mini|Patentierte Form (1915) Die Coca-Cola-Konturflasche, auch Humpelrock-FlascheMonika Kaßmann: Grundlagen der Verpackung: Leitfaden für die fächerübergreifende Verpackungsausbildung, Beuth-Verlag, 2014, S. 277coca-colacompany.com: (englisch, hobbleskirt bottle) oder, nach der gleichnamigen Schauspielerin, Mae West,Website der Society of Historical Archaeology (abgerufen am 22. Mai 2016) ist das Ergebnis eines von der Coca-Cola Company im Jahr 1915 ausgeschriebenen Wettbewerbs. Die Konturflasche ist ein international eingetragenes Markenzeichen der Coca-Cola Company mit hohem Wiedererkennungswert. Coca-Cola ist außerdem Inhaberin der dreidimensionalen europäischen Gemeinschaftsmarke „Konturflasche“.justiz.hamburg.de:
Geschichte mini|hochkant|Prototyp der Konturflasche Die Grundform der heutigen Konturflasche wurde 1915 von T. Clyde Edwards, Earn Dean und Alexander Samuelson (einem aus Schweden stammenden Einwanderer aus Terre Haute, Indiana)coca-colacompany.com: (englisch) von der Root Glass Company entworfen und von der Jury aus den anderen eingereichten Designs ausgewählt. Der Umstand, dass Earn Dean entscheidend an der Entwicklung der Konturflasche beteiligt war, ist gut belegt. Nachdem die Coca-Cola Company den Auftrag an die Root Glass Co. erteilt hatte, berief deren Eigentümer Chapman J. Root ein Meeting mit seinen wichtigsten Mitarbeitern ein, unter denen auch der Betriebsleiter Alexander Samuelson und der Designer, Maschinist und Graveur Earl R. Dean waren, um die Umsetzung des Auftrags zu besprechen. mini|hochkant|links|Moderne Coca-Cola-Konturflasche. Der Flaschenbauch ist erkennbar schlanker als beim ursprünglichen Entwurf. Dean zeichnete daraufhin den ersten Entwurf und legte ihn Root vor. Auf diesem Entwurf war der Bereich für das Coca-Cola-Label noch nicht eingezeichnet. Bei der Gestaltung orientierten sich die Designer nach einigen Quellen an der Form des Blattes des Cocastrauchs, andere Quellen schreiben die Form der Form einer Tiffany-Vase zu. Die englische Website des Unternehmens schreibt jedoch, die Idee für das Design sei den Erfindern beim Betrachten des Bildes einer Kakaobohne gekommen. Die endgültige Freigabe oblag dem Eigentümer der Manufaktur, nach dessen Einverständnis fertigte Dean eine Form an, mit der zunächst zahlreiche Prototypen produziert wurden. Ziel war es, eine Verpackung zu entwerfen, die eine deutliche Unterscheidung des Produkts Coca-Cola von Nachahmerprodukten ermöglichte und die man auch im Dunkeln durch reines Tasten sofort wiedererkennen konnte. Ein weiterer Grund für die gewählte Form war, dass zu jener Zeit Getränke hauptsächlich mit Eis gekühlt wurden. Durchsichtige Glasflaschen mit klaren, geraden Linien waren im Eiswasser nicht mehr klar erkennbar, außerdem lösten die Etiketten sich im Wasser ab. Im Anschluss an die Entwicklung stand die Patentierung als US-Design-Patent; die hierfür notwendigen Anträge unterzeichnete Samuelson. Die Konturflasche wurde unter der Bezeichnung „Design for a Bottle or Similar Article“ mit der Design-Patentnummer D46.180 am 16. November 1915 eingetragen und für 14 Jahre geschützt. Im Patentantrag schrieb Samuelson, sein Design sei „a new, original, and ornamental Design for Bottles or Similar Articles.“ Bemerkenswert ist, dass zum Zeitpunkt der Patentierung im Jahr 1915 durch Alexander Samuelson Verpackungen nur in Ausnahmefällen vom Patent- und Markenamt der Vereinigten Staaten als Warenzeichen eingetragen wurden.
