mini|Aufführung des Ballet Nacional im März 2006 Das Ballet Nacional de España widmet sich der Tradition des spanischen Tanzes und seiner Weiterentwicklung.
Seit 1978 spielt es eine maßgebliche Rolle in der Kultur des spanischen Tanzes, namentlich des Flamenco und des Bolero. Für viele erstklassige Tänzerinnen, Tänzer, Choreografinnen und Choreografen war es eine entscheidende Station in ihrer Karriere und Fortbildung, darunter Farruco, Mario Maya, El Güito, Antonio Gades, Javier Barón, Antonio Canales, Javier Latorre, Joaquín Cortés, Antonio Márquez und Aída Gómez. Jungen Choreografinnen und Choreografen bietet es die Chance, ihre Ideen mit einer exzellenten Kompanie zu verwirklichen.
Organisation Die Kompanie bestand im Mai 2016 aus 35 Tänzerinnen und Tänzern, begleitet von einer Sängerin, einem Sänger und sechs Musikern. Geführt wurde es bis August 2019 von seinem Direktor, Antonio Najarro, und seitdem von seinem Nachfolger Rubén Olmo. Ein Stab von Repetitorinnen und Repetitoren, Ballettmeisterinnen und Ballettmeistern und eine Tanzinstruktorin stützen die Arbeit der Kompanie. Knapp 40 Beschäftigte arbeiten unter anderem in der Technik, der Verwaltung oder helfen und lindern durch Massage und Physiotherapie.
Das Ballett untersteht disziplinarisch dem Instituto Nacional des las Artes Escénicas y de la Música (INAEM), einer Behörde des spanischen Ministeriums für Erziehung, Kultur und Sport. Geschichte Die Anfänge Kraft eines Erlasses der Dirección General de Teatro y EspectáculosGeneraldirektion für Theater und Schauspiel beim spanischen Kulturministerium wurde im Januar 1978 das Ballet Nacional Español gegründet. Als erster Leiter wurde Antonio Gades berufen. Das Erdgeschoss der Estudios de Amor de Dios im madrilenischen Barrio de Antón Martín wurde dem Ballett als Räumlichkeit zur Verfügung gestellt.
Unter kargen Rahmenbedingungen machte Antonio Gades sich an die Arbeit. Er inszenierte einige Aufführungen am Teatro de la Zarzuela, engagierte 36 Tänzerinnen und Tänzer und berief Aurora Pons, Paco Fernández, und María Magdalena als Ballettmeisterinnen und -meister. Im Juni 1979 fand die offizielle große Premiere am Teatro Principal in Valencia statt. Antonio Gades bewegte hoch angesehene spanische Choreografinnen und Choreografen dazu, ein Repertoire für die Kompanie zu schaffen. Es entstanden Choreografien von Antonio Ruiz Soler, Mariemma, Rafael Aguilar und Pilar López. Gades selbst trug mit dem Stück Bodas de sangre dazu bei. Hinzu kamen die klassischen Palos des Flamenco: Bulería, Farruca, Seguiriya, Soleá und Soleá por Bulerías, Martinete, Rumba, Guajira, Cantiña und Zapateado, getanzt von erstklassigen Tänzerinnen und Tänzern wie Cristina Hoyos, El Güito und Manolete.
Rasch stellten sich erste Erfolge ein. Das Ballet Nacional Español trat in Kuba auf, beim Festival von Spoleto und in Verona. Dennoch kam es zu Spannungen zwischen Antonio Gades und seinen politischen Vorgesetzten, so dass der Kulturminister Ricardo de la Cierva ihn im März 1980 absetzte.
Sein Nachfolger wurde Antonio Ruiz Soler. Er erneuerte und vergrößerte die Kompanie. Cristina Hoyos, El Güito und Manolete blieben ihr erhalten, als weitere berühmte Tänzerinnen kamen Manuela Vargas und Merche Esmeralda hinzu. Des Weiteren stießen Javier Barón, Felipe Sánchez, Javier Latorre, Lola Greco, Maribel Gallardo und Aída Gómez zum Ballet Nacional. Sie machten sich wenige Zeit später einen Namen.
Antonio Ruiz Soler schuf ein neues Repertoire; dafür stützte er sich weitgehend auf eigene Arbeiten. So schuf er Choreografien zu Musik von Enrique Granados, Manuel de Falla, Antonio Soler, Pablo Sarasate und Manuel de Falla. José Antonio, Rafael Aguilar, Vicente Nebrada und Luisillo trugen mit weiteren Choreografien zum Programm bei. Auch der Flamenco fand seinen Platz in diesem neuen Repertoire. Manuela Vargas zeigte eine Caña, und Antonio Ruiz Soler selbst inszenierte 1980 Flamenco, eine große Darbietung mit Alegrías, Soleares, Mirabrás, Seguiriyas und Tanguillos. Er entwarf eine Choreografie für Tardes de la Alameda von Carlos Suriñac, kam jedoch nicht mehr dazu, sie auf die Bühne zu bringen, weil er 1983 als künstlerischer Leiter abgesetzt wurde.
