mini|Allen Say (2016 beim Kinder- und Jugendprogramm des 16. Internationalen Literaturfestivals Berlin)
Allen Say (* 28. August 1937 als James Allen Koichi Moriwaki Seii in Yokohama, Japan) ist ein japanischer, in den USA lebender Fotograf, Schriftsteller und Illustrator.
Seit 1968 ist er als Schriftsteller und Illustrator tätig und veröffentlichte bis heute 31 Bilderbücher, Kinderbücher, Comics sowie einen Jugendroman, von denen mit Dr. Smith’s Safari (1972), Once under the Cherry Blossom Tree: An Old Japanese Tale (1974), The Ink-Keepers Apprentice (1979), Allison (1997), Kamishibai Man (2005) fünf auch in deutscher Übersetzung erschienen sind. Say debütierte mit der Illustration des Gedichtbandes A Canticle to the Waterbirds (1968). Sein neuestes Werk ist The Inker’s Shadow (2015).
Zu seinen wichtigsten Büchern gehören Grandfather’s Journey (1993), The Boy of the Three Year Nap (1993), The Bicycle Man (1989) und Tree of Cranes (1991). Für seine Illustrationen wurde er unter anderem mit dem New York Times Best Illustrated Books Award (1980)Best Illustrated Award, dem Horn Book Award (1988)Horn Book Award und der Caldecott Medal (1994)Caldecott Medal. ausgezeichnet. Die US-amerikanische Presse bezeichnete Says Aquarellzeichnungen als »vivid« (New York Times)New York Times, »beautiful« (LA Times)USA Today und »haunting« (USA Today)USA Today.
Say lebt in Portland, Oregon.
Leben Allen Say wurde 1937 in Yokohama geboren. Sein Vater war Koreaner, der als Waisenjunge bei einer britischen Familie in Shanghai aufwuchs. Seine in Oakland, Kalifornien, geborene Mutter war japanisch-amerikanischer Herkunft, wurde aber nach der High School von ihren Eltern zurück nach Japan gebracht, um dort zu einer anständigen japanischen Dame heranzuwachsen.
Seine Eltern ließen sich scheiden, als Say neun Jahre alt war. Say hatte keinen besonders guten Kontakt zu seinem Vater, da dieser von seinen mäßigen schulischen Leistungen enttäuscht war und seine künstlerischen Ambitionen verurteilte. Seine Schwester blieb bei der Mutter, während Allen zu seiner Großmutter geschickt wurde, um dort eine gute Schule besuchen zu können. Doch das Verhältnis zwischen den beiden war nicht besser, als das zwischen Say und seinem Vater. Deshalb wurde eine Übereinkunft getroffen, die es Say mit gerade einmal zwölf Jahren erlaubte, näher an seiner Schule und von nun an alleine zu leben.
Während dieser Zeit wurde Say Lehrling des von ihm bewunderten Comic-Zeichners Noro Shinpei. Doch als Say 16 Jahre alt wurde und seine Künstlerkarriere gerade beginnen sollte, zog sein Vater mit seiner neuen Familie in die USA und lud Say ein, sich ihm anzuschließen. Zu Says Erschrecken hatte sein Vater ihn an der Harding Militärakademie in Glendora, Kalifornien, angemeldet. Doch als Say beim Rauchen auf seinem Zimmer erwischt wurde, verwiesen sie ihn von der Schule. Nicht wissend, wie es nun weitergehen sollte, besuchte Say zunächst die Citrus Union High School in Azusa. Dort wurde er von seinem Schulleiter ermutigt, sich seine künstlerische Gabe zu Nutze zu machen. Am Wochenende besuchte Say Kunstkurse am Chouinard Art Institute oder belegte Seminare am Art Center College of Design in Los Angeles.
Nach seinem Abschluss kehrte er nach Japan zurück und schwor sich, nie wieder einen Fuß in die USA zu setzen. Trotzdem zog es ihn ein Jahr später wieder nach Amerika, wo er als eine Lehre als Plakatmaler begann. Doch nach Einfällen anderer zu zeichnen, interessierte ihn eigentlich nicht, weshalb Say kündigte. Anschließend heiratete er Deirdre Myles. Aus dieser Ehe ging seine Tochter Yuriko hervor. Say zog nach Berkeley, um an der dortigen Universität ein Architekturstudium zu beginnen.
Wegen eines technischen Fehlers wurde Says studentisch bedingte Aussetzung des Militärdienstes widerrufen und er wurde von der Armee eingezogen. Die nächsten beiden Jahre verbrachte er deshalb in Deutschland. Dort wurde ein befehlshabender Offizier auf seine Werke aufmerksam und eine von Says Fotografien wurde in der Zeitung Stars and Stripes veröffentlicht.
