Atari 600XL 280px|Atari 600XL Hersteller 140px|Atari, Inc. Logo Hauptentwickler Mark Lutvak (Leitung), Joe Decuir (ANTIC), George McLeod (GTIA), Doug Neubauer (POKEY), Steve Mayer Research Lab (Hardware, Betriebssystem)Marty Goldberg, Curt Vendel: Atari Inc. Business is Fun. Syzygy Company Press, 2012, S. 454., Regan Cheng (Gehäuse)Marty Goldberg, Curt Vendel: Atari Inc. Business is Fun. Syzygy Company Press, 2012, S. 695. Verkaufsstart und Neupreis Oktober 1983 für 199 US-Dollar November 1983 für 159 £ September 1983 für 549 DM November 1983 für 2500 F Einstellung der Produktion September 1984 Hauptprozessor 6502 „Sally“ @ 1,79 MHz (NTSC) 6502 „Sally“ @ 1,77 MHz (PAL) Arbeitsspeicher ab Werk 16 KB DRAM Grafikausgabe Verschiedene Text- und Grafikmodi8 einfarbige Sprites („Player“ und „Missiles“)Farbauswahl aus einer Palette von 256 Farben Tonausgabe 4 Tongeneratoren (Ausgabe via TV) Lieferumfang (USA) Computer, Netzteil, Anleitung, zwei Styroporschalen, Verpackung

Der Atari 600XL ist ein Heimcomputer des US-amerikanischen Herstellers Atari, Inc. Er basiert auf einer eigens für Atari gefertigten Variante des Mikroprozessors MOS 6502.

Der Computer ist eine Weiterentwicklung des Atari 1200XL, der vor allem wegen Kompatibilitätsproblemen zu seinen Vorgängermodellen Atari 400 und Atari 800 keine nennenswerte Verbreitung fand. Die elektronischen Hauptbestandteile des Atari 1200XL und sein Gehäusedesign blieben weitestgehend erhalten, die problematischen Komponenten wurden jedoch überarbeitet. Ebenso überarbeitete man technische Details sowohl zur Erweiterbarkeit als auch zur Produktionsvereinfachung. Als Einsteigergerät und direkten Konkurrenten zum Texas Instruments TI-99/4A und Commodore VC 20 stattete der Hersteller den Atari 600XL mit 16 Kilobyte (KB) Arbeitsspeicher und der Programmiersprache BASIC aus.

Das Gerät kam von umfangreichen Werbekampagnen begleitet im Spätherbst 1983 weltweit in den Handel. Nach anfänglich guten, dann aber stetig sinkenden Verkaufszahlen wurde die Produktion schließlich im September 1984 zugunsten des profitableren und mit zeitgemäßen 64 KB Arbeitsspeicher ausgestatteten Atari 800XL eingestellt. Restbestände im sechsstelligen Stückzahlenbereich waren noch bis vermutlich Mitte 1985 vor allem in Europa erhältlich.

Die Fachpresse lobte das ansprechende Äußere, die gute Verarbeitung, das eingebaute Atari BASIC und das große Angebot an Peripheriegeräten und Programmen.

Geschichte Weil die seit 1979 produzierten Heimcomputer Atari 400 und Atari 800 bereits in die Jahre gekommen waren und der Nachfolger Atari 1200XL wegen technischer Probleme wenig erfolgreich war, sollten 1983 neue und zeitgemäße Geräte Atari aus der wirtschaftlichen Krise führen. Insbesondere im Niedrigpreissegment erhoffte man sich, den direkten Konkurrenten Commodore International und Texas Instruments Marktanteile abnehmen zu können.Tim Hartnell: Tim Hartnell reports from the CES Consumer Electronics Show. Popular Computing Weekly, 16.–22. Juni 1983, S. 4.

Entwicklung mini|Das Design des Atari 600XL orientiert sich am hier gezeigten Atari 1200XL

