mini|hochkant=1.2|Blick auf den Fennpfuhlpark, in der Mitte das Doppel-Hochhaus am Anton-Saefkow-Platz
Fennpfuhl ist ein Ortsteil im Bezirk Lichtenberg in Berlin. Der Name leitet sich vom Wohngebiet am Fennpfuhl beziehungsweise dem dortigen Fennpfuhl ab. Erst nach der Verwaltungsreform 2001 wurde das Wohngebiet zu einem eigenen Ortsteil, zuvor gehörte es zu Lichtenberg mit dem Zusatz (Nord). Fennpfuhl ist nach Friedenau der am zweitdichtesten besiedelte Ortsteil Berlins.
Ortsteilgrenzen Der OrtsteilFIS-Broker Kartenanzeige Karte von Berlin 1:5000 (K5) mit dem Zugang über wird vom Weißenseer Weg (bis vor die Kreuzung ohne dessen Straßenland) und der Landsberger Allee (Nordwestseite, einschließlich Straßenland) und weiter von der Vulkanstraße zur Josef-Orlopp-Straße (deren beider Straßenland zum Ortsteil Lichtenberg gehört) begrenzt. Der weitere Grenzverlauf über die Möllendorffstraße in die Storkower Straße liegt ebenfalls am Nordrand (ohne das Straßenland). 65 Meter westlich der Paul-Junius-Straße wechselt er an den südlichen Straßenrand, um vor der Storkower Straße 128 (südwestwärts) zum Ringbahngraben hin mit der Bezirksgrenze zusammenzufallen. An der Nordseite der Bahntrasse über die Thaerstraßenbrücke hinweg unter Ausschluss der Landsberger Allee-Brücke und am Südrand der Landsberger Allee entlang grenzt der Bezirk Pankow an den Ortsteil. Von der Ecke Karl-Lade-Straße bleibt der Ortsteil an der (südlich verlängerten) Ostseite der Oderbruchstraße (mithin ohne deren Straßenland). An der Kreuzung mit Maiglöckchen-/Herbert-Tschäpe-Straße wechselt die Ortsteilgrenze zum Nordrand der Hohenschönhauser Straße einschließlich deren Straßenland und der Wohnbebauung östlich des Volksparks Prenzlauer Berg. Vor der Bezirksreform 2001 gehörte zu Lichtenberg die von der Oderbruchkippe überdeckte Fortsetzung der Oderbruchstraße direkt zur Südostecke des Jüdischen Friedhofs zum Gelände des Ortsteils. Der geteilte Volkspark kam 2001 vollständig zum Bezirk Pankow und die Bezirksgrenze knickt gegenüber der Otto-Marquardt-Straße nach Nordwesten entlang der Zufahrtsstraße um die Tennisplätze herum. Die Begrenzung des Ortsteils knickt im rechten Winkel nach Nordost, weiter auf der „Hauptstraße“ zwischen den Kleingärten (im Ortsteil liegt KGA ‚Langes Höhe‘) hindurch verlaufend. Der nördliche Grundstücksstreifen der KGA am Ostabschluss des Jüdischen Friedhofs ist der weitere Grenzlauf in die Straße 106 (einem Reststück der nicht umgesetzten Oderbruchstraße) zum südwestlichen Gehweg des Weißenseer Wegs, womit die Umrundung des Ortsteils beendet ist.
Geschichte Planungen Im April 1961 wurde mit dem Entwurf des Wohngebietes Lichtenberg (Nord) begonnen. Die Planung war in drei Bauabschnitte untergliedert. Das insgesamt zu bebauende Gebiet umfasste eine Fläche von 175 Hektar. In der Erich-Kuttner-Straße am Rande des Gebietes (Bauabschnitt I) wurde das erste Haus des künftigen Plattenbau-Typs P2 errichtet, einer der meistgebauten Wohnungstypen der DDR. 1962 fand darin die Ausstellung „neues leben – neues wohnen“ statt. Das als Muster- und Experimentalbau errichtete Gebäude steht mittlerweile unter Denkmalschutz.
Dem heutigen Neubaugebiet mussten ab den 1960er Jahren einige Kleingartenanlagen und eine alte Randbebauung um den Roederplatz herum weichen. Erste Ausschreibungen für die Bebauung des feuchten Gebietes gab es bereits 1956/1957 als gesamtdeutschen Architekturwettbewerb Fennpfuhl, die der Hamburger Architekt Ernst May gewonnen hatte. Die Realisierung wurde wegen der zu erwartenden Probleme mit der Trockenlegung des Gebietes und aus Geldmangel auf unbestimmte Zeit verschoben.
1969 wurde der Mitarbeiter des Büros für Städtebau beim Magistrat von (Ost)Berlin, der Architekt Thorleif Neuer, vom Chefarchitekten dieses Büros Jochen Näther, mit der städtebaulichen Planung des „Investitionskomplexes Landsberger Chaussee/Weißenseeer Weg“, Arbeitstitel „Fennpfuhl“, beauftragt.
