Methanobrevibacter ist eine Gattung obligat anaerober, methanogener Archaeen.Die Gattung wurde durch Balch et al. (1979, PMID 390357) beschrieben und die Autorenschaft wurde in der Liste Nummer 6 (1981, doi:10.1099/00207713-31-2-215) bestätigt. Zu dieser Zeit wurde zwischen den Domänen (Bakterien und Archaeen) noch nicht unterschieden; die Zuordnung zur Domäne der Archaeen erfolgte nachträglich durch Wissenszuwachs (Woese et al. 1990, PMID 2112744). Siehe auch Abschnitt #Systematik. Arten dieser Gattung können unter anderem im Darm, in der Mundflora und in der Vaginalflora vieler Säugetiere auftreten.

Merkmale Der Einzeller ist prokaryotisch, hat also keinen echten Zellkern. Der Name Methanobrevibacter bedeutet in etwa „methanbildender, kurzer Stab“.In der LPSN (Abruf 2019-09) stand unter Namensherkunft für Methanobrevibacter folgendes: Etymology: N.L. n. methanum [from French n. méth(yle) and chemical suffix -ane], methane; N.L. pref. methano-, pertaining to methane; L. adj. brevis, short; N.L. masc. n. bacter, rod, staff; N.L. masc. n. Methanobrevibacter, short methane (-producing) rod. Die Zellen der verschiedenen Arten sind oval, kugel- oder stäbchenförmig; Methanobrevibacter bildet keine Sporen und selten Filamente (ZellformenDie Zellformen werden auch als „Coccobacilli“ (ovale, sehr kurze stäbchenförmige Zellen), als Kokken (kugelige bzw. sphärische Zellen) oder als Stäbchen (bzw. als Bazillen, gelegentlich auch als Bakterien) bezeichnet. Fadenförmige Zellen werden als Filamente bezeichnet.). Seine Länge beträgt bis zu 4 μm, seine Breite beträgt bis zu 1 μm. Er ist grampositiv, hat eine Zellwand aus Pseudopeptidoglycan und erreicht, abhängig von der Art, sein Wachstumsoptimum bei einem pH-Wert zwischen 6 und 8 und bei Temperaturen von 28–42 °C.

Lebensweise Er findet sich im Verdauungstrakt von Säugetieren (z. B. in der menschlichen Darmflora). Er verwertet Kohlendioxid und Wasserstoff und produziert Methan.B. S. Samuel, E. E. Hansen, J. K. Manchester, P. M. Coutinho, B. Henrissat, R. Fulton, P. Latreille, K. Kim, R. K. Wilson, J. I. Gordon: Genomic and metabolic adaptations of Methanobrevibacter smithii to the human gut. In: Proceedings of the National Academy of Sciences. Band 104, Nummer 25, Juni 2007, S. 10643–10648, doi:10.1073/pnas.0704189104, PMID 17563350, . Dieses Gas wird von Säugetieren als Flatus aus ihrem Darmtrakt ausgeschieden, in geringen Mengen aber auch in den Blutkreislauf resorbiert.

Systematik Die Gattung Methanobrevibacter wurde 1979 beschrieben und 1981 bestätigt. Die Typusart der Gattung ist Methanobrevibacter ruminantium . Diese Art wurde zuvor der Gattung Methanobacterium zugeordnet (als „Methanobacterium ruminantium “).

Externe Systematik Die Gattung Methanobrevibacter ist ein Taxon innerhalb der Familie Methanobacteriacea, welche der Ordnung Methanobacteriales angehört, die wiederum die Typusordnung der Klasse Methanobacteria ist; die Methanobacteria gehören der Abteilung Methanobacteriota (früher „Euryarchaeota“ genannt) innerhalb der Domäne Archaea an (LPSN). Alle bisher bekannten Arten, die der Klasse Methanobacteria 2002 zugeordnet wurden, betreiben Methanogenese, sind also Methanbildner; innerhalb der Abteilung Euryarchaeota gibt es Archaeen, die Methan bilden und solche, die das nicht tun.

