Bei der Integration von Zugewanderten (Migranten) handelt es sich um den Prozess der sozialen Eingliederung der Personen und deren Nachkommen mit Hilfe ganzheitlicher Unterstützungsangebote, die auf den kollektiven Wohlfahrtswerten der Aufnahmegesellschaft basieren.
Zentrale Aspekte der Integration sind vor allem Sprache, Bildung, Arbeitsmarkt, soziale Partizipation, Werte und Identifikation innerhalb des Ziellandes. Die Thematik umfasst sowohl die Angelegenheiten einzelner eingewanderter Personen in deren Lebensalltag als auch soziokulturelle Phänomene im Gastland als Gesamtgesellschaft. Ebenso kann eine sukzessive Gleichstellung zu anderen Einwohnern in Aufenthalts- und politischen Rechten sowie in der Möglichkeit zur aktiven bürgerschaftlichen Teilhabe und zur Erfüllung bürgerschaftlicher Pflichten darunter gefasst werden.
Im gesellschaftlichen Diskurs geht es seit einiger Zeit oft nicht nur um eine Integration der Einwanderer selbst (Migranten der ersten Generation, „Ausländerintegration“ im engeren Sinne), sondern auch um die der meist schon eingebürgerten oder als Staatsbürger geborenen Nachfolgegeneration(en), die „Integration von Menschen mit Migrationshintergrund“ bzw. „mit Zuwanderungsgeschichte“. Sonderfälle gruppenspezifischer Integration sind etwa die Integration der bereits vor längerer Zeit zugewanderten sprachlich-kulturellen oder ethnischen Minderheiten. Hier spricht man von Integration von Minderheiten, überlappend zur Integration autochthoner (einheimischer) Minderheiten. Bei Arbeitsmigration ist auch die Rede von der Integration ausländischer Beschäftigter, insbesondere bei denen, die sich entschließen, im Beschäftigungsland zu bleiben, wie das in Europa beispielsweise in der Gastarbeiter-Thematik des mittleren 20. Jahrhunderts auftrat.
Ein Spezialfall ist die „Flüchtlingsintegration“, insbesondere bei großen Fluchtbewegungen. Bei geflüchteten Personen, die gemäß der Genfer Flüchtlingskonvention als Flüchtlinge einzustufen sind, ist die Situation im jeweiligen Aufnahmeland insofern anders, als für Migranten im Allgemeinen bestimmte völkerrechtliche Verpflichtungen bestehen, die der Aufnahmestaat mit Blick auf die Integration von Flüchtlingen einzuhalten hat. Im Zuge der europäischen Flüchtlingskrise rückte die Debatte um die Einwanderungs-, Flüchtlings- und Asylpolitik, um die Integration von Flüchtlingen und Migranten im Allgemeinen sowie um die Bleibeperspektive von Menschen mit ungeklärtem oder vorläufigem Aufenthaltsrecht stärker in die gesellschaftliche Aufmerksamkeit.
Manche Länder, die sich selbst traditionell als Einwanderungsländer betrachten, steuern seit Langem die Einwanderung gezielt und bedarfsorientiert, etwa mit einem Punktesystem, um die kulturelle und wirtschaftliche Integration zu regeln und zu begünstigen.
Historische Entwicklung Historisch haben sich aus Migrationen, die größere Gruppen betreffen, entweder ethnische Minderheiten in den Aufnahmeländern entwickelt (Segregation, Ghettoisierung), wenn gewisse soziokulturelle Basisfaktoren wie Muttersprache, Religionszugehörigkeit oder Sitten und Gebräuche beibehalten wurden; dann können sich ethnographische und demographische Unterschiede über viele Generationen hinweg halten, teilweise auch mit permanenter oder zumindest phasenweise mangelhafter Integration in das soziale Gesamtgefüge, bis hin zu Unterdrückungs- und Verfolgungsproblematiken auch nach jahrhundertealter Ansässigkeit. In anderen Fällen assimilieren sich die Nachfahren der Migranten in die kulturelle Beschaffenheiten einer Gesellschaft, indem sie ihre Eigenheiten aufgeben, bis die Spuren der Herkunft nur mehr in hochstabilen Identitätsmerkmalen wie dem „landfremden“ Familiennamen. Im Fall einer vollständigen Assimilation wird oft auch der Herkunftsname geändert. Dies kann in Form der Annahme eines landestypischen Namens oder einer weniger „fremdartig“ wirkenden Variante des Ursprungsnamens geschehen. Ferner ist es auch möglich, dass die Migranten und Angehörige (ursprünglich) etablierter Minderheiten teilweise Merkmale ihrer Herkunftskultur beibehalten, aber auch Elemente der Kultur des Aufnahmelandes übernehmen.