Thorleif Neuer hatte zuvor die städtebauliche Planung für die Großplattensiedlung „Wohnkomplex Frankfurter Allee Süd“ für ca. 15.000 Einwohner abgeschlossen.
Die Planung für diese Neubaugebiete erfolgte in zwei Phasen:
In der ersten Phase erarbeitete das Büro für Städtebau die Gesamtplanung des Siedlungsgebietes, d. h. die strukturelle Gliederung, die Lage der einzelnen Wohngebiete und deren Versorgungszentren, die Baukörpergliederung (Baumassenverteilung), die Stellung dominanter Gebäude (z. B. Wohnhochhäuser) sowie die Einordnung erforderlicher Infrastrukturgebäude wie Kita, Schule, Turnhalle, Kaufhaus, Kaufhalle, Schwimmhalle, Dienstleistungsgebäude, Seniorenwohnheim und Gaststätte. Die Großplattensiedlung Fennpfuhl wurde in drei Wohngebiete unterteilt. mini|Strukturplan zum Investitionskomplex Landsberger Allee/Weißenseeer Weg, Büro für Städtebau, 1969 mini|Thorleif Neuer am städtebaulichen Modell des Wohngebietes 2 des Wohnkomplexes Fennpfuhl, Foto Abteilung Fototechnik Büro für Städtebau ca. 1970
Zusammen mit der Planung der Bebauung erfolgte parallel die Planung der Freiflächen und der Verkehrsanlagen sowie der stadttechnischen Ver- und Entsorgung durch die Fachabteilungen des Büros für Städtebau. Begleitet wurde die städtebauliche Planung durch den Hauptauftraggeber Berlin beim Magistrat von Berlin (HAG) als Vertreter des Bauherren. Die Bildung dieses Hauptauftraggebers HAG war 1968 vom Magistrat beschlossen worden, um den Aufbau des Stadtzentrums und den komplexen Wohnungsbau zu begleiten. Der HAG war zuständig für die Investitionen, die Koordinierung der Investitionsvorhaben und die Verlagerungs- und Abrissmaßnahmen zur Schaffung der Baufreiheit. Im Ergebnis dieser städtebaulichen Aktion entstand für die Wohngebiete 1 und 2 ein detaillierter Plan mit Darstellung der Bebauung im Maßstab 1:1000, auf einer vermessenen Kartengrundlage. Zu dieser Planzeichnung mit der genauen Positionierung der Gebäude gehörte ein städtebauliches Modell, ebenfalls im Maßstab 1:1000 und ein Textteil als städtebauliche Direktive. mini|Städtebauliches Modell des Wohnkomplexes Fennpfuhl, im Vordergrund das Wohngebiet 1
Diese Unterlagen wurden dann dem Magistrat vom Berlin zur Bestätigung vorgelegt. Damit hatte der Architekt und Planer Thorleif Neuer seinen Auftrag der städtebaulichen Planung der Wohngebiete 1 und 2 abgeschlossen, einschl. des Nachweises der erforderlichen Kennziffern und der Bestätigung durch den Magistrat von Berlin. Der bestätigte Bebauungsplan bildete die Grundlage der Projektierung durch die volkseigenen Baukombinate. Diese Baukombinate waren das VEB WBK Berlin (volkseigenes Wohnungsbaukombinat Berlin), das VEB TBK (volkseigenes Tiefbaukombinat Berlin) sowie der VEB Grünanlagenbau, Besondere Gebäude, wie das Kaufhaus, die Gaststätte, die Schwimmhalle und das Dienstleistungsgebäude wurde im IHB (Ingenieurhochbau-Kombinat) entworfen und projektiert.
Mit der Projektierung begann die zweite Phase der Planung. Im Falle des Wohnungsbaus wurden die Typengebäude, die Erzeugnisse des WBKs, die für die Realisierung der Wohnhäuser zur Verfügung standen, in den städtebaulichen Entwurf eingepasst und die Ausführung der Baumaßnahme auf der Grundlage des vorliegenden städtebaulichen Entwurfs geplant.
Die Wohnhäuser entstanden in Großplattenbauweise. Die Fassadenplatten, oberflächenfertig, komplett mit Fenstern und Balkontüren, und die Innenwandplatten hatten die zum Wohnungsbaukombinat gehörenden Betonwerken hergestellt. Auf der Baustelle montierten sie die Bauarbeiter mit Kränen. Die für einen möglichst effektiven Aufbau der Gebäude ausgelegte Kranbahnbreite war eine der zu berücksichtigenden Vorgaben bei der Ausführungsplanung der Wohngebiete 1 und 2. Danach wurde zur Zeiteinsparung ein drittes Wohngebiet in Gemeinschaftsarbeit der Mitarbeiter des Büros für Städtebau mit Projektanten des WBK Berlin und dem HAG Berlin in einer Arbeitsklausur geplant.
Der Architekt und Stadtplaner Thorleif Neuer hat in seiner Tätigkeit beim Büro für Städtebau unter Leitung von Jochen Näther und später Roland Korn in den Jahren von 1969 bis 1985 sieben Großplatten-Siedlungen städtebaulich entworfen, bis zum Bebauungsplan und dessen Bestätigung bearbeitet und in der Bauausführung begleitet.