mini|hochkant|Coca-Cola-Werbung aus dem Jahr 1922 In der patentierten Form fand das Design jedoch nie Verwendung, da die Flasche durch den großen Bauchumfang einen instabilen Stand aufwies. Eine Überarbeitung war notwendig, um der Flasche größere Stabilität zu verleihen; es gilt als wahrscheinlich, dass Dean die Modifikationen selbst vornahm. Als Farbe für die Flaschen wurde in Abstimmung mit dem Auftraggeber der hellgrüne Farbton „German Green“ gewählt, der später in „Georgia Green“ umbenannt wurde; Farbabweichungen traten jedoch in den ersten Produktionsjahren regelmäßig auf. Einigen Unterlagen zufolge begann die Produktion der Konturflaschen im Jahr 1916. Da das Patent bei der Root Glass Co. lag, fand die Produktion der Flaschen weiterhin hauptsächlich dort statt; in anderen Fällen erhielt Root einen Anteil von 5 Cent pro 144 Flaschen als Lizenzgebühr.Historical Society Museum (abgerufen am 27. Juli 2016) Die Annahme, Coca-Cola habe die Entscheidungsgewalt über die Produktion der Flaschen gehabt, ist nicht haltbar. Die Coca-Cola-Konturflasche wog 14,5 Unzen und konnte 6,5 Unzen des Fertigprodukts aufnehmen.
Wettbewerb unter den Manufakturen mini|links|Verschiedene Coca-Cola-Flaschendesigns In den ersten Jahren war die im Besitz der Graham-Familie befindliche Southern Indiana Glass Works an der Produktion beteiligt und durfte ihr eigenes Logo in die Flaschen eingravieren; diesem Beispiel folgten später auch die anderen Manufakturen und gravierten ihr Erkennungsmerkmal in den (damals noch) unbeschrifteten Flaschenboden. Dieser Umstand ist der Tatsache geschuldet, dass die Root Glass Co. bereits für andere Limonadenhersteller tätig war und ihre Kapazitäten für den Auftrag der Coca-Cola nicht ausreichten, außerdem wurde so eine genaue Zuordnung des Leerguts ermöglicht. Southern Indiana Glass Works wurde im Jahr 1905 gegründet und auf die maschinelle Glasmanufaktur spezialisiert.
Die Anzahl der an der Produktion der Konturflaschen beteiligten Glasmanufakturen wurde kontinuierlich vergrößert, wobei Coca-Cola jedes Unternehmen in schriftlicher Form genau über die gewünschten physischen Merkmale der Flaschen unterrichtete. Im Jahr 1922 meldete Root mit einem verbesserten Flaschendesign erneut ein Patent an, welches ihm für weitere 14 Jahre gewährt wurde. Andere Patente folgten später. 1956 wurde eine weitere optische Veränderung an der Flasche vorgenommen: In diesem Jahr begann Coca-Cola damit, sein Logo im Siebdruckverfahren in weißer Farbe auf die Flaschen zu drucken. Im Jahr 1960 erfolgte die dauerhafte Eintragung der Konturflasche als Markenzeichen der Coca-Cola Company. Erst einige Jahre nach dem 50. Geburtstag der Konturflasche beauftragte die Coca-Cola Company die Owens-Illinois Glass Co. mit der Anfertigung einer Form anhand der Originalzeichnungen, mit deren Hilfe 5.000 Flaschen angefertigt wurden, auf deren Boden „1915–1965“ eingraviert war.
Im Jahr 2016 stellte das Gericht der Europäischen Union (EuG) fest, dass Konturflaschen ohne Riffelung ein Erkennungsmerkmal fehle und diese deshalb nicht – wie von der Coca-Cola Company gewünscht – als dreidimensionale Gemeinschaftsmarke schützen zu lassen seien.Legal Tribune Online (abgerufen am 19. Mai 2016)
Hersteller Folgende Manufakturen produzierten Konturflaschen für die Coca-Cola Company. Angegeben sind Name, Sitz und Zeitraum: Root Glass Co. Terre Haute, Indiana, 1917–1930 Graham Glass Co. Loogootee, Indiana 1917 Graham Glass Co., Evansville, Indiana, 1918–1927 Graham Glass Co., Okmulgee, Oklahoma, ca. 1920–1926 Graham Glass Co., Chacotah, Oklahoma 1921 Laurens Glass Works Laurens, SC, 1917–1928 Chattanooga Bottle & Glass Co. Chattanooga, TN 1917–1927 Obear-Nester Glass Co. East St. Louis, MO ca. 1918 – ca. 1919 Lynchburg Glass Co. Lynchburg, Virginia, 1919–1920 Southern Glass Co., Vernon (LA), CA 1919 – ca. 1926 F.E. Reed & Co. Rochester, New York 1920–1927 Illinois-Pacific Glass Corp., Los Angeles, CA ca. 1926–1929
Entwicklung Entwicklungsstufen Die Konturflasche existiert heute nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form, sondern wurde im Laufe der Jahre kontinuierlich weiterentwickelt, was nicht nur ästhetische, sondern auch praktische Gründe hatte, da beispielsweise durch eine schlankere Form der Flaschen der Transport der Flaschen in den Abfüllanlagen erleichtert wurde.Rainer Gries: Produktkommunikation – Geschichte und Theorie, Facultas Verlags- und Buchhandels AG: 2008, S. 11 Auch die Verpackungseinheiten änderten sich (die Flaschen wurden zu Sechserträgern gebunden), und auch das Flaschendesign selbst wurde modifiziert. In den 1950er Jahren wurde die Größe der Flasche an die wachsende Nachfrage angepasst und eine King-Size-Konturflasche herausgebracht. In den 1960er Jahren wurde Coca-Cola in Einwegflaschen vertrieben, später, im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts, wurde auf Kunststoffflaschen umgestellt. Ab 1982 begann der Konzern damit, auch Produktvariationen wie Coca-Cola Light in Konturflaschen abzufüllen.
