Die Arverio Deutschland GmbH ist ein Eisenbahnverkehrsunternehmen im Konzern der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) mit Sitz in Stuttgart. Das Unternehmen wurde im Januar 2014 unter dem Namen Go-Ahead Verkehrsgesellschaft Deutschland GmbH in Berlin als Tochterunternehmen des Go-Ahead-Konzerns gegründet und am 1. Februar 2024 von der ÖBB-Personenverkehr übernommen. Es führt durch die beiden Tochterunternehmen Arverio Baden-Württemberg und Arverio Bayern in Süddeutschland Schienenpersonennahverkehrsleistungen durch.
Geschichte Das britische Unternehmen Go-Ahead gewann Ende 2015 die Ausschreibung der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg (NVBW) über den Betrieb der beiden Teilnetze 1b „Rems-Fils“ (Los 2) und 1c „Franken-Enz“ (Los 3) für den Zeitraum von Juni 2019 bis 2032. Zusätzlich gewann Go-Ahead das Netz 3a (Murrbahn). Der Verkehrsvertrag wurde am 16. Februar 2018 unterzeichnet, für den Zeitraum Dezember 2019 bis Ende 2032. Alle drei Netze wurden der Tochtergesellschaft Go-Ahead Baden-Württemberg übertragen.
Go-Ahead beabsichtigte, sich an der im November 2017 gestarteten Ausschreibung für das Netz Elbe-Spree zu beteiligen.VBB-Ausschreibung: Briten wollen der Deutschen Bahn Konkurrenz machen. Berliner Zeitung, 27. März 2017 Die Entscheidung über diese Ausschreibung war Anfang 2019 gefallen.LOK Report, 22. November 2017: VBB: Netz Elbe-Spree im Wettbewerb vergeben Den Zuschlag auf die ausgeschriebenen Lose erhielten die Konkurrenten DB Regio Nordost und Ostdeutsche Eisenbahn GmbH (ODEG).
Go-Ahead erbrachte ab Dezember 2022 in Deutschland Verkehrsleistungen von rund 20 Millionen Zugkilometern pro Jahr. Nach teils massiven Problemen auf der Frankenbahn in Baden-Württemberg teilte Go-Ahead am 8. Juni 2020 die Ablösung des Geschäftsführers Stefan Krispin zum 12. Juni 2020 mit. Die Ablösung betraf auch die beiden Betriebsgesellschaften in Baden-Württemberg und Bayern. Übergangsweise wurde die Geschäftsführung durch Elodie Brian sowie Charles Hodgson ausgeübt. In das neue Führungsteam kamen Fabian Amini als CEO, Arno Beugel als COO und Stefanie Petersen als CFO.
Im Sommer 2022 wurde die britische Muttergesellschaft von Investoren übernommen. Sie verkaufte am 12. Oktober 2023 Go-Ahead Deutschland an das Eisenbahnunternehmen ÖBB-Personenverkehr. Die Europäische Kommission teilte nach der wettbewerbsrechtlichen Prüfung am 18. Januar 2024 mit, keine Bedenken gegen die Übernahme zu haben. Am 1. Februar 2024 wurde die Übernahme vollzogen.
Am 10. Juli 2024 wurde bekanntgegeben, dass der Markenname Go-Ahead durch Arverio ersetzt wird: die Unternehmen heißen nun Arverio Deutschland GmbH, Arverio Baden-Württemberg und Arverio Bayern. Der Name wurde vom keltischen Gott der Wege Arvernus abgeleitet. Zur Stärkung des „Fokus auf den süddeutschen Markt“ wurde zugleich der Sitz von Berlin nach Stuttgart verlegt.
