mini|hochkant|Petr Bystron (2020)

Petr Bystron [pɛtrˈbɪstrɔn] (* 30. November 1972Handelsregisterblatt HRB 125426, Amtsgericht München. als Petr Bystroň in Olmütz, Tschechoslowakei) ist ein rechtsextremer deutsch-tschechischer Politiker (AfD). Er war Vorsitzender des AfD-Landesverbandes Bayern. Von 2017 bis 2024 war er Mitglied des Deutschen Bundestags. Im Mai 2024 beschloss der Bundestag, seine politische Immunität für ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bestechlichkeit von Mandatsträgern und Geldwäsche aufzuheben. Seit 2024 ist Bystron Mitglied des Europäischen Parlaments.

Leben Herkunft und Familie Bystron wuchs in Český Těšín in der Tschechoslowakei und in Thüringen (bis 1990 DDR) auf. Nach eigenen Angaben, die Bystron über Jahre hinweg bereits seit Beginn seiner politischen Karriere gemacht hatte, will er im Alter von 14 Jahren einen verbotenen Pfadfinderverein gegründet haben und sei mit 15 Jahren beim Vertrieb verbotener Lieder von der tschechoslowakischen Staatssicherheit verhaftet worden. Seine Eltern seien deshalb mit ihm 1988 in die Bundesrepublik Deutschland geflohen, wo er wegen der Verfolgung in der ČSSR Asyl erhalten hat. Recherchen der Wochenzeitung Die Zeit und einer tschechischen Rechercheplattform von Ende April 2024 lassen diese Aussagen als zweifelhaft erscheinen.

Bystron ist verheiratet, hat zwei Kinder und lebt in München.

Studium und Beruf Bystron studierte Politikwissenschaft mit Schwerpunkt Ökonomie und Internationale Beziehungen an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) sowie an der Hochschule für Politik in München. Nach seinem Studium war er Vorsitzender des Fördervereins der privaten Hochschule für Politik München. Das Amt legte er 2016 nach Protesten wegen seines AfD-Engagements nieder.

Er gründete 1994 während seines Studiums eine Kommunikationsagentur, die er später verkaufte. Danach war er nach eigenen Angaben als Berater für Unternehmen und Parteien tätig und arbeitete an Konzepten zu deren Kommunikation und „strategischen Markenführung“. Laut Handelsregister änderte die von Bystron 1999 gegründete Werbeagentur Bystron GmbH 2004 ihren Namen in Lendvay GmbH und verlegte sich auf „Herstellung, Reparatur und Vertrieb von Lederschuhen“. Er selbst ist geschäftsführender Alleingesellschafter. Lendvay belieferte die Tschechische Philharmonie mit Konzertschuhen. Die Konzertleitung kündigte im Mai 2024 die Verträge mit Bystron, nachdem die Voice-of-Europe-Affäre begonnen hatte.

Politik Parteimitgliedschaften Bystron war von 2006 bis 2013 Mitglied in der FDP.Peter Issig: Der AfD-Chef Bayerns ist anerkannter Asylbewerber. In: Die Welt. 20. Februar 2016, abgerufen am 21. August 2016. 2010 bewarb er sich erfolglos für einen Listenplatz bei der tschechischen Kleinpartei Občané.cz. Im Jahr 2019 soll Bystron an der Gründung der tschechischen Partei Trikolóra hnutí občanů beteiligt gewesen sein, die Václav Klaus jun. nach seinem Ausschluss aus der Demokratischen Bürgerpartei gegründet hatte. Beide Parteiaktivitäten in Tschechien fanden demnach gemäß der gemeinsamen Recherche des Nachrichtenportals HlídacíPes.org und der Zeit statt, während er Mitglied in deutschen Parteien war.

Der AfD trat er im Frühjahr 2013 bei und kandidierte bei der Bundestagswahl 2013 auf Listenplatz 17. Bystron war Vorstand im Landesfachausschuss „Europa und Außenpolitik“. Auch trat er für die AfD bei der Europawahl 2014 an. Nachdem André Wächter zu Bernd Luckes ALFA gewechselt war, wurde Bystron im Oktober 2015 dessen Nachfolger als Landesvorsitzender der bayerischen AfD.

Abgeordneter im Bundestag Anfang April 2017 wählten ihn die Delegierten des Landesparteitags in Greding auf den vierten Listenplatz für die Bundestagswahl 2017. Bei der Wahl zum Spitzenkandidaten der bayerischen AfD war er zuvor Martin Hebner in einer Kampfabstimmung unterlegen.

Bystron war im Bundestag Obmann (und ordentliches Mitglied) im Auswärtigen Ausschuss und stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für die Angelegenheiten der Europäischen Union. Er war Mitglied im Unterausschuss Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik.

Bezugnehmend auf eine Äußerung des damaligen AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland, der 2017 gesagt hatte, man werde die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoğuz „dann auch, Gott sei Dank, in Anatolien entsorgen können“, sagte Bystron Ende 2017 in einer Rede, sein „Freund Dr. Gauland“ habe „100-prozentig Recht – solche Menschen müssen wir selbstverständlich entsorgen“.Scheidender AfD-Landeschef hält Rede im Gauland-Jargon www.faz.net, 27. November 2017 Von März bis September 2017 wurde Bystron vom Bayerischen Verfassungsschutz gerichtlich bestätigt beobachtet, weil er „Anhaltspunkte für verfassungsfeindliche Bestrebungen“ gebe.

Im September 2018 zeichnete die Trump-nahe „Phyllis Schlafly Stiftung“ Bystron und den Abgeordneten der polnischen PiS-Partei Dominik Tarczyński mit dem Eagle Award aus. Zu den Gästen zählten der Ex-Trump-Wirtschaftsberater Stephen Moore, der Kongressabgeordnete Steve King sowie Stefan Molyneux, ein mutmaßlicher Antisemit.Kira Ayyadi: Petr Bystron (AfD) und Stephen Bannon: Sie planen eine internationale, rechtsextreme Allianz. Belltower.News, 25. September 2018 Laut einer T-Online-Recherche war der Autor Collin McMahon als ehemaliger Mitarbeiter Bystrons sein „Türöffner“ in „rechte Netzwerke in den USA“. Im Oktober 2018 gratulierte Bystron dem rechtsextremen brasilianischen Politiker Jair Bolsonaro zum Wahlsieg. Bystron schrieb, er freue sich auf die „Zusammenarbeit“; die „konservative Revolution [habe] damit auch Südamerika erreicht“.Matthias Quent: Deutschland rechts außen. Wie die Rechten nach der Macht greifen und wie wir sie stoppen können. Piper Taschenbuch, München 2021, S. 52

Bystron kandidierte zur Bundestagswahl 2021 als Direktkandidat im Bundestagswahlkreis München-Nord und zog über seinen Landeslistenplatz 4 der AfD Bayern erneut in den Bundestag ein. Er war im 20. Bundestag stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz und Obmann im Auswärtigen Ausschuss. Zudem war er Vorsitzender der Parlamentariergruppe Slowakei-Tschechien-Ungarn.

Abgeordneter im Europäischen Parlament Auf der Europawahlversammlung der AfD in Magdeburg am 29. Juli 2023 kandidierte Bystron für Bundeslistenplatz 2 zur Europawahl 2024 und erreichte diesen mit 82,4 % der Delegiertenstimmen. Der Bundestag, so Bystron in seiner Vorstellungsrede, sei „die bessere Bühne“, aber „aus Brüssel kommt das Gift.“ Nach seiner Wahl ins Europaparlament legte er sein Bundestagsmandat am 16. Juli 2024 nieder. Für ihn rückte Manfred Schiller in den Bundestag nach. Er ist in der 10. Legislaturperiode (2024–2029) des Europäischen Parlaments Mitglied im Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten, im Ausschuss für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten und im Ausschuss für Binnenmarkt und Verbraucherschutz. Zudem ist er Delegierter im Gemischten Parlamentarischen Ausschuss EU-Türkei und für die Beziehungen zu Zentralasien sowie stellvertretender Delegierter für die Beziehungen zu den Vereinigten Staaten. Er ist Mitglied der Fraktion Europa der Souveränen Nationen.

Publizistische Tätigkeit Im Jahr 2014 war er Mitherausgeber eines Sammelbands zum 25. Jahrestag des Mauerfalls mit Beiträgen des ehemaligen tschechischen Präsidenten Václav Klaus sowie des ehemaligen polnischen Staatspräsidenten und Friedensnobelpreisträgers Lech Wałęsa.

Bystron schrieb in der Vergangenheit für die neurechte Wochenzeitung Junge Freiheit und für die Zeitschrift eigentümlich frei. Bei der Huffington Post unterhält er einen Blog zu politischen und wirtschaftlichen Themen. Ferner veröffentlichte er Beiträge in der Schweizer Weltwoche und im österreichischen Wirtschaftsmagazin Format.

