Höchst im Odenwald (odenwälderisch Heigscht, amtlich Höchst i. Odw.) ist eine Gemeinde im südhessischen Odenwaldkreis.

Geographie mini|links|Blick von Nordwesten

Höchst liegt im nördlichen Odenwald im Mümlingtal in 175 bis 400 Metern Höhe. Die Kerngemeinde Höchst ist ein geschlossenes Dorf mit regelhaftem Grundriss im Buntsandsteingebiet des Odenwaldes bei doppelseitiger Tallage. Der Ortsteil Höchst besteht aus der 10,220 Hektar umfassenden Gemarkung Höchst-Odw. In dieser liegen die folgenden aktuellen bzw. historischen Siedlungsplätze: Wüstung Oberhöchst Augustinerinnenkloster Höchst Benediktinerinnenkloster, Höchst (Odenwald)

Nachbargemeinden sind im Norden die Stadt Groß-Umstadt (Landkreis Darmstadt-Dieburg) und die Stadt Breuberg, im Osten die Gemeinde Lützelbach, im Süden die Stadt Bad König, im Südwesten die Gemeinde Brensbach und im Westen die Gemeinde Otzberg (Landkreis Darmstadt-Dieburg). Durch das Gemeindegebiet führen die Bundesstraßen 45 und 426.

Zur Gemeinde gehören neben der Kerngemeinde Höchst die Ortsteile Annelsbach, Dusenbach, Forstel, Hassenroth, Hetschbach, Hummetroth, Mümling-Grumbach und Pfirschbach.

Geschichte Ortsgeschichte mini|Ersterwähnung von Höchst im Odenwald, als Hoiste, MCLVI (1156) mini|Römische Villa Haselburg mini|Evangelische Kirche mini|Das ehemalige Kloster ist heute ein Seminarzentrum

Das Höchster Becken war, wie andere günstig gelegene Plätze im Mümlingtal, spätestens seit der Jungsteinzeit dauerhaft besiedelt. Zahlreiche steinzeitliche Spuren sowie Funde aus keltischer und römischer Zeit zeugen davon. Im Ortsteil Hummetroth wurde eine römische „villa rustica“ aus dem 2. Jahrhundert freigelegt; sie ist heute als Freilichtmuseum zugänglich (Römische Villa Haselburg).

Die älteste erhaltene schriftliche Erwähnung von Höchst datiert von 1156.Hessisches Staatsarchiv Marburg (StA MR, Urkunden R Ia, Stift Fulda 1156); Heinrich Wagner: Die Erstnennung von Höchst im Odenwald 1156. In: Verein für Heimatgeschichte Höchst e. V. (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte von Höchst im Odenwald, Höchst 2006. Weitere Erwähnungen in Urkunden und Dokumenten erfolgen im Verlauf des Mittelalters und der Frühen Neuzeit unter den Ortsnamen: Hoiste (1156), Hoste(n) (1366/1374), Hoest(e) (1393, 1438), Hest (1485) und Hoegst (1567, 1607) zum heutigen Höchst.

Im Mittelalter herrschten unter anderem die Herren von Breuberg, die Grafen von Wertheim, die Herren von Eppstein und die Grafen von Erbach. Höchst gehörte bis zur Auflösung des alten Reichs gemeinsam mit Breuberg und Lützelbach zur Herrschaft Breuberg. Um 1200 entstand das Augustinerinnen-Kloster Höchst, das ab 1511 von Fuldaer Benediktinerinnen bewohnt und nach der Reformation um 1567/68 aufgelöst wurde. Am Ende des Dreißigjährigen Krieges war der Ort fast ausgestorben und erholte sich nur sehr langsam.

Von 1822 bis 1879 war Höchst Sitz des Landgerichts Höchst und von 1879 bis 1968 des Amtsgerichts Höchst im Odenwald. Danach bestand hier bis 1977 eine Zweigstelle des Amtsgerichts Michelstadt fort.

Seit 1857 ist das südöstlich von Höchst gelegene Tal des Obrunnbachs als Obrunnschlucht bekannt und touristisch wechselvoll erschlossen.