Arverio Baden-Württemberg mini|Logo Arverio Baden-Württemberg mini|Ehemaliges Logo Go-Ahead Baden-Württemberg mini|Stadler Flirt von Go-Ahead auf Fahrt nach Ellwangen mini|Flirt 3 von Arverio Baden-Württemberg Für die Aktivitäten in Baden-Württemberg wurde am 10. April 2017 die Betriebsgesellschaft Go-Ahead Baden-Württemberg GmbH (kurz GABW), seit Juli 2024 Arverio Baden-Württemberg GmbH, mit Sitz in Stuttgart gegründet. Als europäische Fahrzeughalterkennzeichnung wird GABW verwendet.
Die Instandhaltung der Züge erfolgt in einem neuen Betriebswerk am Bahnhof Essingen (bei Aalen). Zusammen mit dem Bau einer Waschanlage und einzelner Gleise waren Investitionen von 17 Millionen Euro vorgesehen. Für deren Bau und Betrieb wurde im Dezember 2016 die Go-Ahead Facility GmbH gegründet.Handelsregister-Bekanntmachungen, 734516. Nach einem im Mai 2017 geschlossenen Vertrag soll Stadler die Wartung zunächst für 13½ Jahre übernehmen. Der Planfeststellungsbeschluss des Regierungspräsidiums Stuttgart erging am 18. Dezember 2017. Nun sollten 19 Millionen Euro investiert werden. Die Bauarbeiten sollten im Mai 2019 abgeschlossen werden, damals fehlte aber noch die Waschanlage. Ende 2022 hat Euco Rail den Wartungsstandort in Essingen übernommen und betreibt diesen neben dem bayerischen Standort in Langweid. In Essingen befindet sich auch die Leitstelle Baden-Württemberg.
Das Unternehmen erhielt am 4. September 2017 den Zuschlag für den Betrieb des baden-württembergischen Netzes 3a „Murrbahn“ (Stuttgart – Schwäbisch Hall-Hessental – Crailsheim – Nürnberg) im Zeitraum von Dezember 2019 bis Dezember 2032. Am 16. Februar 2018 wurden dafür die 1,38 Millionen Zugkilometer pro Jahr umfassenden Verkehrsverträge mit der NVBW und der Bayerischen Eisenbahngesellschaft mbH (BEG) unterzeichnet. Als Fahrzeuge werden 11 dreiteilige Stadler Flirt3 XL verwendet, die auf eine Bahnsteighöhe von 76 cm angepasst sind. Am 6. September 2017 wurde der Auftrag an Stadler Rail vergeben.Go-Ahaed Pressemitteilung, 7. September 2017: Die dreiteiligen Fahrzeuge haben gegenüber den Flirt der Stuttgarter Netze längere Wagenkästen, sind mit breiteren Einstiegstüren ausgestattet und verfügen über eine Einstiegshöhe von 76 cm.
Im Mai 2019 erteilte das Eisenbahn-Bundesamt die Inbetriebnahmegenehmigungen für die drei- bis sechsteiligen Flirt-Triebzüge der ersten Inbetriebnahmestufe im Stuttgarter Netz. Beim Einsatz ab 9. Juni 2019 gab es zahlreiche technische Probleme; zudem war die Zeit zu kurz gewesen, um ausreichend Personal zu schulen. Es gab zahlreiche Verspätungen und Zugausfälle. Einzelne Leistungen wurden von DB Regio übernommen. Ab Oktober 2019 stabilisierte sich die Situation.
