mini|Alex Gino beim Kinder- und Jugendprogramm des 16. Internationalen Literaturfestivals Berlin (2016)
Melissa (Originaltitel: George) ist ein Kinderroman, verfasst von Alex Gino. Das Buch erzählt die Geschichte des transgender Mädchens Melissa, die bei der Geburt dem männlichen Geschlecht zugeordnet worden ist, weshalb sie von ihren Eltern auch den titelgebenden Namen George erhalten hat. Ihr Umfeld weiß noch nichts davon, dass Melissa ein transgender Mädchen ist, weshalb sie dies durch die Mitwirkung als weibliche Figur in einem Schultheaterstück ihren Mitmenschen mitteilen will.
George erschien am 25. August 2015 beim amerikanischen Verlag Scholastic PressScholastic Press in englischer Sprache und hat einen Umfang von 240 Seiten. Die deutsche Übersetzung erschien im August 2016 beim S. Fischer Verlag mit einem Umfang von 208 Seiten, übersetzt von Alexandra Ernst. George ist unter anderem in England, Schweden und Italien erschienen.World Cat George ist das literarische Debüt von Gino.
Nachdem Gino von Scholastic Press überzeugt wurde, den ursprünglich angedachten Titel des Buches, nämlich Girl George, zu George zu ändern, empfand Gino diese Entscheidung über die kommenden Jahre nach der Veröffentlichung als zunehmend unglücklich und unpassend. 2021 rief Gino online zu der Aktion #SharpieActivism auf und ermutigte alle Menschen, die das Buch besaßen, den ursprünglichen Titel mit einem Sharpie durchzustreichen und stattdessen Melissa's Story auf das Cover des Buches zu schreiben, um den tatsächlichen Namen der Hauptfigur gerecht zu werden. Auf Grund der sehr positiv ausfallenden gesellschaftlichen Resonanz zu dieser Aktion entschied sich Scholastic Press den ursprünglichen Buchtitel in Melissa umzuändern und nur noch unter diesem Titel zu führen. Für die Buchausgaben, die vor der Titeländerung erworben wurden, bietet Scholastic Press seither die Möglichkeit an, den neu gestalteten und neu betitelten Umschlag selber auszudrucken, um ihn gegen den alten Umschlag auszutauschen.
Das Buch wurde unter anderem 2016 mit einem Lambda Literary Award sowie mit dem Stonewall Book Award der American Library Association (2016)Stonewall Book Award ausgezeichnet. Im Feuilleton wurde es unter anderem als »profound, moving, and […] radiant« (Jennifer Laughran, Publishers Weekly vom 11. Mai 2015)Publishers Weekly bezeichnet.
Inhalt Melissa ist ein Transgendermädchen, das von ihrer Umgebung als Junge wahrgenommen und George genannt wird. Sie hat noch niemandem erzählt, dass sie ein Mädchen ist und kämpft mit der Wahrnehmung ihrer Mitmenschen. Zu Hause versteckt sie Mädchenzeitschriften vor ihrer Mutter und stellt sich vor, dass die Mädchen darin ihre Freundinnen seien. Als in Melissas Schule ein Theaterstück zu dem Buch „Wilbur und Charlotte“ aufgeführt werden soll, weiß Melissa, dass sie die Rolle der weiblichen Spinne Charlotte spielen will. Ihre beste Freundin Kelly unterstützt sie bei der Vorbereitung und ermutigt sie in dem Vorhaben, doch als Melissa für die Rolle vorspricht, wird sie von ihrer Lehrerin Miss Udell enttäuscht, die ihr sagt, dass sie als Junge keine weibliche Rolle spielen kann. Melissa ist sehr traurig darüber, weil sie sich erhofft hatte, durch den Theaterauftritt allen zu zeigen, dass sie ein Mädchen ist. Wenige Tage später gerät Melissa auf dem Schulhof in eine Situation, in der Jeff und Rick sie als dämliches Mädchen bezeichnen. Als die beiden weg sind versucht Kelly Melissa zu trösten, indem sie ihr sagt, dass Jeff und Rick Deppen seien und sie gar kein Mädchen ist. Da platzt es aus Melissa heraus und sie fragt was sei, wenn es doch so wäre. Kelly ist zunächst verwirrt, braucht jedoch nicht lange, um Melissa als Mädchen zu akzeptieren. Kurz darauf erlebt Melissa eine böse Überraschung, als sie nach Hause kommt und ihre Mutter sie mit den Zeitschriften konfrontiert, die sie in Melissas Schrank gefunden hat. Melissas Mutter lässt sie die Situation nicht erklären und sagt nur, dass sie Melissa nicht in Mädchenkleidung sehen will. In einem späteren Gespräch erklärt sie, dass es in Ordnung wäre, schwul zu sein, aber dass das hier etwas ganz anderes sei, und Melissa noch zu jung sei, um zu wissen wer sie ist. Um ihrer Mutter zu beweisen, dass sie ein Mädchen ist, schmiedet Melissa heimlich einen Plan mit Kelly und tritt bei der Theateraufführung doch als Charlotte auf. Ihre Mutter ist davon zunächst nicht begeistert, doch am nächsten Abend entschuldigt sie sich bei Melissa für ihr Verhalten und fängt an, sie als Mädchen zu akzeptieren. Melissa ist sehr froh und überglücklich, als sie mit Kelly in den Zoo geht und sich das erste Mal in ihrem Leben als Mädchen kleidet.
