Breitbart News Network (, ; auch Breitbart News, Breitbart oder Breitbart.com) ist eine US-amerikanische Nachrichten- und Meinungswebsite, die 2007 durch den Publizisten Andrew Breitbart gegründet wurde. Politisch wird sie rechtspopulistisch bis zur extrem rechten Alt-Right-Bewegung („far-right“) verortet und hat vor allem durch Falschmeldungen und die Verbreitung von Verschwörungsideologien Aufmerksamkeit erlangt. Das tägliche Radioprogramm der Sendung heißt Breitbart News Daily. Der Hauptsitz befindet sich in Los Angeles, weitere Niederlassungen in Texas, London und Jerusalem.

Geschichte Gründung mini|hochkant|Andrew Breitbart (2011) Andrew Breitbart gründete breitbart.com 2007 als Nachrichtenportal. Die Website stellte direkte Verbindungen zu den Nachrichten der Nachrichtenagentur Reuters, des TV-Senders Fox News Channel, der Zeitung New York Post sowie zu einigen anderen Nachrichtenagenturen her, darunter auch boulevardeske wie Thirty Mile Zone (tmz.com). Das ursprüngliche Wachstum der Website wurde weitgehend durch Verlinkungen mit der politisch konservativen Drudge-Report-Nachrichtenplattform in Gang gesetzt, wo Andrew Breitbart zuvor Mitarbeiter gewesen war.

2007 startete Breitbart mit Breitbart.tv einen zusätzlichen Video-Blog. Während eines Aufenthalts in Israel kam Breitbart die Idee, Breitbart News Network zu gründen mit „dem Ziel, eine un-apologetische ([un-orthodoxe]) Pro-Freiheits- und Pro-Israel-Initiative zu starten. Wir hatten die Nase voll von der antiisraelischen Voreingenommenheit der Mainstream-Medien und J Street.“

Larry Solov, der Mitbegründer und Inhaber von Breitbart News schilderte:

Entwicklung Stephen Bannon Nach dem Tod des Gründers Andrew Breitbart im März 2012 übernahm Stephen Bannon die Firma und wurde der verantwortliche Angestellte für Veröffentlichungen, während Alexander Marlow als Chefredakteur tätig war. Bannon arbeitete hier bis August 2016, anschließend wurde er in Donald Trumps Präsidentschaftswahlkampf 2015/16 einer der wichtigsten Berater des späteren US-PräsidentenBritta Kollenbroich: Trumps Gehirn. In: Spiegel Online 11. November 2016. und von diesem wiederum zum Chef-Strategen und -Berater seiner Präsidentschaft gemacht, bis er im August 2017 entlassen wurde und wieder zu Breitbart zurückkehrte. Im Januar 2018 trat er von seinem Posten bei Breitbart zurück. Dies geschah nach Veröffentlichung des Enthüllungsbuches Fire and Fury, für das Stephen Bannon als einer der Hauptinformanten gilt. Im Buch wird Donald Trump in einem schlechten Licht präsentiert, weshalb sich wiederum viele Geldgeber und Unterstützer Bannons von ihm abwendeten.

Breitbart London

Im Jahre 2014 ging der Ableger Breitbart London in Betrieb.Carole Cadwalladr: Robert Mercer: the big data billionaire waging war on mainstream media. The Guardian, 26. Februar 2017. Im November 2016 teilte der amtierende Chefredakteur Alexander Marlow mit, dass Breitbart sein Angebot nach Deutschland und Frankreich ausweiten wolle, um dort gezielt über die nationalen rechtskonservativen Parteien berichten zu können; Anfang März 2017 sprach Breitbarts Rom-Korrespondent Thomas Williams davon, dass sie zwischen August und Oktober des Jahres eine Deutschland-Redaktion eröffnen wollten.zeit.de, 1. März 2017: „Breitbart“ steht vor Expansion nach Deutschland (5. März 2017) Wenige Tage danach wurde gemeldet, dass die Pläne zu einem deutschen Breitbart-Ableger zurückgestellt wurden. Als Quelle wurde wiederum Thomas Williams genannt.Breitbart stoppt Pläne für eine deutsche Ausgabe, Gründerszene, 6. März 2017

Donald Trump Nach Donald Trumps Präsidentschaftswahlkampf 2015/16 hat die Firma ihre Mitarbeiterzahl von 40 auf 100 mehr als verdoppelt; allerdings sei der Kontakt zum früheren Chef Bannon erschwert gewesen, weil der amerikanische Secret Service aus Sicherheitsgründen auf einer geringeren Kommunikation zwischen Bannon und der Redaktion bestand. Im August 2017 wechselte Bannon vom Weißen Haus zurück zu Breitbart.Christian Palm: Trump setzt weiter auf Bannon: „Eine starke und kluge Stimme für Breitbart“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. August 2017 (englisch).

