mini|Robby Mook im Wahlkampf (2016)
Robert E. „Robby“ Mook (geboren am 3. Dezember 1979 in Sharon, Vermont) ist ein amerikanischer politischer Berater und Stratege der Demokratischen Partei. Er war Hillary Clintons Wahlkampfmanager bei der US-Präsidentschaftswahl 2016. Vorher arbeitete er seit den 1990er Jahren für verschiedene Kampagnen von Demokraten, zuerst in Vermont – gefördert unter anderem von Howard Dean –, dann in anderen Staaten und auf Bundesebene. In seiner Strategie zur Wählermobilisierung verbindet Mook Deans Graswurzel-Ansatz mit ausgefeilter Datentechnologie, wie sie Barack Obama in seinen Präsidentschaftswahlkämpfen benutzt hat. Innerhalb des operativen Teams legt Mook Wert auf die Ausbildung einer Kultur unbedingten Siegeswillens, disziplinierten Arbeitens und inhaltlichen Kurshaltens.
Familie und Ausbildung Robby Mook wuchs in der Kleinstadt Norwich im US-Bundesstaat Vermont nahe der Grenze zum Nachbarbundesstaat New Hampshire auf. Sein Vater Delo Emerson Mook ist früherer Physik-Professor am Dartmouth College in Hanover (New Hampshire), seine Mutter Kathryn H. Mook Krankenhaus-Managerin am Dartmouth-Hitchcock Medical Center in Lebanon (New Hampshire).Matt Hongoltz-Hetling: ‘This Is Where I Learned’: Hanover High School Graduate Returns Home as Head of Clinton Campaign. In: Valley News, 31. Januar 2016 (englisch); In: Dartmouth.SmartCatalogIQ.com (englisch); Kathryn H. Mook. In: ResearchGate (englisch). Siehe Eugene C. Nelson, Mary A. Gentry, Kathryn H. Mook, Karen L. Spritzer, John H. Higgins, Ron D. Hays: How Many Patients Are Needed to Provide Reliable Evaluations of Individual Clinicians? In: Medical Care. Bd. 42, 2004, Nr. 3, S. 259–266, hier S. 259: Kathryn Mook arbeitete für die Management Services des Krankenhauses. Mook besuchte die High School in Hanover und traf dort auf Matt Dunne, der als Lehrer die Theatergruppe leitete, zugleich dem Vermont House of Representatives angehörte und Mooks Weg ins Wahlkampfmanagement förderte. Seine akademische Ausbildung schloss Mook 2002 an der Columbia University in New York mit einem Bachelor of Arts in klassischer Altertumswissenschaft ab. Nach seinem Abschluss war er „Page“ im Senat der Vereinigten Staaten, das heißt zeitweiliger Büromitarbeiter im Rahmen eines Förderprogramms für Jugendliche.
Organisation politischer Wahlkämpfe Seine Tätigkeit für Wahlkämpfe begann Mook während der High School. Als 14-jähriger freiwilliger Helfer engagierte er sich 1994 im Wahlkampf seines Lehrers Matt Dunne für das Repräsentantenhaus Vermonts.Jonathan Lemire: Political Strategist: Robby Mook ’02 Works To Turn the Country Blue. In: Columbia College Today, Frühjahr 2012, S. 46 f., hier S. 46 . Bei der Präsidentschaftswahl 1996 organisierte er mit Freunden Telefonanrufe für die Wiederwahl Bill Clintons. Erstmals bezahlt, war er 1998 am CanvassingEric M. Appleman: Howard Dean–Campaign Organization, New Hampshire. In: GWU.edu, 2003 (englisch). für die Wiederwahl Howard Deans zum Gouverneur Vermonts beteiligt.Meryl Levin, Will Kanteres: Primarily New Hampshire: A Year in the Lives of Presidential Campaign Staffers. Third Rail Press, Manchester, NH 2004, S. 218. Während Mooks Semesterferien im Sommer 2000 engagierte Matt Dunne ihn als bezahlten Wahlkampfhelfer für die Fraktion der Demokraten in Vermonts Repräsentantenhaus; Mook organisierte einigen Abgeordneten deren erste Fundraiser überhaupt. Sein Engagement für die Studierendenorganisation der Demokraten an der Columbia University setzte Maßstäbe, da er erstmals die Daten der dortigen Wähler und Freiwilligen elektronisch erfasste. Nach seinem Studienabschluss und der Tätigkeit als Senats-„Page“ kehrte er nach Vermont zurück.
