 trennten sich die beiden Partner. Es folgt eine Phase der Stagnation, und durch weitere Verkäufe von Teilen des Verlags an neue Inhaber zersplitterten die Bestände.Auszug aus dem 1897 erschienenen Verzeichnis der in der Bibliothek des Börsenvereins der deutschen Buchhändler vorhandenen Geschäftsrundschreiben über Gründung, Kauf, Verkauf usw. buchhändlerischer Geschäfte, abgedruckt in: Binder, S. 41.

W. Keller & Co. 1893–1945 mini|Verlagsgebäude Pfizerstraße, 1908 mini|Sternbüchlein von 1910

Zur Junimesse 1893 übernahmen der Hofrat Walther Keller und Euchar Nehmann (1865–1948)Grabstein auf dem Waldfriedhof Stuttgart. das gesamte Geschäft, das von da an unter der Firma Franckh’sche Verlagshandlung, W. Keller & Co. fortgeführt wurde. Sie erwarben die Verlagsartikel von Carl Conradi, ebenso vier Jahre später einen Teil des Verlags C. Malcomes und die Belletristik der Hoffmann’schen Verlagsbuchhandlung, einer Firma, die 1827 Sortiment und Leihbibliothek von Franckh gekauft hatte. Auf diese Weise wurde der größere Teil des früheren Franckh’schen Verlags wieder bei der alten Firma vereint.

1908 bezog der Verlag einen Neubau in der Pfizerstraße 5 in Stuttgart, der bis heute Teil des Stuttgarter Hauptsitzes ist.

Auf allen Gebieten des geistigen, wirtschaftlichen und politischen Lebens hatte sich in dieser Zeit ein tiefgreifender Wandel vollzogen. Die alte, jahrhundertelang unbestrittene Einheit der Wissenschaften, die Universitas litterarum, wurde durch die Fülle neuer Erkenntnisse auf naturwissenschaftlichem Gebiet gesprengt. Es kamen auch buchherstellerische Erneuerungen dazu. Der abwaschbare Bucheinband war noch nicht erfolgreich, der zweite Innovationsversuch jedoch, die sogenannte Bauchbinde, ist bis heute nicht aus dem Verlagswesen wegzudenken. Mit der rasanten Entwicklung der Naturwissenschaften wandelte sich auch der Schwerpunkt des Verlags. Unter dem Motto Naturwissenschaften verstehen entwickelten sich mit dem Kosmos Handweiser für Naturfreunde die ersten Ratgeber und Sachbücher zu populärwissenschaftlichen Themen. 1903 gründen die beiden neuen Verleger die Kosmos-Gesellschaft der Naturfreunde.Curt Vinz, Günter Olzog (Hrsg.): Dokumentation deutschsprachiger Verlage. 8. Auflg., Olzog, München/Wien 1983, S. 143. Deren Mitglieder erhielten zunächst einmal im Quartal, bald aber schon monatlich die Zeitschrift Kosmos, deren Ziel es war, naturwissenschaftlich fundierte Informationen leicht verständlich jedem Interessierten zugänglich zu machen. Bereits wenige Jahre nach Gründung verzeichnete das neue Medium über 100.000 Abonnenten, Grundstein für die naturwissenschaftliche Ausrichtung des Verlags, die ihn in vielen Programmbereichen bis heute prägt. Mit Kosmos wurde noch ein anderer Gedanke verknüpft, indem mit der Beilage von fünf, später vier Buchbeigaben (Kosmos-Bändchen) gleichzeitig die erste Buchgemeinschaft in Deutschland entstand.

Sehr bald gehörte eine Anzahl Naturwissenschaftler und Forscher zu den Mitarbeitern der Zeitschrift Kosmos: Wilhelm Bölsche, Kurt Floericke, Karl Weule, Hanns Günther, Gerhard Venzmer und Raoul Heinrich Francé (1905 erschien sein erstes Sammelwerk: Das Leben der Pflanze).

Die Zeitschrift Kosmos wurde von 1904 bis 1944 in der Heilbronner Druckerei Carl Rembold KG hergestellt. Eng verknüpft mit dieser Zeitschrift ist die 1906 gegründete Kosmos-Korrespondenz, die die Tagespresse mit zuverlässigen naturwissenschaftlichen Artikeln zu versehen hatte. Die Herstellung der auflagenstarken Zeitschrift erforderte 1921 eine Aufstockung deren Druckereigebäudes.Robert Bauer: Heilbronner Tagebuchblätter, Heilbronn 1949, S. 100. Ab dem März-Heft 1999 hieß die Zeitschrift natur+kosmos. Sie fusionierte mit der von Horst Stern gegründeten Zeitschrift natur, bekam ein neues Layout und der bisherige Chefredakteur Rainer Köthe wurde von Gerd Pfitzenmaier abgelöst. Mit der Juni-Ausgabe 2012 benannte sich das Magazin wieder in natur um. Damit endete die über 100-jährige Geschichte der ältesten deutschen Natur-Zeitschrift.