Milo Yiannopoulos Der offen homosexuelle Milo Yiannopoulos kündigte im Zuge einer Kontroverse am 21. Februar 2017 seine Stelle als Redakteur bei Breitbart News. Im Podcast Drunken Peasants soll er sich unter anderem dafür ausgesprochen haben, dass 13-jährige Jungen die Möglichkeit haben sollten, sexuelle Erfahrungen mit Männern sammeln zu können, da auch 13-Jährige einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit älteren Männern haben könnten. In einem Statement sagte er, seine schlechte Wortwahl solle nicht die wichtige Berichterstattung seiner Kollegen beeinträchtigen.

Finanzierung Hauptinvestor bei Breitbart ist Robert Mercer, Milliardär und Hedgefonds-Manager der US-Firma Renaissance Technologies (spezialisiert auf Hochfrequenzhandel). Mercer ist zudem Mitbesitzer der Big-Data-Agentur Cambridge Analytica., Focus, 18. Dezember 2016 Im November 2017 gab er bekannt, dass er seine Anteile an Breitbart seinen Töchtern verkaufen werde.Alana Abramson, Lucinda Shen: Conservative Megadonor Robert Mercer Is Stepping Down As CEO of His Massive Hedge Fund. Read His Full Statement. Fortune, 2. November 2017.

Selbstverständnis und Strategie Im August 2010 teilte Breitbart, der 2005 zu den Mitbegründern der Huffington Post gehört hatte, Associated Press mit, dass er „sich verpflichtet fühle, die alte Medienlandschaft zu zerstören“. In Folge dieses Pflichtgefühls habe er breitbart.com gegründet, was zu einer Art Huffington Post für rechtsgerichtete Kreise werden sollte. Laut Bannon ist Breitbart News „[…] the platform for the alt-right“ (deutsch: „[…] die Plattform für die Alt-Right-Bewegung“), es handle sich dabei um „junge Menschen, die gegen die Globalisierung, sehr nationalistisch und gegen das Establishment“ seien.Gegenüber dem Wall Street Journal, laut zeit.de, 1. März 2017, Heike Buchter: Robert Mercer: Im Griff der Eule (5. März 2017)

Die Journalistin Jane Mayer schreibt: “The Web site freely mixes right-wing political commentary with juvenile rants and racist innuendo; under Bannon’s direction, the editors introduced a rubric called Black Crime.” („Die Website mischt freiheraus rechtslastige politische Kommentare mit kindischen Pöbeleien und rassistischen Anspielungen; unter Bannon führten die Redakteure eine Rubrik namens Schwarzes Verbrechen ein.“)Jane Mayer: The reclusive hedge-fund tycoon behind the Trump presidency. The New Yorker, 27. März 2017. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahl 2016, wo der Website eine Schlüsselrolle bei der Demontage der Kandidatin Hillary Clinton zukam, wertete Breitbart News die Anzahl der Clicks und Likes aus, um zu ermitteln, welche Themen und Schlagworte den größten Erfolg versprächen.

Nutzerentwicklung Breitbart News gilt mittlerweile als eines der wichtigsten Sprachrohre der Alt-Right-Bewegung (Alternative Right), die sich in den letzten Jahren rechts der Republikanischen Partei formiert hat, wobei Breitbart News auch das politische Establishment der Republikaner kritisierte.

Kurzzeitig erreichte die Seite nach der Nominierung Bannons als Berater von Donald Trump im November 2016 Platz 34 eines Rankings von US-Medienseiten. Global sprang die Seite dabei von zirka Rang 700 auf Rang 200, um danach wieder Ränge zu verlieren.

