Mario Rönsch (* 1984 in Erfurt) ist ein deutscher Rechtsextremist. Er war bis mindestens 2014 Mitglied der Alternative für Deutschland (AfD), trat ab März 2014 als Redner und Organisator einiger „Mahnwachen für den Frieden“ auf und war bis Mai 2016 Mitarbeiter des rechtsextremen Magazins Compact.

Ab 2014 betrieb Rönsch die deutschsprachige Website Anonymous.Kollektiv, ab Mai 2016 bis März 2018 deren Nachfolgeseite Anonymousnews.ru. Diese verbreiteten rassistische Hetze gegen Geflüchtete, Migranten und Muslime sowie antisemitische Verschwörungstheorien und russische Propaganda. Er führte zudem den Onlineshop Migrantenschreck (seit Juli 2017 Patriotenshop) für illegale Waffenverkäufe. Dessen Webseite rief zu Schüssen auf Geflüchtete auf mit dem Ziel, sie zu verletzen, und dem Risiko, sie zu töten.

Rönsch wurde nach etlichen Strafanzeigen am 28. März 2018 in Budapest festgenommen, später nach Deutschland ausgeliefert und am 18. Dezember 2018 wegen illegalen Waffenhandels zu einer Haftstrafe von 34 Monaten verurteilt. Am 27. August 2019 verwarf der Bundesgerichtshof Rönschs Revisionsantrag, so dass er die Haft antreten musste. Ein 2016 eingeleitetes weiteres Verfahren gegen ihn wegen Volksverhetzung, Verleumdung und Aufrufen zu Straftaten wurde fortgesetzt.

Berufe und Vorstrafen Rönsch ist gelernter Bankkaufmann und verkaufte 2012 als Geschäftsführer der Anbieter Fandealer und Cyburios gegen Gebühr falsche Fan- und Follower-Zuwächse an Firmen.Deutscher Dialogmarketing Verband e.V. (Hrsg.): Dialogmarketing Perspektiven 2014/2015: Tagungsband 9. Springer VS, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-658-08875-0, S. 180; Tobias Lill, Martin U. Müller, Felix Scheidl, Hilmar Schmundt: Soziale Netzwerke: Falsche Fans. Spiegel, 22. Juli 2012 (kostenpflichtig) Er war Geschäftsführer der Firma Adfanyo und wurde mehrmals wegen Betrugs, Urkundenfälschung und Insolvenzverschleppung verurteilt.Simon Hurtz: Mario Rönsch: Mutmaßlicher Betreiber der Hetzseite Anonymous.Kollektiv taucht unter. SZ, 31. Mai 2016

Mahnwachenredner und AfD-Mitglied Am 24. März 2014 trat Rönsch als Schlussredner bei der zweiten „Montagsmahnwache“ in Berlin auf. Er stellte sich als früherer Banker vor, der nun „Vollzeitaktivist“ sei. Er polemisierte unter Beifall seiner Zuhörer gegen angebliche Verbrechen der Banken und der USA, etwa in der Ukraine, und sprach über die Chancen einer kommenden Revolution wie 1989. Zum Schluss kündigte er an, er werde mit dem Mahnwachengründer Lars Mährholz und dem Hauptredner Ken Jebsen eine „breite Öffentlichkeit“ für die Mahnwachen herstellen.Max Hoppenstedt: Als Lügenpresse auf der Anklagebank: Meine zwei Jahre mit Mario Rönsch. Motherboard.vice, 26. August 2016 (Archivlink)

In den Folgemonaten organisierte Rönsch eine konkurrierende Mahnwache in Erfurt. Deren Redner diffamierten Vertreter der Partei Die Linke und der Piratenpartei im bisherigen Organisationsteam als vom Verfassungsschutz gesteuert. Als neuer Leiter jenes Teams lud Rönsch dann demonstrativ den Chefredakteur des Magazins Compact Jürgen Elsässer als Mahnwachenredner ein. Am 26. Mai 2014 traten beide zusammen bei der Erfurter Mahnwache auf.Kristiana Ludwig, Erik Peter: Politische Ausrichtung der Montagsdemos: Mission links. taz, 24. Juni 2014

Bis mindestens August 2014 war Rönsch AfD-Mitglied in Erfurt und hatte Kontakte zur AfD-Fraktion im Thüringer Landtag um Corinna Herold. Im Oktober 2015 befragte die Reporterin Dunja Hayali für das ZDF-Morgenmagazin die Teilnehmer einer Kundgebung mit Björn Höcke, dem Vorsitzenden der AfD Thüringen. Zu Beginn verlangte Rönsch vor laufender Kamera: „Geht nach Hause oder stellt euch mit auf die Straße, ihr Journalisten, aber hört auf, diesen Mist zu berichten!“Hannes Vogel: Holocaustleugnung auf Facebook: Die dunklen Seiten des Mario R. Focus, 30. Mai 2016

