Das Paradies der Damen (Originaltitel: Au bonheur des dames) ist ein französisches Stummfilmdrama von Julien Duvivier aus dem Jahr 1930, das nach dem gleichnamigen Roman von Émile Zola gedreht wurde. Noël Renard bearbeitete die literarische Vorlage für den Film. In der Hauptrolle der Denise Baudu ist Dita Parlo zu sehen.

Der 1884 erschienene Roman und der nach ihm gedrehte Film schildern Aufstieg und Glanz des Kaufhauses sowie Niedergang und Ruin des Kleinhandels im Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts.

Handlung Die junge Waise Denise kommt aus der Provinz in die Großstadt Paris. Ihr Onkel hatte sie nach dem Tod ihres Vaters bereits Monate zuvor eingeladen und ihr eine Anstellung in seinem Geschäft für Stoffe in Aussicht gestellt. Doch als Denise in der Metropole ankommt, zerplatzen ihre Träume. Gleich gegenüber dem Laden ihres Onkels hat kürzlich ein Kaufhaus eröffnet, das „Paradies der Damen“. Dieses wartet mit einem größeren Angebot und niedrigeren Preisen auf – da kann der Einzelhändler gegenüber nicht mithalten. Der Stoffladen von Denise’ Onkel steht kurz vor dem Konkurs.

Doch Denise ergattert eine Anstellung als Modell im „Paradies der Damen“ und verliebt sich prompt in den Besitzer des Imperiums. Die Situation spitzt sich zu, als Denise’ Cousine stirbt und ihr Onkel daraufhin blind vor Wut mit einer Waffe ins „Paradies der Damen“ stürmt.

Hintergrund Der Film war eine Produktion der Gesellschaft Le Film d’Art von Charles Delac und Marcel Vandal und wurde von der Alliance Cinématographique Européenne (ACE) verliehen. Die Aufnahmen entstanden in den Galeries Lafayette, 40–48 Boulevard Haussmann in Paris und am Strand von L’Isle-Adam, Département Val-d’Oise. Das Bühnenbild schufen Christian-Jaque und Fernand Delattre. Die Kostüme entwarfen Gerlaur und Marthe Pinchard. Die Fotografie besorgten André Dantan, René Guichard, Émile Pierre und Armand Thirard, für optische Effekte war Walter Percy Day zuständig.

Veröffentlichung Der Film wurde in Frankreich am 24. März 1930 uraufgeführt. In Deutschland lief er unter dem Titel Das Fräulein vom Kleiderlager und wurde durch die Universum Film AG UFA verliehen. Zu sehen war er außerdem in Italien, Griechenland, Ungarn und Polen.IMDb releaseinfo

In Deutschland lag der Film der Filmprüfstelle Berlin am 24. März 1930 zur Zensur vor und wurde unter der Zensurnummer B.18784 verboten. Nach einer weiteren Vorlage am 29. März 1930 wurde er von der Film-Oberprüfstelle unter der Nr. O.00297 teilweise zugelassen. Erst am 22. Juli 1930 konnte er die Filmprüfstelle Berlin unter der Nr. B.26382 in einer Länge von 8 Akten gleich 2432 Metern, wenn auch unter Jugendverbot, passieren.deutsches-filminstitut.de, Dokument: Zulassungskarte.

Wegen der „pikanten Situation“ und wegen der „aufreizenden Haltung und des lüsternen Gesichtsausdrucks der in Großaufnahme dargestellten Frau“, die „eine übermässige Inanspruchnahme der Phantasie jugendlicher Beschauer“ zur Folge haben könnten, untersagte die Film-Oberprüfstelle auch den Aushang zweier Fotos.Zensurgutachten No. 297 vom 29. März 1930, abgeb. bei deutsches-filminstitut.de (PDF)

Der Film wurde am 8. Mai 2009 vom Studio absolut Medien GmbH innerhalb der Reihe Stummfilm Edition in Französisch mit deutschen und englischen Untertiteln auf DVD herausgegeben.Das Paradies der Damen DVD Edition arte-edition.de (mit Trailer und Bildern)

Tonfassung Eine unter dem wirtschaftlichen Druck des heraufziehenden Tonfilms hastig erstellte TonfassungForrest-Koos, S. 218, Anm. 3. von Au bonheur des dames wurde am 3. Mai 1930 uraufgeführt und kam ab Oktober in die Lichtspielhäuser. Sie fiel beim Publikum aufgrund ihrer mangelhaften Qualität durch und verschwand rasch wieder in der Versenkung, während die stumme Fassung weiter gezeigt wurde; die Tonfassung muss heute als verschollen gelten.Vgl. cinema.arte.tv und Horak: „Though the silent version previewed to the press had won praise for the ‘symphony of light inspired by the vertigo of constructions and demolitions’, the sound version released to the public in October 1930 was roundly criticized for the poor quality of the sound“.

