Albrecht Kunkel (* 13. Januar 1968 in Berlin; † 17. August 2009 ebenda) war ein deutscher Fotograf und Künstler.
Leben Kunkel wollte ursprünglich Politologie studieren, entschloss sich dann aber für eine Ausbildung zum Fotografen beim Lette-Verein in Berlin.Anne Jelena Schulte: Nachrufe: Albrecht Kunkel (Geb. 1968)., Tagesspiegel, 4. Dezember 2009. 1990 zog er nach Paris, wo er unter anderem als erster Assistent des Modefotografen Javier Vallhonrat arbeitete. Ab 1993 lebte er hauptsächlich in New York und absolvierte neben seiner Tätigkeit als Fotoassistent Kurse am International Center of Photography.Albrecht Kunkel., ZKM Karlsruhe.
Eine Erbschaft ermöglichte es ihm, sich neue Lehrmeister zu suchen. 1995 kehrte er nach Deutschland zurück und begann ein Studium an der Staatlichen Hochschule für Gestaltung Karlsruhe in der Klasse von Thomas Struth, dessen Tutor er wurde. 1997/98 studierte er für ein Jahr in der Klasse von Bernd Becher an der Kunstakademie Düsseldorf. Er beendete sein Studium an der Universität der Künste Berlin bei Katharina Sieverding im Jahre 2001 mit der Auszeichnung zum Meisterschüler.
Ab 2001 lebte er abwechselnd in Berlin, Paris und New York, verfolgte seine künstlerischen Projekte und arbeitete als Fotograf für Redaktionen in Europa und den USA wie für Die Zeit, für die Magazine Numeró, Purple Fashion, L'Officiel, Big Magazine, für die Condé Nast Group, und dort speziell für Architectural Digest.
Kunkel starb am 17. August 2009 im Alter von 41 Jahren.
Werk Neben seiner Tätigkeit als Werbe- und Modefotograf zu Erwerbszwecken arbeitete Albrecht Kunkel seit den 1990er Jahren an künstlerischen Projekten. Mit 25 Jahren stellte er seine erste Fotoserie aus. Im Zentrum seiner Arbeit standen anfangs Orte, an denen frühe Artefakte der europäisch-christlich/jüdischen Kultur sichtbar sind. Darüber hinaus beschäftigte sich Kunkel mit der Frage, inwieweit fotografische Bilder als Zeugnisse von kultureller Entwicklung Wirkung haben können. Diese Fragestellung wandte Kunkel später auch auf die Gegenwart an, wobei der westlich geprägte Kulturraum (Europa, USA) immer sein Thema blieb.
Ganz im Sinne seiner Lehrer Thomas Struth sowie Bernd und Hilla Becher sah Kunkel die Aufgabe eines zeitgenössischen Künstlers in der möglichst objektiven Dokumentation der Wirklichkeit. Das subjektive Moment seiner Arbeitsweise lag in der Wahl der Motive und der langjährigen Beschäftigung mit immer wiederkehrenden Themen.
In den 1990er Jahren interessierte sich Kunkel vor allem für die Ursprünge der europäischen Kultur und reiste an Orte, an denen sichtbare Zeichen vergangener Epochen erhalten waren, wie z. B. die Höhlen mit prähistorischen Felszeichnungen im französischen Lascaux, die Steinfelder mit Felsritzungen im portugiesischen Côa-Tal oder das Ausgrabungsfeld im türkischen Hisarlık, wo die Reste von Troja verortet werden.
Ab 2001 entwickelte er nach einem Stipendiatsaufenthalt an der von Donald Judd gegründeten Chinati Foundation in Marfa/Texas ein großes Interesse an der US-amerikanischen Konzept- und Minimalkunst der 1960er und 1970er Jahre und begann eine 21-teilige Werkgruppe, die ihn an verschiedene Wohn- und Arbeitsorte von Künstlern wie Robert Smithson, Donald Judd oder Dan Graham führte. Außerdem fotografierte er Orte und Szenen, die als Symbole für die Gegenwartskultur verstanden werden können: die Pavillons der Biennale di Venezia, die Börse an der Wall Street, Autorennen in Monte Carlo, die Filmfestspiele in Cannes oder große Fußballstadien. Zum photographischen Werk von Albrecht Kunkel zählen zwei Dokumentationen der Arbeit der Berliner Tänzerin Janine Schneider.