Nach seiner Rückkehr in die USA arbeitete Say als Auftragsfotograf und gewann dadurch viele Kontakte zu Kunstdirektoren und Designern, die Say ermutigten, sich als Illustrator selbstständig zu machen. Sein erstes Buch Smith’s Safari wurde 1972 veröffentlicht. Während der nächsten zehn Jahre betätigte Say sich nicht nur als Illustrator, sondern auch als Schriftsteller und Fotograf. 1979 brachte er seinen bisher einzigen Roman The Ink-Keepers Apprentice heraus. Das Buch thematisiert Says Zeit mit Noro Shinpei, während der er sich dazu entschied, Künstler zu werden.
1988 gewann er mit seinen Illustrationen für Dianne Snyders The Boy of the Three-Year Nap den Caldecott Honor Award und den Boston Globe Horn Book Award. Daraufhin gab Say das Fotografieren auf und widmete sich fortan nur dem Schreiben und Illustrieren von Kinderbüchern.
Das Japanese American National Museum richtete im Jahr 2000 eine Retrospektive über Allen Says Arbeiten aus. Unter dem Titel Allen Say’s Journey: The Art and Words of a Children‘s Book Author wurden 55 Originalillustrationen sowie Skizzenbücher und Gegenstände aus Says Leben ausgestellt.. Abgerufen am 2. April 2024. Allen Says Geschichten sind inspiriert von persönlichen Erfahrungen und Erlebnissen, aber auch von japanischen Volksmärchen und kulturellen Besonderheiten des Landes.
2016 war er Jurymitglied der Auszeichnung Das außergewöhnliche Buch des Kinder- und Jugendprogramms des Internationalen Literaturfestivals Berlin.
Werk 1960er
A Canticle to the Waterbirds (1968) A Canticle to the Waterbirds ist ein Gedichtband von William Everson, der beim Eizo Verlag in Berkeley, Kalifornien, erschien und mit Fotografien von Allen Say illustriert wurde.
1970er
Two Ways of Seeing (1971) Two ways of Seeing wurde ebenfalls mit Fotografien von Allen Say ausgestattet. Der Band mit Gedichten von Wilson G. Pinney erschien bei Little, Brown and Company in Boston, Massachusetts.
Dr. Smith’s Safari (1972) / Doktor Schmidts Safari (1974) Doktor Schmidts Safari war Says erstes eigenes Bilderbuch, das 1972 beim amerikanischen Verlag Harper & Row erschien und zwei Jahre später in deutscher Übersetzung beim Insel Verlag publiziert wurde. Die Übersetzung besorgte Jörg Drews. Die Geschichte von Doktor Schmidt illustrierte Say mit Tuschezeichnungen. Eines Morgens entschließt Schmidt sich dazu, jagen zu gehen, doch alles kommt anders, als er gedacht hatte. Als er die Tiere endlich findet, laden sie ihn in das Gasthaus „Zur Forelle“ ein und plaudern mit ihm. Dabei erzählen sie Doktor Schmidt, dass sie nachts von merkwürdigem Lärm erschreckt werden. Der Doktor möchte ihnen helfen und so lauern sie den merkwürdigen Wesen auf. Als die Tiere sie näher kommen hören, gibt Schmidt einen Schuss ab. Doch als er sieht, wer die merkwürdigen Geräusche gemacht hat, schämt er sich, geschossen zu haben. Es waren nur kleine Leute, die des Nachts mit Kokosnüssen spielen. Vor lauter Gram wirft Schmidt sein Gewehr ins Wasser und sie feiern alle zusammen ein Fest.
The Nose: a Tale Based on "Hana" by R. Akutagawa (1973) Allen Says illustrierte Nacherzählung dieser japanischen Volksmärchen erschien beim Oyez Verlag. Die Geschichte handelt von einem Mann, dessen Nase so groß ist, dass sie bis an sein Kinn reicht, doch als ein Heiler sie verkleinert, lachen die Leute wegen seiner Eitelkeit noch mehr über ihn. Deshalb ist er froh, als seine Nase eines Morgens wieder ihre alte Größe hat.
Once under the Cherry Blossom Tree: An Old Japanese Tale (1974) / Unter dem Kirschblütenbaum (2016)
Unter dem Kirschblütenbaum wurde 1974 beim US-amerikanischen Verlag Houghton Mifflin in amerikanischer Sprache veröffentlicht und umfasst 32 Seiten. Die deutsche Übersetzung erschien am 17. März 2016 bei der Edition BrackloUnter dem Kirschblütenbaum und umfasst 32 Seiten. Gabriela Bracklo besorgte die Übersetzung.