Mitarbeiter und Gesellschafter bei Compact Ab 2015 arbeitete Rönsch für das islam-, homosexuellen- und fremdenfeindliche Magazin Compact, das Jürgen Elsässer zum Sprachrohr der Neuen Rechten gemacht hatte. Rönsch unterstützte es zunächst als freier Mitarbeiter und wurde später für das Online-Marketing des Magazins verantwortlich.Max Hoppenstedt, Simon Hurtz, Daniel Mützel, Sebastian Pittelkow, Katja Riedel: Mario Rönsch: Deutsche Ermittler nehmen untergetauchten Rechtsextremen in Budapest fest. SZ, 28. März 2018

Im November 2015 forderte Rönsch in einem Compact-Video, Bundeskanzlerin Angela Merkel zu verhaften und ins Gefängnis zu bringen. Er wurde im Video als „unser langjähriger Leser und einer der Initiatoren der bundesweiten Demonstrationen der sogenannten Montagsmahnwachen für den Frieden“ vorgestellt.Markus Böhm: Hetzseite Anonymous.Kollektiv: Staatsanwaltschaft fahndet nach mutmaßlichem Betreiber. Spiegel, 1. Juni 2016

Als Gesellschafter des Compact-Magazins erhielt Rönsch von Januar bis November 2016 insgesamt mehr als 110.000 Euro auf sein Konto überwiesen.Anna Mayr: Erst hat er Hass geschürt – dann hat er dem Hass Waffen verkauft Correctiv, 21. Dezember 2018

Im Mai 2016 besuchten Rönsch und Compact-Verleger Kai Homilius als Gäste der rechtsextremen ungarischen Partei Jobbik das Parlament Ungarns. Obwohl die ungarische Regierungszeitung Magyar Idök darüber berichtet und eine Fotografie der Besucher gezeigt hatte, behaupteten ungarische Behörden bis 2017 Unkenntnis von Rönschs Aufenthalt in Ungarn.Keno Verseck: Horst Mahler in Ungarn: Orbáns Eldorado für Rechtsextreme. Spiegel, 16. Mai 2017 In einem Interview mit ihm vom 2. Juni 2016 bezeichnete Homilius ihn als „Friedensaktivisten“, weil er Erfurter Montagsmahnwachen organisiert und Elsässer dazu eingeladen hatte. Rönsch erklärte, er sei seit Januar im Ausland und habe nichts mit den Webseiten Anonymous.kollektiv und Migrantenschreck zu tun. Letztere habe jemand missbräuchlich auf seinen Namen angemeldet.Jürgen P. Lang, Theresa Authaler: „Migrantenschreck“: E-Mails von den Waffenbrüdern. BR, 13. Juni 2016 (Archivlink) Danach beendete Elsässer jedoch die Zusammenarbeit mit Rönsch, angeblich weil er „jede Form von Gewalt in politischer Auseinandersetzung“ ablehne. Als tatsächlichen Trennungsgrund nahmen Kenner persönliche Konflikte der beiden an.

Webseitenbetreiber „Anonymous.Kollektiv“ Bis 2012 gehörte die deutsche Facebook-Seite Anonymous.kollektiv zur Netzbewegung Anonymous. Dann wechselte sie (nach außen zunächst unbemerkt) den Betreiber, der den Namen der Seite beibehielt und sie mit der Guy-Fawkes-Maske weiterhin als Teil des Anonymous-Netzes ausgab. Anstelle dessen typischer Themen erschienen dort ab 2014 Aufrufe zu den damaligen Montagsmahnwachen und Hetze gegen Flüchtlinge, Muslime und das „Merkel-Regime“. Mit bis zu zwei Millionen Likes wurde die Seite die mit Abstand beliebteste deutsche Anonymous-Seite.

