Die Liste der Kinos in Berlin-Pankow gibt eine Übersicht aller Kinos, die im Berliner Ortsteil Pankow – wie er mit der Verwaltungsreform 2001 entstand – existiert haben oder noch existieren.
Einleitung Die Landgemeinde Pankow war ein gutbürgerlicher Vorort Berlins und entwickelte sich zum Berliner Naherholungsgebiet. Bedeutsam für die deutsche Kinogeschichte wurde das Gartenhaus des „Feldschlösschens“, in dem die Gebrüder Skladanowsky ihre ersten Filme vorführten. Als festes Spielstätte entwickelte sich daraus das Tivoli. Das erste Ladenkino entstand 1910 in einer Gaststätte in der Florastraße, das bis in die 1960er Jahre bestand. Dem folgten in den 1910er Jahren weitere Kinematographentheater und in den 1920er Jahren das vornehme Palast-Theater, das in den Kriegsjahren völlig zerstört wurde. Ende der 1960er Jahre wurden die noch privat betriebenen Kinosan die Bezirksverwaltung für Lichtspielstätten. Teilweise baufällig geworden, teilweise der (allgemein) sinkenden Besucherzahl (Kinokrise) folgend werden Kinos geschlossen. Ein Kinoneubau der Mitte der 1990er Jahre an der Stelle des historischen Tivoli entstehen sollte, fiel allerdings der eigentumswohnungorientierten Bauplanung im Bezirk zum Opfer. So ist der Ortsteil ohne bestehende Kinos. __NOTOC__
Liste der Kinos Name/Lage Adresse BestandBerliner Telefonbuch 1941, S. 448 (Buchstabe L: Lichtspieltheater) BeschreibungPalast-Theater ()Breite Straße 21a1919–1948140px|rechts|2016: Rathaus-Center am ehemaligen Kinostandort der Pankower Flaniermeile<Die Breite Straße ist der Pankower Ortskern, einst Flaniermeile mit Bürgerhäusern. Das Gebäude der Breiten Straße 21a befand sich 1918 gegenüber der Mündung Mühlenstraße am Westende des Pankower Angers. Im Jahr 1915 war der Eigentümer der Privatier A. Ringel und der Nutzer der Gastwirt B. Beyer, der zu dieser Zeit das Restaurant Bellevue auf diesem Grundstück betrieb. Im Jahr 1919 stand dieses Grundstück unter Zwangsverwaltung des Gewerbe- und Kaufmannsgerichts für die Kriegsbeschädigten-Fürsorge und die Kriegsküche V. Im Gewerbeteil des Adressbuchs 1920 ist die Breite Straße 21a erstmals für Kinematographische Vorstellungen durch P. Kranz notiert und im Straßenteil sind die Kammer-Lichtspiele genannt. (Zitat aus 1936Carl Gießmann, Otto Jacobi (Herausgeber): Große Stadt aus kleinen Steinen. Ein Beitrag zur Geschichte des 19. Berliner Verwaltungsbezirkes (Pankow). Emil Protz Nachf., Berlin-Pankow 1936. Site 76.) 1921 ist der Theaterbesitzer Paul Kranz Eigentümer von Nr. 21a und Nutzer und Bewohner der Theaterbesitzer E. Wedekindt. Im Kino-Adressbuch 1920 ist in der Breiten Straße 21a das Palast-Theater von Paul Kranz mit 755 Plätzen und täglichen Vorstellungen aufgeführt. Ab 1921 war Johann Köhnen (Niederschönhausen, Podbielskistraße) der Besitzer und gab 1919 als Gründungsjahr an. Die Kapazität lag zwischen 650 und 674 Plätzen mit täglichen Vorstellungen, Programme wechselten am Dienstag und Freitag. Die Bühne des Palast-Theaters war 8 m × 4 m groß. Ab 1924 sind E. Wedekindt (SO 16, Milchaelkirchstraße 25) und Bernhard Schott aus Niederschönhausen Mitbesitzer, ab 1929 war E. Wedekindt (SW 61, Hornstraße 12) der Besitzer. Er ließ 1931 das Kino von Stummfilm auf Tonfilm umrüsten. 