Rezeption Seine Aufnahme von Tilda Swinton für die Zeit-Serie „Ich habe einen Traum“ZEITmagazin: Ich habe einen Traum. Edel, Hamburg 2012, ISBN 978-3-8419-0176-7, S. 392, biografischer Eintrag S. 443 f. wurde 2008 auf der photokina gezeigt. Rémi Faucheux, Herausgeber des Fotobildbandes Clinic, bezeichnete Kunkels Porträts, die die psychische Transformation von Mädchen bis zur Mutterschaft darstellen, als seine absoluten persönlichen Lieblingsbilder im Buch.Clinic. Cabinet of Art & Medicine (über: Stéphane Velut; Marie-Christine Pouchelle: Clinic. Une exploration de l'univers médical à travers la photographie contemporaine. Images en manoeuvres éd., Marseille 2008. ISBN 978-2-849-95130-9) Werke von Albrecht Kunkel befinden sich in den Sammlungen des Zentrums für Kunst und Medien (ZKM)fünfhochzwei. ZKM Karlsruhe, 2014, pkt. 1.3., der Fotoabteilung der Berlinischen Galerie, der Villa Schöningen (Deutsch-Deutsches Museum) in Potsdam und in Privatbesitz.
Kunkels Nachlassverwalter lobten 2011 ein zweijähriges Doktorandenstipendium für die Erforschung seines fotografischen Œuvres aus.Doktorandenstipendium Nachlass Albrecht Kunkel, ArtHist, 4. September 2011 Die Kunstwissenschaftlerin und Kuratorin Jana Duda promoviert über Kunkels Nachlass. Ralf Schmerberg im Gespräch mit Jana Duda. 29. März 2014.
Preise und Stipendien 1990: „Kodak-Blitz 90“, Nachwuchsförderpreis 1990: „Fuji Shooting Star 90“, Nachwuchsförderpreis 2000: DG Bank Kunstpreis Stipendium 2001: GASAG Kunstpreis 2002: Stipendium an der Chinati „Donald Judd“ Foundation, Marfa, USA (Artist in Residence Program) 2004: Stipendium an der Cité Internationale des Arts Paris
Ausstellungen Einzelausstellungen 1993: „Hai und Berge“, Raab Galerie, BerlinAlbrecht Kunkel., Raab Galerie, Berlin. 1998: "Albrecht Kunkel", Thomas Rehbein, Köln 2008: „Transmission“, Lempertz, Köln und Berlin , Lempertz, Köln. postum 2016: „Albrecht Kunkel: QUEST. Fotografien 1989-2009“, ZKM Karlsruhe
Gruppenausstellungen 1993: Raab Galerie, BerlinDie Weltkunst, Band 63 (1993), S. 2948 1994: White Columns, New York, Vereinigte Staaten 1996: Kulturzentrum Beauvais, Frankreich 2001: Bundeskunsthalle, Bonn (als Repräsentant der UdK Berlin) 2002: „t.i.a. / this is america“, Kunst- und Medienzentrum Adlershofmodels and frames 4 – t.i.a. / this is america. Kunstförderverein Treptow e.V., 2002. 2002: The Chinati Foundation, Marfa, Vereinigte Staaten 2003: Kunstverein Uelzen 2004: 19. International Festival of Fashion and Photography, Hyères, Frankreich 2006: Clinique, Moca - Musée d'art contemporain de Lyon, Frankreich 2007: Open Eye Gallery, Liverpool, Vereinigtes KönigreichJesse Alexander: The Medical Universe: Clinic - Open Eye Gallery 14th June - 1st August 2007, Source Photographic Review, 52, Herbst 2007 postum 2010: „Energie“, Berlinische Galerie by Blank & Jeron, 2010. 2014: „fünfhochzwei“, Kunstwerke aus der Sammlung des ZKM, Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhefünfhochzwei, art-in.de
Ausstellungskataloge „Transmission“, Lempertz, 2008
Weblinks Albrecht Kunkel bei Photography now Albrecht Kunkel beim Zentrum für Kunst und Medien
Einzelnachweise
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