Egypt-Air-Flug 804 (Flugnummer MS804 beziehungsweise MSR804) war ein täglicher Linienflug der Egypt Air vom Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle nach Kairo, auf dem in der Nacht vom 18. auf den 19. Mai 2016 ein Airbus A320-232 (Luftfahrzeugkennzeichen: SU-GCC) über dem Mittelmeer aus bisher ungeklärter Ursache abstürzte. Dabei kamen alle Insassen ums Leben.
Der Airbus sollte um 01:10 UTC in Kairo landen. Das letzte Transpondersignal wurde den Radar-Daten zufolge um 00:30 UTC in der normalen Reiseflughöhe von ca. 37.000 Fuß (Flugfläche 370) gesendet. Die Maschine hatte zu diesem Zeitpunkt ungefähr den Bereich der ägyptischen Luftraumüberwachung erreicht und befand sich zwischen der griechischen Insel Kreta und der ägyptischen Stadt Alexandria. Durch das unvermittelte Abstürzen des Flugzeugs aus Reiseflughöhe ohne vorheriges Absetzen eines Notrufs durch die Cockpit-Besatzung war anfangs auch ein Anschlag für möglich gehalten worden.Anschlag auf MS804? – „Das Ereignis muss sehr, sehr brutal gewesen sein“. in: Die Welt, 19. Mai 2016, Abruf am 21. Juni 2016. Diese Hypothese wurde 2018 durch französische Ermittler widerlegt.
Im November 2024, rund acht Jahre nach dem Absturz, wurden zwei sich widersprechende Abschlussberichte der französischen und der ägyptischen Untersuchungsbehörden zu dem Unfall vorgelegt (siehe unten, Untersuchung der Absturzursache).
Flugzeug Der Airbus A320-232 mit der Seriennummer 2088 absolvierte am 25. Juli 2003 seinen Erstflug und war seit dem 3. November 2003 auf Egypt Air registriert. Er wurde auf dieser Strecke seit mindestens zwei Monaten erstmals eingesetzt. Zuvor wurde die Strecke regelmäßig mit einer B737-800 geflogen.Flight Activity History (MSR804) bei flightaware.com, Abruf am 1. Juni 2016 Der verunglückte Airbus war mit zwei IAE-V2527-A5-Triebwerken ausgestattet. Der Vizevorsitzende von Egypt Air, Ahmed Adel, betonte gegenüber dem Nachrichtensender CNN, dass es keine Hinweise auf Fehlfunktionen gegeben habe und das Flugzeug ohne Mängel gewesen sei. Im technischen Logbuch fänden sich für den Zeitraum von 25 Tagen vor dem Flug keine diesbezüglichen Einträge.
Passagiere und Besatzungsmitglieder + Flug MS804: Nationalitäten der PassagiereNationalität Anzahl 30 15 2 1 (oder 2) 1 1 1 1 1 1 1/ 1Gesamt 56
An Bord befanden sich 66 Personen, darunter 56 Passagiere, sieben Besatzungsmitglieder und drei Flugsicherheitsbegleiter.Airbus A320 von Egypt Air ins Meer gestürzt, abgerufen am 19. Mai 2016. Da Maschinen dieses Typs üblicherweise Platz für knapp über 140 Passagiere bieten, bei Egypt Air sogar für 145 Passagiere, darf der Flug als vergleichsweise schwach besetzt gelten. Unter den Passagieren waren 30 Personen mit ägyptischer und 15 Personen mit französischer Staatsbürgerschaft. Zehn weitere Nationalitäten waren in einem Fall (oder in zwei Fällen) mit zwei, ansonsten nur mit einem Passagier vertreten. Der Flugkapitän Mohamed Said Shoukair verfügte über 6275 Flugstunden Erfahrung, davon 2101 Stunden auf dem Flugzeugtyp, der Erste Offizier über eine Gesamt-Flugerfahrung von 2675 Flugstunden. Unter den Passagieren befanden sich der Direktor von Procter & Gamble in Amiens, Ahmed Helal, und die ägyptische TV-Schauspielerin Mervat Zakaria, die in den 1980er-Jahren eine Hauptrolle in der Seifenoper The Journey of Mr. Abo el-Ella al-Bershery gespielt hatte.