Say erzählt in diesem Buch ein Makura. Diese Art der japanischen Kurzgeschichte, die übersetzt „Kopfkissen“ heißt, wurde vorgetragen, um die Zuschauer in Stimmung für die eigentliche lustige Geschichte (Rakugo) zu bringen. „Unter dem Kirschblütenbaum“ ist eins der beliebtesten und ältesten Makura und damit ein charakteristisches Beispiel für die Tradition des Japanischen Humors. Says Tuschezeichnungen komplettieren dabei die surreale Geschichte des übellaunigen Grundherren, dem ein Kirschbaum auf seinem Kopf wächst.
The Feast of Lanterns (1976) The Feast of Lanterns erschien bei dem amerikanischen Verlag HarperCollins. Die Geschichte handelt von zwei Brüdern, die in einem Fischerdorf auf einer kleinen japanischen Insel leben und das Boot ihres Onkels stehlen, um zum ersten Mal in ihrem Leben das Festland zu sehen.
Morning Glories (1976) Morning Glories ist ein Gedichtband von Shiga Naoya, den Say illustrierte und gemeinsam mit David Metzler übersetzte. Der Band erschien bei Oyez Press in Berkeley, Kalifornien.
Magic Night and the River (1978) Magic Night and the River ist eine Geschichte von Eve Bunting, die Allen Say illustrierte. Sie erschien bei Harper & Row und handelt von einem japanischen Jungen und seinem Großvater, denen Kormorane beim Fischen helfen, da sie die Vögel zuvor gut behandelt haben.
The Ink-Keepers Apprentice (1979) / Die Schüler des Comic-Meisters (1999) The Ink-Keepers Apprentice ist der erste und einzige Roman Says. Da das Buch hauptsächlich auf autobiographischen Tatsachen beruht, entschied sich Say in der zweiten Auflage, die 1994 erschien, dem Erzähler seinen eigenen Namen zu geben.
Der dreizehnjährige ist begeistert, als der berühmte Comic-Zeichner Noro Shinpei ihn als seinen Schüler und Assistenten aufnimmt. Sein Leben nimmt von dort an eine positive Wendung. Es gibt hitzige Diskussionen, aufregende Feste und vor allem die Ehre, die Hintergründe der Comicbilder des Meisters zu gestalten. Es folgen Aktzeichenkurse, bei denen der neue Schüler Probleme hat, sich an die Nacktmodelle zu gewöhnen, horizonterweiternde Ausflüge, Van Gogh-Ausstellungen sowie eine Demonstration, die in Ausschreitungen endet. Sei genießt es, alleine in seinem kleinen schäbigen Zimmer zu wohnen. Die Handlung findet in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg statt. Bohnen-Kuchen, Kimonos und die Samurai-Tradition koexistieren mit Van Gogh-Ausstellungen, Degas-Nachdrucken und Hesse-Romanen.
„A sparkling, touching portrait of a young person coming into his own.“ (Kirkus Review, 1. März 1979).Kirkus Review
1980er
The Lucky Yak (1980) The Lucky Yak ist eine Geschichte von Annetta Lawson, die Say illustrierte und dafür den New York Times Best Illustrated Award erhielt.
Das Buch wurde bei Houghton Mifflin veröffentlicht. Es handelt von einem Yak namens Edward, der alles hat, was man sich nur wünschen kann und trotzdem nicht glücklich ist, weshalb er beschließt, einen Psychiater aufzusuchen. Dr. Huffin N. Puffin, der Papageientaucher, hat eine Idee, wie er Edward helfen kann. Er überredet ihn, auf seine Tochter Muffin Puffin aufzupassen. Es dauert nicht lange, bis sie das ganze Haus auf den Kopf gestellt hat. Essig fließt über den Boden, den sie zuvor mit Butter eingerieben hat. Mit ihrem Dreirad hat Muffin eine Delle in den Kühlschrank gefahren und trommelt nun auf den Töpfen herum. Völlig entgeistert ruft Edward Dr. Puffin an, damit dieser seine Tochter wieder abholt. Von nun an weiß Edward sein ruhiges Leben zu schätzen und ist sehr zufrieden mit dem, was er hat.
The Secret Cross of Lorraine (1981) The Secret Cross of Lorraine ist ein Jugendkrimi von Thea Brown, den Allen Say illustrierte. Er erschien bei Parnassus Press und erzählt die Geschichte von Twyla, die ihre Freunde in Frankreich besucht. Sie machen eine erschreckende Entdeckung und versuchen den Besitzer des Kreuzes von Lothringen auszumachen, was sich schwieriger herausstellt, als sie zunächst annehmen.
The Bicycle Man (1982)