Die Thresher, auch USS Thresher (Kennung: SSN-593), war ein nuklearbetriebenes U-Boot der United States Navy und gehörte der nach ihr benannten Thresher-Klasse an. Das 1961 in Dienst gestellte Boot ging am 10. April 1963 etwa 350 Kilometer vor Cape Cod an der Ostküste der Vereinigten Staaten bei Tauchtests verloren, wobei 129 Männer umkamen. Damit war die Thresher das erste gesunkene Atom-U-Boot.

Als Grund für den Untergang wird ein unkontrollierbarer Wassereinbruch vermutet. Durch einen in der Folge aufgetretenen Kurzschluss schaltete sich der Reaktor automatisch ab und ließ damit den Antrieb des Bootes ausfallen, woraufhin die Thresher unter ihre Zerstörungstiefe sank. Nach längerer Suche konnte die US Navy das Wrack aufspüren und Fotos anfertigen, die zeigten, dass der Druckkörper beim Sinken noch stabil war und erst in einer großen Tiefe vom steigenden Wasserdruck zerdrückt wurde.

Noch heute liegt das Wrack in ca. 2500 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund. Über austretende radioaktive Stoffe ist nichts bekannt.

Technik Die erste Einheit der Thresher-Klasse war knapp 85 Meter lang, 9,8 Meter breit und verdrängte getaucht 3.770 Tonnen. Das von einem Druckwasserreaktor getriebene Boot erreichte Geschwindigkeiten von 30 Knoten und hatte auf Grund des Atomantriebs globale Reichweite. Die Bewaffnung bestand aus vier im Bug etwa auf Höhe des Turms angebrachten Torpedorohren, aus denen neben Torpedos auch UUM-44 Subroc abgefeuert werden konnten. Die Besatzungszahl lag im Einsatz bei 16 Offizieren und 96 Mannschaften.

Die Thresher war Typschiff einer neuen Generation von U-Booten, die speziell zur Jagd auf andere U-Boote geplant wurde. Dazu konnte das Boot aufgrund seiner Bauweise mit der neuen Stahllegierung HY-80 mit 1300 Fuß (400 Meter) tiefer tauchen als irgendein anderes Boot der US Navy zu dieser Zeit und besaß zusätzlich die besten erhältlichen Sonaranlagen, was das Boot zusammen mit seinem leisen Antriebssystem zum besten „heimlichen Jäger“ seiner Zeit machte.

Die Baukosten lagen bei etwa 55 Millionen US-Dollar.aus: Terzibaschitsch: Seemacht USA. Bernard & Graefe Verlag, Bonn, ISBN 3-86047-576-2, S. 513.

Name und Insigne mini|links|hochkant=0.75|Insigne Die Namensgebung der Thresher folgte der Tradition der Navy, Unterseeboote nach Meerestieren zu benennen. So stand für dieses Boot der Gemeine Fuchshai Pate, ein Hai mit einer sehr langen Schwanzflosse, der auch „Drescherhai“ oder auf Englisch „thresher shark“ genannt wird. Diesen Namen trug bereits ein U-Boot im Zweiten Weltkrieg, das auf 13 Patrouillen mehrere japanische Schiffe versenken konnte, die Thresher (SS-200).

An den namensgebenden Hai und an die Fähigkeiten des Bootes lehnt sich auch die Insigne der Thresher an. Diese ist quadratisch und von einem Tau umrundet. Im Hintergrund sind blaue Streifen auf weißem Grund zu sehen, die die große Tauchtiefe der Thresher symbolisieren. Das U-Boot selbst ist unten rechts zu sehen, es zeigt mit dem Bug direkt auf den Betrachter. Im Rumpf ist das Symbol für die Kernkraft zu sehen, was die Antriebsart veranschaulicht. Außerdem sendet das Boot Sonarwellen aus, was seine Fähigkeit zum Aufspüren anderer Schiffe symbolisiert. Links über dem Unterseeboot ist ein Fuchshai zu sehen, dessen charakteristische Schwanzflosse hinter der Thresher herführt. Ganz unten befindet sich der lateinische Schriftzug Vis tacita, zu Deutsch lautlose Stärke. Dieses offizielle Motto lehnt sich ebenfalls an die Leistungsfähigkeit der Thresher an.

Nach dem Namen folgt der Typ und die „Hull-Number“. Im Fall der Thresher ist dies SSN für Ship Submersible Nuclear, die Klassifizierung für Jagd-U-Boote, und die 593. Das bedeutet, dass die Thresher das 593. U-Boot in der Geschichte der US Navy war.