John W. Berry benutzt den Terminus Integration als Gegensatz zu den Begriffen Assimilation, Segregation und Marginalisation.
Zur Integration in vorangegangenen Jahrhunderten siehe beispielsweise: Hugenotten in Berlin#Allmähliche Integration Zur Integration in West- und Ostdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg siehe beispielsweise: Flucht und Vertreibung Deutscher aus Mittel- und Osteuropa 1945–1950#Integration sowie Geschichte der Juden in Deutschland#Rückkehr aus dem Exil und Heimatloser Ausländer Zur Geschichte der Flüchtlingsaufnahme in Deutschland siehe: Flüchtlingspolitik (Deutschland)
Definitionen „Zugewanderte“ bzw. „Migranten“ versus „Eingewanderte“
In ihrer im Jahr 2024 veröffentlichten Studie über den Stand der Integration von Eingewanderten in Deutschland reduziert die OECD die Gruppe der von ihr so genannten „Eingewanderten“ bzw. „Migrant*innen“ auf im Ausland Geborene ohne Berücksichtigung der Staatsangehörigkeit vor der Einwanderung. Denn die Staatsangehörigkeit könne sich ändern, der Geburtsort jedoch nicht. Von den Eingewanderten trennt die OECD systematisch in Deutschland Geborene. Diese hätten in der Regel andere Probleme als Migranten im engeren Wortsinn. Von den in Deutschland Geborenen werden Menschen nur dann berücksichtigt, wenn beide Elternteile im Ausland geboren wurden. Bei der Analyse des Integrationsprozesses werden Eingewanderte und in Deutschland Geborene getrennt voneinander analysiert.
In der Studie wird die Benutzung der Begriffe „Migrationshintergrund“ und „Einwanderungsgeschichte“ vermieden. So werden in ihr beispielsweise Enkel von Einwanderern auch dann nicht unter der Kategorie in Deutschland Geborene erfasst, wenn ihre im Ausland geborene Mutter auf dem Weg der Heiratsmigration einen in Deutschland geborenen Mann geheiratet hat (s. o.: „beide Teile im Ausland geboren“).
„Integration“ In der Wissenschaft besteht keine eindeutige Definition des Begriffs Integration. Im Zusammenhang mit der Migration wird unter „Integration“ meist die soziale Integration (Sozialintegration) verstanden,Andreas Damelang: Arbeitsmarktintegration von Migranten: die Potenziale kultureller Vielfalt nutzen. W. Bertelsmann Verlag, 2011, ISBN 978-3-7639-4033-2. S. 9–10. welche üblicherweise in mehreren Dimensionen betrachtet wird.
Soziale Integration versus Systemintegration Die Integration einzelner Personen (sowohl die auf Zugewanderte und auf sprachlich-kulturelle oder ethnische Minderheiten bezogene Integration als auch die Integration anderer Bevölkerungsgruppen, etwa von Menschen mit Behinderung oder Menschen mit besonderer sexueller Orientierung) äußert sich in Formen der sozialen Integration, also der Integration einzelner Akteure in ein bestehendes System. Das Gegenteil von Integration ist die Ausgrenzung, gruppenbezogen auch Segregation genannt. Man nennt dies auch die Sozialintegration (Integration in die Gesellschaft).
In Abgrenzung zur Sozialintegration wird in den Sozialwissenschaften von der Systemintegration (Integration der Gesellschaft) gesprochen, sofern es um den Zusammenhalt eines sozialen Systems als Ganzes geht, etwa um den Zusammenhalt der Gesamtgesellschaft als Ganzes. Das Gegenteil der (System-)Integration nennt man Desintegration; im Zusammenhang der Migration ist die Rede von Ghettoisierung oder einer Aufspaltung der Gesellschaft in Parallelgesellschaften.
Vier Dimensionen der Integration Die soziale Integration hat viele Aspekte, die üblicherweise als Dimensionen dargestellt werden. Hartmut Esser unterscheidet ebenso wie Friedrich Heckmann vier Dimensionen: die Kulturation / kulturelle Integration: im Sinne des Erwerbs von Wissen und Fähigkeiten einschließlich der Sprache, die Platzierung / strukturelle Integration: insbesondere im Sinne von Bildungsbeteiligung und Arbeitsmarktbeteiligung, die Interaktion / soziale Integration: im Sinne der sozialen Beziehungen im Alltag, die Identifikation / identifikatorische Integration: im Sinne eines persönlichen Zugehörigkeitsgefühls zur Gesellschaft.
Kulturelle Integration Kulturelle Integration erfolgt durch den Erwerb von Kompetenzen, die für die Kommunikation und das Handeln in der Aufnahmegesellschaft erforderlich sind. Werte, Normen, die Rechtsordnung und Einstellungen der Aufnahmegesellschaft werden erlernt und internalisiert. Hierzu gehört vor allem der Spracherwerb. Die Bildung ethnischer Minderheitenkulturen wäre der Gegensatz zur kulturellen Integration. Divergierende Wertvorstellungen können sich insbesondere bei den Themen religiöse Toleranz und Gleichberechtigung und Rollen der Geschlechter ergeben. Die Rolle der Religion ist im Integrationsprozess ambivalent. Sie vermittelt einerseits Halt, andererseits begünstigt sie Abgrenzung.Stefan Luft: Die Flüchtlingskrise. München 2017, S. 108–109 Bei der kulturellen Integration kommt den Schulen und dem Lehrpersonal eine wichtige Rolle zu.Stefan Luft: Die Flüchtlingskrise. München 2017, S. 106–107
Strukturelle Integration Die Strukturelle Integration oder Platzierung ist erreicht, wenn Integrationsindikatoren wie die Verteilung der Bildungsabschlüsse, Arbeitslosen- und Transferleistungsquoten etc. in der Gruppe der Zuwanderer ähnlich ist wie in der Gesamtbevölkerung.Stefan Luft: Die Flüchtlingskrise. München 2017, S. 106 Mit der Strukturellen Integration oder Platzierung geht auch die Übernahme von Rechten einher. Zeitreihendaten zeigen eine kontinuierliche Verbesserung der strukturellen Integration die teils mehrere Generationen dauert. Hartmut Esser verweist darauf, dass die Platzierung fundamental ist und es ohne diese nur schwer eine soziale und emotionale Hinwendung zur Aufnahmegesellschaft geben kann.
Soziale Integration Die soziale Integration berücksichtigt die sozialen Kontakte und Gruppenmitgliedschaften des Individuums. Betrachtet werden zum Beispiel Vereinsmitgliedschaften, Freundschaften und Heiratsverhalten. Häufig sind für die erste Migrantengeneration Kontakte zu Angehörigen der eigenen Herkunftskultur dominant. Interethnische Kontakte entstehen insbesondere im Bildungswesen und auf dem Arbeitsmarkt. Ebenso wird Sportvereinen häufig eine integrationsfördernde Rolle zugesprochen. Als besonders integrationsfördernd gelten auch partizipative Kunstprojekte, die Flüchtlinge und Migranten mit Gemeinschaften der Aufnahmegesellschaft zusammenführen. Abschnitt „5 Allgemeins Schlussfolgerungen“. Es wird angenommen, dass direkter Kontakt unter Menschen mit und ohne Migrationsgeschichte – zum Beispiel im Rahmen des ehrenamtlichen Engagements – zum Abbau von Vorurteilen und zu besserer Integration beitragen können („Kontakthypothese“).
Kontakte und Beziehungen zu Mitgliedern der Aufnahmegesellschaft gelten als sehr förderlich für die soziale Integration, während die Beschränkung auf die eigene ethnisch-soziale Gruppe und das Entstehen ethnischer Kolonien als von erheblichem Nachteil angesehen wird. Unterdurchschnittlicher Kontakt zu Netzwerken der Aufnahmegesellschaft wirken sich beim Bildungserfolg und bei der Lehrstellen- bzw. Arbeitsplatzsuche negativ aus.Stefan Luft: Die Flüchtlingskrise. München 2017, S. 105
Identifikatorische Integration Bei der identifikatorischen Integration geht es um die subjektiven Gefühle und die Definition der Zugehörigkeit einer Person zur kulturellen oder nationalen Gemeinschaft – um eine Identifikation mit dem Wohnland in grundlegenden Fragen. Friedrich Heckmann bezeichnet diese als "letzte Stufe der Integration". Der Soziologe Wilhelm Heitmeyer betont, dass es für die Integration wichtig ist, dass Menschen sich als anerkannt wahrnehmen. Fühlen sich Zuwanderer sowohl der Aufnahme- als auch der Herkunftskultur zugehörig, wird von hybrider Identität gesprochen. Die Aufnahme- und Herkunftskultur sind dann Teil der Multikollektivität der zugewanderten Person.