Das Evangelische Bildungszentrum für Gesundheitsberufe Stuttgart (EBZ) betreibt staatlich anerkannte Schulen für Pflegerp.baden-wuerttemberg.de sowie Gesundheits- und Krankenpflegehilfe, an denen insgesamt bis zu 279 Schüler unterrichtet werden. Integriert in die Pflegeausbildung kann zusätzlich an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg ein Bachelorstudium der Angewandten Gesundheits- und Pflegewissenschaften absolviert werden. Darüber hinaus bietet das EBZ Fort- und Weiterbildung in den Bereichen Pflegewissenschaft, Pflegepädagogik und Pflegepraxis an. So führt es u. a. die Fachweiterbildung für Praxisanleitung in der Pflege durch, die beruflich Pflegende zur Ausbildung von Schülerinnen und Schülern in der Praxis befähigt. Träger der Schulen ist die Evangelisches Bildungszentrum für Gesundheitsberufe Stuttgart gGmbH, deren Gesellschafter die Diakonie-Klinikum Stuttgart Diakonissenkrankenhaus und Paulinenhilfe gGmbH und die Karl-Olga-Krankenhaus GmbH sind.
Geschichte Das EBZ entstand 2003 durch Fusion der Krankenpflegeschulen der drei evangelischen Krankenhäuser in Stuttgart.
Krankenpflegeschule am Diakonie-Klinikum Die Krankenpflegeschule am Diakonissenkrankenhaus und späteren Diakonie-Klinikum ist die älteste der drei Schulen. Im Jahr 1854 erklärte die im selben Jahr gegründete Evangelische Diakonissenanstalt Stuttgart die Pflegeausbildung im Diakonissenkrankenhaus ausdrücklich zu ihrem Tätigkeitszweck. Die Mitbegründerin der Diakonissenanstalt, Charlotte Reihlen, setzte sich stark für die Einrichtung der Schule ein, da die pflegerische Versorgung in der Stadt äußerst mangelhaft war. Es gab damals keine Ausbildung und auch kein ausgebildetes Pflegepersonal, obwohl das Katharinenhospital (mit etwa 230 Krankenbetten), die Paulinenhilfe (mit 15 orthopädischen Krankenbetten), die Olgaheilanstalt (speziell für Kinder und Jugendliche), das Lazarett (mit etwa 45 Kranken) und das Hofkrankenhaus zu betreiben waren. Die Krankenversorgung im Hofkrankenhaus übertrug das Königshaus der Diakonissenanstalt. Sie ist das erste Diakonissenhaus in Württemberg und die 16. Neugründung innerhalb der Kaiserswerther Mutterhausdiakonie (heute Kaiserswerther Verband deutscher Diakonissen-Mutterhäuser).
1866 wurde das neue Diakonissenkrankenhaus Ecke Falkertstraße/Forststraße bezogen. Zu diesem Zeitpunkt zählten zur Diakonissenanstalt bereits 55 Schwestern. Im selben Jahr übernahm Obermedizinalrat Paul von Sick (1836–1900) die Leitung des Krankenhauses. Er hielt auch den ärztlichen Unterricht in der Schule und prägte bis zu seinem Tod wesentlich die Ausbildung mit seinem christlich-ganzheitlichen, homöopathischen Ansatz. Das Diakonissenkrankenhaus galt zu seiner Zeit als eines der bedeutendsten homöopathischen Krankenhäuser Deutschlands.
1873 wurde die Krankenpflegeausbildung den gewachsenen Ansprüchen gemäß neu gestaltet und organisatorisch ausgeweitet. Der Fächerkanon war – mit Ausnahme von Tanzen und der Fremdsprachen – mit dem der Stuttgarter höheren Mädchenschule Königin-Katharina-Stift, einer Vorreiterin für eine gymnasiale Schulbildung für Frauen, vergleichbar. Die Unterrichtsfächer spiegelten das wider, was damals als einer gehobenen Bildung für Frauen angemessen empfunden wurde. In der Diakonissenanstalt wurde neben der fachlich-pflegerischen Bildung die allgemeine Bildung ausdrücklich als bedeutend eingeschätzt und als Bestandteil der Berufsausbildung betrachtet. Als Frau in einer Männergesellschaft aufgewachsen, hatte Charlotte Reihlen das Glück gehabt, durch den Privatunterricht ihres Vaters eine für Frauen damals nicht vorgesehene höhere Schulbildung zu erfahren. Noch vor Gründung der Diakonissenanstalt war sie bereits an der Einrichtung einer höheren Töchterschule, des Weidle’schen Töchterinstituts, aus dem das heutige Evangelische Mörike-Gymnasium Stuttgart hervorgegangen ist, beteiligt gewesen. Jetzt, wo sie selbst Töchter hatte, wollte sie diesen ebenfalls diese Bildung zukommen lassen.
