Isoniazid, auch Isonicotinsäurehydrazid (oder Isonikotinsäurehydrazid), , abgekürzt INH, ist ein bakterizides Antibiotikum, das vor allem in Kombination mit Rifampicin zur Behandlung der Tuberkulose angewendet wird.Mutschler: Arzneimittelwirkungen. 9. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-8047-1952-1, S. 849. Bei HIV-Patienten kann die prophylaktische Behandlung mit Isoniazid die Anzahl der Tuberkulose-Erkrankungen und auch die Gesamttodesfälle reduzieren.Betina Durovni, Valeria Saraceni, Lawrence H. Moulton, Antonio G. Pacheco, Solange C. Cavalcante, Bonnie S. King, Silvia Cohn, Anne Efron, Richard E. Chaisson, Jonathan E. Golub: Effect of improved tuberculosis screening and isoniazid preventive therapy on incidence of tuberculosis and death in patients with HIV in clinics in Rio de Janeiro, Brazil: a stepped wedge, cluster-randomised trial. In: The Lancet Infectious Diseases, 2013; doi:10.1016/S1473-3099(13)70187-7.

Isoniazid wurde 1912 von Meyer und Malley an der Universität Prag synthetisiert. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die antibiotische Wirkung erkannt. In den Laboratorien von Hoffmann-La Roche in Nutley, New Jersey entwickelten H. Herbert Fox und Mitarbeiter Isoniazid und die Variante Iproniazid zur Marktreife. Auch Gerhard Domagk arbeitete an diesen Substanzen für die Bayer AG. Der Hersteller chemisch-pharmazeutischer Präparate Dumex in Berlin-Lichterfelde bot ab 1912 die Dumex-WundheilsalbeMünchener Medizinische Wochenschrift, 2. Januar 1953, Band 95, Nr. 1, S. CXXI. und andere Isoniazid enthaltende Salbenzubereitungen an.

In Mycobacterium tuberculosis, dem Tuberkulose-Bakterium, wird Isoniazid durch das Enzym Katalase/Peroxidase (KatG) zum Isonicotinsäure-Radikal umgewandelt, welches sich an dasjenige NADH-Molekül anlagert, das an die für die Mykolsäuresynthese essenzielle Reduktase InhA gebunden ist, die dadurch dauerhaft gehemmt wird. Resistenzen, die das Bakterium neu entwickelt, betreffen ausschließlich das katg-Gen und damit die Aktivierung von Isoniazid.D. A. Rozwarski, G. A. Grant u. a.: Modification of the NADH of the isoniazid target (InhA) from Mycobacterium tuberculosis. In: Science, Januar 1998, Band 279, Nummer 5347, S. 98–102. PMID 9417034.C. E. Cade, A. C. Dlouhy u. a.: Isoniazid-resistance conferring mutations in Mycobacterium tuberculosis KatG: catalase, peroxidase, and INH-NADH adduct formation activities. In: Protein science – a publication of the Protein Society, März 2010, Band 19, Nummer 3, S. 458–474. doi:10.1002/pro.324. PMID 20054829. .

Bei der Medikation mit INH kann es zu Störungen des Zentralen Nervensystems, Magen-Darm-Störungen oder Allergien kommen. Des Weiteren kann ein intrahepatischer Ikterus als Nebenwirkung auftreten. Pyridoxin (Vitamin B6) kann als Begleitpräparat gegeben werden um die Nebenwirkungen auf das Nervensystem zu verringern. In Verbindung mit Alkohol kann es zu einer temporären Alkoholunverträglichkeit (chemische Alkoholintoleranz) führen.

INH wird meist oral verabreicht und es hat eine sehr gute Bioverfügbarkeit (≈ 90 %). In der Leber wird es zu 75 % acetyliert. Daneben wird es enzymatisch zu Isonicotinsäure hydrolysiert. Isoniazid und seine Metaboliten werden vorwiegend renal ausgeschieden.

Darstellung Die Synthese von Isoniazid erfolgt durch eine Hydrazinolyse des Isonicotinsäureethylesters:Axel Kleemann, Jürgen Engel, Bernd Kutscher, Dieter Reichert: Pharmaceutical Substances. 5. Auflage. Thieme-Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-13-558405-8, S. 732; zusätzlich online mit halbjährlichen Ergänzungen und Aktualisierungen.

rahmenlos|zentriert|hochkant=1.5|Isoniazid-Synthese

Handelsnamen Monopräparate INH (A), Isozid (D), Rimifon (CH)

Kombinationspräparate Iso-Eremfat (D), Isozid-comp. (D), Rifater (D, A, CH), Rifinab (D), Rifinah (CH), Rifoldin (A), Rimactazid (D), Rimstar (CH), Tebesium Duo/Trio (D)

Literatur

Einzelnachweise

Kategorie:Pyridin Kategorie:Hydrazid Kategorie:Antibiotikum Kategorie:Arzneistoff Kategorie:Tuberkulose