Flugverlauf mini|links|Schematische Darstellung der Route von Flug MS804 AnmerkungFlugroute von MS804 bei Flightradar24 mini|links|Schematische Darstellung der vorangegangenen Flüge der Egypt Air-Maschine seit dem 18. Mai 2016 (angegebene Zeiten sind Abflugzeiten nach jeweiliger Ortszeit)
Der Airbus A320-232 hob am 18. Mai 2016 um 23:21 Uhr Ortszeit (21:21 Uhr UTC) mit 36 Minuten Verspätung vom Flughafen Paris-Charles-de-Gaulle ab und sollte am 19. Mai um 03:10 Ortszeit (01:10 Uhr UTC) auf dem Flughafen Kairo-International landen.Egypt Air 804 18./19. Mai, „FlightAware“ Abruf am 3. Juni 2016 Nach dem Start stieg die Maschine noch in Frankreich auf ihre Reiseflughöhe von 37.000 Fuß (ca. 11.300 m), die sie etwa 24 Minuten nach dem Start gegen 23:45 Uhr MESZ (21:45 Uhr UTC) erreichte.Egypt Air 804, Flugverfolgungsprotokoll 18./19. Mai, FlightAware, Abruf am 3. Juni 2016 Anschließend überquerte die Maschine die Schweiz, Italien, das Adriatische Meer, Kroatien, Albanien, Griechenland und schließlich ab etwa 01:50 MESZ (23:50 Uhr UTC), nach dem Überfliegen von Athen, erneut das Mittelmeer, wobei zuletzt Kreta mit einigen Kilometern Abstand auf der nordöstlichen Seite passiert wurde.
Gegen 02:30 MESZ (00:30 Uhr UTC) flog die Maschine südöstlich von Kreta gerade in den Bereich der ägyptischen Luftraumüberwachung ein, als der Radarkontakt zur Maschine auf Reiseflughöhe abrupt abbrach. Dem griechischen Verteidigungsminister Panos Kammenos zufolge soll das Flugzeug in rund 11.000 m Höhe zunächst eine 90-Grad-Kurve nach links geflogen sein und dabei rapide an Höhe verloren haben. Anschließend flog die Maschine eine 360-Grad-Kurve nach rechts, bevor sie in rund 4.570 m Höhe von den Radarbildschirmen verschwand. Diese Aussagen stützen sich auf Radaraufzeichnungen des griechischen Militärs. Von ägyptischer Seite wurde dem zunächst widersprochen. Demnach riss der Radarkontakt zur Maschine in 37.000 Fuß Flughöhe schlagartig ab, ohne dass Kursänderungen erfolgten. Einem neu vorgelegten Zwischenbericht der französischen Untersuchungsbehörde für Flugunfälle (BEA) am 14. Juni 2016 ist zu entnehmen, dass der ägyptischen Untersuchungskommission in Kairo nunmehr Radardaten des ägyptischen Militärs vorgelegt wurden, die den auffälligen Kurswechsel nach links mit dem abschließenden Vollkreisflug rechts herum kurz vor dem Absturz bestätigten. 14. Juni 2016 Zwischenbericht der BEA (französisch), Abruf 15. Juni 2016
Die letzte bekannte Position des Flugzeugs befindet sich etwa 240 km südöstlich der griechischen Insel KarpathosAviation Safety Network-Eintrag über MS804 in einem Bereich des Levantischen Meeres mit einer Tiefe von 2000 bis über 4000 Metern.Topographische Mittelmeerkarte bei UC Press E-Books Collection 1982–2004, California Digital Library der University of California Am 21. Mai bestätigte ein BEA-Sprecher Medienberichte, nach denen das ACARS-System der Maschine Minuten vor dem Absturz Meldungen abgesetzt habe einerseits über Rauch in einer Flugzeugtoilette und in dem Bereich, in dem die Avionik untergebracht ist, andererseits über das Abschalten einiger Systeme. Die Aufzeichnung der Daten endete, während sich das Flugzeug noch immer auf Reiseflughöhe befand.
Suche Unter der Leitung eines Rescue Coordination Centers beteiligten sich die zuständigen SAR-Dienste von Ägypten, Griechenland, Frankreich und anderen Ländern mit Flugzeugen und Schiffen an der Suche nach der Maschine bzw. Spuren von ihr in einem rund 74 km² großen Suchgebiet.Wrackteile im Mittelmeer entdeckt, T-Online, 19. Mai 2016, abgerufen am 4. Juli 2016.Schiff empfängt Signale von EgyptAir-Flugschreiber. In: Zeit online, 1. Juni 2016, abgerufen am 2. Juni 2016.
Am Vormittag des 20. Mai meldete das ägyptische Militär den Fund von Trümmerteilen, persönlichen Gegenständen und Sitzen sowie Körperteilen von Insassen der abgestürzten Maschine im Mittelmeer, und zwar rund 290 km nördlich der ägyptischen Hafenstadt Alexandria, was von Egypt Air gegenüber der BBC bestätigt wurde.Elektronik von MS804 meldete Qualm, Zeit Online, 21. Mai 2016, abgerufen am 2. Juni 2016. Die Raumfahrtagentur ESA teilte mit, dass der Radarsatellit Sentinel-1A ca. 40 Kilometer südöstlich der letzten bekannten Position des A320 möglicherweise einen rund zwei Kilometer großen Ölfleck auf dem Wasser lokalisieren konnte. Drei Mitarbeiter der BEA sowie ein Vertreter von Airbus unterstützen die ägyptischen Behörden vor Ort bei der Untersuchung.
