Die Sternmieren (Stellaria) sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae). Die 120 bis 200 Arten sind fast weltweit verbreitet, hauptsächlich gedeihen sie in den gemäßigten Gebieten der Nordhalbkugel. Im deutschsprachigen Raum sind vor allem die Sternmiere Stellaria media (Vogelmiere) und die Echte Sternmiere (Stellaria holostea) verbreitet. Manche Sternmieren wie die Gewöhnliche Vogelmiere und die Bach-Sternmiere wurden im Mittelalter als „Hühnerdarm“ oder lateinisch Morsus gallinaeOtto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 205 (Morsus galline – huner darm oder myer). bezeichnet.
Beschreibung mini|links|Großblütige Vogel-Sternmiere (Stellaria neglecta) mini|Illustration der Dickblättrigen Sternmiere (Stellaria crassifolia)
Vegetative Merkmale Die Sternmieren-Arten sind einjährige oder ausdauernde, krautige Pflanzen. Oft dient ein Rhizom ohne Wurzelknolle als Überdauerungsorgan. Die Stängel sind bei manchen Arten vierkantig.
Die einfachen Laubblätter sind wie bei den meisten Arten der Familie Caryophyllaceae gegenständig.
Generative Merkmale Die Blüten stehen in Dichasien, selten allein oder zu zweit. Die Tragblätter sind trockenhäutig oder auch krautig.
Die meist zwittrigen (bei Stellaria dicranoides eingeschlechtigen) Blüten sind radiärsymmetrisch sowie fünfzählig und besitzen eine doppelte Blütenhülle. Die fünf grünen Kelchblätter sind krautig und liegen bei der Fruchtreife der Kapselfrucht an. Die fünf oder weniger Kronblätter sind tief zweispaltig und weiß, manchmal rötlich, selten grün; selten fehlen sie. Es gibt zwei Kreise mit je fünf fruchtbaren Staubblättern, selten drei bis fünf oder keine. An ihrer Basis haben die Staubblätter meist Nektardrüsen. Der Stempel hat in meist drei (zwei bis fünf) 0,2 bis 7 Millimeter langen Griffel.
Die kugeligen bis zylindrischen Kapselfrüchte sind einfächerig und springen meist mit drei oder sechs (manchmal vier, acht oder zehn) Fruchtklappen bis zur Mitte auf und enthalten (ein bis) drei bis über zwanzig Samen. Die Samen sind rundlich bis nierenförmig und am Rand runzlig-papillös.
Ökologie Die Blüten sind protandrisch, homogam, oder protogyn. Die Bestäubung erfolgt durch Insekten oder Selbstbestäubung.
Die Ausbreitung der Diasporen erfolgt durch den Wind (Anemochorie).
mini|Bach-Sternmiere (Stellaria alsine) mini|Stellaria humifusa mini|Stellaria pubera mini|Stellaria pungens mini|Stellaria ruscifolia Systematik Die Gattung Stellaria wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, S. 421 aufgestellt. Ein Synonym für Stellaria ist Alsine
Die Gattung Stellaria gehört zur Tribus Alsineae innerhalb der Familie Caryophyllaceae.
Von den weltweit 120 bis 200 Stellaria-Arten (Auswahl) kommen in Europa etwa 18 Arten vor: Bach-Sternmiere (Stellaria alsine , Syn.: Stellaria uliginosa ) Stellaria anagalloides : Sie kommt in Armenien vor. Bleiche Vogel-Sternmiere (Stellaria apetala ; Syn.: Stellaria pallida ) Wasserdarm (Stellaria aquatica , Syn.: Myosoton aquaticum , Cerastium aquaticum ): Sie ist im gemäßigten Eurasien verbreitet und in vielen Gebieten der Welt ein Neophyt. Stellaria borealis : Sie kommt in Island, Norwegen, Schweden und Finnland vor. Stellaria bungeana : Sie kommt in Russland vor. Stellaria calycantha : Sie kommt in Nordeuropa, Nordamerika und Ostasien vor. Stellaria chilensis : Sie ist in Chile beheimatet. Stellaria ciliatisepala : Sie kommt in Russland vor. Stellaria cilicica : Sie kommt in Zypern und Vorderasien vor. Dickblättrige Sternmiere (Stellaria crassifolia ): Sie kommt in Mitteleuropa nur in Norddeutschland und Polen vor. Stellaria crassipes : Sie kommt in Norwegen, Schweden, Russland und Spitzbergen vor. Stellaria cuspidata ex : Sie kommt in Nord-, Mittel- und Südamerika vor. Stellaria dichotoma : Sie ist in Ostasien und China beheimatet. Stellaria fennica : Sie kommt in Norwegen, Schweden und Finnland vor. Gras-Sternmiere (Stellaria graminea ) Stellaria hebecalyx : Sie kommt in Russland und in der Ukraine vor. Große Sternmiere (Stellaria holostea ), auch Echte Sternmiere genannt Stellaria humifusa : Sie kommt in Island, Norwegen, Finnland, Russland, Grönland, Nordasien und auf Spitzbergen vor. Stellaria kotschyana : Sie kommt in der Türkei vor. Langblatt-Sternmiere (Stellaria longifolia ex ) Stellaria longipes : Sie kommt in Nordeuropa und Nordamerika vor. Vogel-Sternmiere (Stellaria media ) Großblütige Vogel-Sternmiere (Stellaria neglecta ) Stellaria nemorum : Mit den Unterarten: Hain-Sternmiere (Stellaria nemorum subsp. nemorum) Berg-Sternmiere (Stellaria nemorum subsp. montana , Syn.: Stellaria montana , Stellaria nemorum subsp. glochidisperma , Stellaria glochidisperma , Stellaria nemorum subsp. circaeoides ) Sumpf-Sternmiere (Stellaria palustris ) Stellaria persica : Sie kommt in Armenien, Aserbaidschan und in der Türkei vor. Stellaria pubera : Sie kommt in den östlichen und zentralen Vereinigten Staaten vor. Stellaria pungens : Sie kommt in Australien vor. Stellaria ruderalis , , , : Sie kommt in Mitteleuropa vor. Sie gehört zur Artengruppe von Stellaria media agg. Stellaria ruscifolia : Sie kommt in Alaska und im fernöstlichen asiatischen Russland vor.
Quellen Literatur John K. Morton: Stellaria. In: (Abschnitte Beschreibung und Systematik)
Einzelnachweise John K. Morton: Stellaria. In: Karol Marhold: Caryophyllaceae. DatenblattStellaria In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity, Berlin 2011. Gerold Hügin: Stellaria pallida – noch immer häufig verkannt. In: Kochia. Band 6, 2012, , S. 91–117. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 1, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 421 (). Martin Lepsi, Petr Lepší, Petr Koutecky, Magdalena Lučanová, Eva Koutecká, Zdenek Kaplan: Stellaria ruderalis, a new species in the Stellaria media group from central Europe. In: Preslia, Volume 91, 2019, S. 391–420. doi:10.23855/preslia.2019.391. (PDF).
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