Die Postgeschichte und Briefmarken Braunschweigs sind die historische Grundlage dafür, dass das ehemalige Herzogtum Braunschweig mit den zwischen 1852 und 1867 herausgegebenen Briefmarken in Sammelalben von Philatelisten als eigenständiges Gebiet präsent ist.

Die Landesposten des Herzogtums Braunschweig Unter Heinrich dem Jüngeren (1489–1568), Herzog von Braunschweig-Lüneburg, begann die Entwicklung zu einer ortsfesten Zentralverwaltung in der Residenzstadt Wolfenbüttel, die in der „Großen Kanzeleiordnung“ von 1535 ihren vorläufigen Abschluss fand. Eine solche Verwaltung verlangte nach einem geordneten Botenwesen nach Taxisschem Vorbild.

Herzog Julius (1528–1589) von Braunschweig-Lüneburg legte im Jahre 1576 eine Reitpost von Wolfenbüttel, wo er residierte, nach Sachsen über Halberstadt und Halle nach Leipzig an, die aber 1589 wieder unterbrochen wurde.

Im Jahre 1640 erhielt Röttger Hinüber aus Hildesheim die Erlaubnis zur Herstellung einer direkten Fahrpost zwischen Braunschweig, Hannover, Bremen und Kassel. Der Herzog verlieh ihm dafür den Titel eines herzoglich Braunschweig-Lüneburgischen Posthalters und Postmeister in Hildesheim. Das rief die Thurn und Taxissche Post auf den Plan, sie sahen die Einrichtung des Kurses als Eingriff in das Reichs-Postmonopol und führte deshalb Beschwerde beim Kaiser. Kaiser Ferdinand III. empfahl den Beteiligten die Anlegung einer Taxisschen Post. Braunschweig und Sachsen erklärten, man werde im eigenen Gebiet eigene Posten einrichten und betreiben. Der Streit ging weiter. Nach dem Frieden von Münster und Osnabrück 1659 erging erneut ein kaiserliches Patent mit der Forderung nach Beendigung des Streites mit Thurn und Taxis. Ein nachfolgendes Patent untersagte die Unterhaltung von Postillonen mit landesherrlicher Postkleidung. Man blieb standhaft.

Herzog Georg Wilhelm (1624–1705) hatte aus Italien einen Mann namens Stiegenetto mitgebracht. Mit Bewilligung der drei Braunschweig-Lüneburgischen Herzöge wurde Stechinelli, wie er genannt wurde, beauftragt in dem gesamten Lande ein Postnetz anzulegen und eine Postverwaltung nach dem Vorbild der Thurn und Taxisschen Post anzulegen. Am 17. Juli 1678 wurde Stichenelli zum General-Erb-Postmeister für das Gesamthaus Braunschweig-Wolfenbüttel ernannt.

Der erste Minister Graf von Platen-Hallermund in Hannover kaufte dem Italiener 1682 das Postwesen ab und erhielt den Titel General-Erbpostmeister. Dem Grafen Platen unterstand das gesamte Postwesen im Braunschweigischen, Lüneburgischen und Wolfenbüttelschen Anteil. 1683 kamen noch die Herzogtümer Bremen und Verden hinzu, in denen nun auch die Braunschweig-Lüneburgische Postordnung galt. mini|Erste gedruckte Postordnung für das Herzogtum Braunschweig Die Thurn und Taxissche Reichspost behielt ihre Postanstalten unter dem Schutz des Herzogs. Später verglich man sich, Platen betrieb die fahrende und die reitende Post besorgte Taxis, so blieb es bis 1790.

Nachdem 1692 mit der Erhebung Hannovers zum Kurfürstentum aus der bisherigen „Fürstlich Braunschweig-Lüneburgischen Post“ eine „Churfürstlich Hannoversche“ geworden war, übernahm am 23. Oktober 1736 die Königlich Grossbritannische Churfürstlich Hannoversche Regierung das gesamte Postwesen. Damit schied Braunschweig-Wolfenbüttel aus. Graf von Platen hoffte wenigstens im Herzogtum Braunschweig im Amt bleiben zu können, doch versagte Herzog Karl I. die Investitur und nahm das Postwesen am 1. März 1738 ebenfalls in staatliche Verwaltung.