Anfang März 2017 zählte Breitbart laut der Analysefirma Alexa Internet zu den weltweit 250 meistbesuchten Websites; in den USA liege die Seite auf Platz 35 und damit vor der Washington Post. Im Mai 2017 zeigte sich ein kurzfristiger, rapider Absturz der Besucherzahlen im Alexa-Ranking, der auch in deutschen Medien rezipiert wurde und auf Skandale um Donald Trump zurückgeführt wurde. Breitbart erreichte laut comScore im Januar 2017 über 45 Millionen Unique Visits und verlor demnach bis Mai 2017 53 Prozent von diesen.Tina Nguyen: As Trump’s Problems Mount, Breitbart’s Numbers Are Cratering. In: Vanity Fair, 26. Mai 2017. Im März 2018 berichtete Politico, dass Breitbart innerhalb eines halben Jahres etwa die Hälfte an Unique Visitors verloren habe, von 15 Millionen im Oktober 2017 auf 7,8 Millionen im Februar 2018.Jason Schwartz: Breitbart’s readership plunges. In: Politico, 20. März 2018. Im Juli 2019 war die Zahl der Leser weiter auf 4,6 Millionen gefallen.Paul Farhi: Whatever happened to Breitbart? The insurgent star of the right is in a long, slow fade. In: Washington Post, 2. Juli 2019.

Radiokanal – Breitbart Daily News Die Breitbart Daily News sind der Radiokanal des Breitbart Netzwerks. Hier moderieren u. a. Curt Schilling und David Webb; bis zu seinem Engagement im Weißen Haus gehörte auch Steve Bannon zum Team. Breitbart-Mitarbeiter berichten aus London, Rom und Jerusalem. Neben dem 24-Stunden-Webstream ist Breitbart Daily News auch über SiriusXM zu empfangen.

Skandale, Kontroversen und Veröffentlichungen 2009: ACORN-Demontage 2009 gab Breitbart Filme heraus, welche den Eindruck erweckten, dass Berater der Vereinigung ACORN (Association of Community Organizations for Reform Now, dt. Vereinigung gesellschaftlicher Organisationen für Reformen Jetzt) Tipps geben würden, wie man das Prostitutionsverbot umgehen, Steuern legal hinterziehen und einen gewinnbringenden Frauenhandel betreiben könne. Das Material hatten der Filmemacher James O’Keefe und die Studentin Hannah Giles mit versteckter Kamera gedreht. ACORN war ein ehemaliger Dachverband einer Hilfsorganisation in den USA und weiteren Ländern; sie verwaltete ein Budget von über 100 Mio. US-Dollar, hatte über 400.000 Mitglieder in über 100 US-Städten mit Schwerpunkt bei allen Formen der Nachbarschaftshilfe, Gesundheitsfürsorge sowie der Wahlregistrierung für Familien der mittleren bis unteren Einkommensklassen. Die beiden ACORN-Berater wurden entlassen. Ähnliche Aufnahmen aus Zweigstellen in Washington, D.C., Brooklyn, San Diego, San Bernardino, Philadelphia und Los Angeles folgten daraufhin.

Nach Bekanntwerden des Skandals wurde ACORN von der Durchführung des United States Census 2010 ausgeschlossen, die Unterstützung durch Bundesmittel eingestellt.

Durch Gouverneur Arnold Schwarzenegger initiierte Ermittlungen des kalifornischen Staatsanwalts Brown ergaben, dass die ACORN-Mitarbeiter sich keiner kriminellen Vergehen schuldig gemacht haben. Brown, welcher im Verlauf seiner Ermittlungen die ungeschnittenen Originale der heimlich aufgenommenen Filmaufnahmen O’Keefes auswertete, wies darauf hin, dass die Dinge nicht immer so seien, wie parteiische Fanatiker sie durch hochselektives Editieren darstellten, und dass manchmal eine „umfassendere Wahrheit“ (in den weggeworfenen Schnipseln) auf dem Boden eines Schneideraums zu finden sei (“that things are not always as partisan zealots portray them through highly selective editing of reality. Sometimes a fuller truth is found on the cutting room floor.”).Office of the Attorney General: News Release April 01, 2010 In der linksliberal ausgerichteten Rachel-Maddow-Show wurden die editierte Version und Originalaufnahmen verglichen und als erfolgreiche Desinformations-Kampagne rechtsgerichteter Medien gewertet, mit dem Ziel, eine als ideologisch feindlich betrachtete Organisation auszuschalten, welche sich für gesellschaftlich benachteiligte Personen einsetze.

ACORN musste im November 2010 ihre Insolvenz erklären und löste sich auf.

2010: Anthony-Weiner-Sex-Skandal Breitbart postete u. a. exklusiv den Anthony-Weiner-Sex-Skandal und veröffentlichte Videos, deren Inhalte Shirley Sherrod, die Direktorin der Abteilung Rural Development (deutsch ländliche Entwicklung) im amerikanischen Landwirtschaftsministerium in Georgia 2010 zwangen, von ihrem Posten zurückzutreten.

2013: „Friends of Hamas“-Kampagne