mini|hochkant=1.3|Villa Berg, um 1900
Die Villa Berg ist ein palaisartiges Landhaus in Stuttgart, das 1845–1853 von Christian Friedrich von Leins im Stil der italienischen Hochrenaissance erbaut wurde. Sie liegt in einem Landschaftspark, dem Park Villa Berg. Die Villa diente dem württembergischen Kronprinzen- und späteren Königspaar Karl und Olga als Sommerresidenz. Nach starken Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg ging sie in den Besitz des Süddeutschen Rundfunks (SDR) über, der sie vereinfacht wiederaufbaute, einen großen Sendesaal einbaute und für Konzerte nutzte. Seit 2005 steht die Villa leer und ist dem Verfall preisgegeben. Als der aus dem Süddeutschen Rundfunk hervorgegangene SWR einen Erweiterungsbau an der Neckarstraße in Angriff nahm, verkaufte er 2007 die Villa Berg (neben dem historischen Bauwerk auch weitere alte SDR-Gebäude im Park) an die Häussler-Gruppe. Nach der Insolvenz dieser Gruppe im Jahr 2010 wurde die Villa Berg an die Düsseldorfer Immobiliengruppe PDI Property Development Investors GmbH verkauft.Lange 2012. Im Juni 2015 dann kaufte die Stadt Stuttgart die Villa Berg und die dazugehörigen Fernsehstudios für 300.000 Euro.Stadt kauft die Villa Berg bei: StZ (online) vom 23. Juni 2015 Dafür investierte die Stadt 300.000 Euro. Die Villa Berg befindet sich in einem verwahrlosten und heruntergekommenen Zustand.Siehe hierzu: Schäfer 2013, mit Fotostrecke, die den desolaten Zustand der Villa dokumentiert.
Geschichte mini|hochkant=1.2|Ansicht von Südwesten, 2005. mini|hochkant=1.2|Ballsaal der Villa Berg, Aquarell von Franz Heinrich (1855). Die heute teils zerstörten Innenräume der Villa galten als kulturhistorisch besonders wertvoll.
Die Villa Berg ist ein schlossähnliches Anwesen im Neorenaissance-Stil, das von 1846 bis 1853 erbaut wurde und seitdem ein wechselvolles Schicksal erlitt.
Christian Friedrich von Leins (1814–1892) gehört nach Gottfried Semper (1803–1879) zu den ersten Architekten in Deutschland, die sich von Bauwerken der italienischen Renaissance zu eigenen Entwürfen inspirieren ließen. Im Auftrage des damaligen Kronprinzen Karl, ab 1864 König von Württemberg, errichtete Leins ein Sommerdomizil, das zwar italienischen Landhäusern nachempfunden werden sollte, aber dann zu einem ganz eigenständigen Werk wurde, wenn auch mit vielen Anklängen an die Renaissance.
Die Villa Berg liegt auf einem ehemaligen Weinberg, der im 19. Jahrhundert eine herrliche Rundumsicht auf die nähere und weitere Umgebung bot. Leins erhielt den Auftrag, diese Aussicht unbedingt zu erhalten, und überbaute daher die Spitze des Hügels mit einem Kellergeschoss, über dem er die beiden Wohngeschosse hochzog. Der fast würfelförmige Baukörper wurde an den Ecken durch Attiken überhöht, so dass der Eindruck von Ecktürmen entstand. Die Fassaden des Gebäudes sind reich gegliedert durch Gesimse und Architrave, Pfeiler und Säulen, Loggien und Portiken. Jede Fassade hat ihren eigenen, unverwechselbaren Charakter, so dass keine als bevorzugte Schauseite angesehen werden kann. Die zahlreichen Portale und Fenster, vor allem im Erdgeschoss, sind mannigfach mit figuralen und ornamentalen Reliefs verziert und werden von jonischen und korinthischen Säulen, Pfeilern und Pilastern flankiert.
Ursprünglich war die Villa Berg von Gartenparterres im französischen Stil umgeben, die in der weiteren Entfernung von der Villa in einen englischen Park übergingen. Auf Schritt und Tritt traf man in Garten und Park auf kunstvolle Skulpturen, auf Rastplätze und Aussichtsplattformen.