Geschichte Bau mini|Stapellauf Bug voraus

Der Auftrag, die Thresher zu bauen, erging Anfang 1958 an die Portsmouth Naval Shipyard. Auf deren Werft in Kittery (Maine) wurde am 28. Mai 1958 der Kiel des Bootes gelegt. Am 9. Juli 1960, also nach knapp 25,5 Monaten, wurde der Rumpf fertiggestellt und der Stapellauf des Schiffes fand statt. Die Thresher lief Bug voraus vom Stapel. Dieses Verfahren wurde bei U-Booten erstmals angewandt, wegen der Länge und der Bugform wurde es dem traditionellen Heck-Voraus-Stapellauf vorgezogen. Dementsprechend fand die Schiffstaufe am Heck des Bootes statt. Taufpatin war Mrs. Mary B. Warden, die Witwe von Konteradmiral Frederick B. Warden, einem U-Boot-Kommandanten des Zweiten Weltkrieges.

Nach der Zeremonie folgte die Endausrüstung des Bootes an der Pier. Die erste Fahrt unter eigener Kraft erfolgte Ende April 1961. Jedoch gab es bereits bei den ersten Tauchgängen Probleme. So gingen Testfahrten am 30. des Monats in flachen Gewässern gut, am nächsten Tag zeigten zu Testzwecken installierte Instrumente jedoch Probleme an, weit bevor die eigentlich vorgesehene Tauchtiefe erreicht war. Der Kommandant, Commander Dean L. Axene, brach den Tauchgang ab; in der Werft wurde jedoch festgestellt, dass die Instrumente falsche Werte anzeigten. Nachdem die restlichen Tests positiv verliefen, wurde die Thresher am 3. August 1961 offiziell in die Flotte der US Navy aufgenommen.

Erste Fahrten mini|Bugansicht der Thresher … mini|… und eine entsprechende Heck-Ansicht

Zu Beginn ihrer Dienstzeit führte die Thresher weitere Testfahrten durch. Die erste Fahrt, bei der die Navy die Lautstärke der Thresher im Einsatz bestimmen wollte, führte sie in die Gegend von Andros Island. Die Ergebnisse dieser Tests waren positiv, das Boot war sogar leiser als erwartet. Daraufhin begannen vor der Küste New Englands erste Einsatzsimulationen. Die Thresher spielte „Katz und Maus“ mit den amerikanischen U-Booten Skate und Tullibee. Nach einigen Reparaturen und Instandsetzungsarbeiten fuhr die Thresher mit dem dieselelektrischen U-Boot Cavalla nach San Juan, Puerto Rico.

Als die beiden Boote am 2. November im Hafen lagen, fuhr die Thresher ihren Reaktor herunter und bezog die Energie für Licht sowie Luftzufuhr und Kühlung von ihrem eigenen Dieselgenerator. Dies war nötig, da an Land nicht genügend Energie bereitstand, um die vor Anker liegenden Schiffe zu versorgen, wie es eigentlich Standard ist. Als der Dieselgenerator der Thresher ausfiel, bezog das Schiff seine Energie aus der Notreserve, bestehend aus großen Akkus. Spät wurde die Entscheidung getroffen, den Reaktor wieder hochzufahren, ein Prozess, der Zeit und viel Energie kostet. Deshalb wurden alle nicht lebenswichtigen Energieverbraucher abgestellt, unter anderem auch die Klimaanlage, wodurch sich Bereiche auf dem Boot auf bis zu 60 °C aufheizten. Zehn Stunden nach dem Ausfall des Generators waren die Akkus entladen, der Reaktor aber noch nicht gestartet. Daher musste die Cavalla dem Atom-U-Boot über Kabel Strom liefern, wodurch dieses den Reaktor dann erfolgreich hochfahren konnte.

Nach einigen Waffentests folgten um Weihnachten 1961 Instandhaltungsarbeiten, ab Februar 1962 dann erste Tests des Sonarsystems unter Leitung des Navy Underwater Sound Laboratory vor New London, Connecticut. Im März fuhr die Thresher simulierte Jagdeinsätze gegen die Cavalla und die Hardhead. Im April nahm das Boot Experten für U-Jagd an Bord und demonstrierte seine Fähigkeiten, wiederum gegen die Cavalla.