Bystron trat bei weiteren ausländischen Medien als Gesprächspartner auf; Interviews mit ihm erschienen im Tschechischen Rundfunk, in der tschechischen Tageszeitung Blesk, in den Parlamentní listy, der slowakischen Wirtschaftszeitung Hospodárske noviny sowie im slowakischen Fernsehen. Beim russischen Auslandssender RT trat er als „Deutschlandexperte“ auf.Wie Petr Bystron die AfD in Bayern weiter nach rechts gerückt hat, Süddeutsche Zeitung vom 29. Januar 2016 Bystron gab auch dem pro-russischen Propagandaportal Voice of Europe Interviews.Marianne Allweiss: Pro-russische Propaganda quer durch Europa www.tagesschau.de, 28. März 2024 Laut einem Bericht des tschechischen Nachrichtenportals Deník N soll er dafür Geld erhalten haben. Einem Bericht der tschechischen Presseagentur ČTK zufolge hat Bystron Deník N wegen der Aussage, er habe Geld von einer russischen Einflussorganisation erhalten, verklagt.Niklas Zimmermann: Deutsche Politiker über russische Einflussnahme besorgtZeit online: Bundesinnenministerin wirft AfD-Politikern Putin-Propaganda vor

Politische Positionen mini|Petr Bystron (2016)

Laut Bystron gehört der Islam nicht zu Deutschland. Die Mitgliedschaft Deutschlands in der EU darf ihm zufolge nicht zum Ende des deutschen Nationalstaats führen. Er verteidigte Frauke Petrys Aussage, ein Grenzpolizist müsse den illegalen Grenzübertritt verhindern, notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen. So stehe es im Gesetz. Bystron erklärte, er halte die Wiedergabe der Aussage von Petry durch die Medien für eine typische Verdrehung. „Komplett entstellt“ habe die Zeitung Petrys Aussage, denn niemand könne doch glauben, dass die Mutter von vier Kindern sich für den Schusswaffengebrauch ausspreche.

Bystron vertritt eine rigide Abschiebepolitik. Nach seinen Worten braucht Deutschland „keine Integrationsbeauftragten“, sondern „eher einen Rückführungsbeauftragten“.Matthias Kamann: AfD streitet über Abschiebungen nach Afghanistan www.welt.de, 2. Dezember 2016, abgerufen am 14. Januar 2024 Tschechien warnte er bezüglich der Fluchtbewegung nach Europa davor, „Terroristen“ ins Land zu lassen. An der Regierung würde das „Blut tschechischer Opfer“ haften, sollte sie einer europäischen Verteilung der Flüchtlinge zustimmen.

Zur Razzia gegen die Reichsbürgergruppe „Patriotische Union“ wegen des Verdachts auf Planung eines Staatsstreichs schrieb Bystron Ende 2022 auf Twitter von „50 Rentnern“, die „nicht mal das Rathaus von San Marino einnehmen“ könnten. Die „Bemühungen, eine ‚Gefahr von Rechts‘ herbeizufabulieren“, würden „immer absurder“.Kai Küstner, Martin Schmidt: Die einen schweigen, die anderen raunen www.tagesschau.de, 9. Dezember 2022

Zum russischen Überfall auf die Ukraine zitierte das Onlinemedium EurAsia Daily Bystron mit den Worten, der russische Einmarsch markiere „das Ende des Weltmonopols mit den USA als alleinige Hegemonialmacht“.Ulrich Stoll, Tonja Pölitz, Joachim Bartz: AfD und Linke: Putin-Versteher in Deutschland www.zdf.de, 29. März 2022 Den Beschluss der Bundesregierung, deutsche Leopard 2-Kampfpanzer an die Ukraine zu liefern, kommentierte Bystron: „Deutsche Panzer gegen Russland in der Ukraine. Das haben schon ihre Großväter versucht“ und übernahm damit offen die Narrative der Kreml-Propaganda.Sascha Adamek, Andrea Becker, Silvio Duwe: Sprachrohr der Kreml-Propaganda www.rbb-online.de, 16. Februar 2023 Neben anderen AfD-Vertretern reiste Bystron im Mai/Juni 2026 zum Sankt Petersburger Wirtschaftsforum. In der Zeit sagte er dazu, er wolle sich mit seinem Besuch für die deutschen Unternehmen starkmachen, die wegen der „dummen und völlig uneffektiven Sanktionen“ gegen Russland ihre Marktanteile an China verloren hätten.AfD-Politiker bei Putin-Treffen in Berlin – Kritik in Berlin www.t-online.de, 3. Juni 2026