Das Detachement Brandenstein (auch als Landungsabteilung Brandenstein bezeichnet) war ein militärischer Verband, der im Rahmen der deutschen Finnland-Intervention des Frühjahres 1918 vom Oberbefehlshaber Ost aufgestellt wurde. Der Verband unterstand dem Befehl von Oberst Otto von Brandenstein.Zum Zeitpunkt der Intervention im Dienstrang Oberst. Die Beförderung in den Generalsrang erfolgte im Oktober 1918.
Finnland-Expedition 1918
mini|Landungsoperation, Flottenverband vor Hangö. mini|Offizierskorps des „Jäger-Bataillons Nr. 27“ in Libau. Finnland erklärte am 6. Dezember 1917 seine Selbständigkeit, inmitten einer Zeit des Krieges und des politischen Aufruhrs in Europa.Eric Solsten a. Sandra W. Meditz: Finland, A Country Study. Federal Research Division Library of Congress, Washington 1990. S. 29.
Die revolutionäre Stimmung in Europa, ausgelöst durch die russische Revolutionsbewegung, griff schließlich auch auf Finnland über, woraufhin am 27. Januar 1918 gewalttätige Unruhen ausbrachen.Henning Söderhjelm: Der rote Aufruhr in Finnland im Jahre 1918. Eine Schilderung auf Grundlage offizieller Urkunden. Verlag Quelle & Mayer, Leipzig 1918, S. 102 f. Am Folgetag gab das Exekutivkomitee der Sozialdemokraten die Bildung einer revolutionären Regierung – des Soumen Kansanvaltuuskunta – unter Kullervo Manner bekannt. Der militärische Arm des Volkskommissariats, die als Rote Garde bezeichnete Truppe, konnte rasch militärische Erfolge vorweisen, auch weil die Rote Garde von revolutionären Kräften Russlands unterstützt wurde. Jedoch setzten sich weiße Schutzkorps und Teile der Bevölkerung Finnlands unter Führung des ehemaligen russischen Generals von Mannerheim zur Wehr, die aber nicht über die erforderlichen militärischen Kräfte verfügten, um entscheidend gegen die Aufständischen vorzugehen, zumal das reguläre finnische Militär 1901 aufgelöst worden war und der Aufbau des neuen Militärs noch weitere Zeit benötigte.Henning Söderhjelm: Der rote Aufruhr in Finnland im Jahre 1918. Eine Schilderung auf Grundlage offizieller Urkunden. Verlag Quelle & Mayer, Leipzig 1918, S. 11 f. Anfang April 1918 umfassten Mannerheims Streitkräfte 11.000 Mann, demgegenüber standen die 50–60.000 Mann der roten West- und Ostarmee. Die seit Ende 1917 vorgenommenen deutschen Waffenlieferungen – als alleinige Hilfsmaßnahme – sollten somit nicht ausreichend sein.Erich Ludendorff: Meine Kriegserinnerungen 1914–1918. Band I., E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1919, S. 503. Daher wurde am 14. Februar seitens des finnischen Vertreters Hjelt in Berlin die Militärhilfe des deutschen Kaiserreiches erbeten. Für die Stellung des Hilfegesuches zeigte sich jedoch Erich Ludendorff verantwortlich.Winfried Baumgart: Die deutsche Ostpolitik 1918: Von Brest-Litowsk bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. R. Oldenbourg Verlag, München 1966, S. 93.Anthony F. Upton: The Finnish Revolution: 1917-1918. Volume 3 of The Nordic series, University of Minnesota Press, Minneapolis 1980, S. 334–341. Am 21. Februar wurde dem finnischen Gesandten im Großen Hauptquartier in Kreuznach die Zusage der Entsendung des deutschen Hilfskorps übermittelt.Der Weltkrieg 1914 bis 1918: Die militärischen Operationen zu Lande, Band XIII. E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1942, S. 371.Winfried Baumgart: Die deutsche Ostpolitik 1918: Von Brest-Litowsk bis zum Ende des Ersten Weltkrieges. R. Oldenbourg Verlag, München 1966, S. 98.
So wurden auch die finnischen Jäger des am 13. Februar 1918Agilolf Keßelring: Des Kaisers "finnische Legion". Die finnische Jägerbewegung im Ersten Weltkrieg im Kontext der deutschen Finnlandpolitik. Berlin 2005, S. 114. formal aufgelösten Königlich-Preußischen Jäger-Bataillons Nr. 2723. Februar 1915 „Ausbildungs-Kommando“ Lockstedter Lager, 26. August 1915 „Ausbildungstruppe Lockstedt“, 30. Mai 1916 endgültige Bezeichnung „Jäger-Bataillon Nr. 27“. unter Befehl von Hauptmann Eduard AusfeldJaakko Sjjomalainen: Jägarbataljonen 27 en Historik i Ord och Bild. Band II, Söderström & Co Verlags AG, Helsingfors 1920, S. 1097 ff. auf Anforderung der finnischen Regierung entsandt. Am 25. Februar 1918 erreichten der Großteil des ungefähr. 2000 Mann starken Bataillons die Stadt Vaasa.Jaakko Sjjomalainen: Jägarbataljonen 27 en Historik i Ord och Bild. Band II, Söderström & Co Verlags AG, Helsingfors 1920, S. 1237–1245.Militärwochenblatt vom 17. Oktober 1941, S. 433. Die ehemaligen Angehörigen des Königlich-Preußischen Jäger-Bataillons Nr. 27 kämpften aufseiten der Weißen Armee und bildeten später den Stamm des finnischen Militärs.Pentti Virrankoski: Suomen historia 2. SKS, Helsinki 2001, S. 732–735.
