Die Bahnstrecke Riesa–Chemnitz ist eine zweigleisige und elektrifizierte Hauptbahn in Sachsen, welche ursprünglich durch die Chemnitz-Riesaer Eisenbahn-Gesellschaft erbaut und betrieben wurde. Die Strecke verläuft von Riesa über Döbeln und Mittweida nach Chemnitz und ist Teil der Verbindung Berlin–Chemnitz.

Geschichte Vorgeschichte und Bau

Bereits 1837 wurden Pläne für eine Bahnverbindung von Riesa, einem wichtigen Güterumschlagplatz an der Elbe, nach Chemnitz und weiter nach Zwickau, das als Kohlerevier bedeutsam war, vorgelegt. Nachdem die Leipzig-Dresdner Eisenbahn eröffnet war, wurde einer Anbindung der in der Industrialisierung steckenden Stadt Chemnitz nach Leipzig und Dresden, wenn auch nur durch einen Umweg über Riesa, höchste Priorität zugesprochen. Am 8. Mai 1845 konnten die Bauarbeiten beginnen, obwohl zwischen Döbeln und Waldheim noch nicht einmal ein genauer Streckenverlauf beschlossen worden war.Kurt Kaiß, Matthias Hengst: Eisenbahnknoten Chemnitz – Schienennetz einer Industrieregion, Alba, Düsseldorf 1996, ISBN 3-87094-231-2, S. 61 Auf dem nördlichen Abschnitt von Riesa nach Döbeln schritten die Bauarbeiten zügig voran. Am 29. August 1847 erfolgte dort die offizielle Eröffnung, am 22. September 1847 konnte ferner das kurze Stück nach Limmritz eröffnet werden. Döbeln erhielt vorerst nur einen Bahnhof im nördlichen Ortsteil Großbauchlitz. Der heutige Bahnhof Döbeln Hbf erhielt erst im Zuge der Fertigstellung der Dresden-Döbeln-Leipziger Strecke 1868 seine Position.

Der Abschnitt von Limmritz nach Waldheim bereitete hingegen große Probleme. Die Baukosten der Viadukte und Stützmauern im Zschopautal brachten die Gesellschaft schnell in Finanznot. Da ohne einen durchgängigen Betrieb nach Chemnitz kein profitabler Bahnbetrieb möglich war und eine Anleihe nicht zustande kam, musste sich die Chemnitz-Riesaer Eisenbahn-Gesellschaft am 29. Mai 1848 dem Staat anbieten. Aufgrund der Revolution 1848/49 übernahm dieser erst am 31. Dezember 1850 die Gesellschaft und setzte den Bau fort, so dass schließlich am 1. September 1852 die Gesamtstrecke eröffnet werden konnte. Neben dem König Friedrich August II. nahmen auch zahlreiche hochrangige Politiker an der Eröffnung teil. Noch heute ist der Abschnitt Limmritz–Waldheim als Bankrottmeile bekannt. Insgesamt war die Strecke mit Baukosten von über 100.000 Talern pro Streckenkilometer eine der damals teuersten Bahnbauten überhaupt.Kurt Kaiß, Matthias Hengst: Eisenbahnknoten Chemnitz – Schienennetz einer Industrieregion, Alba, Düsseldorf 1996, ISBN 3-87094-231-2, S. 62

Betrieb Als begonnen wurde, die Bahn nach Zwickau (mit einem Abzweig von Glauchau nach Gößnitz) zu verlängern, erhielt die gesamte Strecke die Bezeichnung Niedererzgebirgische Staatsbahn. Nachdem mit der Streckeneröffnung 1858 nicht nur die Verbindung zur Bahnstrecke Leipzig–Hof (Sächsisch-Bayerische Staatsbahn), sondern auch zur Obererzgebirgischen Staatsbahn (Schwarzenberg–Zwickau) geschaffen war, wurden die drei Strecken am 1. Januar 1859 zur Westlichen Staatsbahn zusammengefasst.

Im Preußisch-Österreichischen Krieg 1866 wurde der Ostrauer Viadukt von preußischen Pionieren gesprengt. In Großbauchlitz (seit 1932 Döbeln Nord) bestand ab 1905 Anschluss an die Mühlenbahn Großbauchlitz, sie wurde 1914 durch ein Anschlussgleis ersetzt.

Die größte Zäsur ihrer Geschichte erfuhr die Strecke nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945. Reparationsforderungen der Sowjetunion führten zum vollständigen Abbau des zweiten Gleises, was in den folgenden 45 Jahren für eine äußerst schwierige Betriebssituation auf der dicht befahrenen Hauptstrecke sorgte. Erst 1990 konnte das zweite Gleis wieder auf der Gesamtstrecke in Betrieb genommen werden. Im Vorfeld der Elektrifizierung 1991 wurden die beiden „unechten“ Tunnel bei Waldheim aufgeschnitten, die in den Anfangsjahren der Strecke gebaut wurden, um Steinschläge und Schneeverwehungen zu vermeiden.