Kapitel 1 – Secrets Melissa kommt von der Schule nach Hause und schließt sich mit ein paar Mädchenzeitschriften im Badezimmer ein. Fasziniert blättert sie durch die Zeitschriften, in denen über Bademoden und Schminke geschrieben wird. Bei den Bildern von den Mädchen in Bikinis hält Melissa inne und stellt sich vor, dass die Mädchen ihre Freundinnen sind und dass sie sie Melissa nennen, so wie sie sich selber heimlich nennt, wenn sie sich im Spiegel betrachtete. Alle anderen nennen sie George und nehmen sie als Jungen war. Melissa hört, dass ihr Bruder nach Hause kommt. Sie versteckt die Zeitschriften in der Badewanne und hofft, dass ihr Bruder Scott sie nicht findet. Als dieser fragt, warum sie so lange im Bad gebraucht hat und Melissa zögert, vermutet er jedoch nur „schweinische Zeitschriften“ dahinter.
Kapitel 2 – Charlotte dies Miss Udell liest Melissa und dem Rest der Klasse in der Schule das Ende von „Wilbur und Charlotte“ vor, bei dem die Spinne Charlotte stirbt. Melissa ist sehr traurig über Charlottes Tod und fängt im Klassenzimmer an zu weinen. Jeff und Rick, zwei Klassenkameraden von Melissa, machen sich darüber lustig, dass irgendwo ein Mädchen heult und als sie merken, dass es Melissa ist, die weint, sagen sie, dass das auch kein Unterschied sei. Als Miss Udell zu Ende gelesen hat, kommt sie zu Melissas Tisch und sagt, dass sie die ersten Male, als sie das Buch gelesen hat, auch weinen musste und dass es Mitgefühl und Phantasie ausdrückt, wenn man wegen eines Buches weint. Als sie dann jedoch hinzufügt, dass aus Melissa mal ein besonderer junger Mann werden wird, muss Melissa noch mehr weinen und verlässt das Klassenzimmer. Zum Ende des Unterrichts verkündet Miss Udell, dass sie ein Theaterstück zu „Wilbur und Charlotte“ aufführen werden und Melissa verabredet mit ihrer besten Freundin Kelly, dass sie am Wochenende für das Vorsprechen üben. Dann gesteht sie Kelly, dass sie jedoch nicht die Rolle von Wilbur, sondern viel lieber die Rolle der weiblichen Spinne Charlotte spielen möchte. Kelly sieht darin kein Problem und sagt, dass es doch niemanden kümmert, dass Melissa kein richtiges Mädchen ist. Nachts träumt Melissa von ihrem Auftritt als Charlotte.
Kapitel 3 – Acting Is Just Pretend Melissa fährt zu Kelly, um mit ihr für das Vorsprechen zu üben. Kelly bekräftigt, dass sie es für eine gute Idee hält, dass Melissa Charlotte spielen möchte und vermutet, dass Miss Udell auch begeistert sein wird. Zu Hause essen Melissa und ihre Mutter zu Abend. Sie möchte ihrer Mutter die Frage stellen was sei, wenn sie ein Mädchen wäre, traut sich aber nicht, es auszusprechen.
Kapitel 4 – Anticipation An dem Tag des Vorsprechens üben Kelly und Melissa noch einmal heimlich auf dem Schulhof. Melissa ist nervös und Kelly sagt verständnislos, dass Melissa ja nur ein Mädchen spielen und keins sein möchte. Melissa traut sich nicht, Kelly die Wahrheit zu sagen und ist traurig, dass Kelly nicht von alleine bemerkt, was los ist.
Kapitel 5 – Audition Melissa trägt beim Vorsprechen Charlottes Text vor und hofft, dass sie die Rolle bekommt, doch Miss Udell reagiert verständnislos. Sie hält Melissas Vorsprechen für einen schlechten Scherz und sagt, dass sie ihr die Rolle auf keinen Fall geben kann, weil zu viele Mädchen Charlotte spielen wollen und weil die Leute komisch reagieren würden, wenn Melissa Charlotte spielen würde. Melissa ist enttäuscht, und als Kelly sie fragt, wie es gelaufen ist, wird sie sauer. Ihrer Mutter erzählt Melissa zu Hause, dass sie nicht bei dem Vorsprechen war, weil sie nicht mitspielen will.
