Kitodo ist ein Softwarepaket für Digitalisierungsprojekte in Bibliotheken, Archiven, Museen und Dokumentationszentren. Es wird vom gleichnamigen Verein gepflegt. Vor der Umbenennung im Mai 2016 waren Verein und Software unter dem Namen Goobi bekannt. Die Open-Source-Software wird insbesondere in wissenschaftlichen Bibliotheken und in Archiven eingesetzt. Mit Kitodo werden u. a. Handschriften, Drucke, Bücher, Zeitschriften und Zeitungen digitalisiert und präsentiert. Das Softwarepaket besteht aus den beiden Hauptkomponenten Kitodo.Production und Kitodo.Presentation. Diese eignen sich für unterschiedliche Digitalisierungsstrategien und skalierbare Geschäftsmodelle.

Kitodo.Production

Kitodo.Production ist ein quelloffenes Workflow-Management-System zur Organisation und Durchführung des Digitalisierungsprozesses in Kultureinrichtungen. Die Software erfasst die zu digitalisierenden Medien als einzelne Vorgänge und führt sie durch den Digitalisierungsworkflow. Ergebnis ist ein digitalisiertes Objekt, das online zur Verfügung gestellt wird und aus einer METS-codierten Beschreibung sowie den angezeigten Digitalisaten besteht; die beschreibenden Metadaten sind dabei bevorzugt nach dem MODS-Standard kodiert.

Technisch handelt es sich dabei um eine Java-Webanwendung, die typischerweise auf einem Linux-System mit Apache-Tomcat-Webserver und MySQL-Datenbank läuft. Das Benutzerinterface ist browserbasiert und damit betriebssystemunabhängig.

Kitodo.Presentation Kitodo.Presentation ermöglicht die öffentliche Präsentation der Digitalisate. Diese Software ist eine Erweiterung des freien Content-Management-Framework TYPO3 in PHP. Sie wird beispielsweise im DFG-Viewer, der Referenzimplementierung für den Digitalisierungsstandard der DFG-Praxisregeln Digitalisierung der Deutschen Forschungsgemeinschaft, verwendet.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert auch die Weiterentwicklung von Kitodo.

Weitere Komponenten von Kitodo sind Kitodo.Publication (ein TYPO3-Modul, das einen Dokumentenserver bereitstellt), Kitodo.Contentserver sowie Kitodo.UGH.

Anwender

Die folgenden Archive und Bibliotheken nutzen Kitodo für die Digitalisierung und teilweise auch für die Präsentation von digitalen Sammlungen:

Schweizerisches Bundesarchiv Bern Universitätsbibliothek Braunschweig Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden Kreisarchiv Esslingen Universitätsbibliothek Freiberg Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt Halle Bibliothek des Landeskirchenamtes der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek Hannover Schleswig-Holsteinische Landesbibliothek Universitätsbibliothek Leipzig Universitätsbibliothek Mannheim Hessisches Landesarchiv Marburg Württembergische Landesbibliothek Stuttgart

Weitere Anwendungsmöglichkeiten bietet Software, die explizit Schnittstellen zu Kitodo anbietet, beispielsweise die virtuelle Forschungsumgebung für die Geisteswissenschaften FuD der Universität Trier.

Hintergrund 2004: Entwicklung der Göttingen online-objects binaries (Goobi) durch die Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen. Weiterentwicklung als Open-Source-Software durch mehrere Bibliotheken und Unternehmen, z. B. intranda GmbH, Zeutschel GmbH, Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek Dresden, Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg und Staatsbibliothek zu Berlin. 12/2010: Vereinbarung zum Goobi-Release-Management der Staatsbibliotheken Berlin, Dresden, Göttingen und Hamburg und der Zeutschel GmbH. 09/2012: Gründung des Goobi. Digitalisieren im Verein e. V. zur Koordination der Entwickler und Anwender sowie für den Rechts- und Investitionsschutz im Auftrag der Goobi-Community. 01/2013: Eintragung ins Vereinsregister und Anerkennung der Gemeinnützigkeit. 2013: Letzte synchronisierte Versionen der Goobi.Production Community Edition und der Goobi Intranda Edition. Seitdem entwickelt sich die Software in den beiden Forks auseinander. Am 13. Mai 2016 beschloss die Mitgliederversammlung, den Verein und ihren Fork der Software fortan Kitodo zu nennen.

Literatur

Achim Bonte: Chancen und Fallstricke offener, kooperativer Softwareentwicklung. Das Beispiel Kitodo. In: Achim Bonte, Juliane Rehnolt (Hrsg.): Kooperative Informationsinfrastrukturen als Chance und Herausforderung. Festschrift für Thomas Bürger zum 65. Geburtstag, Berlin: de Gruyter 2019, ISBN 978-3-11-058493-6, S. 182–192; doi:10.1515/9783110587524-022.

Weblinks

Kitodo Website Kitodo-Quellcodes und Entwicklung. GitHub-Repository:

Einzelnachweise

Kategorie:Bibliothekstechnik Kategorie:Freie Bibliothekssoftware Kategorie:Java-Programm