Weitere Designs Fanta-Ringflasche mini|hochkant|Fanta-Flasche im klassischen Ringdesign mit Glas Fanta Classic wird in sogenannten „Ringflaschen“ abgefüllt, deren Design dem 1955 von Raymond Loewy für Fanta entworfener Flaschen nachempfunden ist.coca-cola-deutschland.de: Loewy war schon vorher als Designer für Coca-Cola tätig gewesen und kreierte unter anderem Kühlschränke und Zapfanlagen für das Unternehmen.Geschichte des Designers auf der offiziellen Website der Coca-Cola Company (abgerufen am 20. Mai 2016)Außerdem war Loewy Designer des Logos der Zigarettenmarke Lucky Strike, des Greyhound-Busses Scenicruiser und der Shell-Muschel. Um das Getränk besser vor Sonnenlicht zu schützen, entschied man sich für einen braunen Farbton. Im Jahr 2004 wurde die klassische Fanta-Flasche durch die sogenannte „Splash Bottle“ ersetzt.Artikel in der Badischen Zeitung (abgerufen am 22. Mai 2016)
Konturgläser mini|hochkant|links|Coca-Cola-Glas, wie es im Rahmen begrenzter Aktionen bei McDonald’s erhältlich war Im August 2007 gab die Coca-Cola Company eine Kooperation mit McDonald’s bekannt, wonach jeder Kunde der Fastfood-Kette zu einem Maxi-Menü ein Coca-Cola-Glas erhielt. 2012 gab Coca-Cola „Retro-Gläser“ heraus, die ebenfalls an die Kunden von McDonald’s ausgegeben wurden. Die Serie umfasste sieben Gläser nach Mustern aus den Jahren 1899, 1900, 1916, 1955, 1961, 1994 und 2012, zusätzlich wurde zum Start der olympischen Sommerspiele ein weiteres Sammlerglas herausgegeben. Die Aktion wurde in Radio und Fernsehen beworben. Die Kooperation führte inzwischen zu zahlreichen Wiederholungen der Aktion mit jeweils neuen Gläser-Designs.
Rechtsstreit mit Pepsi Im Jahr 2012 unterlag Coca-Cola bei dem Versuch, Pepsi die Abfüllung ihres Produkts in der sogenannten Carolina-Flasche gerichtlich zu untersagen, was mit der Ähnlichkeit des Flaschendesigns mit der Konturflasche begründet wurde. Dem widersprach jedoch das Landgericht in Hamburg und entschied 2012 den Rechtsstreit zu Gunsten von Pepsi. Die Ähnlichkeit, so urteilte das Gericht, sei nicht so hoch, dass die Markenrechte von Coca-Cola dadurch gefährdet wären. Die Carolina-Flasche wurde im Jahr 2009 als 0,2-Liter-Flasche eingeführt und im darauf folgenden Jahr um eine 0,33 Literflasche erweitert. Ebenfalls zur Markteinführung gab die Pepsi Co. auch ein speziell designtes Pepsi‐Designer‐Gastroglas heraus, das speziell für die Gastronomie entwickelt wurde.pepsico.de:
Künstlerische Darstellung Bei der künstlerischen Darstellung der Konturflasche lassen sich die von der Coca-Cola Company bezahlte Werbegrafik und die Verwendung der Flasche durch unabhängige Künstler, beispielsweise in der Pop Art unterscheiden.
Künstlerische Konturflaschen-Werbung In den Comics um Lucky Luke findet sich – beginnend in den 1950er Jahren – der Anachronismus, dass der Cowboy (auch zusammen mit seinem Pferd) regelmäßig Cola aus einer Konturflasche trinkt. Sein erstes Abenteuer wird aber auf 1880 datiert, also Jahrzehnte vor Einführung dieser Flaschenform.Anachronisme (incl. Abbildung einer frühen Coca-Cola-Flasche) auf goscinny.free.fr Gil Formosa, der Lucky Luke zeichnete, arbeitete auch als Werbegrafiker und setzte die Vorliebe der Comicfigur für den Softdrink in der Konturflasche auch werbewirksam um.Gil Formosa: Coca-Cola-Werbung mit Lucky Luke