Das verlegerische Prinzip, das dem Kosmos Verlag zugrunde lag, bestimmte Anfang des 20. Jahrhunderts den Erfolg und die Hauptrichtung des Verlags: eine Zeitschrift mit einer Gesellschaft als Trägerin, preiswerte Ausgaben, Verbindung mit einer Buchgemeinschaft, für Laien verständliche Form des wissenschaftlichen Inhalts. „Wissen ist Macht“ wurde zum Leitspruch ganzer Generationen; es war damit praktisches Wissen gemeint. 1909 erscheint das Sternbüchlein, das heute als Kosmos Himmelsjahr bekannt und das meistverkaufte astronomische Jahrbuch im deutschsprachigen Raum ist.

Bei der steten Ausweitung des Verlagsprogramms war es beinahe selbstverständlich, dass der Verlag seine Aufmerksamkeit der Jugend zuwandte. Mit Naturwissenschaft auch für die Jugend erschien 1909 die erste Jugendzeitschrift Mußestunden und 1922 mit Baukasten Elektro der erste Experimentierkasten für Kinder und Jugendliche. Der Verlag erweiterte diesen Geschäftsbereich laufend und legte hier schon den Grundstein für sein Spielwarenprogramm. Zudem erschienen neben Jugendfassungen berühmter Romane auch so bekannte Jugendbuchklassiker wie Die Höhlenkinder von Alois Theodor Sonnleitner, die bis heute im Programm sind. Von 1923 bis 1983 publizierte der Verlag das aufwendig gestaltete, üblicherweise 400 Seiten starke Jahrbuch Durch die weite Welt, zunächst mit dem Untertitel Reisen und Abenteuer. Erfindungen und Entdeckungen, später mit der Bezeichnung Das große Buch für jeden Jungen, ein Sammelwerk, das in den 50 Jahren seines Erscheinens verschiedene Untertitel hatte (1958 z. B. Das große Buch für junge Menschen) und an den jeweiligen historisch-politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten ausgerichtet war.

In den 1920er Jahren expandierte der Verlag durch Ankauf fremder Verlage, durch Gründung von Tochterverlagen und Beteiligungen an Neugründungen (ca. 15 verschiedene Firmen).A. Druckenmüller: Der Buchhandel in Stuttgart seit der Erfindung der Buchdruckerkunst bis zur Gegenwart, 1908. Ab 1932 war Richard Holzwarth neben Walther Keller und Euchar Nehmann Teilhaber des Verlags.

„In der Zeit des Nationalsozialismus passt sich auch die Franckh’sche Verlagsbuchhandlung den neuen Umständen an und versucht mit der Situation umzugehen. Es wurde hauptsächlich unangreifbare Literatur herausgegeben. Manche Texte in Zeitschriften und im Vorwort von Publikationen zeigen jedoch, dass die Vorgaben der Reichsschrifttumskammer umgesetzt werden. Die verlegerischen Geschäfte sollen weiterlaufen. In den Neuveröffentlichungen der späten 1930erjahre sind nun auch Werke zu finden, die eindeutig zur allgemein forcierten Vorbereitung auf einen Krieg dienen. Zwar sind einige Mitarbeiter des Verlags Parteimitglieder, darunter auch Euchar Nehmann, dennoch kann die Verbreitung der Ideologie innerhalb des Verlags weitgehend unterbunden werden. Bei einer Überprüfung der Mitarbeiter durch die Reichsschrifttumskammer ergab sich der Befund, dass die Redaktion des Verlags als politisch unzuverlässig einzustufen war, da einige Redakteure auch eine jüdische Abstammung hatten. Im Zweiten Weltkrieg wurden im Verlag offenbar französische Zwangsarbeiter eingesetzt. Vier von diesen legten jedoch nach dem Krieg Zeugnis für eine regimekritische Haltung Euchar Nehmann ab.“Texttafel: Der Verlag während des Nationalsozialismus – zwischen Anpassung und Widerstand, in der Ausstellung: „Vier Welten. Ein Kosmos. Dein Erlebnis.“ Ausstellung im StadtPalais-Museum für Stuttgart. 200 Jahre Stuttgarter Kosmos Verlag (8.7. – 6.11.2022)

Es ist das Verdienst Walther Kellers, diese für das Verlagswesen bedeutsamen Entwicklungslinien des ausgehenden 19. Jahrhunderts erkannt und für die Franckh’sche Verlagshandlung verwertet zu haben. Walther Keller zur Seite stand sein Freund und Teilhaber Euchar Nehmann, der ebenfalls bei Johann Leonhard Schrag in Nürnberg Buchhandelsgehilfe gewesen war. Euchar Nehmann war lange der kaufmännische Kopf des Unternehmens, der Walter Kellers verlegerische Ideen mitverwirklichen half. 1945 ging er in den Ruhestand und starb 1948. Walther Keller ging 1946 in den Ruhestand und starb 1952.

Entwicklung der Franckh’schen Verlagshandlung seit 1945