Am 22. Februar 1918 hatte sich aus dem Stab der 12. Landwehr-Division der Stab der Ostsee-Division gebildet.LBW Bestand: (456 F 19), 12. Landwehr-Division (später Ostsee-Division und Deutscher General in Finnland), Laufzeit 1914–1919.Die Schlachten und Gefechte des Großen Krieges 1914–1918, zusammengestellt vom Großen Generalstab, Verlag von Hermann Zack, Berlin 1919, S. 551. Es folgte die Aufstellung der Ostsee-Division in Danzig und der Landungsabteilung Brandenstein in Reval, hierzu wurden ausschließlich Verbände der Ostfront verwendet.„Ostsee-Division“ ca. 12.000 Mann stark, „Detachement Brandenstein“ ca. 3.000 Mann stark. Anfang März waren die ersten Einheiten einsatzbereit.
Das Jäger-Bataillon Nr. 14 besetzte als Teil der Ostsee-Division am 5. März die Alandinseln, um hier folgend einen Etappenstützpunkt zu errichten. Schweden hatte zwar kurze Zeit vorher ebenfalls Besatzungstruppen auf die Alandinseln entsandt, jedoch konnten auf dem Verhandlungswege Konfliktsituationen vermieden werden. Die Besetzung der Inseln wurde allerdings seitens der Ostsee-Division bald aufgegeben, da keine strategische Notwendigkeit mehr vorlag. Das Jäger-Bataillon Nr. 14 wurde dann im Anschluss auf dem Seeweg nach Ekenäs transportiert.
Der Großteil der Division konnte schließlich am 3. April im eisfreien Hafen von Hangö anlanden. Die Küstenbatterie auf Russarö und ihre russische Besatzung hatten sich zuvor für neutral erklärt, allerdings erst nach dem kurzzeitigen Beschuss durch das Linienschiff Westfalen. Die 23,4-cm-Geschütze der Küstenbatterie und die Signalstation der Insel wurden nachfolgend von deutschen Truppen besetzt. Dieser Umstand ermöglichte die gefahrlose Anlandung der 19 deutschen Truppentransporter.
Einsatzgeschichte mini|Finnland-Expedition 1918. mini|hochkant|Vormarsch der Landungsabteilung Brandenstein Nach dem Einschiffen des ungefähr 3000 Mann starken Detachements Brandenstein in Reval folgte die Überfahrt und die Anlandung am 7. April 1918 bei Loviisa.Rüdiger v. d. Goltz: Meine Sendung in Finnland und dem Baltikum. Verlag von K. F. Köhler, Leipzig 1920, S. 65.Pentti Virrankoski: Suomen historia 2. SKS, Helsinki 2001, S. 738 f. Die durch widrige Wetterumstände und schwierige Eisverhältnisse erheblich erschwert wurde.
Das Detachement Brandenstein operierte anfangs selbständig, dann im Zusammenwirken mit der Ostsee-Division unter dem Befehl von Generalmajor Graf von der Goltz. Die Hauptaufgabe des Detachements bestand in der Unterbrechung der Verkehrswege von und nach St. Petersburg, da auf diesem Wege die militärischen Verbände der „Roten Garde“ mit Waffen versorgt wurden. Auch die Unterbrechung der Telefonverbindungen war Teil des Auftrages.Agilolf Keßelring: Des Kaisers "finnische Legion". Die finnische Jägerbewegung im Ersten Weltkrieg im Kontext der deutschen Finnlandpolitik. Berlin 2005, S. 116.
Ohne direkte Verbindung zur Ostsee-Division gelang es dem Detachement bis zu 60 Kilometer ins Landesinnere vorzudringen, wobei die rechte Flanke – vom Kymi-Abschnitt her – einer ständigen Bedrohung ausgesetzt war. Beim Vormarsch über Lapinjärvi und Artjärvi kam es vereinzelt zu Gefechten. Am 13. April konnte schließlich die Bahnstrecke Wiborg–Lahti unterbrochen werden. Auch der Bahnhof Uusikylä östlich Lahti wurde eingenommen. Uusikylä musste jedoch nach zweitägigen schweren Gefechten am 15. April wieder aufgeben werden.
