mini|Handel, Industrie, Kultur: Skulptur auf dem Kölner Messeturm Köln ist einer der bedeutenden Wirtschaftsstandorte Deutschlands. Die Anbindung an den Rhein, die verkehrsgünstige Lage (Autobahnknoten, Eisenbahnknoten), die Nähe zum Ruhrgebiet und den Benelux-Staaten bestimmen seit jeher den wirtschaftlichen Charakter Kölns, der durch eine starke Diversifizierung vieler Branchen gekennzeichnet ist.

Historische Wirtschaftszweige Antike Wirtschaftsmetropole In römischer Zeit entwickelte sich die Siedlung, die im Jahre 50 zur römischen Kolonie Colonia Claudia Ara Agrippinensium erhoben wurde, zu einer antiken Wirtschaftsmetropole.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine Illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, Köln 2013, S. 24ff Dazu schuf die verkehrsgünstige Lage am Rhein die wesentliche Voraussetzung; gleichzeitig trafen sich hier die wichtigen Fernstraßen Niedergermaniens.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine Illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, Köln 2013, S. 20 Der florierende Handel – u. a. Salz, Holz und landwirtschaftliche Erzeugnisse – in der CCAA begann schon im 1. Jahrhundert die Provinz zu prägen. Gleichzeitig entwickelte sich das Transportgewerbe zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine Illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, Köln 2013, S. 55, 57

Das Glasmacherhandwerk profitierte von den in der Nähe gefundenen reinen Quarzsanden, so dass sich die CCAA zum Zentrum der Glasherstellung in Niedergermanien entwickelte; nur wenig davon wurde allerdings in ferne Regionen exportiert.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine Illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, Köln 2013, S. 44ff Die Frankeneinfälle und die fränkischen Eroberung Kölns im Jahre 455, mit denen der römische Einfluss in der Region stetig zurückgedrängt wurde, scheinen die ökonomische Entwicklung im Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter gedämpft zu haben.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine Illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, Köln 2013, S. 65

Stadt des Fernhandels und der Hanse Um das Jahr 1000 darf Köln als einer der bedeutendsten Marktorte des Reiches bezeichnet werden, der ein ausgreifendes Netz von Fernhandelsbeziehungen entwickelt hatte.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine Illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, Köln 2013, S. 70 Der wichtigste Ort des Kölner Fernhandels war London, wo die Kaufleute eine Kölner Hanse gründeten und eine Gildhalle bezogen, die ab 1167 vom Englischen König privilegiert war. Darüber hinaus unterhielten die Kölner sehr intensive Handelsbeziehungen nach Flandern und rege Beziehungen nach Italien. Diese rheinische Verkehrslinie hatte sich schon in der Römerzeit entwickelt und führte den Warenverkehr bis Basel über den Rhein.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine Illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, Köln 2013, S. 74ff

Das Verhältnis Kölns zur Lübecker Hanse war durch opportunistische Kooperation gekennzeichnet. Der Stalhof, das Londoner Hansekontor, wurde zu mehr als zwei Dritteln von Kölner Kaufleuten dominiert; die Privilegien galten aber für alle Hanse-Kaufleute. Als sich die Kaufmannshanse zur Städtehanse entwickelte, agierte Köln unbestritten als Vorort für die westfälischen und niederrheinischen Hansestädte, dem sogenannten Kölner Drittel.

Dennoch nahm Köln bis 1383 nicht an den Hansetagen teil. Zwar wurde auf dem Hansetag 1367 in Köln eine Kriegskoalition gegen den Dänenkönig Waldemar beschlossen; Köln selbst trat der Kölner Konföderation aber nicht bei.Carl Dietmar: Das Mittelalterliche Köln, Köln 2006, S. 108f. Zwischen 1471 und 1476 wurde Köln sogar aus der Hanse ausgeschlossen, weil die Stadt ihre besonderen Privilegien im Englandhandel nicht während des Handelskonflikts zwischen England und der Hanse ruhen lassen wollte.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine Illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, Köln 2013, S. 77

Erst im 16. Jahrhundert, als sich bereits abzeichnete, dass die Hanse gegenüber Süddeutschen Händlern ins Hintertreffen geriet, engagierte sich Köln stärker in den Strukturen der Hanse. So wurde 1556 der Kölner Heinrich Sudermann zum Syndikus der Hanse bestellt, die damit erstmals einen eigenen Sprecher und Repräsentanten bestellte. Allerdings gelang es Sudermann nicht, den Niedergang der für den Kölner Handel besonders wichtigen Hansekontore in London und Flandern aufzuhalten. Weil der Seezugang Brügges versandete, musste Sudermann sich um die Verlagerung des Kontors nach Antwerpen kümmern, das 1591 der Aufsicht Kölns unterstellt wurde.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine Illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, Köln 2013, S. 76f

Die Kölner Kaufleute profitierten vom sogenannten Stapelrecht. Es wurde ab dem 12. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert ausgeübt und schrieb vor, dass alle über Köln gehandelten und auf dem Rhein transportierten Waren drei Tage in der Stadt gestapelt und zum Kauf angeboten werden mussten. Dies gab den Kölnern ein Vorkaufsrecht. Die Praxis wurde begünstigt, weil die Schiffsladungen auf der Höhe Kölns ohnehin auf einen anderen Schiffstyp umgeladen werden mussten.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine Illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, Köln 2013, S. 79f