Lange verfolgte die Diakonissenanstalt dieses auch stark vom Kaiserswerther Verband geprägte Konzept der Verbindung von Berufs- und Allgemeinbildung. Deshalb wurde in der Krankenpflegeschule auch erst 1933 die staatliche Prüfung eingeführt.
Neben der fachlichen und pädagogischen Professionalisierung blieb das Bemühen um eine zeitgemäße diakonische Bildung für die zukünftigen Krankenschwestern und -pfleger durchgehend ein zentrales Anliegen der Schule und des Schulträgers. Stellvertretend dafür steht das Gesamtkonzept „Diakonische Pädagogik“, das in den 1990er Jahren entwickelt wurde.Vgl. Johannes Nau: Die Krankenpflegeschule der Evangelischen Diakonissenanstalt am Diakonissenkrankenhaus Diakonie-Klinikum in Stuttgart, in: Rudolf Mahler (Hrsg.): 10 Jahre EBZ. 160 Jahre evangelische Krankenpflegeausbildung in Stuttgart. Hg. Evangelisches Bildungszentrum für Gesundheitsberufe Stuttgart gGmbH, Stuttgart 2013, S. 17–42.
Krankenpflegeschule am Karl-Olga-Krankenhaus 1872, kurz nach Ende des Deutsch-Französischen Krieges, wurden auf Initiative der Zentralleitung des Wohltätigkeitsvereins in Württemberg und im Einvernehmen mit dem Württembergischen Sanitätsverein am Städtischen Krankenhaus Heilbronn Krankenpflegekurse mit dem Ziel eingerichtet, Pflegerinnen für den Einsatz in Gemeinden, später auch Krankenhäusern auszubilden und so dem herrschenden Pflegekräftemangel zu begegnen. Die Pflegerinnen verpflichteten sich, im Kriegsfall dem Sanitätsverein zur Verfügung zu stehen, was im Ersten Weltkrieg dann auch Realität wurde. Initiator und Förderer der Schule war der Vorsitzende des Sanitätsvereins, Pfarrer Christoph Ulrich Hahn (1805–1881), ein enger Freund Henry Dunants (1828–1910) und Pionier des Sozialwesens in Württemberg. 1878 wurde ein Verein gegründet, dem die Zentralleitung die Verantwortung für die Pflegerinnenschule übertrug. Die Schwestern erhielten ein eigenes Haus, das Olgahaus. Hahn hatte der Schule gemäß den Grundsätzen des Roten Kreuzes einen überkonfessionellen christlich-humanitären Charakter gegeben, der sich früh in eine evangelische Richtung entwickelte. In ihrem äußeren und inneren Habitus näherten sich die Pflegerinnen den Diakonissen an. Andererseits bestand eine enge Verbindung zum Königshaus. Die Pflegerinnen nannten sich ab 1886 nach ihrer Schirmherrin, Königin Olga von Württemberg (1822–1892), „Schwestern vom Olgahaus“ und später dann „Olgaschwestern“.
Unstimmigkeiten im Heilbronner Krankenhaus führten 1892 zur Auflösung des Vereins und zur vorläufigen Verlegung der Schule ans Bezirkskrankenhaus Heidenheim an der Brenz. Unter der Ägide von Pfarrer Eberhard von Falch (1851–1919), Mitglied der Zentralleitung für Wohltätigkeit und wichtiger Motor für die Weiterentwicklung des württembergischen Sozialwesens, kam es noch im selben Jahr in Stuttgart zur Neugründung des Vereins, dessen Schirmherrschaft Königin Charlotte von Württemberg (1864–1946) übernahm. Das Mutterhaus der Schwestern und ihre Schule bezogen 1894 das eigens für sie gebaute Karl-Olga-Krankenhaus. Dem Verein war viel an der Heranbildung qualifizierter Pflegerinnen für das Krankenhaus und die Gemeindekrankenpflege gelegen. So führte man, einem Bundesratsbeschluss folgend, 1908 die einheitliche staatliche Prüfung nach einjähriger Ausbildung ein. Damit waren die Voraussetzungen geschaffen, dass die Schule 1909 als eine der ersten Krankenpflegeschulen in Württemberg die staatliche Anerkennung erhielt. Ihre Schülerinnen legten von nun an ein „staatliches Examen“ ab. Zielsetzung der Ausbildung waren neben einer gründlichen fachlichen Qualifikation die Förderung der Allgemeinbildung sowie die religiös-sittliche Erziehung. Ihr lag ein Bild von pflegerischer Kompetenz zugrunde, das einerseits eng mit den damaligen Vorstellungen von weiblicher Tugend, andererseits mit einem klaren evangelischen Selbst- und Berufsverständnis verbunden war.