Die dringend notwendige Kontaktaufnahme per Funk mit der Ostsee-Division gelang erst am 17. April.Die leichten Funkstationen hatten je nach verwendeten Geräten (Empfänger) eine Reichweite von 40 bis 80 km (Vgl. Gesichtspunkte für die Aufklärungsarbeit. (Hrsg.) Generalinspektion der Kavallerie, Berlin 1914, S. 49.)
Am 18. April konnte das Detachement Lahti besetzen. Der Ort musste jedoch in den folgenden zwei Wochen gegen fortdauernde Angriffe der Roten Garde verteidigt werden. In der Nähe von Heinola – nördlich Lahti – gelang es Oberst von Brandenstein am 20. April Verbindung mit dem finnischen Freiwilligen-Bataillon Kalm aufzunehmen, womit auch die direkte Verbindung zum Mannerheim-Hauptquartier in Mikkeli hergestellt war.Rüdiger v. d. Goltz: Meine Sendung in Finnland und dem Baltikum. Verlag von K. F. Köhler, Leipzig 1920, S. 66.
Anschließend wurde dem Detachement Verstärkung zugeführt, darunter die Aufklärungsabteilung Hamilton mit ihrem Auto-KanonenzugHans Butz: Das K. B. Gebirgs-Artillerie-Abteilung Nr. 2. Selbstverlag des bayerischen Kriegsarchivs, München 1921, S. 74. und das finnische Freiwilligen-Bataillon Thesleff.Rüdiger v. d. Goltz: Meine Sendung in Finnland und dem Baltikum. Verlag von K. F. Köhler, Leipzig 1920, S. 69.
Die andauernden Angriffe der Roten Garde, westlich von Lahti, konnten nur mit energischer Abwehr abgewiesen werden. Oberst von Brandenstein ging trotz dieses Umstandes am 29. April in zwei Kolonnen – mit Teilen nördlich um den Päijärvi-See – zum Angriff über. Das Ziel des Vorgehens war die rechte Flanke der bei Lahti angreifenden Roten Garde. Während die Verbände der Ostsee-Division durch gleichzeitiges offensives Vorgehen von Nordosten, Osten und Süden den Feind in den Kessel drücken sollten. Das gemeinsame Handeln unter Führung von Generalmajor Graf von der Goltz führte schließlich zum Erfolg. In der Zeit vom 30. April bis 2. Mai gelang es der Ostsee-Division und dem Detachement Brandenstein die Westarmee der Roten Garde einzukesseln und diese zur Aufgabe zu zwingen.Der Weltkrieg 1914 bis 1918: Die militärischen Operationen zu Lande, Band XIII. E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1942, S. 371 ff.
Der deutsche Truppenverband erlitt während der knapp vierwöchigen Kampfhandlungen zahlreiche Verluste.Pentti Virrankoski: Suomen historia 2. SKS, Helsinki 2001, S. 740.
Am 28. April errang Mannerheim bei Wiborg einen entscheidenden Sieg, mit dem der militärische Konflikt in Finnland endete.Rüdiger v. d. Goltz: Meine Sendung in Finnland und dem Baltikum. Verlag von K. F. Köhler, Leipzig 1920, S. 71. Im Nachgang der militärischen Auseinandersetzung kam es zu zahlreichen Racheaktionen gegenüber dem Besiegten und vermeintlich bolschewistischen Sympathisanten.
Verbleib Das Detachement Brandenstein verblieb bis Ende Mai als Besatzungstruppe in Finnland und wurde im Anschluss wieder nach Reval abtransportiert.Rüdiger v. d. Goltz: Meine Sendung in Finnland und dem Baltikum. Verlag von K. F. Köhler, Leipzig 1920, S. 77. Oberst Otto Freiherr von Brandenstein wurde am 18. Oktober 1918 zum Generalmajor befördert. Ende Februar 1919 schied er aus dem aktiven Dienst.
Die verbliebenen Verbände der Ostsee-Division versahen weiter ihren Dienst als Besatzungstruppe und blieben vorerst auf Bitte der finnischen Regierung im Land. Später beteiligten sich die deutschen Truppen auch an der Aufstellung und Ausbildung der finnischen Militärverbände. Ende August wurden die drei Jäger-Bataillone der Division wieder nach Deutschland verlegt.Erich Ludendorff: Meine Kriegserinnerungen 1914–1918. Band I., E. S. Mittler & Sohn, Berlin 1919, S. 505.
Am 13. September 1918 erhielt der Stab der Ostsee-Division die Bezeichnung Deutscher General in FinnlandDie Schlachten und Gefechte des Großen Krieges 1914–1918, zusammengestellt vom Großen Generalstab, Verlag von Hermann Zack, Berlin 1919, S. 537. und unterstand direkt der Obersten Heeresleitung.