Im Jahre 1718 entstand auf Veranlassung des Ober-Postamtes in Leipzig die Fahrten der „gelben Kutschen“ von Braunschweig über Hessen und Merseburg nach Leipzig, die von Braunschweig aus wieder Verbindung mit der herzoglichen Küchenpost mit Hamburg unterhielt. Die Küchenpost ihrerseits wurde von Preußen nicht gerne gesehen. Dem preußischen Kurs über Magdeburg wurde Fracht und damit Portoanteile entzogen. Preußen argumentierte, dass eine Privatpost den Postrechten zuwider laufe und bestand auf Aufhebung. Braunschweig und Sachsen verstaatlichten 1750 die gelbe und die Küchenpost und betrieben sie als gemeinschaftliche Anstalt. Die Küchenpost fuhr bis Stolberg am Harz, mit Anschluss an die gelbe Post. Alle Briefe aus Sachsen und den unterwegs berührten Orten, die nach den Seestädten und dem Lüneburgischen, bestimmt waren, alle Briefe und Pakete, die aus Hamburg, Lübeck, Bremen, dem Hannoverschen und Braunschweigischen nach Sachsen, Böhmen und Österreich bestimmt waren, wurden durch die gelben Kutschen befördert. Eine Änderung der Linie gab es 1815, als weite Teile Sachsens, bis kurz vor Leipzig, an Preußen kamen. Jetzt führten die gelben Kutschen von Blankenburg über Hasselfelde bis Nordhausen mit Anschluss an den Kurs Kassel–Leipzig.

Durch die Schaffung des Königreichs Westphalen ging das Braunschweigische Postwesen in das des Königreichs über. Die mit König Jérôme Bonaparte (Hieronymus) eingewanderten Franzosen beuteten das Postwesen aus und erhöhten zu diesem Zwecke auch die Taxen. Andererseits modernisierten sie auch das Postwesen.

Vor der Einführung der ersten Briefmarken mini|Quittung des Post-Steuer-Amts Braunschweig über eine Postverzollung von 1840 Schon früh war das Fürstengeschlecht Thurn und Taxis für die Abwicklung des Postwesens in Braunschweig verantwortlich. Im 16. Jahrhundert ließ der Herzog Heinrich der Jüngere von Braunschweig eine eigene Fürstlich-Braunschweigische Landespost einrichten. Die Fürsten Thurn und Taxis waren jedoch noch weiterhin im Postwesen Braunschweigs tätig, bis dies von dem Braunschweiger Herzog Karl Wilhelm Ferdinand am 1. Juli 1790 untersagt wurde.

Neben der Thurn und Taxischen Post in Braunschweig gab es auch eine Zeit lang eine Postabfertigung von Brandenburg in Braunschweig.

Während der Besetzung durch Frankreich im Zuge der napoleonischen Kriege wurde 1808 die ersten Poststempel eingeführt. Bis dahin erfolgte die Ortsangabe handschriftlich auf den Briefen. Am 5. Dezember 1851 trat Braunschweig dem Deutsch-Österreichischen Postverein bei. Nur drei Wochen später kam es zur Einführung der ersten Briefmarken unter Herzog Wilhelm I.

Eigene Briefmarkenausgaben Die ersten Briefmarken mini|hochkant|Braunschweigische Briefmarke von 1852 Am 1. Januar 1852 wurden in Braunschweig die ersten drei Freimarken zu 1, 2 und 3 Silbergroschen ausgegeben. Mit diesen Werten konnte man damals alle wichtigen Posttarife hinsichtlich Entfernung und Gewicht abdecken. Diese fünf ungezähnten Freimarken wurden je nach Bedarf in Briefmarkenbögen gedruckt. Der Verkauf an den Postschaltern erfolgte jedoch ausschließlich in waagrechten 10er-Streifen. Die erste Briefmarkenausgabe Braunschweigs weist zahlreiche Mängel auf. So stehen die Briefmarken meist schief zueinander, die Markengrößen schwanken und der Druck ist meist unklar und verschwommen. Auf den Markenbildern findet man neben der Wertangabe und dem Landesnamen in der Bildmitte das braunschweigische Wappen, das Sachsenross. Es besteht aus einem springenden Pferd in einem liegenden Oval. Die Briefmarken wurden im Buchdruck auf gelblichen Papier mit rötlicher Gummierung gedruckt.

Weitere Briefmarkenausgaben Bei den folgenden Briefmarkenausgaben blieb man dem bisherigen Motiv treu. Ab 1. März 1853 wurde das Briefmarkenpapier aus Sicherheitsgründen mit einem Wasserzeichen versehen. Dieses bestand aus einem von einer Linie umgebenen Posthorn. Die Briefmarken wurden außerdem nur noch in schwarzer Farbe auf farbiges Papier gedruckt. Für jeden Wert war eine eigene Farbe vorgesehen. Neben den drei bisherigen Werten wurden mehrere Ergänzungswerte zu und  Gutegroschen sowie  Silbergroschen. (Siehe: Braunschweigische Finanzgesetze). Im Juli 1864 erschienen schließlich die ersten durchstochenen Briefmarken an den Schaltern Braunschweigs. Zuvor hatte man bereits mehrere Versuche mit Durchstichen unternommen.

