300px|rechts|Fränkisch-Crumbach, davor der Verlauf der Gersprenz (2022)

Fränkisch-Crumbach (odenwälderisch Crumboch) ist eine Gemeinde im südhessischen Odenwaldkreis.

Geographische Lage Fränkisch-Crumbach liegt im Vorderen Odenwald beiderseits des Crumbachs, eines linken und westlichen Zuflusses der Gersprenz, die bei Stockstadt in den Main fließt. Die Gemeinde liegt im hessischen Teil Frankens. Die mit über 16 Quadratkilometern recht große Gemarkung, davon 524 Hektar bewaldet, reicht vom Gersprenzufer im Osten bis zum Rimdidim () im Westen und schließt dabei die Ruine von Burg Rodenstein und eine Reihe von Weilern und Wohnplätzen ein, wie Bierbach, Eberbach, Erlau, Güttersbach, Höllerheck, Holzwiese, Meierei, Michelbach, Rodenstein und Schleiersbach.

Gemeindegliederung Fränkisch-Crumbach umfasst nur die gleichnamige Gemarkung (Gmk.-Nr. 63125) und ist die einzige Gemeinde im Odenwaldkreis ohne eingegliederte Ortsteile. Sie ist im Rahmen der Gebietsreform in Hessen nicht verändert worden.

Nachbargemeinden Fränkisch-Crumbach grenzt im Norden an die Gemeinde Brensbach, im Osten und Süden an die Gemeinde Reichelsheim (beide im Odenwaldkreis) sowie im Westen an die Stadt Lindenfels (Landkreis Bergstraße) und die Gemeinde Fischbachtal (Landkreis Darmstadt-Dieburg).

Geschichte Mittelalter Die Burg Rodenstein mit Fränkisch-Crumbach bildeten den Mittelpunkt der Herrschaft Crumbach-Rodenstein. Sie war Eigengut der edelfreien Familie von Crumbach, die sich zum ersten Mal in der Mitte des 12. Jahrhunderts nachweisen lässt, die älteste erhalten gebliebene urkundliche Erwähnung als Crumbach datiert aus dem Jahr 1148. Weitere historisch belegte Namensformen sind (in Klammern das Jahr der Erwähnung) Crumpach (1219, 1372, 1433), Krumppach (1434) und Crumbach (1653).

Im 13. Jahrhundert spalteten sich von der Familie Crumbach die Herren von Rodenstein ab. Der erste sicher bezeugte Rodensteiner ist der erzbischöflicher Kämmerer und Domherr Heinrich (* 1293; † 1317) von Mainz. Die Linie nannte sich nach der Burg Rodenstein, die zwar erst 1346 urkundlich erwähnt wird, aber vermutlich bereits in der Mitte des 13. Jahrhunderts gebaut wurde. An der Burg war von Anfang an die Grafschaft Katzenelnbogen beteiligt gewesen. Zum Ort gehörte eine eigene Zent mit allodialem Zentgericht und Hochgerichtsbarkeit für Crumbach mit Bierbach, Erlau, Güttersbach und Michelbach. 1327 wurde die Pfarrei Crumbach erstmals belegt, die dem heiligen Laurentius geweihte Kirche stammt aus dem 13. Jahrhundert und diente von Anfang an als Grablege der Herren von Crumbach und von Rodenstein, Bestattungen lassen sich ab 1470 nachweisen. Hans III. zu Rodenstein ließ 1485 durch Konrad von Mosbach einen neuen gotischen Chor errichten.

Frühe Neuzeit und Dreißigjähriger Krieg Die oberhessische Lißberger Linie der Rodensteiner starb 1470 mit dem Tode Engelhards von Rodenstein-Lißberg aus. Damit fielen die Besitzungen an Hans III. von Rodenstein, der im Jahre 1471 im Alter von 53 Jahren seine vierzehn Jahre alte Verwandte Anna von Rodenstein-Lißberg geheiratet hatte. Der soziale Abstieg der Familie folgte nach seinem Tod im Jahre 1500. Die Burg befand sich bereits seit 1422 vollständig im Eigentum der Grafen von Katzenelnbogen, schon Jahrzehnte davor mussten immer mehr Anteile verpfändet und verkauft werden. Im Jahr 1436 belehnte Graf Johann IV. von Katzenelnbogen schließlich Hans II. von Rodenstein-Lißberg mit der früher im Rodensteiner Besitz befindlichen Hälfte der Burg. Eheschließungen gab es seit dem 14. Jahrhundert nur in der untersten Schicht des nichtfürstlichen Hochadels, der sich durch die Schenken von Erbach, die Herren von Frankenstein und die Herren von Lißberg darstellt. Allerdings dominierten Verbindungen mit ritteradeligen Familien. Nach dem Tod von Hans III. von Rodenstein fielen 1555 Besitzungen der alten Herrschaft Rodenstein an seine Söhne Georg III. und Hans V.