Bauphase von 1972 bis 1986 mini|Villa Looß am Fennpfuhl
Am 1. Dezember 1972 erfolgte mit der Grundsteinlegung für das Doppel-Hochhaus am Roederplatz der offizielle Baubeginn für das Gebiet am Fennpfuhl, das die erste zusammenhängende Plattenbau-Großwohnsiedlung der DDR wurde.Dieses Neubaugebiet wird mehr Einwohner als Greifswald haben. In: Berliner Zeitung, 2. Dezember 1972, S. 8 (ZEFYS). Erstmals wurde durch Heinz Mehlan dabei auch eine elfgeschossige Ausführung des Wohnbautyps WBS 70-11 errichtet. Bis 1986 entstanden im damaligen Bereich Lichtenberg (Nord) Wohnhäuser für 50.000 Einwohner in 15.518 Wohnungen, dazu 13 Schulen, neun Schulsporthallen, zwei Schulmensen, 15 Kinderkombinationen, fünf Kaufhallen, zwei Seniorenwohnheime, zwei Schwimmhallen, drei Clubgaststätten und ein Warenhaus. Von der sehr dünnen alten Bebauung blieb nur wenig erhalten. Neben einem größeren Komplex von Wohnhäusern aus dem Beginn des 20. Jahrhunderts zwischen Karl-Lade- und Erich-Kuttner-Straße sind lediglich einige Gebäude an der Alfred-Jung-Straße sowie zwischen der Josef-Orlopp-Straße und der Herzbergstraße auf der Ostseite der Möllendorffstraße vorhanden. Das älteste Gebäude des Ortsteils ist die 1896 errichtete Villa am Fennpfuhl, eine ehemalige Hof-Beamtenvilla in der Karl-Lade-Straße 79. Außerdem gibt es an Altbauten noch das 1912 in Betrieb genommene Schulgebäude in der Paul-Junius-Straße (seit dem Ende der 1990er Jahre: Musikschule Lichtenberg und Volkshochschule), ein Kinderheim in der Möllendorffstraße sowie Reste eines ehemaligen Leder-Handelskontors in der Franz-Jacob-Straße.
Gleichzeitig mit der Umbenennung der Landsberger Chaussee im Gebiet in Leninallee wurden am 11. Juli 1973 nördlich der Landsberger Chaussee sowie östlich des Weißenseer Wegs sechs neu angelegte Straßen benannt. Ebenso wie fünf weitere Straßen und der Anton-Saefkow-Platz, die am 2. April 1975 im Zentrum und im Süden des Gebietes benannt wurden, erhielten sie Namen von kommunistischen Widerstandskämpfern gegen den Nationalsozialismus aus der Gruppe um Anton Saefkow, Franz Jacob und Bernhard Bästlein. Am 14. Januar 1976 erfolgten die Umbenennungen des Weißenseer Wegs in Ho-Chi-Minh-Straße nach dem ersten (nord)vietnamesischen Präsidenten Hồ Chí Minh sowie der Möllendorffstraße in Jacques-Duclos-Straße nach dem französischen kommunistischen Politiker Jacques Duclos.
Die Bebauung um den als „gesellschaftliches Zentrum“ geplanten Anton-Saefkow-Platz mit Wohnhochhäusern mit Geschäften, einer Schwimmhalle, einer Sporthalle und einem Kaufhaus (Konsument) sowie die Anlage des Fennpfuhlparks dauerte hingegen auf Grund von Bauproblemen wegen des morastigen Untergrunds noch bis in die 1980er Jahre.
mini|Gaststättenkomplex Seeterrassen, im Oktober 2008 abgerissen
Zwischen 1978 und 1981 wurde der frühere Fennpfuhl mit dem ebenso alten Langpfuhl zu einem zusammenhängenden Gewässer verbunden und eine Brücke über den Verbindungskanal gebaut, die Fennpfuhlbrücke. Um das Gewässer entstand unter Einbeziehung vorhandener alter Bäume ein Park. Ein zweigeschossiges Gasthaus, die Seeterrassen, wurde direkt am Fennpfuhl gebaut. Der Name dieses Restaurants war vermutlich eine Anlehnung an die hier um die Wende des 19. zum 20. Jahrhundert vorhandene Vergnügungslokalität Seeterrasse, die gut besucht war und auch kulturelle Veranstaltungen ausrichtete, wofür sie sogar über Tribünen verfügte.
mini|Kirche am Fennpfuhl
In den Jahren 1983/1984 errichteten Bauarbeiter aus dem erzgebirgischen Schwarzenberg am Rande des Parks das evangelische Gemeindezentrum Am Fennpfuhl (siehe Bild). Es war das zweite neue Gotteshaus, das auf Basis eines am 6. März 1976 vereinbarten Kirchenneubauprogramms zwischen Erich Honecker und Albrecht Schönherr fertiggestellt wurde.