Schloss Schlobitten ist ein Gebäudeensemble, das seit 1945 nur noch als eine Ruine existiert. Es liegt in der heutigen polnischen Gemeinde Słobity, früher Schlobitten, das von 1816 bis 1945 zum Kreis Preußisch Holland im ehemaligen Ostpreußen gehörte.Słobity, zespół pałacowy (PDF, S. 17.) nid.pl (polnisch). Es bestand seit 1624 und war der Stammsitz der Linie Schlobitten des deutschen Adelsgeschlechts Dohna. 1945 wurde es geplündert und in Brand gesteckt und ist seit dem 19. März 1968 unter der Nummer 587/69 auf der polnischen Denkmalschutzliste aufgeführt.Denkmalschutzliste Schloss Schlobitten. zabytki.org (polnisch).Slobity/Schloss Schlobitten Denkmalgeschütztes Objekte eingetragen in der Datenbank der Woiwodschaft Ermland-Masuren mit der Nummer A-834. (PDF) nid.pl (polnisch).
Alexander zu Dohna-Schlobitten gab dem Gebäudeensemble durch Umbauten und Erweiterungen seine Grundform. Er ließ das Vorgängergebäude in den Jahren 1696 bis 1736 zu einem barocken Schloss umgestalten. Alexander Fürst Dohna-Schlobitten konnte kurz vor Ende des Krieges einen bedeutenden Teil des Inventars von Schloss Schlobitten auslagern, bevor es 1945 nach der Besetzung durch die Rote Armee durch Brandstiftung zerstört wurde.Alexander Fürst Dohna-Schlobitten: Erinnerungen eines alten Ostpreussen. ISBN 3-8003-3115-2, S. 314–328.
Geschichte Die aus Sachsen stammende Familie der Burggrafen zu Dohna kam im 15. Jahrhundert in diese Gegend. Peter von Dohna (* 1483; † 18. Januar 1553) wurde 1525 von Albrecht von Brandenburg, dem Hochmeister des Deutschen Ordens, für seine Dienste mit dem Gut und Dorf Schlobitten belehnt. Sein Sohn Achatius von Dohna (* 17. Mai 1533; † 18. Oktober 1601) aus der Ehe mit Catharina von Zehmen, verlegte den Stammsitz der Familie nach Schlobitten und ersetzte ein älteres Gutshaus durch ein von Wassergräben umgebenes Festes Haus, das er ab 1589 bewohnte.Lothar Graf zu Dohna: Die Dohnas und ihre Häuser. Profil einer europäischen Familie. Band 2. Schlobitten. Wallstein Verlag, Göttingen 2013, S. 701–715.
Achatius’ Sohn Abraham (* 13. März 1579; † 1631)Johann Heinrich Zedler: Grosses vollständiges Universal-Lexicon Aller Wissenschafften und Künste. Band 7. Zedler, Halle/Leipzig 1734, Sp. 1166 (Digitalisat). ließ in den Jahren 1622 bis 1624 das erste Schloss im frühbarocken Stil nach holländischen Vorlagen errichten, dessen dreistufig geschweifte Ziergiebel an die niederländische Renaissance anknüpften. Das Aussehen des Schlosses ist durch eine Zeichnung des Bauherrn überliefert. Untersuchungen polnischer Fachleute weisen darauf hin, dass Abrahams Bau Kellergewölbe des Vorgängerbaus aus dem 16. Jahrhundert integrierte. Im polnisch-schwedischen Krieg wurde das Schloss von Plünderern verwüstet und von Abraham nur notdürftig wiederhergestellt.
Während nach seinem Tod seine Witwe Teile des Anwesens noch einige Jahre bewohnte, residierte sein Neffe und Erbe Friedrich von Dohna, vormaliger Gouverneur des Fürstentums Orange im Dienste des Hauses Oranien, auf Schloss Coppet am Genfer See. Die Verbindung zu den Oraniern kam über Friedrichs Eltern, Christoph zu Dohna und Ursula, geb. Gräfin zu Solms-Braunfels; Letztere hatte zwei Schwestern: Amalie zu Solms-Braunfels, die mit dem niederländischen Statthalter Prinz Friedrich Heinrich von Oranien verheiratet war, und Louise Christina, die den niederländischen Armeechef Johann Wolfart van Brederode geehelicht hatte. Über diese Verbindung bestand auch eine Verwandtschaft zu Amalies Enkeln, den Königen Wilhelm III. von England und Friedrich I. von Preußen.
