mini|hochkant=1.3| Das Deutsche Nationaltheater und die Staatskapelle Weimar (kurz DNT) ist der bedeutendste Bühnenbetrieb Weimars. Die Institution vereint die Sparten Musiktheater und Schauspiel sowie das Orchester Staatskapelle Weimar. Bespielt werden mehrere Bühnen im Stadtgebiet. Stammbühne ist das neoklassizistische Große Haus am Theaterplatz, das 1906/1907 von Max Littmann als Großherzogliches Hoftheater zu Weimar erbaut wurde. Alle Sparten des Theaters und des Orchesters geben außerdem unregelmäßige Gastspiele und haben darüber hinaus Auftritte in den elektronischen Medien. Gesellschafter der Deutsches Nationaltheater und Staatskapelle Weimar GmbH – Staatstheater Thüringen sind der Freistaat Thüringen und die Stadt Weimar.DNT wird Staatstheater, Fusion mit Erfurt endgültig abgewendet. www.nachtkritik.de, 19. Juli 2007. Mit Beginn der Spielzeit 2025/26 haben Valentin Schwarz, Dorian Dreher und Timon Jansen als Teamintendanz die Leitung übernommen.
Spielstätten das Große Haus, die Stammbühne am Theaterplatz (alle Sparten) mit 857 Sitzplätzen die zwei Nebenspielstätten Foyer (60 bis 120 Sitzplätze) und Studiobühne (87 Sitzplätze) im Haus am Theaterplatz (alle Sparten; „Kleinkunst“) die zwei Nebenspielstätten im e-werk weimar (176 bis 199 Sitzplätze im Maschinensaal, bis 87 Sitzplätze im Kesselsaal), einer ehemaligen Industrieanlage (alle Sparten) die Redoute, das ehemalige Haus der Offiziere, im Norden der StadtGeschichte der Redoute, In: Nationaltheater-Weimar.de. (Sitzplätze aktuell 180; alle Sparten) das congresscentrum weimarhalle (Konzerte der Staatskapelle Weimar) das Open-Air-Sommertheater am e-werk weimar (temporärer Spielort mit 750 Plätzen, in der Regel Juni/Juli; Schauspiel, Musiktheater)
Deutsches Nationaltheater Überblick Das Haus bietet die drei Sparten Schauspiel, Musiktheater und Konzerte. Durch Gastspiele und Kooperationsprojekte (u. a. mit dem Ballett Eisenach oder dem Tanztheater Erfurt) beinhaltet das Programm auch Tanztheater. Seit 2014 gehört zudem das Kunstfest Weimar zum Deutschen Nationaltheater Weimar.
Geschichte des Deutschen Nationaltheaters Weimarer Hoftheater mini|Das alte Großherzogliche Hoftheater (erbaut 1825)
In Weimar wurde schon lange vor dem Bau des heutigen Stammhauses Theater gespielt. Dabei handelte es sich vor allem um ziehende Komödianten, die den Weimarer Hof unterhalten sollten. Die ersten ständig bespielten Stätten wurden durch die kunstliebende Herzogin Anna Amalia, der Gemahlin des Herzogs Ernst August II. Konstantin von Sachsen-Weimar-Eisenach, eingerichtet. Bereits 1771 hatte Anna Amalia die Seylersche Schauspiel-Gesellschaft mit mehreren prominenten Schauspielern und Dramatikern, darunter Konrad Ekhof, an ihren Hof eingeladen. Die Seylersche Schauspiel-Gesellschaft galt als „die beste Schauspielgesellschaft, welche in jener Zeit [1769–1779] in Deutschland existierte“.Herzogin Anna Amalie von Weimar und ihr Theate. In: Robert Keil (Hrsg.): Goethe’s Tagebuch aus den Jahren 1776–1782. Veit, 1875, S. 69. Nach dem Schloßbrand im Jahr 1774 musste die Truppe Anna Amalias Hof verlassen.
Ab 1776 wurden wieder Lustspiele, deutsche Singspiele, französisches Schauspiel sowie Opern im Liebhabertheater aufgeführt. Die Mitglieder des Liebhabertheaters waren adlige und bürgerliche Laien, Angehörige des Hofes, Hofdamen und Sänger, aber auch Beamte und Minister. Die Spielstätten waren auch in dieser Gründungsphase nicht auf eine einzige Bühne beschränkt. Das Redoutenhaus, ein Gebäude in der heutigen Schillerstraße 18 (Café Sperling), nicht zu verwechseln mit der heutigen Redoute, einem Probenraum des Theaters in der Ettersburger Straße, wurde ebenso bespielt wie die Schloss- und Naturbühnen von Ettersburg und Tiefurt. Schon damals war künstlerische Qualität ein Kriterium: 1779, vier Jahre nachdem Johann Wolfgang Goethe seinen Wohnsitz in Weimar genommen hatte, wurde beispielsweise die Prosafassung von Iphigenie auf Tauris im Park von Tiefurt uraufgeführt, für die mit Corona Schröter in der Hauptrolle die erste Weimarer Berufskünstlerin verpflichtet wurde.
1791 beschloss Herzog Carl August die Gründung des Herzoglichen Hoftheaters im Komödienhaus,Das Großherzogliche Hoftheater in Weimar. In: Zentralblatt der Bauverwaltung, 1908, Nr. 5, S. 36ff; Grundrisse, Fotos, Text zum Bauwerk von 1908. das 1779 am heutigen Standort des Theaters von Anton Georg Hauptmann errichtet worden war. Die Leitung bekam Goethe übertragen. Er eröffnete es am 7. Mai 1791 mit Ifflands Schauspiel Die Jäger. Iffland war damals einer der am häufigsten gespielten deutschen Theaterautoren.
Das Repertoire des Weimarer Theaters unterschied sich nur wenig von dem anderer Bühnen in jener Zeit – die Unterschiede lagen woanders: Goethe ermöglichte es den Autoren, auf die Inszenierungen ihrer Werke entscheidenden Einfluss zu nehmen, wodurch eine hohe Übereinstimmung zwischen dramaturgischen Absichten und schauspielerischen Darbietungen erreicht wurde. Außerdem sorgte Goethe dafür, dass sich ein festes Schauspielensemble formieren konnte, das mit seinem elaborierten Darstellungsstil nach Goethes Regeln für Schauspieler (1803) den Anforderungen der klassischen Dramen entsprach. Der ehemals anrüchige Ruf der Schauspielkunst wich einer hohen Wertschätzung und gesellschaftlichen Anerkennung der Schauspieler als Künstlerpersönlichkeiten. Am 12. Oktober 1798 wurde das Hoftheater nach Umbau mit der Uraufführung von Schillers Wallensteins Lager wieder eröffnet.Johann Wolfgang von Goethe: Eröffnung des Weimarischen Theaters. In: Sämtliche Werke 12. Aufsätze zur Kultur-, Theater- und Literatur-Geschichte ; Maximen ; Reflexionen. Band 1. Hg. von Fritz Bergemann u. Max Hecker. Inselverlag, Leipzig 1922.
Goethes Bemühungen um eine Theaterkultur in Weimar galt aber auch dem Publikum: Sensibilität für Schönheit und die ästhetische Vermittlung humanistischer Ideale bestimmten seine pädagogischen Absichten. Ohne die Vorlieben des Publikums für populäre Stücke wie z. B. die von August Kotzebue zu düpieren, sorgte Goethe für den Spielplan. Unter seiner Intendanz, die bis 1817 währte, wurden 4806 Vorstellungen gegeben. Das sind fast 300 Aufführungen pro Jahr. Wie sehr es Goethe um eine umfassende Theaterkultur ging, wird auch durch sein Engagement für die Gestaltung des Theaterraumes belegt. Äußerlich eher unscheinbar, wurde der Innenraum des Komödienhauses auf Goethes Betreiben in ein „freundliches, glänzendes Feenschlösschen“ (Caroline Schlegel) mit Säulen, Galerien, Balkonen usw. umgewandelt, um dem Publikum ein rundum ästhetisches Theatererlebnis zu bieten.
Von 1799 bis 1805, dem Todesjahr Schillers, wirkten Goethe und Schiller, der inzwischen von Jena nach Weimar übersiedelt war, gemeinsam an der Weimarer Bühne. Schiller inszenierte seine Stücke selbst: Die Uraufführungen der drei Teile des Wallenstein (1798/1799) begründeten Schillers Ruhm als Dramatiker. Bis auf die Jungfrau von Orleans wurden alle seine späten Dramen in Weimar uraufgeführt, um von hier aus sehr schnell die Bühnen der Welt zu erobern.
Das 1857 eingeweihte Goethe- und Schiller-Denkmal von Ernst Rietschel unmittelbar vor dem Haupteingang der Spielstätte symbolisiert das fruchtbare gemeinsame Wirken der beiden Dichter in Weimar. Es ist ein Wahrzeichen der Stadt geworden. Der Dichter Jean Paul hatte schon 1798, dem Jahr der Uraufführung von Wallensteins Lager, an einen Freund geschrieben: „Gegen das neue Theater (in Weimar) sind die anderen deutschen nur Kulissen“. Nicht nur das Schauspiel erfuhr unter Goethe eine Blütezeit, auch das Musiktheater wurde von ihm gefördert. Vor allem Opern von Mozart begeisterten das Publikum – und unter diesen war die Zauberflöte die Lieblingsoper der Weimarer Bevölkerung, die damals nicht mehr als 6000 Menschen zählte.
1817 gab Goethe nach jahrelangen Streitereien sein Amt als Theaterdirektor auf. Der letzte Auslöser für seinen Rücktritt mutet grotesk an: Karoline Jagemann, eine begabte Schauspielerin, Mätresse des Herzogs und eine Erzfeindin des Dichters und Theaterdirektors, setzte sich mit ihrem Anliegen durch, mit einem dressierten Pudel auf der Bühne erscheinen zu dürfen, was Goethe empörte. Es handelte sich dabei um eine Aufführung von Ignaz Franz Castellis Übersetzung Der Hund des Aubry von Pixérécourts berühmtem Melodram Le chien de Montargis (1814), in dem ein Hund den Mörder seines Herrchens identifiziert. Das Stück galt als Inbegriff der Unterhaltung für ein breites Publikum. Nach Goethes Rücktritt fehlten im Schauspiel überdurchschnittliche und spektakuläre Ereignisse. Hingegen fanden die musikalischen Aufführungen immer mehr Beachtung, weit über Weimar hinaus.
Im März 1825 brannte das Komödienhaus ab. Bereits im September desselben Jahres öffneten sich die Pforten eines neuen Hoftheaters an derselben Stelle.
„Ära der Musik“ Maria Pawlowna, Gemahlin von Großherzog Carl Friedrich, dem Sohn und Nachfolger von Carl August, setzte sich ab 1804 insbesondere für das Musikleben in Weimar ein. Sie berief nach Goethes Rücktritt den europaweit gerühmten Mozartschüler und Klaviervirtuosen Johann Nepomuk Hummel als Kapellmeister nach Weimar, der dieses Amt bis zu seinem Tod 1837 ausübte. Hummel gab Benefizkonzerte für Witwen und Waisen. Die Werke von Mozart, Haydn und Beethoven bestimmten das Konzertprogramm. Einer der musikalischen und gesellschaftlichen Höhepunkte im Weimarer Hoftheater unter Hummels Leitung war ein Konzert des berühmten italienischen Geigenvirtuosen Niccolò Paganini (1829).
Hummel war ein Wegbereiter für das „Silberne Zeitalter der Tonkunst“ in Weimar. Doch erst das Wirken von Franz Liszt, welcher die Hochblüte der literarischen Klassik für die Musik wiederbeleben wollte, begründete den Ruhm Weimars als „Stadt der Musik“. 1842 wurde Liszt Kapellmeister in außerordentlichen Diensten. 1848 entschied er sich ganz für Weimar und übernahm das Amt des Hofkapellmeisters. Er hatte die Absicht, die mit den Namen Goethe und Schiller assoziierte Ära der Literatur durch eine Ära der Musik abzulösen, die mit den Namen Liszt und Wagner verbunden sein sollte. Die Oper Lohengrin des damals steckbrieflich gesuchten Dresdner Kapellmeisters Richard Wagner wurde, dirigiert von Liszt, als Festoper aus Anlass des Geburtstages der Großherzogin am 101. Goethe-Geburtstag 1850 uraufgeführt. Dies war ein Jahr nachdem der Tannhäuser seine Erstaufführung in Weimar erlebt hatte. Auch viele Werke Liszts kamen in Weimar zur Uraufführung.
Für Hector Berlioz, den französischen Komponisten, mit dem ihn besonders die Idee der Programmmusik verband, setzte sich der weltbürgerlich denkende Franz Liszt stark ein. Innerhalb weniger Jahre kamen etliche bedeutende Werke Berlioz’ in Weimar zur Aufführung. 1852 und 1856 veranstaltete Liszt „Berlioz-Wochen“, die Weimar zu einem „neuen geistigen Mittelpunkt für das musikalische Leben Deutschlands“ (Franz Brendel) machten. Am 1. März 1856 wurde z. B. Fausts Verdammnis unter Leitung des Komponisten zum ersten Mal in Weimar konzertant aufgeführt.
1889 wurde Richard Strauss Kapellmeister in Weimar. Hier erlebten seine Tondichtungen Don Juan und Macbeth ihre gefeierten Uraufführungen. Seine Oper Guntram erklang in Weimar 1894 zum ersten Mal. Großen Erfolg erzielte Strauss außerdem 1893 mit der Uraufführung von Humperdincks Märchenoper Hänsel und Gretel. 1907 bis 1920 war Peter Raabe als Weimarer Kapellmeister tätig. Sowohl Strauss als auch Raabe hatten ab den 1930er Jahren die Funktion des Präsidenten der Reichsmusikkammer inne. Letzterer blieb Weimar bis zu seinem dortigen Tod eng verbunden.
1899 erhielt das Hoftheater ein eigenes Gleis der Straßenbahn Weimar für Theaterwagen, welches 1907 mit dem Abbruch des Hoftheaters und mit Zustimmung der Stadt Weimar entfernt wurde.
„Mustertheater“