Anfänge auf regionaler Ebene 2002 bis 2006 mini|Robby Mook im Wahlkampf (2006) In seinem Heimatstaat unterstützte er die Demokraten des Bundesstaates bei verschiedenen Wahlkämpfen, unter anderem vor der allgemeinen Wahl 2002 als field director der integrierten Wahlkampagne der Demokraten im Bundesstaat, zuständig für die Koordinierung der Freiwilligen vor Ort. Mook arbeitete zwischenzeitlich für die New Yorker Stadträtin Eva Markowitz und ab April 2003 für die US-Präsidentschaftskampagne 2004 des früheren demokratischen Gouverneurs von Vermont, Howard Dean, als deputy field director in Wisconsin und New Hampshire. Zugleich war Mook an der Koordination des Online-Fundraisings beteiligt, einer bahnbrechenden Neuerung, die in dieser Kampagne erstmals überhaupt eingesetzt wurde,Jonathan Lemire: Political Strategist: Robby Mook ’02 Works To Turn the Country Blue. In: Columbia College Today, Frühjahr 2012, S. 46 f., hier S. 47 . und lernte die Bedeutung der Informationstechnologie für Wahlen kennen, die er von nun an nutzte.Jay Newton-Small: Clinton’s Campaign Manager Isn’t Worried About a 2008 Repeat. In: Time, 2. Februar 2016 (englisch). Nachdem Dean in der Vorwahl seine zwischenzeitliche Führung verloren hatte und John Kerry für die Demokraten nominiert worden war, begann er für das Democratic National Committee (DNC) zu arbeiten, die Organisation der Bundespartei – gefördert vom zwischenzeitlichen Bundesparteichef Howard Dean. Für das DNC war er beim Präsidentschafts-Hauptwahlkampf Kerrys gegen den republikanischen Amtsinhaber George W. Bush dafür zuständig, die Wähler in Wisconsin zu mobilisieren (Get out the vote). Deans Niederlage sieht Mook als wichtige Erfahrung, die ihn gelehrt habe, dass politische Stimmungen schnell kippen können und es deshalb wichtig sei, einmal erreichte Wähler-Unterstützung sofort zu konsolidieren. Während der Kampagne, in der Mook zu einer zentralen Figur für Dean aufstieg, begann das Team in New Hampshire die Ideen des Politikwissenschaftlers und Aktivisten Marshall Ganz anzuwenden. Graswurzel-Organisation und der Einsatz von Freiwilligen im Straßenwahlkampf statt bezahlter, geskripteter Mitarbeiter wurden daraufhin erstmals großmaßstäblich erprobt und zur Grundlage für Barack Obamas erfolgreiche Präsidentschaftskandidatur 2008. Einige der damaligen Kollegen aus New Hampshire stiegen wie Mook zu Schlüsselfiguren späterer demokratischer Wahlkämpfe auf.
mini|hochkant|Get-out-the-vote-Zettel Mooks zur Gouverneurswahl 2006 in Maryland 2005 gehörte Mook in Virginia zum Wahlkampfteam David W. Marsdens, der das erste Mal für ein politisches Amt gegen einen republikanischen Amtsinhaber im Virginia House of Delegates antrat. Diese Karrierestation, die wie ein Schritt zurück wirkte, hatte Mook bewusst gewählt, um eine Kampagne von Grund auf zusammenstellen und im Ganzen leiten zu können. Marsden erhielt, so Mother Jones, eine Präsidentschaftskampagne in Miniatur mit fünf Vollzeitmitarbeitern, die den winzigen Wahlkreis fast Wähler für Wähler abklapperten; Mook organisierte eine Fundraising-Veranstaltung auf dem Capitol Hill in Washington, bei dem er seine bereits weit geknüpften Verbindungen ausspielte. In einem Wahlkreis, der als gleichmäßig gespalten zwischen Anhängern beider großer Parteien galt, gewann Marsden mit 20 Prozent Vorsprung. 2006 wechselte Mook nach Maryland. Dort arbeitete er in der koordinierten gemeinsamen Kampagne für Martin O’Malley, der den republikanischen Amtsinhaber Bob Ehrlich in der Gouverneurswahl besiegte, und für Ben Cardin, der Michael Steele in der Wahl zum US-Senat 2006 schlug. Anschließend arbeitete Mook im Nahen Osten für das National Democratic Institute, wo er so viel Wertschätzung für Bill Clintons dortiges Engagement hörte, dass er sich bald entschloss, in die Vereinigten Staaten zurückzukehren und für dessen politisch aktive Ehefrau Hillary Clinton zu arbeiten.