Künstlerische Erfolge – und eine missglückte Fusion Mit seinem Ausscheiden wurde das Ballet Nacional Español mit dem Ballet Nacional Clásico zu einer gemeinsamen Organisation vereint. Als Leiterin wurde María de Ávila berufen. Diese ehemalige Primaballerina des Liceo de Barcelona setzte die Schwerpunkte auf den regionalen Tanz und die Ausprägungen der Escuela bolera. So entstanden 1984 vier Choreografien: Danza y tronío nach der Choreografie von Mariemma zur Musik von Antonio Soler, Antón García Abril und Luigi Boccherini wurde eines der Paradestücke des Nationalballetts. In Ritmos streute der Choreograf Alberto Lorca zur Musik von José Nieto Anklänge an den Jazz in die spanischen Tänze ein. Die Choreografen José Granero und Miguel Narros schufen zu Musik von Manolo Sanlúcar mit Medea eines der wichtigsten Werke des Flamenco-Tanzes. Solo bestand aus einer Choreografie von Victoria Eugenia zu Musik von Adela Mascaraque, verbunden mit einigen Alegrías, Farrucas und Bulerías.
Im selben Jahr brachte das Ballet Nacional noch eine Neuinszenierung des Zapateado von Pablo Sarasate auf die Bühne.
1985 entstanden: Seis sonatas para la reina von Domenico Scarlatti, choreografiert von Ángel Pericet; Doña Francisquita von Amadeo Vives, choreografiert von Alberto Lorca; Laberinto von Xavier Montsalvatge; Alborada del gracioso aus Miroirs von Maurice Ravel, choreografiert von José Granero.
1986 brachte José Antonio Con mi soledad von Carlos Santos und Castilla von Isaac Albéniz auf die Bühne. Im selben Jahr trat er als stellvertretender Direktor dem Ballett bei. In dieser Funktion inszenierte er Flamenco, eine Darbietung mit Caracoles von Martín Vargas, einer Soleá von Merche Esmeralda, einer Rondeña von Felipe Sánchez und einigen Romeras und einem Martinete von José Antonio selbst.
Die Erfolge jener Jahre wurden getrübt durch einen Konflikt zwischen María de Ávila und dem Ensemble des Ballet Clásico. Er manifestierte sich ab dem Frühjahr 1985 und kulminierte im April 1986: Bei der Galavorstellung der Expomúsica im Teatro Monumental in Madrid tauchte ein Plakat auf, in dem María de Ávila „Verrat am Tanz“ («traición a la danza») vorgeworfen wurde. Anfang September 1986 trat sie von ihrem Posten als Direktorin zurück.
Trennung und Neubeginn Mit dem Jahresbeginn 1987 gingen das Ballet Nacional und das Ballet ClásicoDer aktuelle Name der Kompanie ist Compañía Nacional de Danza; ihre Website ist wieder getrennte Wege. Das Ballet Nacional nannte sich ab nun Ballet Nacional de España. Sein neuer Direktor wurde José Antonio. Juan Quintero, Antonio Márquez, Antonio Canales und Joaquín Cortés traten der Kompanie bei – vier Männer, die sich später einen Namen als Flamenco-Tänzer machen sollten.
José Antonio leitete das Ballet Nacional bis 1992. In jenen Jahren schuf er eine Reihe bemerkenswerter Choreografien: El sombrero de tres picos, Soleá por bulería und La vida breve nach Manuel de Falla; Zarabanda, Don Juan und Romance de luna nach José Nieto; Fandango de Soler nach Claudio Prieto; Soleá nach Manolo Sanlúcar.
Andere namhafte Choreografen schufen weitere Stücke für das Ballett: Felipe Sánchez brachte Los Tarantos zu Musik von Paco de Lucía und Homenaje zu Musik von José Nieto auf die Bühne. José Granero schuf eine Choreografie zum Boléro von Maurice Ravel. Victoria Eugenia choreografierte Chacona zu Musik von José Nieto.
1988 wurde das Ballet Nacional in New York von der Asociación de Cronistas de Espectáculos de Nueva York mit dem Preis für die beste Darbietung des Jahres des Jahres ausgezeichnet.