20. Jahrhundert 1913 erwarb die Stadt Stuttgart die Villa von den Erben und ließ sie 1925 renovieren.
Im Zweiten Weltkrieg wurde sie teilweise stark zerstört und von der Stadt dem damaligen Südfunk übereignet, der das Gebäude vereinfacht wieder aufbaute. Das Innere wird seither vom großen Sendesaal dominiert,Fotos hierzu im Artikel Villa Berg in Stuttgart; Fotostrecke in der StZ (online) vom 29. Januar 2014. Der Text unter dem Bild erläutert: (…) Der SDR berichtete oft live aus dem [Sende-]saal und veranstaltete dort große Konzerte. Der Saal steht ebenso wie die Villa selbst unter Denkmalschutz. der in den 1950er bis 1970er Jahren an vielen Samstagnachmittagen Schauplatz „bunter“ Unterhaltungsveranstaltungen mit Publikum war, die meist live im Programm Südfunk 1 ausgestrahlt wurden. Er beherbergt auch eine mittlerweile unter Denkmalschutz stehende viermanualige Walcker-Orgel. Im Park errichtete der Sender in gewissem Abstand zur Villa Berg weitere Gebäude, zunächst für den Hörfunk. 1965 kam dann ein weiterer Komplex für das Fernsehen (mit großen Studios) hinzu. In dem 1976 an der Neckarstraße fertiggestellten neuen großen Funkhaus gab es zunächst keine Fernsehstudios.
21. Jahrhundert Veränderungen bei den Hörgewohnheiten des Publikums, ein Erweiterungsbau an der Neckarstraßesiehe Stuttgarter Funkhaus#Neubau und die Fusion von SDR und SWF (zum SWR) machten den Sendesaal und die Nebengebäude im Park für den neuen Sender überflüssig. 2007 veräußerte der neue Südwestrundfunk die Villa und die Rundfunk-Gebäude an den Stuttgarter Investor Rudolf Häussler, der aber bald darauf Konkurs anmelden musste.Denkmalschutz in Stuttgart: Das große Pokerspiel um die Villa Berg bei: StZ (online) vom 23. Januar 2014 Lange Jahre war das weitere Schicksal der verwahrlosten Villa ungewiss. Der Park blieb im Besitz der Stadt, wurde aber großenteils seines Charakters beraubt und ist heute nur noch ein englischer Park mit allerdings schönem, altem Baumbestand.
Zum 1. Januar 2016 wurde die Villa Berg von der Stadt Stuttgart übernommen. Interessierte Bürger brachten ihre Ideen und Vorstellungen zur Weiterentwicklung ein.Stadt drückt bei der Bürgerbeteiligung aufs Tempo, Stuttgarter Zeitung, 1. März 2016 Nach eingehenden Untersuchen der Bausubstanz hat diese Beteiligung im Sommer 2016 in Arbeitsgruppen begonnen. Der Gemeinderat beschloss Ende 2017 die Leitlinien der künftigen Nutzung. Gemäß 2019 vorgestellten Plänen sollte sie für 62,5 Millionen Euro in ein Haus für Musik und mehr verwandelt werden. Jedoch wurden diese Pläne in den darauffolgenden Jahren nicht weiter verfolgt.
2025 wurde ein weiterer Vorentwurf vorgestellt. Dieser umfasst die Ergänzung von zwei Flügeln in Richtung Norden, welche Backstagebereiche und Gastronomie enthalten sollen. Zusätzlich sollen Projekträume auf dem Dach sowie Dachterrassen umgesetzt werden. Im Inneren sollen ein Sendesaal mit einer Kapazität von 800 Stehplätzen oder 560 Sitzplätzen, ein kleiner Saal mit mindestens 199 Stehplätzen oder 144 Sitzplätze und eine Bar für 60 Personen entstehen. Insgesamt sollen die Kosten sich auf rund 110 Millionen Euro belaufen.
Die finanzielle Lage der Stadt lässt jedoch momentan (Stand 2026) keine derart großen Investitionen in Bauprojekte zu, sodass die Villa sich noch immer in einem unsanierten Stadium befindet.
Gebäude Alle Maßangaben sind ungefähre Werte, die in den Bauplänen oder vor Ort gemessen wurden.
Name Die Villa Berg wurde ursprünglich Villa des Kronprinzen oder kronprinzliche Villa genannt, auf Grund ihrer Lage im Stuttgarter Stadtteil Berg auch Villa in Berg, Villa zu Berg oder Villa bei Berg, woraus im Laufe der Zeit die verkürzte und heute gebräuchliche Bezeichnung Villa Berg entstand.Beispiele siehe: Leins 1889, S. 86; Förster 1864, S. 47.
Die Villa Berg ist – im Gegensatz zu einem Residenzschloss – ein Lustschloss, d. h. „ein kleines Schloss, das dem privaten Vergnügen seines Besitzers diente und abseits von Hofzeremoniell und Staatspflichten bewohnt wurde“.Zitat aus dem Wikipedia-Artikel Lustschloss. Schon König Wilhelm, dem Vater des Erbauers der Villa Berg, widerstrebte es, seine ländlichen Residenzen als Schloss zu bezeichnen, um nicht in den Geruch der Verschwendung zu kommen. So wurde Schloss Rosenstein (Baujahr 1822–1830) ursprünglich Landhaus Rosenstein genannt und erhielt erst im 20. Jahrhundert seinen jetzigen Namen. Auch bei seinem Lustschloss in der heutigen Wilhelma (Baujahr 1846) vermied er die Bezeichnung Schloss.Scholze 1996, S. 17. – Der Orientalist Joseph von Hammer-Purgstall nannte 1856 die Villa das königliche Lustschloss Wilhelma (Neugebauer 1993, S. 32) und auch das Königliche statistisch-topographische Bureau sprach 1856 von der Villa als „dem prachtvollen Schlosse“ (Stuttgart 1856, S. 164). Das ursprünglich von Wilhelm als Badhaus geplante Gebäude wurde nach seinem Willen zuerst Maurisches Bad und schließlich Villa Wilhelma oder kurz Wilhelma genannt.Scholze 1996, S. 19–20. Der Architekt der Wilhelma Karl Ludwig von Zanth bezeichnete das Lustschloss als „Maurische Villa“ oder als „diese Villa, in der Art der fürstlichen Landsitze Italiens gedacht“.Zanth 1855, Titel und Seite V. Diese Umschreibung gilt auch für die Villa Berg. Sie war eine Landhausvilla, ein freistehendes, luxuriöses Gebäude auf dem Lande, mit umgebendem Park, das dem Kronprinzenpaar als Sommerresidenz dienen sollte und in der Tradition der römischen Villen bzw. der Villen der Renaissance stand.Zum Begriff Villa bzw. Landhaus siehe: Brönner 2009, S. 55–71, Breig 2004, S. 13–17, und mit besonderem Bezug auf Stuttgart: Hagel 1996.
Lage mini|hochkant=1.2|Lageplan der Villa Berg im Stadtteil Berg und Umgebung.
Stadtteil Berg Die Villa Berg liegt im Stuttgarter Stadtteil Berg im Stadtbezirk Stuttgart-Ost zwischen den Stadtbezirken Stuttgart-Mitte und Bad Cannstatt. Der Stadtteil Berg grenzt im Westen an den Stadtteil Stöckach, im Süden an die Stadtteile Ostheim und GaisburgDie drei Stadtteile gehören wie Berg zum Stadtbezirk Stuttgart-Ost. und im Norden und Osten an den Stadtbezirk Bad Cannstatt.Zur Lage von Berg und Stuttgart-Ost siehe auch: Liste der Stadtteile Stuttgarts und die Karte .
Die Grundfläche des Stadtteils setzt sich aus zwei schiefen Dreiecken zusammen. Das obere Dreieck, das den besiedelten Teil von Berg einschließt, zeigt mit seiner Spitze nach Norden und wird im Osten vom Neckar und im Westen vom Unteren Schlossgarten begrenzt. Das untere Dreieck, das den Park der Villa Berg einschließt, zeigt mit seiner Spitze nach Südwesten und wird im Süden durch die Sickstraße und im Westen durch die Werderstraße begrenzt.
Park Villa Berg Der Park der Villa entstand im Zusammenhang mit deren Bau.Elisabeth Szymczyk: Der Park der Stuttgarter Villa Berg im 19. Jahrhundert. In: Die Gartenkunst 28 (2/2016), S. 333–350. Die Grundfläche des Parks gleicht einem Trapez. Die größere Grundseite bildet im Süden die Sickstraße, die kleinere Grundseite stößt an den nördlichen Teil von Berg und öffnet sich im Westen zum Übergang in den Unteren Schlossgarten. Der östliche Trapezschenkel schmiegt sich an den ehemaligen Mühlkanal (heute die Straße Am Mühlkanal), und der westliche Schenkel an die Werderstraße und Wilhelm-Camerer-Straße.
Villa Berg Die Villa wurde im Westteil des Parks in ca. 270 Meter Höhe über NN auf dem ehemaligen Weinberg „Höllscher Bühl“ erbaut.Bühl ist ein altes Wort für Hügel. Die Nord-Süd-Achse der Villa liegt in einer Flucht mit dem Schloss Rosenstein im Norden. Früher bestand eine direkte Blickverbindung zwischen der Villa Berg und dem etwa 25 Meter tiefer liegenden Schloss Rosenstein. Die Ost-West-Achse ging von der östlichen Platanenallee durch die beiden Durchfahrten der Nordflügel, den mittleren Laubengang des Westparterres und die Mittelachse des Halbmondsees bis zum Gartenbelvedere.
Heutiger Zustand Die Blickverbindung zum Schloss Rosenstein ist durch hohen Baumbewuchs und den Gutbrod-Bau des Südwestrundfunks im Norden der Villa versperrt.Von der Aussichtsplattform Nord () kann man Schloss Rosenstein noch sehen. Vom ursprünglichen Verlauf der Ost-West-Achse zeugen nur noch der trockengelegte Halbmondsee und das Gartenbelvedere.
Grundriss mini|hochkant=1.5|Schematische Entwicklung des Grundrisses der Villa Berg(Norden liegt rechts).