Aufgrund von Änderungen in der Taxonomie der Prokaryoten wurde in der Vergangenheit die taxonomische Einordnung sämtlicher Methanbildner und somit auch die Systematik von Methanobrevibacter novelliert. Heute stellen die Methanbildner keine taxonomische Einheit mehr dar, sondern eine physiologische bzw. ökologische Gruppe, der auch Methanobrevibacter angehört; aus historischen Gründen gibt es die veraltete und mehrdeutige Bezeichnung „Methanbakterien“.Die Bezeichnung „Methanbakterien“ ist durch Wissenszuwachs mehrdeutig geworden (siehe Methanbildner, Begriffsabgrenzung). Vgl.

Arten Der Gattung wurden folgende Arten zugeordnet (LPSN, Abruf 11. September 2025):

Methanobrevibacter acididurans Savant et al. 2002 Methanobrevibacter arboriphilus corrig. (Zeikus & Henning 1975) Balch & Wolfe 1981 Methanobrevibacter boviskoreani Lee et al. 2013 „Candidatus Methanobrevibacter cononymphae“" Kaneko et al. 2024 Methanobrevibacter curvatus Leadbetter & Breznak 1997 Methanobrevibacter cuticularis Leadbetter & Breznak 1997 Methanobrevibacter filiformis Leadbetter et al. 1998 Methanobrevibacter gottschalkii Miller & Lin 2002 Methanobrevibacter intestini Weinberger et al. 2025 Stamm WWM1085 alias DSM 116060 oder CECT 30992 (Referenzstamm) „Methanobrevibacter massiliense“ Huynh et al. 2015 Methanobrevibacter millerae Rea et al. 2007 Methanobrevibacter olleyae Rea et al. 2007 Methanobrevibacter oralis Ferrari et al. 1995 Methanobrevibacter ruminantium (Smith & Hungate 1958) Balch & Wolfe 1981 Methanobrevibacter smithii Balch & Wolfe 1981 Stamm ATCC 35061 alias DSM 861, OCM 144 oder PS (Referenzstamm) Stamm GRAZ-2 Methanobrevibacter thaueri Miller & Lin 2002 Methanobrevibacter woesei Miller & Lin 2002 Methanobrevibacter wolinii Miller & Lin 2002

Weblinks

Encyclopedia of Life: Darstellung seiner vollständigen inneren Systematik (inkl. Stämmen) Uniwersytet Wrocławski: Übersicht über die Merkmale und die Morphologie seiner Arten Josephine Franke: Mikrobiom des Darms ist diverser als gedacht – Archaeen machen 1,2 Prozent der mikrobiellen Darmbesiedelung aus. Auf scinexx.de vom 18. Januar 2022 (vor allem Methanobrevibacter)

Anmerkungen

Einzelnachweise Viktoria Weinberger, Rokhsareh Mohammadzadeh, Marcus Blohs, Kerstin Kalt, Alexander Mahnert, Sarah Moser, Marina Cecovini, Polona Mertelj, Tamara Zurabishvili, Bhawna Arora, Jacqueline Wolf, Tejus Shinde, Tobias Madl, Hansjörg Habisch, Dagmar Kolb, Dominique Pernitsch, Kerstin Hingerl, William Metcalf, Christine Moissl-Eichinger: Expanding the cultivable human archaeome: Methanobrevibacter intestini sp. nov. and strain Methanobrevibacter smithii ‘GRAZ-2’ from human faeces. In: International Journal of Systematic and Evolutionary Microbiology, Band 75, Nr. 4, 16. April 2025; doi:10.1099/ijsem.0.006751 (). Dazu: Anna Manz: Neue Mikrobe im menschlichen Darm entdeckt: Archaeen könnten eine bislang unterschätzte Rolle im Mikrobiom spielen. Auf: scinexx.de vom 22. April 2025.

Kategorie:Euryarchaeota