Im Mai 2020 wurde bekannt, dass das Verkehrsministerium unter Kooperation von Go-Ahead für die Frankenbahn befristet auf zwei Jahre die Übergabe an einen neuen Betreiber erwägt., 10. Mai 2020 auf swr.de Alfred Drossel: Go-Ahead muss in die Zwangspause, 11. Mai 2020 auf lkz.de Im September 2020 teilte das Verkehrsministerium mit, dass angesichts der erzielten Verbesserungen davon Abstand genommen werde. Alexander Hettich: Go-Ahead bleibt auf der Frankenbahn im Geschäft, 29. September 2020 auf stimme.de
Am 11. August 2025 informierte das Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg, dass Arverio Baden-Württemberg den Zuschlag für das Netz 35b (E-Netz Stuttgart-Bodensee MEX-Netz) mit fünf Linien und bis zu 10,3 Millionen Zugkilometern pro Jahr und einer Laufzeit vom 13. Dezember 2026 bis Dezember 2040 erhielt.https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/presse/pressemitteilung/pid/db-regio-und-arverio-gewinnen-stuttgart-bodensee-netz-1
Arverio Bayern mini|Logo Arverio Bayern mini|Ehemaliges Logo Go-Ahead Bayern mini|Züge der Arverio Bayern GmbH mit dem neuen Arverio-Logo (links) und dem alten GoAhead-Logo (rechts). mini|Stadler Flirt im Bahnhof Lindau-Insel mini|Siemens Mireo in Ulm Hauptbahnhof Am 3. August 2018 erhielt Go-Ahead einen weiteren Betreiberzuschlag im „Elektronetz Allgäu“. Von Dezember 2021 bis Dezember 2033 ist das Unternehmen auf der Linie München – Buchloe – Memmingen – Kißlegg – Hergatz – Lindau Insel – Lindau-Reutin mit Neufahrzeugen vom Typ Stadler Flirt 3 unterwegs.www.lok-report.de: Stadler gewinnt Auftrag von Go-Ahead über 22 FLIRT für E-Netz Allgäu
Am 7. Dezember 2018 erhielt Arverio von der BEG (Bayerische Eisenbahngesellschaft) den Zuschlag für das Los 1 der Augsburger Netze. Das Los 1 umfasst die Achsen Ulm – Augsburg – München, Würzburg – Ansbach – Treuchtlingen – Donauwörth – Augsburg und Aalen – Nördlingen – Donauwörth.
Für die beiden Verkehrsverträge im Freistaat Bayern wurde am 21. März 2019 die Betriebsgesellschaft Go-Ahead Bayern GmbH (kurz GABY), später Arverio Bayern GmbH, mit Sitz in Augsburg gegründet und im Juli 2019 ein Büro in der Augsburger Innenstadt bezogen. Ein Wartungsstützpunkt wurde nördlich des Bahnhofs Gablingen im Gewerbegebiet Langweid-Foret gebaut und bis Ende 2022 vom (zur russischen Transmashholding gehörenden) Unternehmen TMH Germany betrieben.
Nach dem Beginn des russischen Überfalls auf die Ukraine übernahm die neu gegründete Euco Rail AG die Werkstatt, das Management und die Belegschaft von TMH Germany.Betriebswerk: Partnerschaft von Arverio Bayern und Euco Rail. Arverio Bayern, abgerufen am 9. September 2024. Zur Wartung von 78 Triebzügen wurde ein langfristiger Vertrag abgeschlossen.TMH Germany startet Wartungsaktivitäten für Go-Ahead Bayern in Augsburg, auf go-ahead.bayern Ende 2022 übernahm Euco Rail von Arverio auch den Wartungsstandort in Essingen bei Aalen. Die europäische Fahrzeughalterkennzeichnung für Arverio Bayern ist GABY.