Das Drei-Frauen-Direktorium Von 1993 bis 1998 übernahmen drei Frauen gemeinsam die Leitung des Balletts: Aurora Pons, Victoria Eugenia und Nana Lorca. Aurora Pons stand für die klassische Richtung, Victoria Eugenia für den zeitgenössischen spanischen Tanz, und Nana Lorca stand für die Fortführung des Werkes ein, das José Antonio begonnen hatte. Alle drei teilten die Leidenschaft für den Flamenco. So war eine der ersten gemeinsamen Entscheidungen, Antonio Márquez und Joaquín Cortés wieder ins Ensemble aufzunehmen; beide inzwischen hoch angesehene Flamenco-Tänzer.
Eine weitere Entscheidung war, jeweils zwei Mitglieder der Kompanie ihre eigenen Choreografien aufführen zu lassen: So entstanden Choreografien von Adoración Carpio zu Alegrías und von Currillo zu Bulerías, zu einem Taranto und einer Bambera. Mila de Vargas choreografierte ebenfalls einige Alegrías. Gemeinsam mit Currillo entwickelte sie A ritmo de compás zu Musik von José María Bandera und José Carlos Gómez. Lola Greco choreografierte und tanzte Antar zu Musik von Nikolai Rimski-Korsakow.
Victoria Eugenia selbst steuerte die Choreografien La oración del Torero nach Joaquín Turina, A mi aire nach Enrique Granados und Ernesto Halffter, und Goyescas bei. Auch José Antonio blieb mit mehreren Choreografien dem Ballett verbunden. Als weitere Choreografen arbeiteten José Granero, Ciro, Manolo Marín mit dem Ballet Nacional. Pedro Azorín und Juanjo Linares schufen mit Romance eine Gesamtschau regionaler Tänze aus Katalonien, Valencia, Kastilien-La Mancha, Ávila, Burgos, Salamanca, Galicien, Asturien, Kantabrien, Aragón und dem Baskenland. Den Schlusspunkt seiner Arbeit setzte das Dreigestirn Pons-Eugenia-Lorca mit der Choreografie Grito von Antonio Canales, zu Musik von José María Bandera, José Carlos Gómez und José Jiménez el Viejín.
Neue Ideen – und neue Konflikte Nachfolgerin des „Triumfeminats“ wurde eine Tänzerin der Kompanie, Aída Gómez. Sie war die jüngste Person, die jemals das Ballet Nacional leitete. Sie setzte sich das Ziel, mit jungen Choreografen neue Formen und Visionen des Tanzes für ein neues Publikum auf die Bühne zu bringen. So kamen im Februar 1998 Luz de Alma von Javier Latorre sowie Soleá por bulerías und Mensaje von Eva Yerbabuena im New York City Center zur Aufführung.
Unter ihrem Direktorat entstanden bis 2000: Poeta, choreografiert von Javier Latorre; Oripando, ein Gemeinschaftswerk von Vicente Amigo, Isabel Bayón, Currillo, Adrián Galie und Israel Galván zu Musik von Pedro Ontiveros; A ciegas, Soledad und Mirabrazo, zu volkstümlicher Musik choreografiert von Antonio Canales; Neireidas zu Musik von Javier Paxariño, choreografiert von Antonio Najarro; La Celestina, choreografiert von Fernando de Rojas zu Musik von Carmelo Bernaola; Sie selbst choreografierte Silencio rasgado nach Jorge Pardo und Sevilla nach Isaac Albéniz und führte Regie in Semblanzas nach Dorantes.
Herausragende moderne Interpretationen klassischer Themen lieferten José Antonio mit seiner Interpretation von Georges Bizets Carmen und José Graneros Estamos solos zu Musik von Maurice Ravel.
Aída Gómez fühlte sich tief der ernsten Tradition des Flamencos verpflichtet:
Ihr Ensemble verstärkte sie durch Lola Greco als Gast-Tänzerin.
Trotz dieser vielversprechenden Ansätze regte sich im Jahr Ensemble Widerstand gegen ihre Führung, der nach und nach zu lautstarken Protesten anschwoll. Schließlich konnte sie nicht mehr auf ihrem Posten gehalten werden und wurde im Februar 2001 entlassen.
Jüngere Entwicklung
Elvira Andres Aída Gómez‘ Nachfolgerin wurde Elvira Andrés, die unter dem Direktorat von Antonio Gades Tänzerin am Ballet Nacional gewesen war. Sie begann ihre Amtszeit mit zwei Paradestücken: Der Erstaufführung von Fuenteovejuna von Antonio Gades zu Musik von Antonio Solera,sic; nicht identisch mit Antonio Soler Antón García Abril und Modest Mussorgsky und der Neuinszenierung von Concierto de Aranjuez von Joaquín Rodrigo in der choreografischen Fassung von Pilar López.
Einerseits setzte sie auf große Namen: Manolete setzte Entreverao zur Musik von José Luis Montón in Szene