mini|Ehemalige Klosterkirche St. Pauli, 1894 Das Dominikanerkloster Magdeburg war eine Niederlassung des Dominikanerordens in Magdeburg. Nach seinem Schutzheiligen, dem Apostel Paulus, hieß die Klosterkirche St. Pauli und das Kloster auch Paulinerkloster. Es bestand vom 13. bis zum 16. Jahrhundert. Die Klosterkirche wurde wieder aufgebaut und bis 1895 genutzt. Heute ist von den Gebäuden, abgesehen vom Domkeller und zweier Eingangsportale, nichts erhalten.

Lage Das Gelände des Klosters befand sich auf der Westseite des Breiten Wegs im Bereich der Stiftsfreiheit südlich der historischen Altstadt. Es zog sich nach Westen bis zur Prälatenstraße. Heute befindet sich dort der nördliche Teil des Justizzentrums Magdeburg sowie die nördlich hiervon, südlich der Leiterstraße gelegenen Bereiche, darunter auch das Areal der Luisenschule. Die noch bis 1895 als Nachfolgebau der alten Klosterkirche bestehende Paulinerkirche, befand sich ohne eigene Hausnummer zwischen den Nummern Breiter Weg 202 und 203. Unmittelbar südlich der Kirche befand sich das Rochsche Haus.

Zum Klostergelände gehörten insbesondere auch der Domkeller (Breiter Weg 202), die Görnesche Kurie (Breiter Weg 205), das Grundstück Prälatenstraße 6Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg, Teil II. Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, Seite 110, der Kotzesche, Börstelsche und Hahnesche Hof (Prälatenstraße 7a bis 8) sowie die spätere Luisenschule (Breiter Weg 200).Ernst Neubauer: Häuserbuch der Stadt Magdeburg, Teil II. Max Niemeyer Verlag, Halle (Saale) 1956, Seite 12

Geschichte Dominikanerkonvent Die Dominikaner kamen bereits um 1224, neun Jahre nach der Gründung des Ordens, nach Magdeburg und waren für etwa ein Jahr zunächst in der Neustadt ansässig. Später entstand an dieser Stelle das Agnetenkloster. Es gibt Vermutungen, dass Propst Wichmann des Klosters Unser Lieben Frauen sie dazu ermutigt hatte. Andere Angaben vermuten Erzbischof Albrecht als Förderer.G. A. v. Mülverstedt, Prediger- (Dominicaner- oder Pauliner-) Kloster auf der Westseite des breiten Weges schrägüber dem Stift St. Nicolai. in Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg, 5. Jahrgang 1870, Seite 533 Am 30. Januar 1225 beurkundete das Domkapitel Magdeburg den Ankauf des auf der Westseite des Breiten Wegs gelegenen Hofes des Friedrichs von Honwarde. Dort entstand unweit der Stiftskirche St. Sebastian und des jenseits der Straße gelegenen Domplatzes das Konventsgebäude und die Klosterkirche.Paula Väth: Die illuminierten lateinischen Handschriften deutscher Provenienz der Staatsbibliothek zu Berlin Preußischer Kulturbesitz 1200–1350. Teil 1: Text. Wiesbaden 2001, S. 90 In einer weiteren Urkunde aus dem Jahr 1225 wies Erzbischof Albrecht den sogenannten Pauliner Mönchen die konkreten Flächen zu. Am 13. Januar 1227 schenkte der Dompropst Wilbrand dem Orden zur Erweiterung des Konventshauses einen ehemals Helwig, Ritter von Rothensee, gehörenden Klosterhof. Kurz darauf wurde die Klosterkirche errichtet, die möglicherweise bereits 1230 vollendet war,Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 99 zumindest jedoch 1248 als schon fertiggestellte Kirche erwähnt wurde. Sie blieb bis 1540 in Nutzung. Diese Kirche hatte eine Länge von 49 Metern, bei einer Breite von 18,2 Metern. Die Höhe der Wandmauern betrug 13,8 Meter. Der Kirchturm stand an der westlichen Querwand. Nach Osten zum Breiten Weg hin befanden sich hohe Chorfenster. Im Bereich der späteren Luisenschule entstand das Refektorium und die Klosterbrauerei.