Friedrich I., der 1701 das Königreich Preußen gegründet hatte, wünschte sich, dass sein neues Königreich aus Gründen kultureller Repräsentation mit einigen prächtigen Barockschlössern versehen werde; so entstanden im Wettbewerb untereinander fast gleichzeitig auch die Schlösser Schlodien (ebenfalls den Dohna gehörend), Friedrichstein und Dönhoffstädt (Grafen Dönhoff), Finckenstein (Grafen Finck von Finckenstein) und Capustigall (Grafen Waldburg) – die beiden letzteren sollten später auch an die Dohna kommen. Von diesen Residenzen existiert heute unzerstört nur noch Dönhoffstädt.
Friedrichs Sohn Alexander zu Dohna-Schlobitten baute die Schlobittener Schlossruine in den Jahren 1695 bis 1722 im Stil des Hochbarock nach Entwürfen von Jean Baptiste Broebes wieder auf, erweiterte das Herrenhaus um eine zweite Galerie und setzte zwei rechtwinklig anschließende Flügel an, so dass das Gebäude einen Ehrenhof hufeisenförmig umschloss. Sein Bruder Christoph ließ gleichzeitig das nahegelegene Schloss Schlodien erbauen. Der weitere Ausbau ab 1704 erfolgte unter der Leitung von Johann Caspar Hindersin: Der äußere Marstallhof wurde mit niedrigen Verbindungstrakten umgeben, das Herrenhaus um ein drittes Geschoss und ein Mansarddach aufgesetzt. Hindersin schuf damit „eine höchst originelle, zwei quadratische Innenhöfe umschließende Baugruppe von hohem Reiz“. Den Festsaal mit seinem prunkvollen Stuck dekorierte im Jahr 1713 Joseph Anton Kraus.
In den Jahren 1696 und 1732 wurde der Gebäudekomplex zu einer repräsentativen Residenz ausgebaut. Hier wurden zahlreiche preußische Könige empfangen, denen es als Reisestation bei ihren Aufenthalten in Ostpreußen diente. Friedrich II. logierte hier wiederholt. Es gab mehr als 70 Zimmer, einen großen Festsaal sowie eine umfangreiche Bibliothek, die im Jahr 1893 bereits 23.000 Bände enthielt.Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band III: Das Oberland, Bernhard Teichert, Königsberg 1893, S. 30–31. Im Schloss gab es neben zahlreichen Gemälden eine Münzsammlung und seltene Fayencen. Das Gut umfasste rund 1500 Hektar Land, das von 160 Familien bewirtschaftet wurde. Es gab nach 1918 zudem ein Heim für alleinstehende alte Menschen. Dank des „Ewigen Testaments“ von 1621, durch das der Schlobittener Familienzweig seinen Besitz zu einem unteilbaren Familienfideikommiss gemacht hatte, blieben die Ländereien und Sammlungen der Familie bis 1945 erhalten.
Im Januar 1945 begaben sich die Bewohner des Schlosses mit den Angestellten unter Führung des Fürsten Alexander zu Dohna auf die Flucht nach Westen, insgesamt 330 Personen, 140 Pferde und 38 Wagen. Sie führten auch 31 wertvolle Trakehnerstuten aus ihrer Zucht mit sich. Das Schloss wurde beim Einmarsch der sowjetischen Streitkräfte niedergebrannt und verwüstet. Bereits 1944 waren Teile der wertvollen Kunstsammlung, die aus zahlreichen Barockmöbeln und Gemälden, Gobelins und Delfter Fayencen bestand und zu der auch eine mit Brillanten geschmückte Tabakdose Friedrichs des Großen zählte, vom letzten Schlossherrn Fürst Alexander zu Dohna, teils in Zügen, teils mit einem Flüchtlingstreck, samt einem Teil des zugehörigen Zuchtgestüts, nach Westen evakuiert worden. Das ausgelagerte Kunstgut wurde in verschiedenen Schlössern verwandter oder befreundeter Familien untergebracht, darunter im Schloss Muskau, fiel dort aber zu zwei Dritteln der Plünderung bei Kriegsende zum Opfer. Lediglich die in das hessische Schloss Laubach ausgelagerten Gegenstände konnte die Familie Dohna nach dem Krieg wieder in Empfang nehmen. In der DDR beschlagnahmte Teile der Sammlung konnten nach der Deutschen Wiedervereinigung dem Bestand wieder hinzugefügt werden. „Der Wunsch des Fürsten Alexander zu Dohna, das gerettete Kunstinventar des Schlobitter Schlosses als geschlossenen Komplex auszustellen, hat ihn bewogen, auch die bis zur Wiedervereinigung in den Depots verschiedener DDR-Museen bewahrten und ihm zurückgegebenen Inventarstücke den Preußischen Schlössern und Gärten zum Kauf anzubieten“.LR Online, 6. April 2018. So übernahm die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg 1992 und 1999 die Sammlung Dohna-Schlobitten, bestehend aus über 1000 Einzelstücken, darunter 72 Gemälden, 35 Möbelstücken, über 200 Porzellanen und Fayencen, 48 Gläsern, über 600 Objekten aus edlen und unedlen Metallen, 250 kunsthandwerklichen Einzelgegenständen verschiedener Materialien und mehr als 500 Textilien.