Als Grundlage diente die bewährte 8-Bit-Systemarchitektur der Vorgängermodelle, d. h. der Mikroprozessor MOS 6502 und die Spezialbausteine GTIA, ANTIC und POKEY. Atari plante aus vermarktungstechnischen Gründen zwei verschiedene Ausführungen des neuen Computers herzustellen: ein für gehobene Ansprüche gedachtes Modell mit 64 KB Arbeitsspeicher – der spätere Atari 800XL – und eine abgerüstete Variante für Einsteiger mit nur 16 KB Arbeitsspeicher. Im Gegensatz zu den Vorgängermodellen integrierten die Ingenieure die Programmiersprache Atari BASIC nun in das Gerät und versahen es zudem mit einem herausgeführten Parallelbus für externe Erweiterungen. Das Design für das Gehäuse wurde vom Atari 1200XL übernommen, der Schacht für Steckmodule allerdings an die Gehäuseoberseite verlegt, weil sich seine seitliche Positionierung als wenig benutzerfreundlich erwiesen hatte. Nach dreimonatiger Entwicklungszeit waren Anfang Juni 1983 erste Prototypen der Einsteigervariante vorführbereit.Marty Goldberg, Curt Vendel: Atari Inc. Business is Fun. Syzygy Company Press, 2012, S. 699.

Vermarktung

Den zwischenzeitlich Atari 600XL genannten Computer präsentierte Atari erstmals im Juni 1983 auf der Consumer Electronics Show (CES) in Chicago. Neben dem Einzelvertrieb des Rechners kündigte Atari dort auch Bündelangebote an, darunter das Programming System für Entwickler und das auf Spieler zugeschnittene Entertainment System.Tom Shea: Bundling – Atari and Commodore. InfoWorld, 5. September 1983, S. 6. Vom Hersteller eigens eingeladene Vertreter der Atari-Anwendergruppen, der Usergroups, erhielten auf der CES die Möglichkeit zur Begutachtung der neuen Geräte. Dadurch erhoffte sich Atari eventuell vorhandene Schwachstellen noch vor Aufnahme der Produktion aufdecken zu können, womit ein Scheitern wie beim Vorgängermodell Atari 1200XL vermieden werden sollte.Tom R. Halfhill: The Fall Computer Collection at the Summer Electronics Consumer Show. Compute!, August 1983, S. 28.

Im Juli erfolgte die Abnahme zur elektromagnetischen Verträglichkeit durch die US-amerikanische Federal Communications Commission (FCC) – eine maßgebliche Voraussetzung zur Verkaufbarkeit des Geräts in den Vereinigten Staaten. Bis Ende August waren auch die Arbeiten zur Anpassung des Rechners an die verschiedenen Fernsehnormen abgeschlossen worden.Marty Goldberg, Curt Vendel: Atari Inc. Business is Fun. Syzygy Company Press, 2012, S. 700. Für Europa gedachte Geräte wurden der Fachpresse erstmals im September in LondonAtari Unveils The Future. Atari Input/Output, Herbst/Winter 1983, S. 5. vorgestellt, der breiten Öffentlichkeit waren sie dann im selben Monat auf der Internationalen Funkausstellung in Westberlin zugänglich.Die Evolution siegt: Atari 600XL. Computer Persönlich, Ausgabe 18, 1983. Die Überführung des Atari 600XL in die Produktion verzögerte sich infolge eines Wechsels an Ataris Führungsspitze sowohl in Hongkong als auch in Irland um einen Monat.Jon A. Bell: Atari 1985. Analog Computing Magazine, Januar 1985, S. 13.

Markteinführung und Lieferschwierigkeiten mini|Der US-amerikanische Schauspieler Alan Alda war ab 1983 offizieller Werbeträger von Atari Der Atari 600XL kam im Oktober 1983 in Nordamerika für 199 US-Dollar in den Handel. Atari setzte beim Vertrieb vor allem auf große Verkaufsketten wie Sears, J. C. Penney und Kmart.Price war cools down. Popular Computing Weekly, 17.–23. November 1983, S. 5.Jonathan Chevreau: Adam, Commodore season’s hot sellers. The Globe and Mail, 23. Dezember 1983. In der unterstützenden Werbung pries der Hersteller seinen Computer unter dem Slogan „As your experience grows so can your Atari 600XL“ („Der Atari 600XL wächst mit Ihnen“) als erweiterbares Einsteigergerät für Bildung und Unterhaltung an.Atari, Inc.: As your experience grows so can your Atari 600XL. Your Computer, Januar 1984, S. 16f.Jim Bartimo: Radio Shack plans house calls. InfoWorld, 9. Juli 1984, S. 11. Dazu bediente man sich großformatiger Zeitungsanzeigen und Fernsehwerbung mit dem US-amerikanischen Schauspieler Alan Alda, dessen Engagement umfangreiche Marktforschungsmaßnahmen seitens Atari vorausgegangen waren.Kathy Chin: Computer companies hitch stars to high-tech wagon. InfoWorld, 4. Juli 1983, S. 14.Tom Shea: Madison Avenue turns to high-tech. InfoWorld, 5. März 1984, S. 69.