Das Kloster entfaltete im 13. Jahrhundert geistige Strahlkraft. Neben Erfurt erfolgte hier das studium generale der sächsischen Dominikanerprovinz.Hauptausbildungsstätte war vermutlich Erfurt: Andreas Speer, Lydia Wegener (Hrsg.): Meister Eckhart in Erfurt. Berlin 2005, S. 91f. Unter seinem Einfluss stand u. a. das Beginenkloster, dem Mechthild von Magdeburg über 30 Jahre angehörte. Zu den Mitgliedern des Konvents gehörte in der Anfangszeit auch der Mystiker Wichmann von Arnstein. Dem Kloster war auch der Dominikaner Burchardus de Monte Sion verbunden, der für seine Reiseberichte aus dem Nahen Osten bekannt wurde.

Im Jahr 1284 wurde die Klosterkirche Tatort eines von Erzbischof Erich beauftragten Mordes an seinem politischen Widersacher Ritter Falke von Reder.Landeshauptstadt Magdeburg (Hrsg.), Guido Skirlo: Der Breite Weg. Ein verlorenes Stadtbild. Magdeburg 2005, Seite 390

1312 wurde der Prior der Dominikaner gemeinsam mit dem Domdechanten und dem Minoriten-(Franziskaner-)Guardian zur Überwachung der Verwendung der Güter der Tempelherren bestimmt.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 99 Kurz vor 1428 wurde ein Winter-Remter errichtet.G. A. v. Mülverstedt, Prediger- (Dominicaner- oder Pauliner-) Kloster auf der Westseite des breiten Weges schrägüber dem Stift St. Nicolai. in Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg, 5. Jahrgang 1870, Seite 534

Im 14. und 15. Jahrhundert war das Kloster mitbetroffen vom allgemeinen Rückgang der Spiritualität und Disziplin, dessen Hauptauslöser die große Pestepidemie, das avignonesische Papsttum und das abendländische Schisma waren.Ulrich Horst: . 1993, S. 7 1456 erfolgte daher im Refektorium des Klosters eine Ordensreformation. Mehrere Brüder widersetzten sich einer Klosterreform, sodass sie das Kloster verlassen mussten und durch Nürnberger Dominikaner ersetzt wurden.Heinrich Rathmann: Geschichte der Stadt Magdeburg von ihrer ersten Entstehung an bis auf gegenwärtige Zeiten, 3. Band, Magdeburg 1803, S. 147 1463 ergab sich eine wüst auf der Straße geführte Auseinandersetzung, da der Magistrat der Stadt gefordert hatte, die bisher auf dem Neuen Markt aufzustellende Messebuden nun auf dem Breiten Weg, vor der Paulinerkirche zu errichten.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 100

Dem Kloster gehörte auch der nördlich angrenzende Domkeller.

Im Magdeburger Dominikanerkloster wohnte der Ablassprediger Johann Tetzel († 1519) während seiner Aufenthalte in der Stadt. Der Reformator Gerd Slewert gehörte zumindest um 1522 dem Klosterkonvent an. Als der Rat der Stadt gegen den Fürsterzbischof bereits 1524 in allen Pfarrkirchen die Reformation einführte, leisteten das Dominikanerkloster und andere Stifte und Klöster der Stadt jedoch Widerstand, wurden aber in den folgenden Jahren aufgelöst. Der Dominikanerprior Bonifatius wandte sich besonders engagiert gegen die Reformation. Bei einer seiner Sonntagspredigten in der Paulinerkirche wurde er 1524 von einem Zuhörer der Lüge bezichtigt. Gottesdienste wurden durch Geschrei, Schimpfen und kritische Gesänge gestört. Prediger wurden mit faulen Eiern und Steinen von der Kanzel vertrieben. Bildnis wurden zerschlagen oder entwendet.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 100