Am 1. Juni teilte ein BEA-Sprecher mit, das französische Spezialschiff Laplace mit drei speziellen Detektoren zur Unterwasserortung an Bord habe die Signale eines Flugschreibers empfangen. Ein weiteres Spezialschiff, die John Lethbridge, die mit einem ferngesteuerten Tauchroboter für Tiefsee-Operationen ausgerüstet ist, wurde ebenfalls ins Suchgebiet u. a. zur exakten Ortung und Bergung der Flugschreiber entsandt.Black Box From Missing EgyptAir Flight 804 Is Said to Be Detected, New York Times, 2. Juni 2016, abgerufen am 2. Juni 2016 (englisch). Die Hersteller der Flugschreiber hatten das Aussenden der Unterwasser-Peilsignale bis mindestens zum 24. Juni 2016 zugesichert.
Am 15. Juni teilte die ägyptische Untersuchungskommission mit, dass die John Lethbridge mehrere Stellen mit Wrackteilen gefunden habe, die von dem abgestürzten Flugzeug stammen sollen. Es seien erste Bildaufnahmen übermittelt worden und es werde eine Karte der Fundstellen erstellt. Des Weiteren wurde betont, dass sich alle bisher gefundenen Teile noch im Besitz der Strafverfolgungsbehörden befinden und kriminaltechnologischen Standarduntersuchungen unterzogen werden. Erst nach deren Abschluss würden sie zur technischen Untersuchung freigegeben., Ministry of Civil Aviation, 15. Juni 2016, abgerufen am 16. Juni 2016 (arabisch / englisch).Ermittler: Wrackteile von Flug MS804 im Mittelmeer geortet. In. Focus, 16. Juni 2016, abgerufen am 4. Juli 2016.Mittelmeer: Suchschiff soll Wrack von EgyptAir-Maschine geortet haben. Spiegel Online, 15. Juni 2016, abgerufen am 4. Juli 2016. Einen Tag später, am 16. Juni, konnte die John Lethbridge die Speichereinheit des beschädigten und in mehrere Teile zerbrochenen Stimmenrekorder (CVR) mittels eines Tauchroboters bergen. Die intakte Speichereinheit wurde für weitere Analysen nach Alexandria gebracht., Ministry of Civil Aviation, 16. Juni 2016, abgerufen am 17. Juni 2016 (arabisch / englisch). Auf gleiche Weise wie der CVR wurde einen weiteren Tag später auch die Speichereinheit des ebenfalls in mehrere Teile gebrochenen Flugdatenschreibers (FDR) der Maschine geborgen.Zweiter Flugschreiber der EgyptAir-Maschine gefunden, Zeit Online, 17. Juni 2016, abgerufen am 17. Juni 2016, Ministry of Civil Aviation, 17. Juni 2016, abgerufen am 20. Juni 2016 (arabisch / englisch). Die Kartierung der auf dem Meeresboden verteilten Wrackteile wurde von der John Lethbridge fortgesetzt.
Untersuchung der Absturzursache Die geborgenen Speichereinheiten der Flugschreiber wurden zunächst der ägyptischen Generalstaatsanwaltschaft ausgehändigt, die sie dann nach Freigabe an den technischen Untersuchungsausschuss bei der Zentralabteilung für Flugunfälle im ägyptischen Ministerium für Zivilluftfahrt weiterleitete. 17. Juni 2016, (arabisch / englisch), Abruf am 20. Juni 2016
Am 18. Juni 2016 begannen die ersten Untersuchungen der Speichereinheiten unter Mitwirkung französischer und amerikanischer Spezialisten sowie Technikern des Flugzeugherstellers mit einem aufwändigen Trocknungsverfahren. 19. Juni 2016, (arabisch/englisch), Abruf am 20. Juni 2016 Zunächst wurden dabei die Speicher-Chips von Salzablagerungen befreit, da es mindestens einen Schaltkreis gab, der das fehlerfreie Auslesen des Speichers zunächst verhinderte. 22. Juni 2016, Abruf am 22. Juni 2016
Laut den Aufzeichnungen des Flugschreibers soll im vorderen Teil des Flugzeugs ein Feuer ausgebrochen sein. Es soll zudem Versuche gegeben haben, das Feuer zu löschen. Dies steht in Übereinstimmung mit den vorherigen ACARS-Warnmeldungen, die aus der Flugzeugtoilette und der vorderen Avionik abgesetzt wurden.