Mitwirkung an der Präsidentschaftskampagne Hillary Clintons 2008 Ab Frühjahr 2007 engagierte sich Mook in Hillary Clintons Wahlkampagne für die US-Präsidentschaftswahl 2008 und war als state director zuständig für die Wahlkämpfe in den Bundesstaaten Nevada, Indiana und Ohio während der parteiinternen Vorwahlen, bei denen Clinton in diesen Bundesstaaten jeweils die meisten Wählerstimmen erhielt, sich insgesamt aber dem späteren Präsidenten Barack Obama geschlagen geben musste. Obamas damaliger Wahlkampfmanager David Plouffe äußerte 2014 anerkennend, Mook habe die beste Arbeit in Clintons Team überhaupt geleistet; „seine Fußspur war auf unserem Rücken“.Im Original: “His footprint was on our back.” Zitiert nach Albert R. Hunt: Virginia Campaign Could Lift Strategist to Stardom. In: The New York Times, 15. Juli 2013 (englisch). Vor dem Caucus in Nevada hatte Hillary Clinton die Abstimmung bereits aufgeben und sich anderen Staaten zuwenden wollen, wurde aber von Mook in einer Sitzung überzeugt, Ressourcen zu investieren. Clinton gewann den Caucus, was dafür sorgte, dass die bisher Top-Down geführte Kampagne Clintons Elemente von Deans Graswurzelorganisation übernahm. Anschließend managte Mook in New Hampshire die erfolgreiche Wahl Jeanne Shaheens, einer Clinton-Vertrauten, in den US-Senat im November 2008. Als einer von zehn Angehörigen des gut ausgestatteten Kernteams koordinierte er die 100 bezahlten Mitarbeiter und Tausenden Freiwilligen und integrierte diese Kampagne teilweise vollständig mit derjenigen Obamas für die Präsidentschaft in diesem Bundesstaat.David B. Magleby: The Change Election: Money, Mobilization, and Persuasion in the 2008 Federal Elections. Temple University Press, Philadelphia 2011, S. 160. Während der Arbeit in Clintons Kampagne entstand um Mook eine Gruppe von loyalen Mitarbeitern, die sich „Mook-Mafia“ nennt, und häufig Teil von Mooks späteren Teams geworden ist.Daniel Roberts, Leigh Gallagher: Fortune’s 40 Under 40: Robby Mook, 35, Campaign Manager, Hillary for America. In: Fortune, 24. September 2015 (englisch).
Arbeit für die Bundespartei 2009 bis 2012 Nachdem er Anfang 2009 einen Posten im Außenministerium unter der gerade vereidigten Ministerin Hillary Clinton abgelehnt hatte, aber offenbar an ihrer dortigen Personalauswahl beteiligt gewesen war,Chuck Ross: Mook Juke Revealed: Hillary’s Campaign Manager Held Political Adviser Role At Clinton State Dept. In: The Daily Caller, 10. Mai 2016 (englisch). begann Mook für die bundesweite Wahlkampforganisation der Demokraten im US-Repräsentantenhaus, das Democratic Congressional Campaign Committee (DCCC), zu arbeiten. Er galt damals als „aufgehender Stern“ unter den Partei-Mitarbeitern.Chris Cilliza: Robby Mook to Lead Democratic Congressional Campaign Committee for 2012 Races. In: The Washington Post, 5. Dezember 2010 (englisch). Zuerst political director, also mit politischen Inhalten betraut, wurde er im Mai 2010 independent expenditure director, das heißt zuständig für Unterstützung individueller Politiker ohne Absprache mit ihnen, mit einem Etat von 65 Millionen US-Dollar. Nach dem Verlust der demokratischen Mehrheit im Repräsentantenhaus bei der Wahl im November 2010 wurde er im Dezember executive director, also für das gesamte operative Geschäft zuständig. Den damaligen DCCC-Vorsitzenden Steve Israel überzeugte Mook mit seinem Vorschlag und Beharren, bei der als kaum gewinnbar geltenden außerordentlichen Nachwahl 2011 im 26. Kongresswahlbezirk viele Ressourcen zu verwenden; daraufhin gewann Kathy Hochul den Sitz erstmals in vier Jahrzehnten für die Demokraten. In dieser Funktion war Mook zudem maßgeblich an der Steuerung und Koordination demokratischer Bewerbungen in einzelnen Kongresswahlbezirken vor der Wahl im November 2012 beteiligt, bei der die Partei acht Sitze auf die Republikaner gutmachen konnte, das selbstgesetzte Ziel, wieder stärkste Fraktion im Repräsentantenhaus zu werden (was 25 Sitze gebraucht hätte), jedoch verfehlte. Die Vergrößerung der Kongressfraktion haben einige politische Beobachter Mooks Einsatz zugeschrieben. Er selbst beschrieb die Tätigkeit des DCCC metaphorisch als „Booster“ (Hilfsrakete): Ohne vor Ort eingreifen zu können oder den individuellen Zuschnitt der jeweiligen Kampagne zu verändern, habe diese Organisation den ganz unterschiedlichen Kandidaten strukturell geholfen, sie über die Ziellinie zu bringen.