Kapitel 6 – Taken In der Schule bietet Miss Udell Melissa an, eine der Jungenrollen in dem Theaterstück zu spielen, doch Melissa lehnt ab. Kelly findet heraus, dass sie selbst die Rolle der Charlotte spielen wird. Auf dem Schulhof machen sich Jeff und Rick über Melissa lustig und bezeichnen sie als dämliches Mädchen. Kelly bezeichnet die beiden als Deppen und sagt zu Melissa, dass sie natürlich kein Mädchen ist. Melissa fragt daraufhin, was sei, wenn es doch so wäre. Kelly reagiert überrascht und verwirrt. Als Melissa schweigt, versteht Kelly und verspricht, niemandem davon zu erzählen. Zu Hause wartet Melissas Mutter auf sie und konfrontiert sie mit den Mädchenzeitschriften, die sie im Schrank gefunden hat. Sie lässt Melissa die Situation nicht erklären und sagt, dass sie sie nicht in Mädchenkleidung sehen will.
Kapitel 7 – Time Drags When You´re Miserable Die folgenden Tage sprechen weder Kelly, Melissa oder Melissas Mutter das Thema an. Melissa spielt mit ihrem Bruder Scott Mario Kart, gerät jedoch mit ihm aneinander, als er Kelly als ihre „Süße“ bezeichnet.
Kapitel 8 – SOME JERK Kelly spricht Melissa auf dem Schulhof an und sagt ihr, dass, wenn Melissa denkt, dass sie ein Mädchen ist, sie es auch tut. Sie umarmen sich und Kelly erzählt, was sie im Internet über Transgender gelesen hat. Sie fragt, ob Melissas Mutter damit einverstanden ist und Melissa schüttelt den Kopf. Mittags ist Melissa mit den anderen Schülern auf dem Schulhof, um die Kulissen zu basteln. Dabei bekommt Melissa mit, wie Jeff über das Theaterstück herzieht und Charlotte mehrfach beleidigt nennt. Melissa wird wütend und provoziert Jeff. Jeff boxt ihr in den Bauch und Melissa muss sich übergeben. Als Melissa im Büro der Schulleiterin Mrs Maldonado auf ihre Mutter wartet, sieht sie ein Schild an der Wand hängen, dass darauf hinweist, sichere Räume für schwule, lesbische, bisexuelle und transgender Jugendliche zu schaffen. Sie fragt sich, ob es einen sicheren Raum gibt, wo sie Mädchen treffen kann, die wie sie sind.
Kapitel 9 – Dinner at Arnie’s Zu Hause sagt Melissas Mutter, dass sie sich Sorgen macht und dass es in Ordnung sei, schwul zu sein, aber dass es etwas ganz anderes sei, transvestit zu sein. Melissa versucht, zu erklären, dass sie nicht schwul ist, sondern ein Mädchen. Ihre Mutter erwidert, dass sie bei der Geburt dabei war und weiß, dass Melissa ein Junge ist und sie noch zu jung sei, um zu wissen wer sie ist. Melissa ist traurig darüber, dass ihre Mutter nicht sieht, wer sie ist. Kelly ruft nach der Schule an und schmiedet mit Melissa den Plan, dass Melissa in dem Theaterstück heimlich Charlotte spielen soll, damit ihre Mutter endlich erkennt, dass sie ein Mädchen ist. Später geht Melissa mit Scott und ihrer Mutter in ein Restaurant. Als ihre Mutter gerade nicht da ist, eröffnet Melissa ihrem Bruder, was mit ihr los ist. Scott reagiert positiv und betrachtet Melissa, als ob er sie das erste Mal verstehen kann.
Kapitel 10 – Transformations In der Nachmittagsvorführung von „Wilbur und Charlotte“ spielt Kelly die Rolle der Charlotte. Bei der Abendvorstellung tauschen Melissa und Kelly die Rollen und Melissa geht als Charlotte auf die Bühne. Nach der ersten Szene kommt Miss Udell mit strengem Gesicht hinter die Bühne, doch Mrs Maldonado entscheidet, dass Melissa weiterspielen darf. Nach der Aufführung sind alle begeistert und Melissa bekommt viel Applaus. Ihre Mutter schaut sie jedoch nur mit versteinertem Gesicht an. Als Melissa erneut betont, dass sie ein Mädchen ist, möchte ihre Mutter nicht darüber reden. Mrs Maldonado gratuliert Melissa zu ihrem Erfolg und flüstert ihr zu, dass ihre Tür immer für sie offen ist.
Kapitel 11 – Invitations