1932 erwarb die „Palast-Theater Pankow GmbH“ das Kino; deren Geschäfte Fritz Jacubowitsch (Berlin-Charlottenburg, Kaiserdamm 58) bis 1936 führte. Im Kino-Adressbuch von 1937 ist als Jahr der Kinoeröffnung 1918 angegeben. Der Besitzer wechselte 1937 auf Max Handke, Kurt Neumann und Franz Sommer. Im Folgejahr 1938 waren es die „Lichtspielbetriebe Niederschönhausen“ mit dem Geschäftsführer Franz Sommer.Kinodaten zum Palast-Theater Bei einem Luftangriff auf PankowZerstörungen in Pankow 1940–1945 wurde das Gebäude zerstört, wodurch der Kinobetrieb endete. Nach anderen Quellen wurden Vorstellungen im Saal noch notdürftig bis 1948 gegeben. Bis 1950 wurden die Ruinen beräumt, es verblieb eine Freifläche auf den Grundstücken Breite Straße 20, 21, 21a. Darauf bestand bis Anfang der 1980er Jahre ein Parkplatz der einem Einkaufszentrum wich. Auf dessen Grundstück wurde um 2000 das „Rathaus-Center Pankow“ erbaut, wobei Nachbargrundstücke einbezogen wurden.Roland-Lichtspiele ()Wollankstraße 1131915–1922140px|rechts|2010-Jahre-Bau am Platz vom Roland-Kino In der Wollankstraße 113 befand sich als einzige Übernachtungsmöglichkeit in Pankow das „Hotel Roland“.Seite mit Bildern vom Roland-Hotel Außenansicht und dem Parkettfestsaal von Heinrich Glaab Die Gastwirtschaft „Zum Wollank“ wurde seit 1873 betrieben, auf Betreiben der Pankower Familie Wollank mit der Begründung, dass „die Wollanks keine Trinker gewesen seien“, musste dies in „Zum Roland“ geändert werden.Wollankstraße und Gastwirtschaft um 1900: (1936Carl Gießmann, Otto Jacobi (Herausgeber): Große Stadt aus kleinen Steinen. Ein Beitrag zur Geschichte des 19. Berliner Verwaltungsbezirkes (Pankow). Emil Protz Nachf., Berlin-Pankow 1936. Seite 392) Im Saal des Hotels wurde – wie damals verbreitet – für einige Zeit ein Lichtspieltheater eingerichtet. 1918 ist Besitzer der Roland-Lichtspiele mit 250 Plätzen A. Böttger. Das Kino wurde täglich bespielt, ab 1920 ist Heinrich Glaab der Inhaber vom Hotel und somit auch des Kinos.Kinodaten der Roland-Lichtspiele Er ließ im Kino-Adressbuch als Gründungsjahr 1917 eintragen. Nachdem Ende der Kinovorstellungen führte Heinrich Glaab sein Hotel bis zur Zerstörung bei Bombenangriffen im Zweiten Weltkrieg. Das Ruinengrundstück verblieb als Gewerbefläche, bis es 1997 mit einem schmucklos angepassten Wohnhaus neben dem rekonstruierten Bürgerhaus 114 und dem einfachen Lückenbau 112 bebaut worden ist.„Große Stadt aus kleinen Steinen“ – Beitrag zur Geschichte des 19. Berliner Verwaltungsbezirkes (Pankow) Heimatsammlung Manns, Pankow Welt im Licht ()Kreuzstraße 3/41912–1922Paul Rozycki übernahm am 12. Oktober 1902 das „Gesellschaftshaus“ In: Carl Gießmann, Otto Jacobi (Herausgeber): Große Stadt aus kleinen Steinen. Ein Beitrag zur Geschichte des 19. Berliner Verwaltungsbezirkes (Pankow). Emil Protz Nachf., Berlin-Pankow 1936. S. 177. am Eingang zum Bürgerpark in der Kreuzstraße 3/4 (Ecke zur Wilhelm-Kuhr-Straße 85, bis 1915 Spandauer Straße 10). Ab 1912/1913 führt er in dessen Saal kinematographische Vorstellungen unter dem Namen „Welt im Licht“ aus.Geführt wird Paul Rozycki in den Adressbüchern als Gastwirt (1910) unter #5584, 1914 unter #6023, 1916 unter #5594 Mit 500 Plätzen war sein Kino das damals größte in