André Cayatte realisierte 1943 während der deutschen Besatzungszeit eine Tonfilmversion mit Blanchette Brunoy, Michel Simon und Albert Préjean in den Hauptrollen. allo-ciné

Restaurierung und Wiederaufführungen 1988 unternahm die Cinémathèque française erste Restaurierungsversuche an dem fast vergessenen Film, den sie ein Jahr später in Cannes mit Pianobegleitung präsentierte.cinefiles – im Salle André Bazin, am Samstag den 20. Mai 1989 um 11 Uhr, am Klavier Bernard Riobe. Auf diesem Material aufbauend nahm Lobster Films 2008 eine weitere Restaurierung vor. Da die originale Illustrationsmusik von 1930 verloren ist, schrieb der kanadische Komponist Gabriel Thibaudeau eine neue Jazz-beeinflusste Musik, die auch Gesangspassagen enthält.„Inspiriert vom amerikanischen Jazz, der Ende der 1920er Jahre Paris eroberte, schuf dieser eine gelungene Orchesterbegleitung mit gesungenen Passagen, die die besondere Dynamik des Films auf originelle Art und Weise musikalisch zum Ausdruck bringt.“ schreibt cinema.arte.tv über die Neukomposition.

Arte/absolut.medien GmbH brachte den Film im Oktober 2009 mit der neuen Begleitmusik von Gabriel Thibaudeau, gespielt vom Ensemble Octuor de France, auf DVD heraus.

Das kommunale Filmhauskino in Nürnberg zeigte Das Paradies der Damen am Sonntag, den 29. Mai 2011 in der restaurierten Fassung mit Klavierbegleitung durch Dr. D. Meyer.

Der Fernsehsender Arte zeigte den Film in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, den 27. Juni 2012, von 00:05 bis 01:35 Uhr im deutschen Fernsehen.ard.de

Rezeption In Deutschland hatte Max Mack bereits 1914 einen stummen Film mit dem Titel Zum Paradies der Damen nach einem Manuskript von Walter Schmidthässler realisiert, in dem Hanni Weisse die Hauptrolle spielte. Lupu Pick drehte 1922 einen weiteren Stummfilm mit diesem Titel, in dem er selbst und Edith Posca auftraten.

Moviepilot urteilte:

Lucie Derain fand in der Cinémathographie française am 5. April 1930 lobende Worte:

Nicht zufrieden mit der Literaturverfilmung zeigte sich Raymond Chirat, als er 1968 in seinem Buch über Duvivier schrieb:

Literatur Carsten Burfeind, Werner Schneider-Quindeau: Religion und Urbanität: Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft. Waxmann Verlag, ISBN 978-3-8309-7236-5, S. 91–92. Raymond Chirat: Julien Duvivier. Verlag Premier Plan, Lyon 1968. Jennifer Forrest, Leonard R. Koos (Hrsg.): Dead Ringers: The Remake in Theory and Practice (= EBSCO ebook academic collection, SUNY series, Cultural Studies in Cinema/Video. UPCC book collections on Project MUSE). Verlag SUNY Press, 2012, ISBN 978-0-7914-8963-5, S. 218, Anm. 3 (Leonard R. Koos, Hiring Practices) Patrick Glâtre: Au bonheur des dames. In: Val-d’Oise terre de tournages. (Cergy-Pontoise, Val-d’Oise, France), Comité du Tourisme et des Loisirs du Département du Val d’Oise, 2011, S. 53–54. Anna Gural, Robert Singer (Hrsg.): Zola and Film: Essays in the Art of Adaptation. Verlag McFarland, 2005, ISBN 0-7864-2115-0, S. 96–102. (Klaus Peter Walter, La rançon du progrès) Laura Horak: Au bonheur des dames. Essay. online bei silentfilm.org Allen Jones: Au bonheur des dames (Julien Duvivier, 1930). bei over-blog.com, 12. Januar 2013 Michael Miller: The Birth of the Department Store. Émile Zola’s Au bonheur des dames and BBC’s The Paradise miniseries. online bei h-france.net

Weblinks

Das Paradies der Damen bei allocine.fr (französisch) Kinoplakat, Frankreich 1930, mit Dita Parlo

Aushangfoto aus Das Fräulein vom Kleiderlager, UFA, Deutschland 1930 Kinoplakat, Frankreich 1943, mit Michel Simon und Albert Préjean

Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1930 Kategorie:Französischer Film Kategorie:Stummfilm Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Filmdrama Kategorie:Émile-Zola-Verfilmung