Im Juni 2001 wurde der Zweistundentakt der Interregio-Linie von Chemnitz nach Berlin und Rostock auf drei Zugpaare täglich ausgedünnt. Der Interregio-Verkehr wurde am 26. Juni 2006 eingestellt. Bis zum 9. Dezember 2006 verkehrten vorübergehend zwei durchgehende RegionalExpress-Zugpaare zwischen Chemnitz und Berlin-Zoologischer Garten. Diese wurden im Dezember 2006 durch ein in Tagesrandlage verkehrendes, als Vogtland-Express bezeichnetes Zugpaar der Vogtlandbahn ersetzt, das im Frühjahr 2009 zwischenzeitlich für wenige Wochen und am 1. Oktober 2012 ganz eingestellt wurde. Es wurde dann durch Busfahrten ersetzt und 2015 komplett aus dem Netz genommen.

Bis 2011 wurde wochentags von 5 Uhr bis 9 Uhr und von 14 Uhr bis 19 Uhr der Stundentakt zwischen Chemnitz und Mittweida auf einen Halbstundentakt verdichtet. Diese Leistungen wurden infolge von Mittelkürzungen des Freistaates Sachsen vom VMS abbestellt.

Seit dem Fahrplanjahr 2016 verkehrt die RB 45 bis auf wenige Ausnahmen als Expresszug zwischen Chemnitz Hauptbahnhof und Mittweida. Die Bedienung der Zwischenstationen wurde von der City-Bahn Chemnitz übernommen, welche seit Oktober 2016 als Linie C14 Bestandteil des Chemnitzer Modells ist und umsteigefrei bis in die Chemnitzer Innenstadt fährt. Seit Januar 2022 verkehrt diese bis Thalheim/Erzgeb. Mittlerweile werden die Züge zwischen Chemnitz Hauptbahnhof, Riesa und Elsterwerda von der Mitteldeutschen Regiobahn gefahren.

Im Güterverkehr verkehren im Fahrplanjahr 2017 über diese Strecke planmäßig drei Züge mit zehn Leistungen pro Woche, nachdem im Fahrplanjahr 2015 planmäßig keine Züge mehr fuhren. Weiterhin wird der Güterverkehr bei Streckensperrungen zwischen Werdau und Gaschwitz über diese Strecke umgeleitet.

Im Jahr 2015 wurde das 150 Jahre alte Sandsteinviadukt in Ottendorf abgebrochen und durch eine 900 Tonnen schwere Stabbogenbrücke ersetzt.

Streckenbeschreibung Verlauf Im Bahnhof Riesa zweigt die Strecke zusammen mit der Trasse der Nebenbahn nach Nossen in einem leichten Linksbogen von der Leipzig-Dresdner Eisenbahn ab. Die Nossener Strecke trennt sich danach in einem Linksbogen nach Süden ab, während die Chemnitzer Strecke in südwestlicher Richtung weiter verläuft und der Bundesstraße 169 folgt. Der nördliche Streckenabschnitt bis Döbeln verläuft durch relativ flaches Gebiet; die einzigen nennenswerten Kunstbauten auf diesem Abschnitt sind der 130 m lange Viadukt bei Ostrau und die 80 m lange Muldenbrücke vor dem Bahnhof Döbeln. Auf dem Abschnitt Gärtitz–Döbeln lag ab 1884 ein Dreischienengleis. Die Schmalspurbahn von Oschatz erhielt 1909 mit dem Bau des Bahnhofs Gärtitz ein eigenes Planum neben der Hauptbahn. In der Nähe der Autobahnanschlussstelle Döbeln-Nord wird die Bundesautobahn 14 unterquert und nach der Überquerung der Freiberger Mulde trifft die Strecke auf die heute eingleisige und nicht elektrifizierte Hauptbahn von Coswig nach Borsdorf bei Leipzig. Der Döbeln Hbf ist ein Keilbahnhof. Das Empfangsgebäude befindet sich zwischen den Gleisen von Riesa und Coswig. mini|links|Viadukt Limmritz (nach 1945) Südlich des Bahnhofs Döbeln zweigt die Bahnstrecke Borsdorf–Coswig nach Westen ab, danach werden die Bundesstraßen 169 und 175 gequert. In der Nähe von Limmritz tritt die Bahn in das Tal der Zschopau ein. Der Streckenabschnitt von Limmritz bis Waldheim führt über mehrere Großbrücken, deren kostspieliger Bau ursächlich für die Zahlungsunfähigkeit der Chemnitz-Riesaer Eisenbahn-Gesellschaft war. Bis heute trägt der Abschnitt im Volksmund den Namen Bankrottmeile.

