miniatur|270px|Silberrollen von Ketef Hinnom Die Silberrollen von Ketef Hinnom sind zwei kleine Rollen aus Silberblech, die jeweils mittig über ein Loch verfügen, durch die sie an einem Band getragen werden konnten. Sie wurden 1979 in einem Knochenkasten in der Grabhöhle 24 von Ketef Hinnom nahe Jerusalem von einem Team unter der Leitung von Gabriel Barkay gefunden.
Sie enthalten jeweils einen Segensspruch in althebräischer Schrift, die Segenssprüchen aus dem Tanach ähneln. Sie sind die ältesten erhaltenen Schriftzeugnisse von bibelnahen Texten.
Rollen Die Rolle KH1 ist 27 × 97 mm groß, die Rolle KH2 nur 11 × 39 mm. Beide sind aus 99 % Silber und 1 % Kupfer gefertigt. Die Schrift weist Ähnlichkeiten zur Siloah-Inschrift auf.
Die Texte in den Rollen sind nur teilweise erhalten. KH1 umfasst 77 Buchstaben, wovon 17 nicht eindeutig lesbar sind. KH2 umfasst 49 Buchstaben, wovon 15 nicht eindeutig lesbar sind. Der Segen in der ersten Rolle hat große Ähnlichkeit zu Gottes Segenszusage nach dem Ersten Gebot (, vgl. , , und ), die zweite zum Aaronitischen Segen ().
KH1 Zeile Hebräische Transliteration Deutsche Übersetzung 1 -//יהו-- ..JHW (Gott).. 2----- ----- 3------ ----- [der hält] 4א]אב הבר] das Gebot\Bund 5-חסד לאה Gnade denen, die ihn lieben 6ב/לשמרי- ... und halten 7---בכ- ... ? ... 8-חהעלמש ? ewig ?... od. mache hoch die Ruhe 9בה--המכל- ... ? ... von allen 10-ומהרע- ... und vom Übel ... 11כיבוגאל- ... denn in ihm ist Erlösung ... 12הכי יהוה- ...? denn JHWH 13שימ/נמו ... ? ? ? ... 14כור יבר ... ? es segne 15[כ יהוה [ו dich JHWH [und] 16ישמרכ י behüte dich 17אר יהוה es lasse leuchten JHWH 18[פ]נ[יו אלי] [sein Angesicht auf] ? 19[כ ויחנכ]------ [dich] ?
KH2 miniatur|270px|Silberrolle KH2 Zeile Hebräische Transliteration Deutsche Übersetzung 1--[הברו[כ Es seg[ne] .. 2-א/וניהו- ...? JHW (Gott)... 3-[ר-יה[ו ? ... JH[W]... 4--ר/דעה- ... ? Übel (?) ... 5-שיברכ ? ... 6יהוה ו JHWH und 7י]שמרכ] behüte dich 8יאר \\ יה Es lasse leuchten \\ JH- 9וה] \\ פניו] [WH] \\ sein Angesicht 10אל]יכ וי] auf dich und 11שמ לכ ש gebe dir F- 12[לו[מ ried[en] 13------ ... 14------ ... 15--כמ-- ... ? ... 16------ ... 17-ור-נ- ...?...?... 18------ ...
Der Text hat starke Parallelen zum Aaronitischen Segen in 4. Mose 6,24–26. Die Zeilen 1-3 könnten aber auch heißen: "[D]u bist geseg[net Net]anjahu, Sohn des [Be]rechjah[u]..."
Lutherbibel 1984Masoretischer TextDer HERR segne dich und behüte dich.Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig.Der HERR erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
Geschichte mini|Ketef Hinnom, Jerusalem Die von Barkay untersuchten Grabhöhlen, in denen die Rollen lagen, wurde von der Eisenzeit II(C) bis ins 1. Jahrhundert v. Chr. genutzt. Die meisten der über 1000 Fundstücke wurden ins 7. bis 5. Jahrhundert v. Chr. datiert, was eine Datierung der Silberrollen in die hellenistische oder hasmonäische Zeit unwahrscheinlich macht. Ob die beiden Silberrollen aber in die Zeit kurz vor dem Babylonischen Exil gehören (spätes 7./frühes 6. Jahrhundert) oder in die frühnachexilische Zeit (5. Jahrhundert) zu datieren sind, ist uneindeutig.Martin Leuenberger: Segen und Segenstheologien im alten Israel, Zürich 2008, S. 163–166 f. So bestritten die deutschen Theologen Johannes Renz und Wolfgang Röllig die Datierung in das 7. Jahrhundert v. Chr. und hielten eine spätere Entstehung im 3. Jahrhundert für möglich.Johannes Renz und Wolfgang Röllig: Handbuch der althebräischen Epigraphik. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1995 Demgegenüber bestätigten Untersuchungen der University of Southern California daraufhin, dass die Kunststücke tatsächlich bereits im 7. Jahrhundert v. Chr., einige Jahre vor der Eroberung Jerusalems 586/587 v. Chr. angefertigt wurden.Gabriel Barkay, Andrew G. Vaughn, Marilyn J. Lundberg und Bruce Zuckerman: The Amulets from Ketef Hinnom: A New Edition and Evaluation. Bulletin of the American Schools of Oriental Research 334, 2004: 41–71
Nach dem Fund 1979 dauerte es noch drei Jahre, bis die zerbrechlichen Stücke aufgerollt und die eingravierten Inschriften entziffert werden konnten.
Deutung Die Tatsache, dass die Objekte mit ihrem Loch als Anhänger getragen werden konnten, führte dazu, dass sie von Martin Leuenberger als apotropäische Amulette gedeutet wurden. „Sie sollten offensichtlich kraft der eingeritzten Worte Böses abwenden und Segen bewirken, … wurden also magisch verwendet.“ Dem gegenüber muss der enthaltene Segensspruch, der sprachlich als Jussiv formuliert ist Manfred Josuttis zufolge als ein „Anwünschen“ verstanden werden.Manfred Josuttis: Der Weg in das Leben. Eine Einführung in den Gottesdienst auf verhaltenswissenschaftlicher Grundlage. Chr. Kaiser, München 1991, S. 310.
Die Deutung als Amulette, die sekundär Gräbern beigegeben wurden, lässt nun Leuenberger zufolge darauf schließen, dass der namentlich im Segensspruch genannte Gott JHWH schon zur Zeit der Beisetzung nicht nur als Herr des Lebens, sondern auch des Todes galt.
Literatur Gabriel Barkay: The Riches of Ketef Hinnom. Jerusalem tomb yields Biblical text four centuries older than Dead Sea Scrolls. In: Biblical Archaeology Review, Band 35, Nummer 4, 2009 (). Angelika Berlejung: Ein Programm fürs Leben. Theologisches Wort und anthropologischer Ort der Silberamulette von Ketef Hinnom. In: Zeitschrift für die Alttestamentliche Wissenschaft, Band 120, 2008, , S. 204–230. Christopher Eames: The Ketef Hinnom Scrolls: Earliest Biblical Text Ever Discovered! (). Karl Jaroš: Die ältesten Fragmente eines biblischen Textes : zu den Silberamuletten von Jerusalem, Philipp von Zabern, Mainz 1997, ISBN 978-3-8053-2401-4.
Weblinks Transkription von Karl Jaroš
Anmerkungen
Kategorie:Tora Kategorie:Altorientalische Inschrift Kategorie:Althebräische Schrift Kategorie:Archäologischer Fund (Israel) Kategorie:7. Jahrhundert v. Chr. Kategorie:Hebräische Inschrift Kategorie:Archäologischer Silberfund