Am 18. März 1525 erschienen vier Bürgermeister und einige Ratsmitglieder im Kloster und forderten die Annahme des neuen Glaubens, was die Dominikaner jedoch deutlich ablehnten. Die Schließung des Dominikanerklosters samt Kirche wurde am 25. März 1525 vom Magdeburger Rat bestimmt, so dass nicht gepredigt, gesungen oder Messen gehalten werden sollten. Die Streitigkeiten verschärften sich dann noch, so dass immer weniger Mönche im Kloster lebten. Die Gebäude verfielen. 1537 hielt sich jedoch noch der Subprior Joh. Rodolphi und wohl noch weitere Konventuale in Magdeburg auf. 1541 hielt ein neuer Prior seine erste Messe mit großem Pomp. Auch er war jedoch Beleidigungen ausgesetzt. Nachdem die Franziskaner das Franziskanerkloster Magdeburg 1542 aufgeben mussten, gab es in der Altstadt keine Katholiken mehr. Die Dominikaner wurden aufgrund ihrer Lage im Dombezirk jedoch weiterhin geduldet. Wegen der Übergriffe auf das Paulerkloster und das Verbot des katholischen Kultus verhängte der Kaiser am 1. Juni 1546 in Regensburg einen Strafbefehl gegen die Magdeburger Bürgerschaft. Darin wurde auch ausdrücklich der Diebstahl aller silbernen Bilder, Kelche, Monstranzen, Messgewänder und anderer Kleinodien erwähnt. Die Situation in Magdeburg änderte sich hierdurch jedoch nicht. Im Oktober 1546 wurde das Kloster Berge verwüstet. Der dortige Abt Heinrich Zierow und sein Konvent mussten in das Dominikanerkloster umziehen.Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 101 Bis 1550 war das Kloster wohl weitgehend geräumt.G. A. v. Mülverstedt, Prediger- (Dominicaner- oder Pauliner-) Kloster auf der Westseite des breiten Weges schrägüber dem Stift St. Nicolai. in Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg, 5. Jahrgang 1870, Seite 534 Die letzten drei Dominikaner verließen vermutlich 1561 die Stadt. Zumindest wurden in diesem Jahr der Prior, der Subprior und ein Bruder Hans als Konventualen des Klosters erwähnt. Sie übertrugen zwei Holzflecken bei Pechau an das Kloster Berge mit der Bedingung, dass sie auf Lebenszeit bzw. ihres Aufenthalts im Kloster Brennholz erhalten sollten. Bei einer 1562 durchgeführten Visitation der Klöster, wurde das Dominikanerkloster dann jedoch bereits nicht mehr erwähnt. mini|Ausschnitt der Stadtansicht Magdeburgs von Matthäus Merian, gedruckt 1653, gezeichnet sicher vor der Zerstörung der Stadt 1631; die Dominikanerkirche St. Paulus (Nr. 9) erscheint als bescheidene Bettelordenskirche mit Dachreiter. Nach der Auflösung des Dominikanerklosters fiel die Anlage an das Domkapitel. Kirche und Konventsgebäude wurden profan genutzt. Einige Bücher der Klosterbibliothek gelangten in die Alvenslebensche Bibliothek in Erxleben. Im Jahr 1572,Ralph Meyer, Geschichte der Deutsch-Reformierten Gemeinde zu Magdeburg, Erster Band, Verlag von Julius Neumann, Magdeburg 1914, Seite 101 nach anderen Angaben 1573, wurde das leerstehende Kloster als Gießplatz für die große Glocke Susanne des Magdeburger Doms durch einen Erfurter Glockengießer genutzt. 1593 bat Melchior von Arnstedt das Domkapitel um die Erlaubnis an der Stelle des ehemaligen Remters und Schafstalls des Klosters ein Wohnhaus errichten zu dürfen. Der Rat der Altstadt wandte sich gegen das Vorhaben, da es einem Vertrag vom 26. März 1562 zwischen Stadt und Domkapitel zuwiederliefe, wonach alte Klosterplätze nicht neu zu bebauen wären. Das Domkapitel argumentierte dagegen, dass es sich nicht um einen Neubau, sondern nur um die Wiederherstellung unter Nutzung der noch vorhandenen Kellergewölbe ginge.K. Janicke, Grundriß der Pauliner- (jetzigen deutsch-reformirten) Kirche im Jahre 1698 in Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg, 4. Jahrgang, Seite 260 ff. Letztlich erhielt von Arnstedt die Erlaubnis für 40 Jahre und erbaute er ein Haus, das später zum Gebäude der Domvogtei wurde.

Im Dreißigjährigen Krieg fiel die Kirche und die Reste des Klosters der verheerenden Stadtzerstörung durch die Katholische Liga 1631 zum Opfer. Das Gewölbe der Klosterkirche stürzte ein, der Kreuzgang wurde weitgehend zerstört, angrenzende Häuser schwer beschädigt. 1698 war wohl jedoch der östliche Teil des Kreuzgangs noch erhalten.

Auf dem Klostergelände entstanden dann Bauten des Domkapitels. In den Mauern der Kirche wurden zwei Schuppen errichtet, in denen Pferde untergebracht und Getreide gelagert wurde. Ansonsten blieb die ruinöse Situation bestehen, was das Straßenbild des Breiten Wegs in diesem Bereich über lange Zeit beeinträchtigte.

Paulinerkirche miniatur|Blick durch den Breiten Weg mit der Deutsch-Reformierten-Kirche, vor 1877