Ein Teil der Sammlung befindet sich im Schloss Charlottenburg in Berlin in der Sammlung „Dohna-Schlobitten“. Seit 2009 sind im Schloss Schönhausen ebenfalls einige der geretteten Kunstwerke aus Schlobitten zu sehen; viele Objekte sind jedoch in Depots der Stiftung eingelagert. Seit Juni 2023 wird ein Teil der Sammlung als Leihgabe der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg als Dauerausstellung in Schloss Doberlug gezeigt, das damit seinen musealen Schwerpunkt auf die mitteleuropäische Adelskultur setzt.Doberlug-Kirchhain: Dohna-Schlobitten-Ausstellung offiziell eröffnet. Lausitzwelle vom 28. Juni 2025. Abgerufen am 25. August 2025
Baugeschichte mini|Schloss Schlobitten um 1915 Das zweigeschossige Hauptgebäude wurde zunächst als massiver Putzbau mit Kellergeschoss im Stil der Renaissance ausgeführt und wies Zwerchhäuser mit dreizonigen Schweifgiebeln auf. Im Jahr 1627 kam, etwas vom Hauptgebäude abgesetzt, ein eingeschossiges Bibliotheksgebäude mit einer langgestreckten Galerie hinzu, die von Kreuzgratgewölben überspannt wurde. In den Jahren von 1696 bis 1736 wurde ein Neubau im Barockstil in Auftrag gegeben. Zunächst war der Baumeister Jean Baptiste Broebes für die Planung verantwortlich; er entwarf den Plan für die Schlossanlage und errichtete den Ostflügel. Ab 1704 übernahm Johann Caspar Hindersin die Leitung. Ihm stand der Schlossbaumeister Joachim Ludwig Schultheiß von Unfriedt als Gutachter zur Seite. Für den Innenausbau konnte Alexander den Schlüter-Schüler und Stuckateur Joseph Anton Kraus (* Berlin; † 21. Januar 1721)Kraus (Krauss, auch Kruse), Joseph Anton. In: sowie den Maler und Freskanten Giovanni Baptista Schannes († 1719) für mehrere Jahre an das Projekt binden. Kraus gestaltete – möglicherweise in Zusammenarbeit mit dem Stuckateur Johann Georg Pörtzel –Anton Ulbrich: Der Bildhauer Kraus, Krauß oder Kruse. In: Anton Ulbrich: Geschichte der Bildhauerkunst in Ostpreußen vom Ende des 16. Jahrhunderts bis gegen 1870. Band 2. Gräfe und Unzer, Königsberg 1926–1929, S. 428 (Digitalisat).Anton Ulbrich: Der Bildhauer Johann Georg und Matthias Pörtzel. In: Anton Ulbrich: Geschichte der Bildhauerkunst in Ostpreußen vom Ende des 16. Jahrhunderts bis gegen 1870. 2 Bände, Königsberg 1926–1929, S. 427–429. den Festsaal, das Mittelschloss, die Treppenhäuser und die königlichen Zimmer.Anton Ulbrich: Der Bildhauer Kraus, Krauß oder Kruse. In: Anton Ulbrich: Geschichte der Bildhauerkunst in Ostpreußen vom Ende des 16. Jahrhunderts bis gegen 1870. Band 2. Gräfe und Unzer, Königsberg 1926–1929, S. 454–462 (Digitalisat).
Nach Fertigstellung handelte es sich um die bedeutendste barocke Schlossanlage Ostpreußens: „Als Ganzes gesehen war Schlobitten die bedeutendste Anlage, welche die Dohnas geschaffen haben.“ – „Schlobitten (…) wurde (…) 1696 bis 1721 als eine hochbarocke, im Osten einzigartige Gesamtanlage rings um den Ehrenhof und den Marstallhof mit der Turmeinfahrt nebst einem weiten Park und Wirtschaftshof von drei Baumeistern geschaffen (…).“Ähnlich auch:
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