Bei der Christus-Erlöser-Kirche in Wydminy () handelt es sich um ein im Jahr 1701 wieder aufgebautes Bauwerk mit Grundmauern aus dem 16. Jahrhundert. Bis 1945 war sie ein evangelisches Gotteshaus für das ostpreußische Kirchspiel Widminnen; heute ist sie eine römisch-katholische Pfarrkirche in der polnischen Woiwodschaft Ermland-Masuren.

Geographische Lage Wydminy liegt in der östlichen Mitte der Woiwodschaft Ermland-Masuren. Durch den Ort verlaufen die Woiwodschaftsstraße DW 655 sowie die Bahnstrecke Głomno–Białystok.

Der Standort der Kirche befindet sich an der nordöstlichen, hier ulica Grunwaldzka genannten Hauptdurchgangsstraße (DW 655) bzw. an deren Zubringerstraßen zum Widminner See ().

Kirchengebäude Um die Mitte des 16. Jahrhunderts erhielt Widminnen eine evangelische Kirche.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 2, Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 122–123, Abb. 559–561. Sie brannte beim Stadtbrand 1572 ab.Wydminy – Widminnen Der Nachfolgebau wurde bei einem erneuten Brand 1656 stark beschädigt. Unter Verwendung alten Mauerwerks wurde die Kirche 1701 wieder aufgebaut. Es entstand ein verputzter Feldsteinbau mit dreiseitigem Chor und dreigeschossigem Westturm mit angefügter südlicher Vorhalle.

Die innere Tür der Vorhalle hatte Klappflügel mit einem Schloss, das mit „F.C. III 1700“ gekennzeichnet war. Über dem Kirchenportal befand sich eine Marmortafel mit der Gravur: Fridericus Rex Prussiae. Fridericus Wilhelmus von Lesgewang Capitaenus. Johannes Stobaeus Pastor. Aedificata anno 1701.

1867 fand eine umfangreiche Renovierung der Kirche statt. Seither ist die Decke des Innenraums ein freitragendes Hängewerk. Der Altar und die Kanzel wurden 1719 gefertigt; sie sind unstaffiert und entstammen der gleichen Werkstatt. Aus dem 19. Jahrhundert stammen die Kronleuchter sowie ein Taufengel.

Die Orgel war ein Werk des 19. Jahrhunderts. Das Geläut der Kirche bestand ursprünglich aus drei Glocken.

Das Kirchengebäude wurde nach Beschädigungen im Ersten Weltkrieg 1925 restauriert und überstand den Zweiten Weltkrieg glimpflich. Es wurde nach mehr als zweihundert Jahren als evangelisches Gotteshaus 1946 enteignet und von der Römisch-katholischen Kirche übernommen. In den 1960er Jahren wurde das Bauwerk noch einmal gründlich renoviert und für veränderte liturgische Zwecke umgestaltet. Heute ist es römisch-katholische Pfarrkirche mit dem Namen „Kościół Chrystusa Zbawiciela“ (Christus-Erlöser-Kirche).

Kirchengemeinde Evangelisch Kirchengeschichte 1558 wurde Widminnen mit der Gründung einer evangelischen Kirchengemeinde und dem sich anschließenden Bau eines Gotteshauses ein Kirchdorf.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 3, Dokumente. Göttingen 1968, S. 493. Ihm wurde ein weitflächiges Kirchspiel zugeordnet. Bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts amtierten hier zwei Geistliche gleichzeitig, und zwischen 1900 und 1913 wurde dem Pfarrer ein Hilfsprediger zur Seite gestellt.Friedwald Moeller: Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945. Hamburg 1968, S. 149. Das Kirchenpatronat oblag den staatlichen Stellen. Die Zahl der Gemeindeglieder belief sich 1925 auf 5200. Bis 1945 gehörte die Pfarrei Widminnen zum Kirchenkreis Lötzen in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union.

Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung setzten dem Leben der Kirchengemeinde ein vorläufiges Ende. Da die bisher evangelische Kirche heute ein katholisches Gotteshaus ist, besitzen jetzt die wenigen evangelischen Gemeindeglieder ein kleines Kirchengebäude an der ul. Grundwaldzka. Es untersteht als Filialkirche der Pfarrei in Giżycko (Lötzen) in der Diözese Masuren der Evangelisch-Augsburgischen Kirche in Polen.Parafia Giżycko

Kirchspielorte (bis 1945) Bis 1945 gehörten zum Kirchspiel Widminnen 20 Dörfer, Ortschaften und Wohnplätze:Der * markiert einen Schulort.

Name Änderungsname1938 bis 1945 PolnischerName Name Änderungsname1938 bis 1945 Polnischer Name *Czarnowken Grundensee Czarnówka Nienstedten Rydze Czybulken Richtenfeld Cybulki Paulinenhof Wólka Cybulska Ernstfelde Ernstowo *Radzien Königsfließ Radzie Gembalken Gębałki *Schemionken (ab 1928)Bergwalde Siemionki *Groß Gablick Gawliki Wielkie Scheuba Siejba Insel Wyspa Schraderswert Dudka Junien Kleinbalzhöfen Junie Soltisten Sołtyski Klein Gablick Gawliki Małe *Sucholasken (ab 1935)Rauschenwalde Sucholaski Königgrätz Grodziec *Wensowken Großbalzhöfen Wężówka *Masuchowken (ab 1936)Rodental (Ostpr.) Mazuchówka Widminnen Wydminy

Pfarrer (bis 1945) Von 1558 bis 1945 amtierten an der Kirche Widminnen als evangelische Geistliche:

Samuel Barowski, 1558 Johann Dunitius, ab 1566 Samuel Dunitius d. Ä., 1579–1604 Christoph Breuer, 1594–1625 Caspar Wissowatti, bis 1625 Jacob Breuer Samuel Dunitius d. J., 1625 Christoph Gadzali Martin Strugul, 1643–1684 Martin Madeicka, 1657–1662 Andreas Strugul, 1681–1684 Johann Stobäus, 1663–1702 Andreas Strugul, 1684–1705 Johann Schrödter, 1703–1707 Daniel Lepach, 1705–1710 Raphael Gregorowius, 1707–1732 Christoph Strugul, 1710–1720 Martin Gisewius, 1721–1753 Salomo Lascowius, 1735–1742 Gottfried Döring, 1742 Samuel Ogronglowius, 1743–1753 Tobias Knobbe, 1753–1758 Joseph Gisewius, 1753–1808 Friedrich Ludwig Hoffmann, 1758–1761 Gottfried W. Jerzembski, 1761–1780 Daniel Radke, 1780–1788 Theophil Kendziorra, 1787–1802 Johann Friedrich Bruno, 1802–1814 Johann Salkowski, 1810–1811 Christian Sadowski, 1812–1813 Karl Heinrich Gregorovius, 1813–1831 Benjamin Szczesny, 1831–1871 Theophil C. Tribukait, 1871–1877 Kurt Rudloff, 1900–1903 Martin Adolf Lux, 1903–1907 Emil Salewski, 1907–1909 Karl Emil Wiski, 1878–1910 Wilhelm G.S. Gemmel, 1910 Emil Richard Jencio, 1910–1935 Rudolf Mantze, 1935–1945

Römisch-katholisch Bis 1945 waren die wenigen katholischen Gemeindeglieder in die Pfarrgemeinde in Lötzen eingepfarrt. Sie gehörte zum Dekanat Masuren II (Sitz: Johannisburg, polnisch Pisz) im Bistum Ermland. Heute ist die einst evangelische Kirche das katholische Gottesdienstzentrum. Die Pfarrgemeinde gehört zum Dekanat św. Krzystofa Giżycko im Bistum Ełk (Lyck) der Römisch-katholischen Kirche in Polen.diecezjaelk.pl: (polnisch) Zugeordnet sind die Filialkirchen in Gawliki Wielkie (Groß Gablick) und in Sołtmany (Soltmahnen).

Weblinks

Literatur M. Meyhöfer: Der Kreis Lötzen. Würzburg 1961.

Einzelnachweise

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