mini|hochkant|Ludwig von Stempel mini|hochkant|Ludwig Ritter von Stempel in bayerischer Beamtenuniform Ludwig Stempel, seit 1908 Ludwig Ritter von Stempel (* 3. NovemberGemäß der Inschrift des Grabsteins in Kaiserslautern 1850 in Grünstadt; † 30. Juli 1917 in Kaiserslautern), war ein deutscher Architekt des Historismus und bayerischer Baubeamter. Er entwarf zahlreiche Verwaltungsgebäude, aber auch einzelne Privathäuser auf dem Gebiet des Königreichs Bayern, vor allem in der bayerischen Pfalz. Zum Ende seiner beruflichen Laufbahn war er Leiter der Obersten Baubehörde im Bayerischen Innenministerium.
Leben mini|Redemptoristenkirche in Cham mini|Ehemaliges Postamt in Pirmasens Ludwig Stempel, Sohn eines gleichnamigen Lehrers, besuchte das Progymnasium GrünstadtJahresbericht über die Königlich-Bayerische Lateinische Schule zu Grünstadt in der Pfalz, im Studienjahre 1864/65. S. 3, S. 9; books.google.de und studierte von 1869 bis 1873 unter Gottfried von Neureuther Architektur an der Polytechnischen Schule München. Im Jahr 1877 schloss er seine Ausbildung mit dem bestandenen „Staatskonkurs“ (Staatsexamen) ab.Süddeutsche Bauzeitung, 1915, S. 66.
Anschließend kam er als Bauassessor an das königliche Landbauamt Kaiserslautern. 1886 erfolgte seine Ernennung zum Bauamtmann und Vorstand der Behörde. Zu seinen bedeutendsten Bauten in der Pfalz zählen die Apostelkirche in Kaiserslautern sowie die Hauptpostämter in Kaiserslautern und Pirmasens, die stilistisch der Neorenaissance zuzuordnen sind und an italienische Palazzi erinnern. Vom Herbst 1897 bis Februar 1898 war er vorübergehend als Kreisbaurat bei der königlichen Regierung für Oberfranken in Bayreuth eingesetzt. Danach berief ihn Max von Siebert als Oberbaurat und Referent für Kultusbauwesen zur königlichen Obersten Baubehörde nach München. Als Kultusbaureferent plante er hauptsächlich Schulbauten in Franken sowie Kirchen im oberpfälzischen Cham und in Kirchlein in Oberfranken.
1909 erfolgte seine Ernennung zum Ministerialrat. Vom Sommer 1915 bis zu seiner Pensionierung 1917 amtierte er schließlich in der Nachfolge von Richard Reverdy im Rang eines Ministerialdirektors als Vorstand der Obersten Baubehörde im Bayerischen Innenministerium. Während seiner Tätigkeit in München war er unter anderem für die Errichtung mehrerer Erweiterungsbauten des Universitätsklinikums München verantwortlich, darunter die Poliklinik und die Augenklinik.
Ludwig von Stempel war in erster Ehe verheiratet mit Lina Luise, geb. Grund (1858–1886). Beide hatten drei Töchter zusammen, von denen eine früh verstarb. In zweiter Ehe heiratete er 1895 Gertrud, geb. von Collas, aus ostpreußischem Adel.Stempels Bauten: Architektur des Historismus in der Pfalz 24.06. bis 23.09.2017 – Begleitheft zur Ausstellung. Pfalzbibliothek, Kaiserslautern 2017. Wenige Monate nach Eintritt in den Ruhestand erlag Ludwig von Stempel im Alter von 66 Jahren in Kaiserslautern einer Lungenentzündung.
Ehrungen Stempel bekam mehrere Orden verliehen: 1905 den bayerischen Verdienstorden vom Heiligen Michael III. Klasse, 1907 das Komturkreuz des kaiserlich österreichischen Franz-Joseph-Ordens und 1908 den preußischen Roten Adlerorden III. Klasse. Im selben Jahr wurde ihm das Ritterkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone verliehen, mit dem die Erhebung in den persönlichen (d. h. nicht vererbbaren) Adelsstand verbunden war.
Rund ein halbes Jahr vor seinem 100. Todestag beschloss der Bauausschuss der Stadt Kaiserslautern am 16. Januar 2017, die Fläche zwischen Trippstadter Straße, Parkstraße und Sturmstraße am Rande des Kaiserslauterer Stadtparks zu seinen Ehren als Ludwig-Ritter-von-Stempel-Platz zu benennen.
Rezeption Der Nachruf im Zentralblatt der Bauverwaltung erwähnt seine Begabung „als Musiker und Tonkünstler verschiedener Liedtexte und Märsche“. Ludwig von Stempel verfügte über umfangreiche Sprachkenntnisse, seine zahlreichen Reisen brachten ihm ein „erweitertes Wissen auf allen Gebieten“. Zu einer „heiteren Gemütsverfassung“ kam die Gabe „geistvoller Ausführungen bei Vorträgen und in Gesellschaft“. Ausgeprägt war seine Liebe zur Natur. So schuf er in der Pfalz zahlreiche Forstämter.
Bauten (Auswahl) 1890: Hauptpostamt in Kaiserslautern 1891–1893: Kottenschule in Kaiserslautern 1891–1893: Hauptpostamt in Pirmasens, heute Forum Alte Post 1892–1893: Villa Munzinger in Kaiserslautern 1893: Bezirkskommando in Kaiserslautern, heute Polizeipräsidium Westpfalz 1897: Hauptzollamt in Kaiserslautern, heute Finanzamt Kaiserslautern 1897–1901: Apostelkirche in Kaiserslautern 1899–1900: Humbergturm in Kaiserslautern 1900–1902: Redemptoristenkirche und Kloster in Cham 1902: Gymnasium am Kaiserdom in Speyer 1904–1905: Mariä Himmelfahrt in Kirchlein 1905–1908: Augenklinik der Ludwig-Maximilians-Universität München 1907–1910: Poliklinik der Ludwig-Maximilians-Universität Münchendeutsche-digitale-bibliothek.de 1911–1913: Hauptgebäude des Botanischen Instituts der Ludwig-Maximilians-Universität München, heute Botanische Staatssammlung Außerdem schuf der die Bauten für das Amtsgericht Pirmasens, das Amtsgericht Landstuhl, das Amtsgericht Kirchheimbolanden sowie die Verwaltungsgebäude für das Bezirksamt Pirmasens und für das Bezirksamt Homburg.
Literatur
Weblinks
Kurzbiografie und Bautenliste. Humbergturms-Vereins Kaiserslautern e. V.; abgerufen am 24. Februar 2023.
Einzelnachweise
Kategorie:Architekt des Historismus Kategorie:Architekt (Bayern) Kategorie:Träger des Franz-Joseph-Ordens (Komtur) Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 3. Klasse Kategorie:Träger des Verdienstordens der Bayerischen Krone (Ritter) Kategorie:Ritter III. Klasse des Verdienstordens vom Heiligen Michael Kategorie:Person (Grünstadt) Kategorie:Person (Kaiserslautern) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1850 Kategorie:Gestorben 1917 Kategorie:Mann