Mit dem Betrieb der Fahrkartenautomaten und Fahrkartenentwerter (zuvor standen DB-Automaten und Entwerter) wurde Transdev Vertrieb beauftragt. An Bahnhöfen entlang der Strecken wurden dazu auch eigene Fahrkartenautomaten und Fahrscheinentwerter aufgestellt und ersetzten die DB-Automaten und -Entwerter.Arverio Bayern: FAQ. Wo kann ich meine Fahrscheine kaufen? Abgerufen am 15. Juli 2024 Go-Ahead Bayern: Unsere Automaten . Abgerufen am 15. Juli 2024
Gewonnene Ausschreibungen Das Unternehmen hat die folgenden Ausschreibungen gewonnen: Netz KBS Linie Zuglauf Leistungsumfang(Zugkilometer pro Jahr) Vertragslaufzeit 1b Rems-Fils 786 MEX 13 Stuttgart – Schorndorf – Aalen – Ellwangen – Crailsheim 4,8 Millionen Juni 2019 – Dez. 2032 750 MEX 16 Stuttgart – Plochingen – Süßen – Amstetten – Ulm 1c Franken-Enz 770/786 RE 1 Karlsruhe – Pforzheim – Mühlacker – Stuttgart – Schorndorf – Aalen 4,5 Millionen Juni 2019 – Dez. 2032 780 RE 8 Stuttgart – Bietigheim-Bissingen – Heilbronn – Osterburken – Lauda – Würzburg 3a Murrbahn 785 RE 90 Stuttgart – Backnang – Schwäbisch Hall-Hessental – Crailsheim – Nürnberg 1,5 Millionen Dez. 2019 – Dez. 2032 E-Netz Allgäu 970 RE 72RB 92RE 96 München – Buchloe – Memmingen – Lindau-Reutin 2,7 Millionen Dez. 2021 – Dez. 2033 Augsburger Netze(Los 1) 910/980 RE 80RB 87 Würzburg – Ansbach – Treuchtlingen – Donauwörth – Augsburg 7,6 Millionen Dez. 2022 – Dez. 2034 980 RE 9RB 86 Ulm – Dinkelscherben – Augsburg – München 989 RE 89RB 89 Aalen – Nördlingen – Donauwörth – Augsburg – München 35b E-Netz Stuttgart-Bodensee MEX-Netz 786/760 MEX13 Aalen – Stuttgart – Plochingen – Tübingen ~10 Millionen Dez. 2026 – Dez. 2040 740/760 MEX14 Stuttgart – Horb – Rottweil 780 MEX18 Stuttgart – Heilbronn 785 MEX19/90 Stuttgart – Schwäbisch Hall-Hessental
Fahrzeuge Im Mai 2016 bestellte die Go-Ahead Deutschland GmbH für die Lose im Stuttgarter Netz bei Stadler Pankow 45 Stadler Flirt 3, die mit Steckdosen und Intrain-Repeatern ausgestattet sind. Gleiches gilt für die elf Stadler Flirt 3XL-Fahrzeuge im Netz 3a. In allen wird ein Internetzugang über WLAN zur Nutzung durch Fahrgäste angeboten. Sie erhalten je einen Erste-Klasse-Bereich mit jeweils 9 Sitzplätzen (Flirt 3 XL: 8 Sitzplätze) und enthalten 155, 207, 263 bzw. 319 Sitzplätze der zweiten Klasse (Flirt 3 XL: 202). Für das Los 2 wurden 11 dreiteilige und 15 fünfteilige Triebzüge bestellt sowie 9 vierteilige und 10 sechsteilige für das Los 3. Alle Fahrzeuge wurden für den Einbau von ETCS vorbereitet, die Fahrzeuge für das Teilnetz „Franken-Enz“ sind zudem mit LZB ausgerüstet., auf stadlerrail.com Im Dezember 2016 wurde die ursprüngliche Bestellung um zwei drei-, vier fünf- und vier sechsteilige Triebzüge erhöht, um für beide Lose eine größere Sitzplatzkapazität anbieten zu können. Für die nachbestellten Züge war eine Fertigstellung zur Betriebsaufnahme im Juni 2019 nicht möglich. Alle Fahrzeuge der Go-Ahead Baden-Württemberg wurden über das Baden-Württemberg-Modell der Landesanstalt Schienenfahrzeuge Baden-Württemberg finanziert und im Landesdesign der Nahverkehrsgesellschaft Baden-Württemberg gestaltet.
Für den Digitalen Knoten Stuttgart werden die Fahrzeuge unter anderem mit ETCS nachgerüstet. Während des Umbaus setzt Arverio sechsteilige, ursprünglich von der ÖBB beschaffte, Talent 3+ und dreiteilige Mireo des Landes ein. Auf dem Netz 35b (E-Netz Stuttgart-Bodensee) wird Arverio 200 km/h schnelle, vierteilige Alstom Coradia Max einsetzen, die vom Land Baden-Württemberg beschafft werden.