Zu den wichtigsten Kölner Handelsgütern gehörte der Wein; Köln galt als das Weinhaus der Hanse. Im 14. Jahrhundert war Köln nach Bordeaux der bedeutendste Weinumschlagplatz Europas.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, Köln 2013, 82 Zudem entwickelte sich Köln zum Zentrum des Rheinischen Fischhandels. Im 1420 errichteten Fischkaufhaus wurden die Heringe nicht nur gestapelt, sondern auch in neuer Pökellauge neu gepackt. Der Kölner Brand, das von städtischen Beamten genutzte Brandzeichen, mit dem die geprüften Fässer gezeichnet wurden, entwickelte sich zum überregionale Qualitätssiegel für Heringe.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine Illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, Köln 2013, S. 81f, 88f

Ein weiterer Schwerpunkt im Kölner Handelsgeschäft war der Metallhandel. Die Kölner organisierten vor allem die Warenströme für Eisen, erarbeiteten sich eine führende und in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts sogar eine Monopolstellung beim Handel mit märkischem Stahl, etablierten sich als Europäisches Verteilzentrum für englisches Zinn und wurden zur Drehscheibe für Blei aus der Nordeifel.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine Illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, Köln 2013, S. 90f

In Köln lebten rund 40.000 Einwohner, von denen viele in produzierenden Gewerben tätig waren. Sie waren dazu in Zünften organisiert, die wiederum in den sogenannten Gaffeln gruppiert waren. Mit Abstand war das Textilgewerbe das bedeutendste; davon lebten 6.000 bis 8.000 Menschen. Im Spätmittelalter hatte sich Köln zu einem führenden Textilzentrum in Nordwesteuropa entwickelt. Der Verbundbrief von 1396, der als Stadtverfassung die Machtordnung festlegte, gestand der mit dem Textilgewerbe verbundenen Gaffel mehr Ratsherren zu als jeder anderen.

Die Weberei von Wollstoffen entwickelte sich zu einem erfolgreichen Exportgewerbe, das seine Tuche schon im 12. Jahrhundert bis nach Venedig lieferte. Später wurde der Donauraum, Prag und Ungarn als Handelsmärkte erschlossen. Einzigartig im Deutschen Zunftwesen blieb die Tatsache, dass sich die Kölner Wollweber ihre Exportmärkte vorwiegend selbst erschlossen und dies nicht Kaufleuten überließen.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine Illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, Köln 2013, S. 84ff

Im Verlauf des 13. Jahrhunderts nahm die Seidenproduktion einen schnellen Aufschwung, so dass das Seidenhandwerk um 1500 auch die Wollweberei als führendes Gewerk verdrängte. Als einziger deutscher Stadt gelang es Köln, ein florierendes Seidengewerbe zu entwickeln und dieses über Jahrhunderte zu erhalten. Kölner Seide war in ganz Europa gefragt. Das Seidenhandwerk war fast vollständig in weiblicher Hand. 1437 wurde für die Seidenmacherinnen eine Frauenzunft gegründet, die es ansonsten nur noch in Paris gab.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine Illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, Köln 2013, S. 101f

Ein zweiter Schwerpunkt des vorindustriellen Gewerbes in Köln war die Metallverarbeitung.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine Illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, Köln 2013, S. 97ff Das Eisen verarbeitende Gewerbe Kölns verdankte sein Ansehen vor allem der Waffenherstellung. Neben Nürnberg und Braunschweig hatte Köln einen Status als Rüstungshauptstadt erlangt, die für Herstellung und Export von Schwertern, Harnischen, Panzern und Eisenhandschuhen bekannt war. Kölner Kaufleute beherrschten beispielsweise bis ins späte 16. Jahrhundert den Englandhandel mit Rüstungsgütern. Im 17. Jahrhundert war Köln auch für die Herstellung von Feuerwaffen bekannt und entwickelte eine gefragte Kanonengießerei.

Der mittelalterliche Handel setzte eine funktionierende Versorgung mit Kredit voraus. Daher entwickelte sich in Köln parallel zum Handel eine Kreditwirtschaft, die überregional tätige Bankunternehmungen hervorbrachte. Köln profitierte dabei von der Nähe zum Finanzzentrum Brügge. Spätestens im 15. Jahrhundert wurde der Giroverkehr in Köln gebräuchlich.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine Illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, Köln 2013, S. 115 1553 wurde eine Kölner Börse eingerichtet, die – nach den Börsen in Augsburg und Nürnberg – zu den ältesten in Europa gehörte.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine Illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, Köln 2013, S. 96

Die überregionale Bedeutung Kölns als Handelsstadt spiegelt sich auch darin, dass die Kölner Mark im Jahre 1524 von Kaiser Karl V. offiziell zum Reichsmünzgewicht bestimmt wurde. Der Kölner Pfennig, von dem 160 aus einer Kölner Mark geschlagen wurden, war eine Standardwährung des Hohen Mittelalters.

Verkrustung in mittelalterlicher Struktur Bis zum 16. Jahrhundert war Köln die größte Deutsche Handelsstadt, wurde dann von Nürnberg überholt und geriet zunehmend ins Hintertreffen.Christian Hillen, Peter Rothenhöfer, Ulrich Soénius: Kleine Illustrierte Wirtschaftsgeschichte der Stadt Köln, Köln 2013, S. 72 Obwohl die Lage am Rhein mit seinem von Basel bis zum Scheldegebiet reichenden Einzugsgebiet weiterhin Handel ermöglichte, wurden die Geschäftsverbindungen der Kölner Kaufleute zunehmend beschnitten. Als katholische Stadt rückte Köln in der protestantisch geprägten Hanse in eine Außenseitenposition.

Die insbesondere für Köln wesentliche Handelsprivilegien in England gingen im 16. Jahrhundert verloren; der Londoner Stalhof wurde 1598 beschlagnahmt. Auch die Verlagerung des niederländischen Handels von Brügge nach Antwerpen gelang nicht im gleichen Umfang. Das Antwerpener Hanse-Kontor wurde 1591 der Kölner Aufsicht unterstellt; zwei Jahre später wurde es de facto aufgelöst.