Nach 1570 führten Hans V. und sein Neffe Philipp III. in der Herrschaft Rodenstein die Reformation ein und beriefen 1579 mit Johannes Busch den ersten lutherischen Pfarrer nach Crumbach. Philipp III. und seine Frau Margarete von Habern bauten unmittelbar neben der Kirche von Crumbach einen herrschaftlichen Hof, der 1574 vollendet wurde, sein Onkel Hans V. hielt sich vorwiegend auf der Burg Rodenstein auf.

Im Dreißigjährigen Krieg starben rund 90 % der Bevölkerung von Crumbach, Burg Rodenstein verfiel nach 1635. Die Rodensteiner bewohnten die Burg bis 1635, als Adam von Rodenstein und seine Familie während des Dreißigjährigen Krieges an der Pest starben. Die Burg wurde danach nicht weiter bewohnt, verfiel und wurde zum Steinbruch und Depot für Privatbauten. Nach Adams Tod ging eine Hälfte seines Besitzes an seine Schwester und wurde an Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt verkauft. Ein Viertel gehörte Georg Friedrich von Rodenstein und ein Viertel des Ortes Generalleutnant Carl von Rabenhaupt. Rabenhaupt hatte im Zuge der Anwerbung neuer Bürger vorwiegend calvinistische Zuwanderer nach Crumbach gebracht, sie sollten das Recht haben, die Kirche für ihren Gottesdienst zu nutzen. Das missfiel Landgraf Georg II. und Georg Friedrich von Rodenstein, deren Untertanen lutherischen Glaubens waren. Um einen ungehinderten Zugang zu gewährleisten, ließ von Rabenhaupt im Jahre 1650 Palisaden um den Eingang der Kirche und zum Schutz des Gefängnisses errichten. Die Bevölkerungszahl hatten sich in den drei Jahrzehnten nach Kriegsende soweit konsolidiert, dass am 8. Januar 1684 die Gemeine Ordnung des Jahres 1594 aufs neue wieder aufgericht und bestätigt wurde. Diese 44-seitige Dorfordnung zur Normierung der Allmende-, Wald-, Weide- und Zinsrechte, bezog sich nur auf Crumbach, nicht auf Bierbach, Eberbach, Erlau, Güttersbach und Michelbach. Diese Weiler hatten ihre eigenen Regelungen. Zur Markgenossenschaft Rodensteiner Mark zählten gemäß dem Weistum des Jahres 1457 elf Dörfer, neben Fränkisch-CrumbachArchiv für hessische Geschichte und Altertumskunde, Band 10, 1914, S. 356, Snippet, u. a. auch Bierbach , EberbachKarl Christian Eigenbrodt: Die Herrschaft Fränkisch-Crumbach; in: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde, Band 2, 1841, S. 167, Digitalisat, Güttersbach und Michelbach : „Gemarkung Fränkisch-Crumbach, Gemeinde Fränkisch-Crumbach, Odenwaldkreis […] Häusergruppe“.. Obermärker waren die Herren von Rodenstein. In Folge finanzieller Schwierigkeiten wurden große Teile der Gemarkung von Fränkisch-Crumbach samt Jagdrecht in der Rodensteiner Mark von der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt übernommen.Heinrich Leo: Vorlesungen über die Geschichte des deutschen Volkes und Reiches, Band 4: Die Territorien des deutschen Reiches im Mittelalter seit dem 13ten Jahrhunderte, 1865, S. 372, Digitalisat

Bis zum Ende der Herrschaft Gemmingen Weiprecht Freiherr von Gemmingen-Hornberg war Direktor der Fränkischen Reichsritterschaft, Ritterhauptmann des Kantons Odenwald und Hofrichter in Heidelberg. Er wurde 1678 von der Landgräfin-Witwe Elisabeth Dorothea von Hessen-Darmstadt zur Leitung der Rentkammer in Darmstadt berufen und wählte 1693 Crumbach zum Sitz seiner Familie, einen Teil des Ortes hatte er aus der Rodensteiner Erbschaft durch die Eheschließung 1693 Maria Dorothea, Witwe von Carl von Rabenhaupt, übernommen. Er unterstützte weiterhin die Ansiedlung von calvinistischen Waldenser und jüdischer Bürger. Johann Rudolf Victor von Pretlack stieg im Dienst des Darmstädter Landgrafen Ernst Ludwig zu höchsten militärischen Ämtern auf und konnte das hessen-darmstädter Lehen den ehemals rodensteinischen Besitz erwerben. Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete er am 24. April 1715 in Frankfurt am Main Christiane Margarethe von Bernstorff, deren Mutter Agnes Maria von Haxthausen, geboren von Kamptz, war eine Erbin der letzten Rodensteiner. Christiane Margarethes Großmutter Anna Maria Bibiana von Rodenstein war damit letzte Namensträgerin dieser Familie. 1719 entstand nach Zukauf benachbarter Hofreiten und Gärten in etwa sechs Jahren Bauzeit das Pretlacksche Schloss mit großem Park. Ab 1740 durften in Crumbach fünf Märkten abgehalten werden. Das Pretlacksche Schloss ging 1858 durch Kauf an die Gemeinde über, die es als Schulhaus und Bürgermeisterei einrichtete. Es dient auch heute noch der Gemeindeverwaltung als Rathaus.