In der Bundesrepublik Deutschland war der Atari 600XL bereits einen Monat früher als in Nordamerika erschienen. Beworben wurde der rund 550 DMTom Werneck: Spielen Sie mal mit Micky Maus Bild + Funk Video, Nr. 2, 1983. teure Computer dort unter anderem mit dem Werbespruch „Mehr als Spaß“, womit auch auf die über das reine Spielen hinausgehenden Anwendungsmöglichkeiten hingewiesen werden sollte.Atari-Elektronik: Atari Computer-Systeme: Atari 600 XL. Abgerufen am 28. Januar 2021. Die Auslieferung der Geräte erfolgte – wie in anderen Ländern auch – wegen Produktionsverzögerungen nur schleppend. Selbst mithilfe teurer Luftfrachteinfuhren gelangten bis Weihnachten lediglich 60 Prozent der weltweit vorbestellten Geräte in den Handel. Die große Nachfrage tat den Lieferschwierigkeiten ein Übriges: bis Ende 1983 war die gesamte Jahresproduktion des Atari 600XL ausverkauft.Warner’s earnings up. InfoWorld, 12. März 1984, S. 19. Das US-amerikanische Marktforschungsunternehmen The Yankee Group schätzte, dass allein in den Vereinigten Staaten 70.000 Geräte abgesetzt werden konnten.The Yankee Group: Software Strategies: The Home Computer and Videogames Marketplace - Report No. 83-3, December 1983. Boston, 1984, S. IV.

Preiserhöhung, Bündelangebote, Olympia und kommerzieller Einsatz

Zu Beginn des Jahres 1984, inmitten der sogenannten Heimcomputer-Preiskriege, erhöhte Atari wegen anhaltender Lieferschwierigkeiten und gestiegener Produktionskosten den Preis des Computers. In Nordamerika kostete das Gerät dann 40 US-Dollar mehrScott Mace: Atari, Coleco announce price hikes. InfoWorld, 28. November 1983, S. 25., in der Bundesrepublik Deutschland lag die Preiserhöhung – die allerdings erst einige Monate später in Kraft trat – bei knapp 50 DM.Neue Preise bei Atari. Mein Home Computer, Mai 1984, S. 5. 1984 kamen nun auch die seit längerem angekündigten Bündelangebote mit Drucker, Spielen und weiterem Zubehör in den Handel. Daneben intensivierte Atari seine großangelegten Vermarktungsbemühungen und beteiligte sich als alleiniger Sponsor für Heimcomputer und Videospiele an den Olympischen Spielen, die im Sommer 1984 in Los Angeles stattfanden. Atari erhielt damit das Recht, sämtliche Olympia-Logos und -Bezeichnungen für seine Produktwerbung einzusetzen. Der Atari 600XL avancierte in den Vereinigten Staaten so zum „Official Home Computer of the 1984 Olympics“.David F. Barry: It’s official: Atari joins the U.S. Olympic Team. Antic Magazine, Februar 1984, S. 13. In der Bundesrepublik Deutschland trat die deutsche Zweigstelle des Herstellers während dieser Zeit als „Offizieller Lieferant für Videospiele und Privat-Computer der Olympia-Mannschaften der Bundesrepublik Deutschland 1984“ auf.Werbeanzeige von Atari, TeleMatch, Juli 1983, S. 100. Etwa zur selben Zeit schloss Atari auch Verträge über umfassende Fernsehwerbung, um möglichst viele potentielle Interessenten erreichen zu können.David Barry: Women’s Olympic Volleyball Team: Atari sponsors a gold medal effort. Antic Magazine, August 1984, S. 10 f. Neben den von Atari damit anvisierten Privathaushalten und SchulenRobert DeWitt: Atari International. Antic Magazine, März 1984, S. 14. wurde der Atari 600XL aber auch im kommerziellen Bereich eingesetzt: Das US-amerikanische Unternehmen Exidy beispielsweise nutzte den Computer als zentrale Steuerungseinheit für seine Videospieleautomaten,Exidy licenses First Star games. Electronic Games, September 1984, S. 8. der japanische Hersteller Nakamichi als Bedien- und Auswerteinheit in seinen computergestützten Messplätzen für hochwertige Audiotechnik.Computer-Meßplatz. StereoPlay, August 1984, S. 46.

Stagnierende Absätze und Ausverkauf