Pankow. Wegen des Erfolgs baute er 1918 den Saal um und vergrößerte ihn auf 575 Plätze, Geschäftsführer war B. Pollitzer. Paul Rozycki verstarb 1920. Die Pankower Konkurrenz, die „Palast-Theatergesellschaft“ (Johann Köhnen, Nieder-Schönhausen, Podbielskistraße 38) kaufte 1921 das Kino und führte es kurze Zeit als „Universum-Theater“ gemeinsam mit dem „Palast-Theater“ weiter. Es wurde um 1922 aus Konkurrenzgründen stillgelegt.Kristina Karin Manns: Rozyckis Gesellschaftshaus und Welt im Licht Im Kino-Adressbuch ist noch 1925 unter Kreuzstraße 3 das „Universal-Theater ‚Die Welt im Licht‘“ eingetragen.Reichs-Kinoadressbuch 1925 Band 4, Verleihbezirk I Ostdeutschland (Berlin). Kinoadressbuch Verlag Mattisson, 2. Jahrgang Juli 1925 Unter Kreuzstraße 3/4 ist aktuell eine Tanzschule tätig.Bild von Rozycki's GesellschaftshausFortunaFlora ()Florastraße 161910–1966Das 1910 erbaute fünfgeschossige Gründerzeit-Mietshaus Florastraße 16 steht nahe der Kreuzung mit der Görschstraße. Das Kinemathopraphentheater wurde 1910 von Otto Noll im neuerbauten Wohnhaus eröffnet. Dieses befand sich wohl im Erdgeschoss mit Zugang von der Straße und hatte 116 Sitzplätze. 1913 wurde der Saal unter Einbeziehung benachbarter Räume vergrößert. Für 1920 ist Rogasinski Besitzer und Karl Schmidt der Geschäftsführer des „Flora-Theaters“. 1921 übernimmt Hermann Mayr und 1924 Carl Werner das Kino mit 150 Plätzen. Bespielt wurde das Kino täglich. Mit der Übernahme 1925 benannte es Manfred Bernstein als „Intime Lichtspiele“, 1927 setzt J. Steiner als Besitzer wieder den Namen „Flora-Lichtspiele“. In den Jahren 1928 bis 1933 hat Martin Baum das 155-Plätze-Kino übernommen und verpachtete es unter der neuen Bezeichnung „Fortuna-Lichtspiele“ an „Dahmann & Weinberg“. 1933 baut Baum mit Klangfilm für die Vorführung von Tonfilmen um. Den täglichen Spielbetrieb führt 1934 R. Blond für drei Jahre auf 143 (danach 146) Plätzen weiter. 1937 übernimmt letztlich Stanislaus Czabanski das kleine Kino und führt es durch die Kriegsjahre unbeschadet und die Nachkriegszeit.Das Fortuna ist im Branchen-Adressbuch Berlin-Ost von 1958 noch als privat (außerhalb des VEB, eventuell in Treuhand), für 1961 unter VEB Berliner Filmtheater aufgeführt. 1960 wird das Kino „Fortuna“ vom VEB Berliner Filmtheater noch bis 1967Im Artikel der Berliner Woche ist 1972 als Jahr der Schließung des Kinos Fortuna genannt. betrieben.Branchen-Fernsprechbuch für die Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik. Erscheinungsjahr 1966, Seite 86 (1966/108) Im Weiteren wurde das Erdgeschoss der Florastraße 16 für kulturelle Zwecke verwendet. 1990 zog das Figurentheater „Homunkulus“,der-pankower-puppenspieler In: Berliner Zeitung vom 15. April 2000 danach übernahm die Räume der Verein MikadoDas unglaubliche Zimmer-16 In: Panklwer Allgemeine Zeitung vom 8. November 2012 als KleinkunstbühneZimmer-16 in Pankower Allgemeine Zeitung vom 8. November 2012 mit Außenansicht und Saal von 2012 „Zimmer 16“ ist eine Spielstätte in einem 50 m² großer Raum mit einer kleinen Bühne und Zuschauerreihen, deren Stuhlreihen nach hinten erhöht sind, mit einer Bar mit Snacks und Getränken und einem Klavier. Geeignet für Theater, Comedy, Musik und Film.Neue Schönholzer Lichtspiele