Neue Motive Die letzte Briefmarkenserie Braunschweigs wurde am 1. Oktober 1865 ausgegeben. Sie war, wie alle Briefmarkenausgaben Braunschweigs, bis zum 31. Dezember 1867 gültig. Das besondere an dieser Serie war, dass das bisherige Bildmotiv komplett geändert wurde. Das braunschweigische Wappen befindet sich bei dieser Ausgabe im aufgestellten Oval. Die Briefmarke selbst befindet sich ebenfalls im Hochformat. In dieser Form wurden die Briefmarkenwerte zu , 1, 2 und 3 Silbergroschen gedruckt. Die Prägedruck war nun wieder farbig anstatt schwarz, das Briefmarkenpapier jedoch weiß.

Die teilbare Briefmarke Eine Sonderstellung der Briefmarken von Braunschweig nimmt die teilbare Freimarke zu 4 × Gutegroschen ein. Diese quadratische Briefmarke wurde am 1. März 1857 ausgegeben und bestand aus 4 gleich großen und gleich gestalteten Teilen zu je  Gutegroschen. Diese konnte (und sollte) man je nach Bedarf zurechtschneiden. Dadurch wollte man verhindern neben der bereits bestehenden Briefmarke zu  Gutegroschen für den Inlandsverkehr weiter zu , und 1 Gutegroschen verausgaben zu müssen. Der Druck war, wie bei den anderen Freimarken schwarz auf farbigem Papier.

Solche teilbaren Briefmarken wurden bereits 1856 von Mecklenburg-Schwerin verausgabt (siehe Postgeschichte und Briefmarken Mecklenburgs).

Eintritt in den Norddeutschen Bund Mit 1. Januar 1868 erfolgte der Eintritt in den Norddeutschen Bund (Vorläufer des Deutschen Reiches). Ab diesem Zeitpunkt teilt die Postgeschichte Braunschweigs die des Norddeutschen Bundes (Norddeutscher Postbezirk). Die zwanzig Briefmarken Braunschweigs konnten nur bis zu diesem Tag verwendet werden. Ein Umtausch der braunschweigischen Briefmarken in postgültige Briefmarken des Norddeutschen Bundes war bis zum 31. März 1868 möglich.

Die Tarife der Herzoglich-Braunschweigischen Post 1814–1868 mini|Braunschweigischer Meilenzeiger Der für Deutschland positive Ausgang der Schlacht bei Leipzig beendete die Fremdherrschaft, damit endete auch, nach sechs Jahren, das Bestehen der westphälische Post. Die Fürsten kehrten in ihre Länder zurück und stellten die frühere Verwaltung wieder her. In Braunschweig wurden schon am 3. November 1813 die herzoglichen Wappenschilder an den Amtshäusern und Postanstalten angebracht. Die feierliche Besitzergreifung durch Friedrich Wilhelm fand am 6. November 1813 statt.

Der westphälische Tarif galt weiter, obwohl auf Franken und Centimes lautend. Auch die westphälische Postordnung vom 1. November 1810 wurde für die befreiten Landesteile durch General-Circular vom 23. Februar 1814 befohlen. Der Franken galt  Gute Groschen. Der Taler hatte 24 Gute Groschen oder 26 Mariengroschen oder 288 Pfennig. mini|Todesanzeige eines braunschweigischen Postmeisters nach 57 Dienstjahren Die Fürstliche Post Direktion führte per Umlaufschreiben vom 7. Februar 1814 ein Expeditionsverfahren ein, nach dem alle Postämter unter sich die Briefsäcke auszuwechseln hatten. Eine Übereinkunft mit dem Kgl. Hannoverschen Post Direktorium schloss einige hannoversche Postämter mit ein (z. B. Bremen, Celle, Clausthal, Göttingen, Harburg, Hamburg Hannover, Peine usw.). Die Postexpeditionen wechselten die Post mit dem nächstgelegenen Postamt aus.

Ein Erlass vom 19. Mai 1814 bestimmte, „dass die nunmehr organisierte Kammer auch das Postwesen, die Münze und die Lotterie, jedoch nur hinsichtlich der Rechnungsführung, zu ihren Ressorts zu zählen habe.“ (§ 12). Erst 1830 wurde die Verwaltung der Posten dem Finanz-Kollegium unterstellt (§ 6).

In der westfälischen Zeit wurde die Höhe der Tarife ständig kritisiert, die braunschweigische Post senkte sie.

1814 mini|Porto ab 1814