Sofort nach der Etablierung des Dritten Reiches begann der Terror gegen Regimegegner. Am Abend des 2. März 1933 wurden der Höchster SPD-Vorsitzende Wilhelm Fröhlich und – aus Versehen – der SA-Mann Andreas Weidt von SA-Männern erschossen.Wolfgang Stapp: Niemals wieder vergessen! Zum Gedenken Odenwälder Antifaschisten, Teil 3/1: Verfolgung und Widerstand in Höchst: Die Blutnacht. In: „gelurt“. Odenwälder Jahrbuch für Kultur und Geschichte 2009. Erbach 2008, , S. 97–122. In der Folge wurde der Widerstand der Arbeiterbewegung – in Höchst überwiegend SPD-orientiert, vereinzelt auch Kommunisten – rigoros zerschlagen. Für die Betroffenen bedeutete dies Inhaftierung in Gefängnissen und Zuchthäusern, aber auch Schutzhaft in Gestapo-Gefängnissen und Konzentrationslagern.Wolfgang Stapp: Niemals wieder vergessen! Zum Gedenken Odenwälder Antifaschisten, Teil 3/2: Verfolgung und Widerstand in Höchst: Nach der Blutnacht. In: „gelurt“. Odenwälder Jahrbuch für Kultur und Geschichte 2010. Erbach 2009, , S. 218–232.

Das Schicksal der noch rechtzeitig ausgewanderten und der später in Konzentrationslagern ermordeten Höchster Juden (1933: 102; Wohnhäuser: 28) versuchte die Arbeitsgemeinschaft zur Erforschung der Höchster Heimatgeschichte unter dem Schriftleiter und späteren Bürgermeister Reiner Guth 40 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg aufzuklären und zu dokumentieren.Siehe das unter Literatur angegebene Werk: „Geschichte und Schicksale der Juden zu Höchst“. Außerdem beschloss die Gemeindevertretung, zur Erinnerung an die Zerstörung der Synagoge in der Reichspogromnacht des Jahres 1938 ein Denkmal zu errichten.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden in Höchst (einschließlich Ortsteilen) mindestens (Dunkelziffer) 331 ausländische Zwangsarbeiter eingesetzt. 123 stammten aus Polen, 99 aus der Sowjetunion, 72 aus Frankreich. Der Rest kam aus den Niederlanden, Italien, Belgien, Bulgarien, Litauen und Jugoslawien, drei waren Staatenlose. Im Ortsbereich konnten vier Lager lokalisiert werden.Wolfgang Stapp: Verschleppt für Deutschlands Endsieg. Ausländische Zwangsarbeiter im Breuberger Land 1939–1945. 2. überarbeitete, ergänzte und aktualisierte Auflage. Höchst im Odenwald 2004, hier: S. 31–33 und 261–263.

Eingemeindungen 1969/1971 Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde zum 1. November 1969 die bis dahin selbständige Gemeinde Annelsbach auf freiwilliger Basis eingemeindet. Zum 1. Februar 1971 kam Hetschbach ebenfalls freiwillig hinzu. Zum 31. Dezember 1971 folgten Dusenbach, Forstel, Hassenroth, Hummetroth, Mümling-Grumbach und Pfirschbach. Für die eingegliederten Gemeinden – nicht für die Kerngemeinde – wurden Ortsbezirke eingerichtet.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011/2022 Nach den Erhebungen des Zensus 2011/Zensus 2022 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011 / 15. Mai 2022, in Höchst im Odenwald 9928/9756 Einwohner. Darunter waren 1581/2123 (15,9 % / 21,8 %) Ausländer, von denen 947/1427 aus dem EU-Ausland, 567/528 aus anderen europäischen Ländern und 67/165 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 23 %.) Nach dem Lebensalter waren 1791/1722 Einwohner unter 18 Jahren, 4102/3503 zwischen 18 und 49, 2159/2375 zwischen 50 und 64 und 1877/2160 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 4179/2673 Haushalten. Davon waren 1212/? Singlehaushalte, 1196/1195 Paare ohne Kinder und 1371/1123 Paare mit Kindern, sowie 332/355 Alleinerziehende und 73/? Wohngemeinschaften. In 828/421 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 2828/1777 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung

Religionszugehörigkeit • 1961: 2970 evangelische (= 74,47 %), 883 katholische (= 22,14 %) Einwohner • 1987: 5442 evangelische (= 64,2 %), 1923 katholische (= 22,7 %), 1108 sonstige (= 13,1 %) Einwohner • 2011: 4281 evangelische (= 43,1 %), 1767 katholische (= 17,8 %), 3879 sonstige (= 39,1 %) Einwohner • 2022: 3164 evangelische (= 32,4 %), 1426 katholische (= 14,6 %), 5166 sonstige (= 52,9 %) Einwohner

Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Höchst erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 25,5 8 29,2 9 31,3 10 30,9 10 32,1 10 31,7 10 KAH Kommunalpolitischer Arbeitskreis Höchst im Odenwald 38,2 12 31,9 10 24,1 7 28,9 9 35,1 11 41,9 13 21,1 6 25,5 8 22,9 7 20,5 6 22,6 7 20,6 6 15,3 5 13,5 4 9,3 3 12,5 4 4,3 1 5,8 2 WfH Wende für Höchst – – – – 8,9 3 7,1 2 6,0 2 — — – – – – 3,4 1 — — — — — — Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 51,1 49,5 49,7 48,5 51,1 59,4

Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Höchst neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und neun weitere Beigeordnete angehören.Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. Januar 2024 Jens Fröhlich (KAH). Er wurde als Nachfolger von Horst Bitsch, der nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 10. September 2023 ohne Gegenkandidaten im ersten Wahlgang bei 34,10 Prozent Wahlbeteiligung mit 83,31 Prozent der Stimmen gewählt.Votemanager: Bürgermeisterwahl Gemeinde Höchst i. Odw. 2023

Amtszeiten der Bürgermeister 2024–2029 Jens Fröhlich (KAH)FAZ, 7. September 2023: Ein einziger Kandidat. Jens Fröhlich will Bürgermeister werden. Das will ihm auch niemand streitig machen. – Hessenschau, 10. September 2023: Jens Fröhlich wird neuer Bürgermeister von Höchst im Odenwald: „Fröhlich war einziger Kandidat. Er beginnt sein Amt am 1. Januar 2024.“ 2012–2023 Horst BitschMain Echo vom 24. Dezember 2011: Horst Bitsch ab Neujahr im Dienst – Echo online, 15. Januar 2022: Horst Bitsch kündigt Rückzug als Bürgermeister von Höchst an: „Mit dann 63 Jahren seien weitere sechs Amtsjahre fehl am Platz.“ 1994–2011 Reiner Guth (KAH)Nachruf der Gemeinde auf Reiner Guth, Oktober 2011

Ortsbezirke Folgende Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gibt es im Gemeindegebiet: Ortsbezirk Annelsbach (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Annelsbach). Der Ortsbeirat besteht aus drei Mitgliedern. Ortsbezirk Dusenbach (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Dusenbach). Der Ortsbeirat besteht aus drei Mitgliedern. Ortsbezirk Forstel (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Forstel). Der Ortsbeirat besteht aus drei Mitgliedern. Ortsbezirk Hassenroth (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Hassenroth). Der Ortsbeirat besteht aus drei Mitgliedern. Ortsbezirk Hetschbach (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Hetschbach). Der Ortsbeirat besteht aus drei Mitgliedern. Ortsbezirk Hummetroth (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Hummetroth). Der Ortsbeirat besteht aus drei Mitgliedern. Ortsbezirk Mümling-Grumbach (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Mümling-Grumbach). Der Ortsbeirat besteht aus fünf Mitgliedern. Ortsbezirk Pfirschbach (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Pfirschbach). Der Ortsbeirat besteht aus drei Mitgliedern.

Wappen links|100px Blasonierung: „In Silber auf blauem Wellenbalken eine dreibogige steinerne rote Brücke, darüber zwei und darunter ein roter Stern.“Karl Ernst Demandt, Otto Renkhoff: Hessisches Ortswappenbuch. C. A. Starke Verlag, Glücksburg/Ostsee 1956.

Das Wappen wurde der Gemeinde Höchst im Odenwald 1934 genehmigt. Gestaltet wurde es durch den Heraldiker Georg Massoth.

Es zeigt die ehemalige Brücke über die Mümling und symbolisiert so die Lage von Höchst auf beiden Seiten des Flusses. Die Sterne sind aus dem Wappen der Grafen von Erbach entnommen, die früher über den Ort herrschten.

Ursprünglich stand zwischen den beiden oberen Sternen noch ein schwarzes Hakenkreuz, das 1945 entfernt wurde.

Paten- und Partnerschaften Die Gemeinde Höchst im Odenwald übernahm schon am 2. August 1953 die Patenschaft für die sudetendeutsche Gemeinde Bölten (heute Bělotín in Tschechien) im ehemaligen Regierungsbezirk Troppau, später auch für die sieben anderen Gemeinden des Kirchspiels Bölten mit insgesamt 3765 Einwohnern am 17. Mai 1939: Daub, Hermitz, Kunzendorf, Litschel, Lutschitz, Neudek und Pohl.Schicksal der Vertreibung, Gedenkbuch zur Patenschaft der Gemeinde Höchst im Odenwald mit den Gemeinden des Kirchspiels Bölten/Ostsudeten. 2. Auflage. Bad König 1988, ISBN 3-924388-03-2Näheres kann entnommen werden: der Website über Bölten –