Im Großherzogtum Hessen-Darmstadt Für den Beitritt zum napoleonischen Rheinbund 1806 erhielt die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die dadurch auch zum Großherzogtum Hessen aufstieg, auch die reichsunmittelbare Herrschaft Gemmingen und Fränkisch-Crumbach. Das Großherzogtum schloss 1821 oder zuvor einen Vertrag mit den Herren von Gemmingen, die dem Staat das Patrimonialgericht überließen. So konnte das Großherzogtum bei der Verwaltungsreform 1821 Fränkisch-Crumbach in den Landratsbezirk Reinheim und den Gerichtsbezirk des Landgerichts Lichtenberg eingliedern. Zweite Instanz war das Hofgericht Darmstadt. Es folgten:

ab 1848: Landgericht Reinheim (Verlegung nach Reinheim), zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt ab 1879: Amtsgericht Reinheim, zweite Instanz: Landgericht Darmstadt ab 1968: Amtsgericht Darmstadt mit der Auflösung des Amtsgerichts Reinheim, zweite Instanz: Landgericht Darmstadt

Seit 1822 ist die Form Fränkisch-Crumbach in Gebrauch. Der Namenszusatz leitet sich von der Zugehörigkeit der Herrschaft von Gemmingen zur Fränkischen Reichsritterschaft ab und diente im Großherzogtum zur Differenzierung zu Crumbach im Mümlingtal, das vor 1806 zur Herrschaft Breuberg gehörte.

Fränkisch-Crumbach gehörte zum Gebiet des Gemeinen Rechts, das hier ohne die Überlagerung von Partikularrecht galt. Dieses behielt seine Geltung auch während der Zugehörigkeit zum Großherzogtum Hessen im 19. Jahrhundert, bis es zum 1. Januar 1900 von dem einheitlich im ganzen Deutschen Reich geltenden Bürgerlichen Gesetzbuch abgelöst wurde.

20. Jahrhundert Bis zur Gebietsreform in Hessen gehörte die Gemeinde dem Landkreis Dieburg an. Am 1. August 1972 wurde Fränkisch-Crumbach zusammen mit Brensbach in den Odenwaldkreis eingegliedert.

Bis zum Jahr 2014 war der Ort ein anerkannter Erholungsort.Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Landesentwicklung: 80. Sitzung des Fachausschusses für Kurorte, Erholungsorte und Heilbrunnen in Hessen vom 14. Oktober 2014. Staatsanzeiger für das Land Hessen 7/2015 Seite 148

Judentum in Fränkisch Crumbach Jüdische Familien sind im 18. Jahrhundert nur vereinzelt nachzuweisen. Dies änderte sich im 19. Jahrhundert. Die Gemeinde wuchs von 39 Familien 1807 auf 108 im Jahr 1880. Bekannt war der Zigarrenfabrikant Moritz Oppenheimer. Als Grablege diente zunächst der jüdische Friedhof in Michelstadt, seit 1850 der neue Friedhof in Reichelsheim. 1874 weihte die jüdische Gemeinde eine Synagoge mit Mikwe in der Erbacher Straße ein. Antisemitische Unruhen gab es 1848. In nationalsozialistischer Zeit wurden die Juden des Ortes vollständig verschleppt und vertrieben. In Yad Vashem sind 19 ermordete Juden aus Fränkisch Crumbach dokumentiert. Auf einem der ehemaligen Synagoge gegenüberliegenden Grundstück erinnert seit 1991 ein Findling mit einer Inschrift an die einstige jüdische Gemeinde. jüdische-Gemeinde.de zu Fränkisch Crumbach abgerufen am 9. Mai 2024

Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Fränkisch-Crumbach erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 40,9641,7648,51148,81154,91350,112 37,2635,6542,91042,71038,6934,98 12,2210,428,628,52——2,6— 9,7112,32————6,517,72 ULF Unabhängige Liste Fränkisch-Crumbach——————————4,81 Gesamt 100,0 15 100,0 15 100,0 23 100,0 23 100,0 23 100,0 23 Wahlbeteiligung in % 70,4 63,1 60,3 76,2 64,3 73,6

Bürgermeister