1919 verließen die Olgaschwestern das Rote Kreuz und schlossen sich der neu gegründeten württembergischen Diakonie an. 1923 traten sie dem Kaiserswerther Verband deutscher Diakonissen-Mutterhäuser bei. 1950 bis 1952 hatte die Schule eine Dependance am Kreiskrankenhaus in Heidenheim. Seit den 1990er Jahren bemühte man sich verstärkt um die Entwicklung eines Profils, das diakonische Orientierung, pädagogische Professionalität und (wissenschaftlich untermauerte) Fachlichkeit miteinander verknüpft.Vgl. Rudolf Mahler: Die Krankenpflegeschule der Olgaschwestern am Städtischen Krankenhaus Heilbronn, am Bezirkskrankenhaus Heidenheim, am Karl-Olga-Krankenhaus in Stuttgart, in: Rudolf Mahler (Hg.): 10 Jahre EBZ. 160 Jahre evangelische Krankenpflegeausbildung in Stuttgart. Hg. Evangelisches Bildungszentrum für Gesundheitsberufe Stuttgart gGmbH, Stuttgart 2013, S. 43–72.
Krankenpflegeschule am Bethesda-Krankenhaus Im Unterschied zu den Krankenpflegeschulen an Diakonie-Klinikum und Karl-Olga-Krankenhaus, die der Evangelischen Landeskirche in Württemberg und dem Diakonischen Werk Württemberg zugeordnet waren, bildete für die Krankenpflegeschule am Bethesda-Krankenhaus die Evangelisch-methodistische Kirche den Orientierungsrahmen.
Nach ersten Anfängen einer ambulanten Pflege seit 1896 war in Stuttgart 1912 das Bethesda-Krankenhaus eingerichtet worden, das aber noch keine eigene Pflegeausbildung durchführte. Die Bewerberinnen für das Diakonissenamt wurden zentral in Elberfeld (bei Wuppertal) an der mit dem Bethesda-Mutterhaus verbundenen Krankenanstalt ausgebildet, die ab 1914 eine staatlich anerkannte Krankenpflegeschule betrieb. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg, 1947, wurde angesichts des gewachsenen Personal- und Ausbildungsbedarfs dann auch am Bethesda-Krankenhaus in Stuttgart eine Krankenpflegeschule eingerichtet. Auch diese Schule öffnete sich seit Anfang der 1990er Jahre neuen Entwicklungen in Pflege und Pädagogik.Vgl. Ulrike Voigt: Die Geschichte der Krankenpflegeausbildung am Bethesda Krankenhaus Stuttgart, in: Rudolf Mahler (Hg.): 10 Jahre EBZ. 160 Jahre evangelische Krankenpflegeausbildung in Stuttgart. Hg. Evangelisches Bildungszentrum für Gesundheitsberufe Stuttgart gGmbH, Stuttgart 2013, S. 73–84.
Neuere Entwicklungen Die Krankenpflegeausbildung der Mutterhäuser war Teil der Diakonissenbildung. An den Schulen waren aber immer schon auch Mitglieder anderer Schwesternschaften sowie Pflegende, die nicht der eigenen Schwesternschaft angehörten (sog. Hilfsschwestern), ausgebildet worden. Letztere wurden in der Zeit des „Dritten Reiches“ als Verbandsschwestern (heute Diakonische Schwestern und Brüder) in die Schwesternschaften integriert, um deren Eingliederung in die nationalsozialistische Schwesternorganisation zu verhindern. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Zahl der jungen Frauen, die Diakonisse werden wollten, stark zurück, sodass sich die Schulen zu Krankenpflegeschulen mit allgemeinem diakonischem Profil weiterentwickelten. Seit Ende der 1950er Jahre wurden auch Männer in die Ausbildung aufgenommen.