Ende März 2014 erschien dort als Video eine „Nachricht an die deutsche Bevölkerung“: Diese forderte die „Auflösung der BRD GmbH“, das Beenden einer „Vermännlichung der Frauen“, des „Multi-Kulti-Wahnsinns“, der „Chemtrails“, der „geistigen Manipulation durch [die] Medien“, der Macht von „Deumerika“, von übermächtigen Bankhäusern mit jüdischen Namen und der „Klimalüge“. Im April 2014 rief die Seite zum „Krieg“ gegen die „Propagandamedien“ auf. Seitennutzer überfluteten Internetseiten deutscher Medien wie Deutschlandfunk, ARD, Wirtschaftswoche und Spiegel Online tagelang mit identischen vorgefertigten Spam-Beiträgen: Sie seien korrupt und gelenkt, hätten wegen ihrer kritischen Berichte zum Krieg Russlands gegen die Ukraine „Blut an den Händen“ und ignorierten die Teilnehmerzahlen der Montagsmahnwachen.Christian Stöcker: Facebook-Spam: Russland-Freunde aus der rechten Ecke. Spiegel, 16. April 2014 So etablierte Anonymous.Kollektiv den Pauschalvorwurf der „Lügenpresse“ und stellte sich als Alternative zu den „gleichgeschalteten“ „Mainstream-Medien“ dar. Damit gingen gezielte Angriffe auf Journalisten einher: Kurz nach einem Telefonat Christian Stöckers mit Rönsch veröffentlichte dessen Webseite Stöckers Telefonnummer; Daueranrufe blockierten seinen Anschluss. Ein auf der Seite verleumdeter MDR-Journalist erhielt Morddrohungen.

Als die online-Zeitschrift Vice darüber berichtete, forderte Rönschs Anwalt sie Ende März 2014 dazu auf, Rönsch nicht als Administrator von Anonymous.Kollektiv und Urheber der „Nachricht an die deutsche Bevölkerung“ zu bezeichnen. Dazu legte er eine Versicherung an Eides statt vor. 2015 kam es dazu zum Strafprozess gegen Vice. Dort bezeugte Lars Mährholz im Juli 2015, er wisse von Rönschs Tätigkeit bei Anonymous.Kollektiv nur vom Hörensagen. Dagegen erklärte das Netzwerk Anonymous, drei seiner Mitglieder und Rönsch hätten jene Facebookseite bis 2012 gemeinsam geführt. Nach einem internen Streit habe Rönsch die Seite allein übernommen und die übrigen drei als V-Personen und verdeckte Scientologen zu diskreditieren versucht.Andrea Diener: Wo ist der Chef der rechten Internettrolle? FAZ, 2. Juni 2016 (anmeldepflichtig) Weil diese Zeugen anonym bleiben wollten, gab das Gericht Rönsch Recht. Danach gaben weitere Medien zunächst ähnliche Unterlassungserklärungen wie Vice ab.

Seit der Annexion der Krim 2014 (Februar) verbreitete die Seite verschwörungstheoretischen Antiamerikanismus, stellte die etablierten Medien als staatlich gelenkt dar und verlinkte nur noch den russischen Sender RT DE und das Magazin Compact.Richard Diesing: Anonymous.Kollektiv: Hetze unterm Anonymous-Deckmantel. Zeit, 6. Juni 2016 Die Macher bekannten sich zu Russland unter Staatspräsident Wladimir Wladimirowitsch Putin, beschrieben die Ukraine als „faschistischen Staat“, die Bundesregierung als Marionette des internationalen Finanzkapitals und bezichtigten deutsche Medien der Kriegstreiberei. Sie schürten Angst vor einem dritten Weltkrieg, beschrieben die Aufnahme von Flüchtlingen als langfristig geplante Abschaffung Deutschlands und als „Umvolkung“.

Bis September 2014 unterstützte die Seite die Montagsmahnwachen und Ken Jebsen, stellte sich dann jedoch ohne erkennbaren Grund gegen den Mahnwachengründer Lars Mährholz. Ab Dezember 2014 unterstützte sie Pegida, behauptete später aber, diese Bewegung sei geheimdienstlich unterwandert, und unterstützte die Querfront-Gruppen Pegada und Endgame.Was ist eigentlich bei der größten deutschen Anonymous-Seite schiefgelaufen? Vice.com, 20. November 2015

Am 16. Dezember 2014 luden die Betreiber ein Video hoch, das angebliche weltbeherrschende Verschwörungen (Rothschild-Zionismus, Impfung, Polizeistaat, Chemtrails, Club of Rome, Big Pharma, Satanismus) in Collagenform aneinanderreihte und erfolgreiche Hacker-Aktionen wie die zur Unterstützung von WikiLeaks und LulzSec als Eigenleistung ausgab. Dazu kündigten sie an, die Seite abzuschalten, weil ihre „Mission beendet“ und die „Deutschen erwacht“ seien. Die Seite blieb jedoch online.R.I.P. Anonymous.Kollektiv: Größte deutsche Anon-Facebook-Seite schaltet sich ab. Motherboard.vice, 17. Dezember 2016 (Archivlink)