Unmittelbar hinter dem im Rahmen der Vorarbeiten für die Elektrifizierung 1991 abgetragenen, 128 m langen Saalbachtunnel wird auf der 32 m hohen, 270 m langen und aus 14 Bögen bestehenden Zschopaubrücke das Zschopautal überquert. Anschließend folgt die Strecke an einem steilen und felsigen Abhang dem linken Ufer des Flusses und quert mit Hilfe der 49 m hohen und 210 m langen Dietenmühlentalbrücke den Steinaer Bach, der hier aus einem tief eingeschnittenen Seitental in die Zschopau mündet. Im Bahnhof Waldheim, den die Strecke anschließend erreicht, mündete von Westen her die 1998 stillgelegte Bahnstrecke Waldheim–Rochlitz ein.

Südlich des Bahnhofs Waldheim führt die Strecke durch das Areal des ebenfalls im Vorfeld der Elektrifizierung abgetragenen, ehemals 170 m langen Pfaffenbergtunnels. Anschließend wird mit der 41 m hohen und 211 m langen Heiligenborntalbrücke erneut ein Zschopau-Seitental überquert. Die Chemnitzer Bahn wendet sich leicht in Richtung Südwesten, entfernt sich somit stärker von der südlich von Kriebstein angestauten Zschopau und erreicht kurz vor Erlau ihren westlichsten Punkt. Danach führt sie ziemlich geradlinig nach Süden über Mittweida und Altmittweida nach Oberlichtenau, wo die Bundesautobahn 4 überquert wird. Im Zuge der Erweiterung der Autobahn auf sechs Streifen Ende der 1990er Jahre musste diese Brücke erneuert werden. Im Chemnitz Hbf findet die Strecke ihren Endpunkt, wobei sie gemeinsam mit der westlich liegenden Bahnstrecke Neukieritzsch–Chemnitz in die Bahnstrecke Dresden–Werdau einmündet.

Betriebsstellen Riesa

Der Bahnhof Riesa besteht seit der Eröffnung des Abschnittes Oschatz–Riesa der Leipzig-Dresdner Eisenbahn im November 1838. Die Chemnitz-Riesaer Eisenbahn errichtete in Riesa zunächst einen eigenen Bahnhof, der bis 1879 in Betrieb war. Seitdem mündet die Strecke Riesa–Chemnitz direkt in den Bahnhof ein, der seit dieser Zeit mehrfach erweitert wurde.

Seerhausen

Der Haltepunkt Seerhausen wurde am 29. August 1847 eröffnet. Zwischen 1924 und 2014 wurde er als Bahnhof geführt. Das Empfangsgebäude wurde mit der Ernennung zum Bahnhof im Jahr 1924 eröffnet. Im Jahr 2014 erfolgte die Schließung des Stellwerks B1. Die Station befindet sich westlich des namengebenden Orts Seerhausen.

Stauchitz mini|Haltepunkt Stauchitz (2022) Der Bahnhof Stauchitz wurde am 29. August 1847 eröffnet. Seit 1979 wird er als Haltepunkt geführt. Die Station war ursprünglich u. a. mit einem Empfangsgebäude, einem Güterschuppen, einem Wirtschaftsgebäude, einer Laderampe und Wohnhäusern ausgestattet, von denen das Wirtschaftsgebäude im Jahr 2003 und der Güterschuppen im Jahr 2005 abgerissen wurde.

Ostrau mini|Bahnhof Ostrau (2022) Der Bahnhof Ostrau wurde am 29. August 1847 eröffnet. Die Station im Osten des Orts wurde u. a. mit einem Empfangsgebäude mit Personentunnel, einem Güterschuppen, einem Wirtschaftsgebäude, einem Wohnhaus, einer Bahnmeisterei, einem Stellwerk und Gebäuden der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft. An die südliche Bahnhofsausfahrt schließt sich das Viadukt Ostrau über die Jahna an.

Zschaitz mini|Haltepunkt Zschaitz (2022) Der Haltepunkt Zschaitz wurde am 29. August 1847 eröffnet. Er wurde ab 1894 als Haltestelle und ab 1905 als Bahnhof geführt. Nachdem die Station ab 1933 wieder eine Haltestelle wurde, erfolgte 1962 erneut die Hochstufung zum Bahnhof und 1972 die Herabstufung zum Haltepunkt. Der Haltepunkt Zschaitz war mit einem Empfangsgebäude, einem Güterschuppen, einer Laderampe und einem Wohnhaus ausgestattet. Während der Güterschuppen im Jahr 2018 abgerissen wurde, sind die anderen Hochbauten am Standort westlich von Zschaitz noch vorhanden.

Döbeln-Gärtitz