Die Zeit von Mitte April bis Mitte Mai verbrachte die Thresher in der Werft von Electric Boat in Groton, Connecticut, wo sie für ihre nun kommenden Erprobungen mit Messinstrumenten ausgerüstet wurde. Die Thresher sollte in Richtung Süden verlegt werden, um sogenannte „Schocktests“ durchzuführen. Dabei wird der Rumpf der Schockeinwirkung von nahen Unterwasserexplosionen ausgesetzt, um mögliche strukturelle Schwachstellen zu finden und gegebenenfalls beheben zu können. Auf dem Weg in die Region von Key West, Florida, wo die Tests stattfinden sollten, legte die Thresher in Cape Canaveral an und wurde von einem Schlepper am Ballasttank beschädigt. Der eigentlich relativ unbedeutende Schaden musste noch vor den Schocktests repariert werden; dies fand im nächsten verfügbaren Trockendock statt, das wiederum das von „EB“ in Groton war. Nach der kurzen Reparatur fanden schließlich die Tests statt. Zwei Wochen lang wurde die Thresher mit Wasserbomben beworfen, die in voreingestellten Abständen zum U-Boot explodierten. Zwischenzeitlich wurde außerdem ermittelt, ob die Tortur das U-Boot lauter gemacht hatte. Anfang Juli waren die Tests beendet, und kurz darauf lag die Thresher wieder in Portsmouth. Mitte des Monats ließ die Besatzung Familienmitglieder an Bord, die kurze Tauchgänge mitmachen durften.

Im Anschluss daran unterzog sich das Boot der sogenannten Post Shakedown Availability (PSA), einer Werftliegezeit, während der die bei den Testfahrten gefundenen Fehler und Probleme beseitigt werden sollten. Bei der Thresher war die PSA verschoben worden, da das Boot neben reinen Testfahrten bereits an Übungen teilnehmen musste, die die Leistungsfähigkeit des Bootes demonstrieren sollten. Während der neun Monate im Trockendock der Portsmouth Navy Yard in Kittery wurden Maschinen und andere Bootsteile ausgetauscht; insgesamt gab es 875 Arbeitsaufträge. Teilweise mussten dafür Löcher in den Rumpf geschnitten werden, die später wieder zugeschweißt wurden. Anfang des Jahres 1963 wurde Commander Axene auf die John C. Calhoun versetzt, neuer Skipper der Thresher wurde Lieutenant Commander John Wesley Harvey. Die Werftliegezeit dauerte bis in den April 1963.

Untergang mini|Lieutenant Commander John W. Harvey, letzter Kommandant der Thresher

Am Morgen des 9. April 1963 gegen acht Uhr legte die Thresher erstmals nach ihrer Werftliegezeit wieder von der Pier in Portsmouth ab. Das Boot sollte erste Tauchtests in flachem Wasser über dem Kontinentalschelf machen, um zu überprüfen, ob das Boot an einer der geschweißten Stellen lecke oder es sonstige Probleme gäbe. Neben der militärischen Crew befanden sich 17 Zivilisten an Bord. Dies waren Angestellte der Bauwerft und von Zulieferern. Zu den Militärs gehörten auch abgeordnete Offiziere von Küstenkommandos, die die Tauchtests verfolgen sollten. Die Gesamtbesatzungszahl betrug damit 129.

Die Thresher verließ den Hafen mit der Skylark, einem U-Boot-Rettungsschiff, das Menschen aus U-Boot-Wracks befreien konnte, sofern diese nicht tiefer als 850 Fuß (250 Meter) lagen. Außerdem blieb die Skylark über eine Gertrude, ein „Unterwassertelefon“, mit dem getauchten U-Boot in Kontakt. Ein solches Vorgehen war Standard bei Tauchtests von neuen oder gerade erst überholten U-Booten.

Die ersten Tauchversuche an diesem Morgen, die östlich von Boston, Massachusetts, stattfanden, verliefen problemlos. Daraufhin vereinbarten die beiden Schiffe einen Punkt etwa 220 Seemeilen östlich von Cape Cod, wo sie sich am nächsten Morgen treffen wollten. Dort war der Meeresgrund tief genug, so dass die Thresher ihre größte Tauchtiefe erreichen könnte. Die Schiffe trafen sich am 10. April 1963 um 06:35 Uhr. Der Treffpunkt lag bei . Um 07:47 Uhr begann die Thresher den Abstieg, der sie auf bis zu 400 Meter Tiefe führen sollte. Dabei sollte das Boot häufiger Zwischenstation machen und die Besatzung nach Lecks oder anderen Problemen suchen. Um 07:52 Uhr geschah dies auf 400 Fuß (125 Meter) Tiefe. Um 08:09 Uhr war die Thresher auf 650 Fuß (200 Meter) abgesunken, um 08:35 Uhr durchschritt sie 1.000 Fuß (300 Meter). Um 08:53 Uhr befand sich das Boot nahe der maximalen sicheren Tauchtiefe von 1.300 Fuß (400 Meter).

Um 09:13 Uhr wurde auf der Skylark schließlich eine unklare Nachricht empfangen, die heute als die letzten klar verständlichen Worte gelten, die von der Thresher empfangen wurden: